DER EINFLUSS KLIMATISCHER FAKTOREN AUF DIE ENTWICKLUNG VON ERBSE K. Multamäki Zentrale für landwirtschaftliche Forschung, Abteilung für Pflanzenzüchtung, Jokioinen Eingegangen am 15. IX. 1961 In Finnland ist die Bedeutung der klimatischen Faktoren für die Entwicklung der wichtigsten Kulturpflanzen von Meteorologen und Landbauforschern je nach der Pflanzenart mehr oder minder eingehend beleuchtet worden (7, 8,9, 13, 14, 16, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25). Entsprechende Untersuchungen hat man im Auslande schon längst ausgeführt (vgl. 11, 19, 25). In derartigen Versuchen hat man u.a. zeigen können, dass zwischen den Wetterkomponenten und dem Wachs- tum der Erbse deutliche Abhängigkeitsverhältnisse festzustellen sind (2, 3,4, 11, 13, 14, 16, 17). In vorliegender Untersuchung kommt es in erster Linie darauf an, den Ein- fluss der klimatischen Faktoren auf den Entwicklungsrhythmus der Erbse unter finnischen Anbauverhältnissen zu erläutern. Die Untersuchung gründet sich auf Ergebnisse, die in den Erbsenversuchen der Abteilung für Pflanzenzüchtung in den Jahren 1929—60 in Jokioinen (60°49'n.8r., 23°30'ö.L.) erhalten worden sind. In diesen Versuchen hat die Standardsorte Torsdags II aus Svalöf schon lange eine zentrale Stellung eingenommen; diese Sorte hat ja schon seit 1929 in Jokioinen ununterbrochener Erforschung unterstanden. Die betreffenden Erbsenversuche sind beinahe die ganze Zeit von 1929 bis 1959 unter der Leitung desselben Züchters, nämlich des ehemaligen, langjährigen Direktors der Abteilung, Prof. Dr. V. A. Pesola, ausgeführt worden. Während dieser 31 Jahre hat Prof. Pesola alle wichtigsten Feldbeobachtungen der Erbsen- versuche selbst vorgenommen. Weiter hat er die Untersuchungen über die Qualität (Kochbarkeit und Geschmack) geplant und persönlich überwacht. Von den übrigen Züchtern der Anstalt hat besonders Diplomlandwirt O. Inkilä, der seit 1946 als Assistent Prof. Pesolas tätig gewesen ist, an der Arbeit zur Züchtung und Unter- suchung von Erbse teilgenommen. https://www.c-info.fi/en/info/?token=9jTO1LF-9ePEp8fq.qAhjWuyewfxJnePQP2CVMA.xGaWhIIyRlKLYn6SwGdPgnM3PWeiFiMTcnKQFrZQ2PNh9728F7Kp0t4A58INUhYoXXATfhIwer5XQlmLK28Vt-oacbKjIVtWY6QNfuzwAragpTQHOh3FqM80AbRTUmUd-vp8yIrtiMsrAA5gnpDtuYKxizQ1_dicstgGcwQ26Q 257 Versuchsverhältnisse Die Bodenart der Versuchsfelder ist humoser schwerer Ton, dessen Azidität zwischen pH 5.1 und 6.1 variiert. Als Düngung erhielt das Versuchsfeld 150—600 kg/ha Superphosphat, 80—200 kg/ha Kalisalz (40 % oder 50 %) und in einigen Jahren als Kopfdüngung 75 —100 kg/ha Kalksalpeter. Die Grösse der Teilstücke betrug meistens 15 m 2 und die Anzahl der Wiederholungen 5 oder 6. Über die Witterungsverhältnisse in den Jahren 1929—60 in Jokioinen und über ihren Einfluss auf das Wachstum der Erbse mag übersichtsweise folgendes angeführt werden. Unter den 32 Vegetationsperioden waren 23 solche, die in bezug auf Temperatur und Niederschlagsverhältnisse als ziemlich oder in einigen Jahren sogar sehr günstig für den Erbsenbau angesehen werden können. Dagegen kamen in sieben Sommern (1936, 1939—41, 1946, 1947 und 1951) schwere Trockenperio- den vor; durch sie erlitt das ganze Wachstum der Erbse beträchtliche Schädigungen. Anderseits mag