Rezensionen / Book Reviews ASEAS 3(2) 290 291 concepts and theories. These would have been helpful in providing a common point of departure among the chapter contributors. Overall, the book is an outstanding addition to the literature on the ARF and security co-operation. Policymakers can use the lessons in the book to understand the reason why there are tensions surrounding the ARF’s future directions. Students and scholars of the Asia-Pacific, South-East Asia, and ASEAN security and international relations would do well to have this book in their collection as it might end up as a classic due to the breadth of its coverage and the depth of its analysis. Julio S. Amador III Center for International Relations and Strategic Studies Foreign Service Institute, the Philippines Kingsbury, Damien (2009). East Timor: The Price of Liberty. New York: Palgrave Macmillan. ISBN: 978-0-230-60641-8. 246 Seiten. Seit 2002 unabhängig, ist Timor-Leste einer der jüngsten Nationalstaaten der Welt. Der Weg zur Unabhängigkeit verlief, wie auch in vielen anderen Fällen, alles andere als friedlich. Mit welchen vielschichtigen Problemen und Herausforderungen Timor-Leste auf dem Weg in die Unabhängigkeit konfrontiert war und ist, steht im Mittelpunkt der Arbeit mehrerer Wissenschafter und Forscher. Einer von ihnen ist der Politologe und Koordinator der australischen Beobachtungsmissionen von 1999 und 2007 Damien Kingsbury mit seinem jüngsten Werk East Timor: The Price of Liberty. In acht Kapiteln setzt sich der Autor mit der Geschichte Timor-Lestes, den präkolonialen Strukturen, portugiesischer und indonesischer Fremdherrschaft sowie der anschließenden UN-Verwaltung und der Zeit der Unabhängigkeit auseinander. Kingsbury befasst sich dabei mit lokalen Widerstandsbewegungen und dem regionalpolitischen Kontext der postkolonialen Phase um schlussendlich, vor allem Bezug nehmend auf die Unruhen von 2006 und den Machtwechsel bei den Wahlen 2007, die Frage zu stellen, ob Timor-Leste als Failed State zu bewerten sei oder Gefahr laufe, einer zu werden. Nach einer Einführung in politikwissenschaftliche Konzepte wie „staatliche Rezensionen / Book Reviews ASEAS 3(2) 292 293 Legitimität“ oder Nationhood widmet sich Kingsbury im darauffolgenden Kapitel präkolonialen und kolonialen politischen, ökonomischen und sozialen Strukturen Timor-Lestes, um diese dann klar und detailliert mit jüngsten Ereignissen, wie etwa den Unruhen von 2006, in Beziehung zu setzen. Die portugiesische Kolonialisierung als Ausgangslage nehmend, bespricht Kingsbury die indonesische Invasion, die Ausrichtung der Ökonomie nach den Bedürfnissen der Kolonialmächte, die Unterdrückung und den Widerstand der Timoresen sowie Reaktionen und strategische Interessen der internationalen Gemeinschaft – besonders der UN, USA, Australiens und später Portugals. Im Rahmen der indonesischen Okkupation (Kapitel 3) zeichnet Kingsbury den Weg nach, den sich Timor-Leste in Richtung Unabhängigkeit bahnte. So setzt er sich eingehend mit jenen politischen Parteien, Ideologien und zentralen Personen innerhalb der Widerstandsbewegung auseinander, welche entscheidend zur Unabhängigkeit des Landes beitrugen und in der Folge wesentlichen Einfluss auf das politische System sowie auf die Entwicklung des Landes ausüben sollten (z.B. Falintil, CRRN, Xananas Gusmão oder José Ramos-Horta). Zudem beschäftigt er sich mit der Relevanz von Marxismus, Guerilla-Taktik und internationaler Mediation. Dem gegenüber stellt er die indonesischen Motive für die Besetzung, Indonesiens Selbstwahrnehmung als rechtmäßigen politischen Akteur in Timor-Leste und die Maßnahmen zur Unterdrückung des timoresischen Widerstands. Im Santa-Cruz- Massaker