CEY.Vol6.Nair.Entzauberung der Berliner Clubszene 2. Version.docx Entzauberung der Berliner Clubszene Arushi Nair Abstract Die Berliner Techno-Szene ist seit 2024 offiziell UNESCO Kulturerbe1. Es ist für einige Menschen erstaunlich, wie die Techno-Szene in Berlin es soweit geschafft hat, für die meisten ursprünglichen und heutigen Teilnehmern der Szene ist es jedoch gar kein Wunder, denn Techno gehört schon lange zur Berliner Identität. Die Techno-Szene ist ohne Zweifel ein wichtiges Phänomen.Was aber oft übersehen wird, sind die vielen unterliegenden Spannungen, die ein mythisches Vorbild für Freiheit unterstützen. Ich hatte selber viele Erfahrungen in dieser Szene, die meine Faszination im dementsprechenden Phänomen inspirierte, worüber ich in dieser Arbeit erzählen werde und mit akademischen Quellen auch entzaubern möchte. 1 Der Spiegel, “Berliner Techno.” 21 Inhaltsverzeichnis I. Abstract A. Ein persönlicher Überblick der Szene II. Geschichte und Ursprünge der Berliner Technoszene A. Der Weimarer Republik B. Berlin im Kalten Krieg C. Stil III. Das Erlebnis A. Die Räumlichkeit 1. Die Türsteher 2. Der Raum 3. Die sexuelle Freiheit IV. Weitere Kritik: Hinter die Fassade schauen A. Das Fördern von Elitismus durch kulturellen Produktion B. Das ignorierte BIPOC Erlebnis V. Schlussbemerkungen VI. Die Literaturverzeichnis 22 Einleitung: Ein persönlicher Überblick der Szene2 Als ich vor einem Jahr in Berlin lebte, war ich von dieser Kultur selbst besessen und fasziniert. Ich wusste gar nichts außer, was mir von den anderen Auslandsstudenten erzählt wurde : “Keine weiße Schuhe, keine blaue Jeans und auf gar kein Fall Englisch reden. Ach ja, hast du Bargeld? Gut. Dann los geht’s, und in der Schlange nicht auf dem Handy sein oder zu betrunken aussehen, sonst haben wir keine Chance.” So führten mich zwei Kumpels um viertel vor 5 Uhr morgens an irgendeinem Sonntag in dasberühmte “Berghain”. Es dauerte ewig, bis wir überhaupt an dem Club ankamen und als wir vor Ort standen, konnte ich nicht fassen, dass das Berghain in so einer verlassenen Lagerhalle 30 Minuten von der Innenstadt entfernt ist. Die äußere Fassade ist stark industriell und vermittelt ein bedrohliches Gefühl - es sieht auf den ersten Blick eher wie ein Gefängnis als wie ein Techno-Club aus. In dem Moment, wo wir vor dem Türsteher standen, habe ich gar keine Regeln nachgefragt und einfach versucht, alles richtig zu machen: Handy fest in der Tasche und nicht in der Hand. Wir haben uns von unserer Freundesgruppe getrennt und es nur zu dritt versucht (weil große Gruppen “Touristen” bedeuten). Außerdem verhielten wir uns sehr ernst, wir trauten uns nicht mal miteinander zu sprechen. Ich habe als Vertreter der Gruppe alle Fragen der Türsteher auf Deutsch beantwortet. Wir versuchten etwas mysteriös auszusehen, mit schwarzen Doc Martens Stiefeln, zerrissenen Hosen und Lederjacken. Wir taten weniger besoffen, als wir waren, und die Nerven zu bewahren, als ob wir schon tausend Mal in Berghain waren. Niemand war mehr überrascht als ich, als der Türsteher einfach mit dem Kopf genickt und uns die Ausweise zurückgegeben hat, damit wir weiter zur Sicherheitskontrolle kommen, den Schock durfte ich aber natürlich nicht auf dem Gesicht zeigen. Wir wurden sehr ausführlich kontrolliert, alle Taschen und die Socken auch. Die Handy-Kameras wurden mit starken Stickern abgeklebt und in Berghain gelten nur Armbänder, keine Stempel auf der Hand. 25 Euro habe ich noch nie so schnell ausgegeben und dann waren wir drin. Erstmal habe ich geatmet und noch mal geprüft, ob ich nicht räumen, sondern wirklich alles echt ist. Wir gaben unsere Mäntel an der Garderobe ab und sind direkt zur Tanzfläche gegangen. Es ist wirklich schwer zu beschreiben, was es alles zu