die Entwicklung der Erbse auch durch ziemlich kühle Regen- perioden erschwert worden sein. So verspätete sich aus diesem Grunde das Reifen der Bestände in hohem Grade in den Jahren 1943 und 1958. In einigen Jahren traten während der Wachstumsperiode Nachtfröste auf. Es stellte sich dabei heraus, dass die Erbse in jungen Entwicklungsstufen verhältnis- mässig frosthart ist. In bezug auf Frosthärte sind zwischen den einzelnen Erbsen- sorten deutliche Unterschiede festzustellen gewesen (16). Der gestreifte Blattrandkäfer (Sitona lineatus) ist oft auf jungen Saatpflanzen der Erbse als Schädling vorgekommen, aber die von ihm verursachten Beeinträchti- gungen sind im allgemeinen gering geblieben. In Hülsen der Erbse sind jedes Jahr Beschädigungen, veranlasst durch die Larve des Erbsenwicklers (Laspeyresia nigri- cana), aufgetreten. Die Grösse dieser Schäden hat in den verschiedenen Jahren gewechselt, doch sind sie meistens bedeutungslos für die Brauchbarkeit der Ertrags- resultate gewesen (5, 6, 13). Die durch den Erbsenwickler verursachten Nachteile waren in den Jahren 1946 und 1959 ausnahmsweise stark. Die in vielen Jahren beobachtete, meistens aber verhältnismässig geringe Schädigung durch den Erbsen- blasenfuss (Kakothrips robustus) hat vorzugsweise die späten Sorten betroffen (6). Material und Methoden Für das Erforschen der Entwicklung der Erbse und ihrer Abhängigkeit von Witterungsverhältnissen bot die Erbse Torsdags II ein reichliches Ergebnismaterial. Bei der Betrachtung des Entwicklungsrhythmus dieser Zuchtsorte wurde ihre Wachstumsdauer (W), in Tagen ausgedrückt, in zwei Phasen eingeteilt. Die erste Phase (I) umfasste die Aufblühzeit, das ist die Zeitspanne von der Aussaat bis zum Beginn des Blühens (einschliesslich des Aussaat- und des Blühbeginntages). Als Blühbeginn wurde auf einem 15 m 2 grossen Teilstück das Auftreten der 8— 10 ersten blühenden Erbsenindividuen festgelegt (12), als zweite Phase (II) der Rest der Wachstumsdauer bis zum Reifetage. Als reif wurde ein Erbsenindividuum dann beurteilt, nachdem seine untersten Hülsen an der Oberfläche lederartig und gelb geworden waren (12). 258 In bezug auf die genannten drei Perioden wurden die jährlichen und durch- schnittlichen Werte sowohl für die Dauer in Tagen als für die Mitteltemperaturen, die effektiven Temperatursummen und die Niederschlagssummen berechnet (Tabelle 1). Dabei ist die effektive Temperatursumme einer jeden Periode durch Addieren der täglichen effektiven Mitteltemperaturen erhalten worden. Bei ihrer Berechnung subtrahierte man 4°C von der auf übliche Weise berechneten Mitteltemperatur des Tages (vgl. 4, 23). Die Wetterbeobachtungen wurden unweit der Versuchsfelder gemacht. Die Temperatur wurde dabei in einer Hütte 2 Meter über dem Erdboden gemessen. Bei Untersuchung der Nutzungseigenschaften der Erbse wurden sowohl die Kochbarkeit als der Geschmack der Samen bestimmt. Zur Erforschung der ersteren Eigenschaft lagen die zu untersuchenden Samen zuerst über Nacht in kaltem Wasser. Am folgenden Morgen kochte man die Erbsen so lange, bis sie weich geworden waren; die Kochdauer in Minuten wurde dann vermerkt (13, 18). Für die Geschmacksuntersuchungen wurden die weichgekochten Erbsen der obigen Kochversuchte