im November 1991 sieht Kingsbury einen Wendepunkt der indonesischen Okkupation, da der internationalen Gemeinschaft aufgrund der Anwesenheit internationaler Medien die Illegitimität und Brutalität der indonesischen Besetzer vor Augen geführt und von medialer sowie zivilgesellschaftlicher Seite ein Eingreifen gefordert wurde (S. 63). Die Asienkrise 1997/98, deren ökonomische Auswirkungen und die dadurch bedingten innenpolitischen Machtkämpfe in Indonesien ermöglichten in der Folge ein Referendum über den zukünftigen Status Timor-Lestes. Im Rahmen dieses Referendums stimmte die Bevölkerung der indonesischen Provinz Osttimor klar für die Unabhängigkeit. Die Abstimmung stellte gleichzeitig die Ausgangslage für die Ereignisse des darauf folgenden Black September – den Ausschreitungen und Massakern der indonesischen Besetzer und pro-indonesischen Timoresen an der lokalen Bevölkerung und der Zerstörung der Infrastruktur – dar. Diesen Punkt behandelt Kingsbury leider nur in geringem Ausmaß. Ausführlicher ASEAS 3(2) 292 293 widmet er sich im Zusammenhang mit dem Black September und den nachfolgenden Entwicklungen der Rolle der UN. Wie einige andere Wissenschafter kritisiert auch Kingsbury, vorwiegend in Kapitel 4, deren Rolle in Timor-Leste und geht sogar so weit, hierbei von einer dritten Phase der Kolonialisierung zu sprechen (S. 77-79). Hierbei den Begriff „Kolonialisierung“ zu wählen, schmälert die Argumentationskraft Kingsburys beträchtlich. Eine entsprechend vorgebrachte Kritik ist zwar vor allem bei postkolonialistischen Autoren durchaus häufig zu lesen, tritt jedoch meist als generelle Systemkritik in Erscheinung und zielt weniger auf speziell von der UN gesetzte Aktionen im Bereich von humanitärer Intervention und des State Building ab. Kingsbury kritisiert hier in einem Zug die Kompetenzanmaßung der UN, weist ihr jedoch gleichzeitig aufgrund fehlender lokaler Infrastruktur und Kompetenzen die primäre Verantwortung für den Wiederaufbau Timor-Lestes zu: Having assumed responsibility for East Timor’s referendum on independence and promising that it would not leave in the postindependence period, it was clear to all, in the UN and the rest of the international community, that following the destruction of East Timor and the mass deportation of its people, the UN had primary responsibility for the situation that East Timor now found itself in (S. 78). Geht es in seinen Beispielen um die unmittelbare Arbeit der UN-Mitarbeiter in Timor- Leste, wirkt Kingsburys Kritik, z.B. hinsichtlich fehlender beruflicher Kompetenzen, mangelndem Respekt gegenüber timoresischen Kollegen und unzureichenden oder nicht vorhandenen Sprachkenntnissen, wiederum durchaus angebracht. Besonders treffend erscheint seine Feststellung, dass langfristige Anforderungen des State Building nicht verstanden wurden und man vor allem bestrebt war, die Dauer der Mission so kurz wie möglich zu halten. So konzentrierte sich die UN eher auf die Wiederherstellung und Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit durch UN- Mitarbeiter, anstatt den Fokus auf die Partizipation timoresischen Personals zu legen (S. 79-88). Lokale Demokratisierungstendenzen, Eigeninitiative und das ökonomische Potential timoresischer Kapazitäten und Ressourcen wurden dadurch außer Acht gelassen, was zur weiteren Verarmung und Exklusion der Timoresen vom State Building-Prozess und dadurch auch zu fehlender Nachhaltigkeit führte. In Kapitel 5, Transition to Independence, konzentriert sich Kingsbury dann auf die timoresische Bevölkerung. Er skizziert die Herausbildung und Entwicklung der ersten (unabhängigen) Regierung, ihre marxistische ideologische Ausrichtung, die