beobachten gab. Es gab drei verschiedene Räume, und in der Nacht wurde auf der Hauptfläche harter Techno und im Nebenraum eine Mischung von House und Techno gespielt. Menschen tanzten überall, alle trugen tatsächlich Schwarz und Leder, einige sogar BDSM-Masken. Lichter im Neon grün und weiß flackerten im gleichen Tempo der Musik und wurden durch den Rauch im Raum magisch erleuchtet. Es gab um jede Ecke eine Bar und trotzdem waren die Barkeeper immer beschäftigt. Obwohl sie alle möglichen Getränke (zu übertriebenen hohen Preise natürlich) servierten, haben 2 Eine Gegenerklärung: In dieser Arbeit wird oft über Erlebnisse generalisiert. Mir ist sehr klar, dass es kein einziges Club-Erlebnis gibt (dieser Punkt wird in späteren Textstellen weiter erklärt), sondern eine Vielfalt von Erlebnisse. Alle verschiedenen Erlebnisse sind relevant und wichtig, auch für diese Arbeit und werden deshalb anerkannt. Eine Entschuldigung wird angeboten, wenn die Generalisierungen, die Erlebnisse von anderen übersät, da es nicht mit Absicht gemacht wird. Ich ziehe am meisten von meinen persönlichen Erfahrungen, denn sie inspirierten diese Arbeit überhaupt. Meine Erfahrungen repräsentieren nicht die Erfahrungen von allen, sondern werden benutzt, um Kontext zu geben und ein kritisches Argument zu bilden. 23 wir uns sofort Wodka-Redbull bestellt, denn wir brauchten Energie und Stimmung, um dieses Erlebnis richtig zu genießen. Der Geruch in jedem Club ist am schwierigsten zu beschreiben, aber es besteht immer aus einer Mischung aus Schweiß, Zigarettenrauch und Alkohol. Berghain war in diesem Fall keine Ausnahme. Aber die Menschen drin waren gefühlt ernster als in anderen Clubs. Sie verhielten sich , als ob Techno ihr Leben wäre. Es sollte dort richtig genossen und gefeiert werden. Und das taten wir. Im Hauptraum haben wir Stunden lang getanzt, geraucht und getrunken, bis wir es körperlich nicht mehr aushalten konnten. Irgendwann verliert man auch die Kontrolle und Wahrnehmung von anderen im Raum, einige Menschen sind offensichtlich seit mehreren Tagen im Club geblieben und haben ihr Zeitbewusstsein komplett verloren. Ich fühlte mich in diesem Raum frei, aber nicht unbedingt sicher. Es gab einen starken Rausch, aber eben auch eine Vielfalt an Regeln und Einschränkungen. Die Clubs versprachen Safe-Spaces zu sein, aber man merkte schon, wie die sozialen Ungerechtigkeiten reproduziert wurden. Welche Art von Freiheit gab es nur in den Clubs zu finden? Bieten solche Orte echte Freiheit für alle? Diese Fragen und “das große Phänomen” müssen noch kritisch untersucht werden. Die Berliner Clubs waren in den achtziger und neunziger Jahren Orte, in denen man mit Sicherheit man selbst sein konnte, als es zu der Zeit nicht immer in der Öffentlichkeit erlaubt war. Heute ist es anders. Die Berliner Clubs bewerben sich immer noch als Safe-Spaces, aber Elemente wie die Kontrolle der Menschen an der Tür und das Verhalten innerhalb des Clubs stellt diesen Anspruch in Frage. Der Schwerpunkt dieser Arbeit möchte die Wahrheit und soziale Auswirkungen der Berliner Clubszene durch eine kritische Auseinandersetzung mit dem Mythos dieser Szene beleuchten. Ich musste mich fragen: Wie typisch waren meine Erfahrungen in der Technoszene? Diese Frage wird mit einer historischen Hintergrund der Berliner Clubszene und mit theoretischen Konzepte geführt und unterstützt. Das ist der Kern dieser Arbeit. Theoretische Konzepte der Arbeit Ich arbeite mit interdisziplinären Ansätzen in dieser Arbeit. Ein anthropologischer Blick wird auf meine eigenen Erfahrungen geworfen. Ein Cultural Studies Blick wird auf das Konzept der Räumlichkeit verwendet. Auch wird diese Perspektive angewandt, um ein Verständnis der Berliner Technoszene als ein Nexus der Subkultur, sowohl