benutzt. Zur Anwendung kam eine Geschmacksskala von I—lo1 —10 in der Weise, dass mit 10 eine solche Erbse bezeichnet wurde, die einen feinen, süssen Geschmack hatte, mit 4 dagegen eine Erbse, die deutlich bitter schmeckte. Bei Auswertung des zur Verfügung stehenden Zahlenmaterials wurde von statistischen Methoden nach Bonnier und Tedin Gebrauch gemacht (1). Ergebnisse der Untersuchungen Aus Tabelle 1 ist zunächst ersichtlich, dass die Erbse Torsdags II in Jokioinen in den Jahren 1929—60 durchschnittlich am 14. Mai ausgesät worden ist. Die durch die Witterungsverhältnisse bedingte Aussaatszeit hat während der betreffenden Jahresfolge beträchtlich gewechselt, vom 25. April (1953) bis zum 27. Mai (1944 und 1955). Die Variationsbreite dieses Zeitpunktes hat sich somit auf 33 Tage belaufen. Entsprechend kamen in den einzelnen Jahren bedeutende Unterschiede auch in anderen Entwicklungsvorgängen der Erbse vor. So variierte der Zeitpunkt des Blühbeginns um 24 Tage, vom 21. Juni im J. 1953 bis zum 14. Juli im. J. 1955. Noch mehr, 38 Tage, betrug die Variation im Reifedatum. Am frühesten oder am 25. Juli gelangte die Erbse Torsdags II im J. 1937 zur Reife, am spätesten dagegen im J. 1958, wo sie am 31. August als vollreif vermerkt wurde. Aus Tabelle 1 ist zu ersehen, dass die Schwankungen in den Mitteltempera- turen von Jahr zu Jahr relativ gering gewesen sind. Dagegen zeigten die Nieder- schlagsmengen der verschiedenen Vegetationsperioden eine bedeutende Variabilität. Verhältnismässig wenig veränderlich waren wiederum die effektiven Temperatur- summen, von denen die der ersten Entwicklungsphase durchschnittlich 434.6°C betrug, während die der zweiten Phase 452.1°C ausmachte. Der Variationskoeffi- zient des letzteren Mittelwertes erwies sich als beinahe zweimal so gross wie der von Phase I. Der Variationskoeffizient der effektiven Temperatursumme während der ganzen Wachstumsdauer (durchschn. 886.7°C) näherte sich dem der ersten Phase. 259 Tabelle 1. Die klimatischen Faktoren und die Dauer in Tagen während der ganzen Wachstumsdauer (W) und ihrer zwei Phasen (I, II) sowie die Aussaatzeiten und Samenerträge der Erbse Torsdags II in Jokioinen in den Jahren 1929—1960 Jahr Aussaat- Mitteltemperatur Niederschlags- Effektive Tempe- Dauer in Samen- zeit (°C) summe (mm) ratursumme (°C) Tagen ertrag I II W I II W I II W I II W (kg/ha) 1929 17.5 +12.3 +14.4 +13.3 155.7 123.3 1930 7.5 +12.9 +17.0 +14.7 62.6 89.9 1931 9.5 +11.3 +16.2 +13.3 63.2 109.5 1932 19.5 +12.2 +17.6 +14.4 68.6 75.8 1933 16.5 +12.4 +16.0 +14.1 22.7 129.4 1934 7.5 +11.3 +17.2 13.6 76.8 106.2 1935 15.5 +12.0 +15.2 +13.3 61.2 46.4 193« 15.5 +14.2 +17.2 +15.5 83.9 46.7 1937 5.5 +13.2 +17.1 +14.7 90.8 52.7 1938 7.5 +11.3 +18.6 +13.7 96.2 46.6 1939 16.5 +12.0 +16.6 +15.1 30.1 139.6 1940 18.5 +12.7 +16.3 +13.8 39.5 90.3 1941 22.5 +12.8 +_18; 8 +14.9 42.1 3.0 1942 15.5 +12.4 +14.7 +13.4 77.4 140.8 1943 8.5 +12.0 +15.3 +13.4 114.0 258.4 1944 27.5 +13.1 +16.0 +14.5 86.0 110.0 1945 16.5 +11.9 +18.2 +14.0 88.0 72.2 1946 25.5 +14.2 +17.2 +15.4 41.8 43.4 1947 17.5 +13.2 +15.6 +14.3 45.4 61.6 1948 12.5 +13.0 +15.3 +13.9 113.2 89.1 1949 16.5 +13.8 +14.7 +14.2 71.9 82.2 1950 15.5 +ll.B +15.0 +13.1 66.4 41.0 1951 19.5 +11.2 +14.8 +12.5 