Auswirkungen der Zeit im Exil in Mozambique und natürlich besonders die Probleme Rezensionen / Book Reviews ASEAS 3(2) 294 295 sowie Herausforderungen, mit denen sie vor und nach der Unabhängigkeit zu kämpfen hatte und hat. Darunter fallen Unstimmigkeiten über die zukünftige ökonomische und politische Ausrichtung Timor-Lestes innerhalb des Regierungskabinetts, Grenzstreitigkeiten mit Australien und Indonesien, Korruption, Patronage, Schmuggel und das fehlende staatliche Gewaltenmonopol. Im Kapitel 6, Capacity and Conflict, arbeitet sich Kingsbury langsam an die Unruhen von 2006 heran. Kingsbury verdeutlicht hier, dass diese nicht nur auf die ethnische Trennlinie zwischen Firaku, Bewohnern des östlichen Teils, und Kaladi, Bewohnern des westlichen Teils, welche die Unruhen 2006 vermeintlich enorm verschärfte, oder die Konkurrenz von Polizei und Militär zurückzuführen seien, sondern sich vielmehr aus einem komplexen Zusammenspiel verschiedenster politischer, ökonomischer und sozialer Faktoren entwickelten (S. 131-141). So beschäftigt er sich mit Armut, Unterentwicklung und Frustration innerhalb der Bevölkerung, aber auch mit Themen wie Schmuggel, Grenzstreitigkeiten und Erdölvorkommen in timoresischen Gewässern sowie mit Konflikten, Korruption und Klientelismus innerhalb des Regierungskabinetts. Aus Kingsburys Analyse wird hier deutlich, wie vielschichtig und teilweise schwer fassbar jene Umstände sind, welche aus einem anfänglichen Streik der timoresischen Sicherheitskräfte zu besagten weit verbreiteten und lange andauernden Unruhen führten. Mitunter etwas verwirrend und schwer nachvollziehbar beschreibt er schlussendlich jene Herausforderungen, mit denen postkoloniale und sogenannte Post-Conflict- Gesellschaften in ihren Transformations- und Demokratisierungsprozessen zu kämpfen haben. Er arbeitet in diesem Zusammenhang heraus, dass die eintreffenden internationalen Stabilisierungskräfte (ISF) zwar die direkte Gewalt eindämmen konnten, es jedoch die Timoresen – sowohl Regierung als auch Zivilbevölkerung – brauchte, um die Unruhen zu beenden und die Demokratisierung voranzutreiben. In diesem Sinne weist Kingsbury in Kapitel 7 auch auf die Bedeutung der Präsidentschafts- und Parlamentswahlen 2007 hin, mit denen sich nicht nur ein Machtwechsel einstellte, sondern auch ein großer Schritt hin zur weiteren Demokratisierung des Landes gesetzt wurde. Als entscheidenden Meilenstein dieser Entwicklung betrachtet Kingsbury in Kapitel 8 den Tod des desertierten Majors Reinado, der Timor-Leste von 2006 bis 2008 mit seiner Rebellengruppe durch Anschläge, Feuergefechte mit den ISF und der Androhung eines Bürgerkriegs in Atem hielt. Letztendlich wurde Reinado ASEAS 3(2) 294 295 bei einem versuchten Anschlag auf Präsident Ramos-Horta und Premierminister Gusmão getötet. Nach Kingsbury ermöglichte dies neue Wege aus der politischen Sackgasse, weil dadurch mit der Auflösung der von den Unruhen stammenden Camps für Internally Displaced Persons (IDPs) begonnen werden konnte. Außerdem wurde mit den Petitionären verhandelt und politische Legitimität sowie Handlungsfähigkeit zurück gewonnen (S. 191 und S. 207-208). Die derzeitige AMP-Regierung („Allianz der Parlamentarischen Mehrheit“, 2007- 2012) stehe nun vor den großen Herausforderungen, ihre staatliche Autorität und Legitimität zu restaurieren, Unterentwicklung und Arbeitslosigkeit zu minimieren, Korruption und Klientelismus Einhalt zu gebieten und das Justizsystem zu stärken – besonders in Hinblick auf die Strafverfolgung der Verbrechen der Unruhen von 2006 und 2007 (S. 194-196). Ausgehend von der Frage nach effektiv funktionierenden Institutionen bewertet Kingsbury Timor-Leste als keinen