56.9 54.8 1952 9.5 +10.5 +14.7 +12.2 84.4 115.7 1953 25.4 +11.2 +16.6 +13.3 95.7 136.6 1954 12.5 +12.7 +15.6 +14.1 35.1 201.9 1955 27.5 +12.2 +16.6 -} 13.9 45.8 7.0 1956 15.5 +13.0 +13.8 +13.4 68.4 117.3 1957 16.5 +11.6 +16.9 +13.7 84.1 140.4 1958 16. S f- 13.6 +13.8 +13.8 57.1 110.5 1959 2.5 +ll.l +16.8 ( 13.1 59.6 25.0 1960 13.5 +13.9 +16.6 +15.2 59.8 142.0 279.0 454.2 508.2 962.4 55 49 104 3036 152.5 435.3 492.9 928.2 49 38 87 2647 172.7 431.4 464.5 895.9 59 37 96 3253 144.4 432.3 461.0 893.3 50 33 83 1514 152.1 416.4 469.2 885.6 49 39 88 2091 183.0 413.9 487.9 901.8 57 37 94 2428 107.6 399.6 403.2 802.8 50 36 86 1711 130.6 439.2 423.8 863.0 43 32 75 693 143.5 471.5 404.9 876.4 51 31 82 1623 142.8 438.0 439.0 877.0 60 30 90 2290 169.7 369.8 502.1 871.9 46 40 86 1620 129.8 427.6 392.4 820.0 49 32 81 961 45.1 405.6 370.6 | 776.2 46 25 71 937 218.2 467.8 490.0 957.8 56 46 102 1676 372.4 422.0 531.1 953.1 54 47 101 1100 196.0 430.0 490.8 920.8 47 41 88 1590 160.2 450.1 410.8 860.9 57 29 86 1287 85.2 469.0 408.8 877.8 46 31 77 1388 107.0 405.4 404.4 809.8 44 35 79 1243 202.3 478.9 405.9 884.8 53 36 89 3344 154.1 490.7 451.3 942.0 50 42 92 3017 107.4 413.1 407.5 820.6 53 37 90 1506 111.7 402.1 357.6 759.7 56 33 89 1232 200.1 391.4 448.4 839.8 60 42 102 2481 232.3 415.5 478.9 894.4 58 38 96 1983 237.0 471.1 533.9 1005.0 54 46 100 1504 52.8 403.3 366.1 769.4 49 29 78 1953 185.7 449.7 461.4 911.1 50 47 97 1650 224.5 449.1 489.8 938.9 59 38 97 2540 167.6 469.4 487.5 956.9 49 49 98 133« 84.6 428.7 421.7 850.4 60 33 93 2266 201.8 465.0 602.4 J1067.4 47 48 95 2211 Mittel- 14.5 +12.4 +16.1 +13.9 70.1 94.0 164.2 434.6 452.1 886.7 52.1 37.7 89.8 1878 wert s % 37.2 7.8 6.7 4.7 39.5 57.7 40.1 6.8 12.3 7.7 9.7 17.4 9.5 28.4 In entsprechender Weise schwankte die Dauer der zweiten Phase (durchschn. 37.7 Tage) deutlich mehr als die von Phase I (52.1 Tage) und die der ganzen Wachs- tumsdauer (89.8 Tage). Die Variationsbreite der letzgenannten Periode belief sich auf 34 Tage: von 71 Tagen im J. 1941 bis zu 104 Tagen im J. 1929. 260 Vergleichsweise wurden auch die auf den Gefrierpunkt bezogenen Temperatur- summen für die drei Entwicklungsperioden berechnet. Die betreffende Tempera- tursumme von Phase I belief sich durchschnittlich auf 642.8°C mit 5=5.7 %; die der zweiten Phase auf 602.9°C (12.9 %) und die der ganzen Wachstumsdauer auf 1245.7° (7.6 %). Die Mindest- und Höchstwerte der Temperatursumme der ganzen Wachstumsdauer betrugen 1060.2 X im J. 1941 und 1447.4°C im J. 1960. Ein Vergleich zwischen den Witterungsverhältnissen u.a. der zwei Entwick- lungsphasen I und II zeigt, dass Phase II durchschnittlich um 3.7°C (***) wärmer gewesen ist. Ausserdem war ihre mittlere Niederschlagsmenge um 23.9 mm (*) höher. Die erste Phase dauerte im Durchschnitt 14.4 Tage (***) länger als die zweite. Der Anteil der zweiten Phase an der ganzen Wachstumsdauer, in Tagen ausgedrückt, betrug 42 %. Zwischen den effektiven Temperatursummen der beiden Phasen war keine gesicherte Differenz festzustellen. Dagegen überschritt die von der ersten Phase beanspruchte, auf den Gefrierpunkt bezogene Temperatursumme bedeutsam die von Phase II um 39.9°C (*). Der Anteil der zweiten Phase an der ganzen Wachstums- dauer, auf diese Weise berechnet, belief sich auf 48 %. Der Samenertrag der Erbse Torsdags II überschritt in vier Jahren 3000 kg/ha. In drei Vegetationsperioden blieben die Erntemengen geringer als 1000 kg/ha. Die Mindest- und Höchsterträge dieser Sorte beliefen sich auf 693 kg/ha im J. 1936 und 3344 kg/ha im J. 1948. Der durchschnittliche Ertrag machte 1878 kg/ha aus. Zur Ermittlung etwaiger Wechselbeziehungen in dem zur Verfügung stehen- den Zahlenmaterial wurden insgesamt 37 Korrelationskoeffizienten berechnet (Tabelle 2). Meistens wurde dabei die Abhängigkeit des Entwicklungsrhythmus und des Samenertrages von den Witterungsverhältnissen untersucht. Aus Tabelle 2 ist zunächst ersichtlich, dass der Zeitpunkt der Aussaat in einer negativen Korrelation zur Dauer der ersten Phase steht. Dieses Verhältnis bedeutet, dass je später die Aussaat ausgeführt wird, die erste Phase um so kürzer ausfällt. Der Wechsel des Aussaattages übte dagegen weder auf die Länge der zweiten Phase noch auf die der ganzen Wachstumsdauer einen gesicherten Ein- fluss aus. Zwischen den verschiedenen klimatischen Faktoren und der Dauer der drei untersuchten Entwicklungsperioden waren mehrere bedeutsame Korrelationen zu erkennen. Am deutlichsten schien eine derartige Dauer von der Mitteltemperatur abhängig zu sein: in allen drei Perioden äusserte sich in dieser Hinsicht eine nega- tive Wechselbeziehung. Die effektiven Temperatursummen sowie die Niederschlags- summen der zweiten Phase und der ganzen Wachstumsdauer standen ihrerseits in positiver Korrelation zu der Dauer der betreffenden Perioden. Besonders für den praktischen Anbau interessant sind die Korrelation, die sich auf den Samenertrag beziehen. Es wäre ja, z.B. vom Standpunkte des Land- wirtes aus betrachtet, wünschenswert, die Ertragsmenge schon während der Vegeta- tionsperiode auf Grund der klimatischen Faktoren u.dgl. möglichst genau Vorher- sagen zu können. Unter den 14 berechneten Wechselbeziehungen dieser Art gab es jedoch nur drei bedeutsame. Es stellte sich heraus, dass, je länger Phase I und die ganze Wachstumsdauer währten, die Sameneträge um so grösser ausfielen. Zwischen Aussaatperiode vom ersten bis zum letzten Saattag —o.s6*** —0.27 —0.12 —0.35 Dauer der ersten Phase (I), Tage +o.s2** Mitteltemperatur während der ersten Phase (I), °C —o.76*** —0.24 Effektive Temperatursumme der ersten Phase (I), °C —0.03 +0.29 Niederschlagssumme der ersten Phase (I), mm +0.25 +0.20 Dauer der zweiten Phase (II), Tage +0.24 Mitteltemperatur während der zweiten Phase (II), °C —o.7l*** —0.16 Effektive Temperatursumme der zweiten Phase (II), °C +o.79*** +0.27 Nicdorschlagssumme der zweiten Phase (II), mm +o.77*** +O.lO Wachstumsdauer (W), Tage +o.47** +o.6B*** Mitteltemperatur während der Wachstumsdauer (W), °C +0.23 —o.6l*** —0.32 —0.09 Effektive Temperatursumme der Wachstumsdauer (W), °C 4 o.62*** +0.31 +o.sB*** Niederschlagssumme der Wachstumsdauer (W), mm —0.15 +o.74*** +0.31 +o.49** Strohertrag, kg/ha +o.66*** Pflanzenhöhe, cm —o.6s*** 1000 KG., g +O.lO -0.09 Kochdaucr, Min —0.32 Tabelle 2. Korrelationskoeffizienten zwischen den klimatischen Faktoren und u.a. der Entwicklung der Erbse Torsdags II in Jokioinen in den Jahren 1929—1960 Mitteltemperatur während der