Failed State, da 2006 zwar Teile der staatlichen Institutionen versagten, ihre Legitimität und Funktionalität jedoch nach und nach zurückerlangten und mittlerweile die Gefahr eines Bürgerkriegs oder des Zusammenbruchs jeglicher Staatlichkeit gebannt zu sein scheint (S. 190-191). Wie Kingsbury in seiner Einleitung anmerkt, sei die Intention des Buches, politische Themen und Ereignisse herauszuarbeiten, welche besonders nach der Unabhängigkeit 2002 für die weitere Entwicklung des Staates relevant waren. Damit wolle er aktuelle Ereignisse in den historischen Kontext Timor-Lestes einbetten und somit den Transformations- und Demokratisierungsprozess der jungen Nation nachvollziehbar und bewertbar machen. Tatsächlich zeigt sein Werk eine immense Fülle an Informationen und besonders auch die persönliche Anteilnahme des Autors. Es gelingt ihm, komplexe politikwissenschaftliche Themenfelder – z.B. State Building, Failed States, die Bedeutung von Wahlen im timoresischen Kontext oder der Einfluss zentraler Einzelakteure auf politische Prozesse – mit aktuellen Entwicklungen in Verbindung zu setzen und zu veranschaulichen. Diese detailreichen Schilderungen führen Kingsbury allerdings auch immer wieder in Versuchung, Anekdoten einzuwerfen und vom Kern der Sache abzuschweifen, was das Buch teilweise sehr unstrukturiert und schwer nachvollziehbar erscheinen lässt. Im Gegensatz zur überaus detaillierten Ausführung mancher Argumentationslinien werden andere Gedanken und Themen nur sehr oberflächlich behandelt. Kingsburys eher einseitige Beschäftigung mit der UN oder Strafverfolgungsmaßnahmen Rezensionen / Book Reviews ASEAS 3(2) 296 297 hinterlassen exemplarisch einen bitteren Beigeschmack. In der nur dürftigen Auseinandersetzung mit Transitional-Justice-Prozessen suggeriert der Autor beispielsweise, es gäbe keine weiteren Bemühungen hinsichtlich Strafverfolgung, Vergangenheitsbewältigung oder Versöhnung seitens Timor-Lestes. Damit lässt Kingsbury einen wesentlichen Aspekt des Demokratisierungsprozesses in Timor- Leste außer Acht, was umso bedauerlicher ist, da genau dieser Prozess ja das primäre Thema des Werkes wäre. East Timor: The Price of Liberty besticht vor allem durch seinen breiten Theorie- rahmen, der praxisgerecht ausgeführt wird, durch aufschlussreiche Hintergrundinformationen sowie wertvolle, weiterführende Themen- und Fragestellungen in Bezug auf die politische Zukunft Timor-Lestes. Als Einstieg in die Thematik scheint es jedoch wenig geeignet, da komplexe historische, politische und soziale Zusammenhänge oft unklar formuliert werden und sich somit nur Lesern erschließen, die mit der Thematik vertraut sind. Für Letztere wiederum fehlt dem Werk eine umfassende und tiefgehende Analyse der Entwicklungen in Timor-Leste, da entscheidende Faktoren ausgelassen oder nur unzureichend behandelt werden. Dem Kenner öffnen sich somit leider nur wenige bisher unentdeckte Pfade auf der Suche nach neuen Zugängen zur Thematik. Julia Scharinger Gesellschaft für Südostasienwissenschaften (SEAS), Österreich Hensengerth, Oliver (2010). Regionalism in China-Vietnam Relations: Institution-building in the Greater Mekong Subregion. (Routledge Contemporary Asia Series 19). London & New York: Routledge. ISBN: 978-0-415-55143-4. 212 + xi pages. This book by Oliver Hensengerth addresses two interlinked research topics, namely relations between China and Vietnam and collaboration within the Greater Mekong Subregion (GMS). The author aims for a comprehensive approach to the two topics and studies the importance of the GMS collaboration in the China-Vietnam relationship as well as the policies of China and Vietnam, respectively, with reference to the GMS.