Wachstumsdauer (W), °C Effektive Temperatursumme der Wachstumsdauer (W), °C Dauer der ersten Phase (I), Tage Dauer der zweiten Phase (II), Tage Wachstumsdauer (W), Tage Samenertrag, kg/ha Strohertrag, kg/ha Lagerfestigkeit, 0— 10 (10 = aufrecht) Kochdauer, Min. Geschmack, 1 10 (10 = gut) 262 den Stroh- und Samenerträgen trat auch eine positive Wechselbeziehung hervor. Dagegen liess sich zwischen dem Aussaattag oder den klimatischen Faktoren einer- seits und dem Samenertrag anderseits keine gesicherte Korrelation ermitteln. Viel leichter scheint es zu sein, die Grösse des Strohertrages im voraus zu schätzen. Unter den vier diesbezüglichen Korrelationen waren nicht weniger als drei bedeutsam. Sowohl die Länge der Wachstumsdauer als auch ihre effektive Temperatursumme und ihre Niederschlagssumme schienen in positiver Wechsel- beziehung zu dem Strohertrage zu stehen. Dagegen war die Mitteltemperatur während der Wachstumsdauer in dieser Hinsicht wirkungslos. Wie zu erwarten, war zu erkennen, dass die Pflanzenhöhe und die Standfestig- keit in negativer Korrelation zueinander stehen. Bei Untersuchung der Korrelationsverhältnisse hinsichtlich einiger Nutzungs- eigenschaften der Erbse Torsdags II stellte es sich heraus, dass Schwankungen im 1000-Korngewicht keine gesicherte Wirkung auf Kochdauer und Geschmack aus- übten. Der Geschmack seinerseits war unabhängig von Schwankungen in der Kochdauer. Einige Koeffizienten in Tabelle 2 erhellen den Zusammenhang zwischen den untersuchten klimatischen Faktoren. Es stellt sich heraus, dass die Niederschlags- summe der Wachstumsdauer parallel mit der effektiven Temperatursumme der- selben Periode variiert. Zwischen der Niederschlagssumme und der Mitteltempe- ratur der Wachstumsdauer sowie zwischen der Mitteltemperatur und der effektiven Temperatursumme desselben Zeitabschnittes sind dagegen keine bedeutsamen Wechselbeziehungen festzustellen gewesen. Besprechung der Ergebnisse Die oben angeführten Ergebnisse beziehen sich auf eine Sorte, die Svalöfer Erbse Torsdags 11. Diese Züchung ist in den 1930er und 1940er Jahren in relativ grossem Masse in Finnland angebaut worden und ist hier jahrelang zusammen mit der Erbse Torsdags I die häufigste Erbsensorte gewesen (14, 15, 26). Seit etwas mehr als zehn Jahren begann sich ihre Anbaufläche infolge des Erscheinens neuerer, ertragreicherer Sorten bedeutend zu vermindern, und zurzeit ist sie ganz gering (10). Die mittelfrühe Torsdags II ist als eine anspruchslose, verhältnismässig dürreresistente und ziemlich ergiebige Erbse anzusehen (15). In vorliegender Untersuchung werden Eigenschaften und Wechselbeziehungen einer einzigen Zuchtsorte, der Torsdags 11, betrachtet. Ferner ist für die vorliegende Studie nur von einer Versuchsstelle herrührendes Forschungsmaterial benutzt worden. Die in Jokioinen bei Torsdags II gewonnene langjährige Erfahrung umfasst jedoch ein so reichliches Ergebnismaterial, dass sich wohl auf seiner Grundlage zuverlässige Schlüsse über den Entwicklungsrhythmus sowie verschiedene Korrela- tionen bei den mittelfrühen Erbsensorten in weitem Gebiet Südwestfinnlands ziehen lassen. Ausserdem können die erlangten Untersuchungsergebnisse sicherlich einige der wichtigsten Züge der Reaktionsnorm der Erbse in finnischen Anbauverhält- nissen im allgemeinen erhellen. 263 Gegen die in vorliegender Untersuchung verwendeten Temperaturwerte kann bemerkt werden, dass sie sich nicht auf Messungen im Bestände gründen. Es liegt ja auf der Hand, dass Differenzen zwischen den Hüttenwerten und dem Mikro- klima den Bestandes vorliegen. Die angeführten Temperatursummen sind daher als einigermassen relativ zu betrachten. Trotz dieses Mangels vermögen die gegebe- nen Werte offenbar die charakteristische Wirkung der Temperatur auf die Ent- wicklung der Erbse zu beleuchten (vgl. 4, 11). Bei Forschungen über die Variabilität der Temperatursumme und der in Tagen angegebenen Länge der Wachstumsdauer bei Sommergetreidearten in Finnland hat man feststellen können, dass die erstere Menge bedeutend weniger wechselt (19, 23, 25). In der vorliegenden Untersuchung über Erbse hat sich ein ähnliches Resultat herausgestellt. Die Variationskoeffizienten der auf beiderlei Weise berech- neten Temperatursummen erwiesen sich als beinahe gleich gross. Die Temperatur- summen variierten deutlich weniger als die Längen der drei Entwicklungsperioden. Deshalb kann man wohl auch in bezug auf die Erbse in finnischen Anbauverhält- nissen als festgestellt ansehen, dass die für eine Entwicklungsphase erforderliche Temperatursumme beständiger als die entsprechende Anzahl der Wachstumstage ist. Zu gleichsinnigen Ergebnissen über die Temperatursummen einiger Kultur- pflanzen ist man schon früher im Auslande gekommen, wo diese Frage besonders wegen ihrer grossen Bedeutung für die Konservenindustrie eingehend erforscht worden ist. Zurzeit werden auch die dabei gewonnenen Erfahrungen in der genann- ten Industrie in grossem Umfang in die Praxis umgesetzt (11). Die durchschnittliche auf den Gefrierpunkt bezogene Temperatursumme der ganzen Wachstumsdauer (1245.7°) der Sorte Torsdags II ist als sehr niedrig zu betrachten. Nach einigen Versuchsergebnissen aus Jokioinen halten sich nur die allerfrühesten Getreidesorten in dieser Hinsicht auf demselben Niveau. Als solche wurden eine Landsorte des Sommerweizens Kerimäkeläinen (25) und die Gersten- züchtungen Olli und Vega (19) festgestellt. Die Anbausicherheit der Erbse Tors- dags II hat sich auch in Mittelfinnland als genügend bewährt (14). Bei der Betrachtung der berechneten Korrelationen (Tabelle 2) fällt zuerst auf, dass die Variation der klimatischen Faktoren verhältnismässig oft eine ge- sicherte Einwirkung auf die Dauer der drei Entwicklungsperioden ausübt. So kann man z.B. Vorhersagen, dass, je höher sich die Mitteltemperatur während einer Ent- wicklungsperiode bei der Erbse Torsdags II hält, die betreffende Periode eine um so kürzere Zeit währen wird. In einigen Untersuchungen anderer Forscher hat man bei manchen Erbsensorten analoge Resultate über die Wirkung der Tempe- ratur erhalten (3, 4, 11, 13). Eine ähnliche Wechselbeziehung ist des weiteren bei Sommergetreidearten in finnischen Versuchen festgestellt worden (19, 22, 23, 24, 25). Anderseits hat man hier u.a. eine verzögernde Einwirkung des Niederschlags auf die Entwicklung der Erbse (13, 16) sowie der Sommergetreidearten (19, 22, 23) ermittelt. Zwischen den Wetterkomponenten und dem Samenertrag der Erbse Tors-