heute als auch in der Vergangenheit, herzustellen. Ich bediene zwar mehrere theoretische Perspektiven, beschäftige mich aber hauptsächlich mit Timo Korens3 und Diane Delaveaus4 Bedeutungen von Räumen und Räumlichkeit des Clubs als Orte, in dem Menschen sichere Räume konstruieren oder nicht und welche sozialen und kulturellen Normen/Regeln dadurch gebaut werden. Die Techno Clubs waren ursprünglich große urbane Orte, die während des unsicheren Aufbaus des neuen, wiedervereinigten Berlins, als besondere Orte die Sicherheit der Subkulturen versorgten. Ich verwende auch Sarah Thorntons Verständnis von subkulturellem Kapital5 und Kevin Hetheringtons Definitionen von 5 Thornton, “Club Cultures”. 4 Delaveau, “How are Spaces.” 3 Koren, “Beyond Door Policies.” 24 Spaces6 im Laufe des Arbeits, denn Zusammen schaffen beide Autoren eine fundamentale Grundlage für die Technoszene. Man versteht durch diese Werke, dass die Berliner Subkultur (und eventuell Technoszene) nur im “Underground” aufgebaut werden konnte und solche Orte häufiger von geographischer Interpretation als Spaces für kulturelle Erfindung gesehen werden. Die sozialen Theorien der beiden Autoren zeigen einen Trend in Clubkulturen um die Welt, dass Menschen in Clubs fahren, um mit ihren Identitäten zu experimentieren, frei von den Augen einer beurteilenden/diskriminierenden Gesellschaft7. Thornton und Hetherington legen viel Wert auf der geografischen Standort und Zeitpunkt des Aufbaus einer Clubkultur8, der in der Berliner Technoszene auch essentiell ist. Clubs sind laut Thornton und Hetherington symbolische Orte, in denen Menschen mit ihre Identitäten experimentieren können. Jedoch: Durch die vermehrten im Club kann diese Identität nur unter bestimmten Umständen experimentiert werden, die häufig gegen soziale Minderheiten diskriminieren. Die Berliner Clubs (und auch die Nachtlokale der Weimarer Republik9) galten mit Sicherheit als eine Art Safe Space, die ihre Besucher von Bedrohungen geschützt haben und eine Atmosphäre von Freiheit und Sicherheit schaffen. Die Berliner Clubs heute stellen eine andere Geschichte dar. Warum suchen Menschen solche Orte immer noch aus? Weil sie sich die gleiche Freiheit bei der Experimentierung versprechen, und weil es sonst solche Spaces, sogenannte Safe Spaces, nicht gibt. Subkulturelles und finanzielles Kapital sind entscheidende Erfolgsfaktoren, wenn man in Berliner Techno Clubs reinkommen will und den versprochene Freiheit bei der Identität Experimentierung erleben möchte. Trotzdem gibt es keine Garantie, dass man dieses Erlebnis im Club wegen des Anstiegs von Tourismus noch findet, der spezifisch auf Techno Clubs ausgerichtet wird. Im Allgemeinen versucht dieses Projekt verschiedene Schemata und Muster der heutigen Clubszene aufzudecken. Mit anderen Worten, wird der echte Zwang und die scharfe Realität, der im Hintergrund dieser Szene steckt, zum Vordergrund gerückt, um zu zeigen, wie die Clubszene hinter einer Fassade eines grenzenlosen Raums steckt, tatsächlich jedoch die kultureller Elitismus und materialistische Zwecke oft genau dort besonders in Erscheinung treten. Der Ursprung der Berliner Technoszene Die Weimarer Republik Es ist nicht überraschend, dass Berlin die Club-Hauptstadt Europas geworden ist, war sie doch schon seit der Weimarer Republik die revolutionäre Musik- und Tanzhauptstadt Europas. Einige Historiker behaupten, dass die heutige Clubszene nicht ohne die Kultur des Nachtlebens inder Weimarer Republik existieren könnte. Schon zu dieser Zeit fand man hunderte Kabaretts, Cafés und Tanzlokale, in denen man nach dem Ersten Weltkrieg allerdings die sexuelle Freiheit entdecken konnte. 170 Clubs und Kneipen davon waren exklusiv für Homosexuelle. In vielen Kabaretts wurden zum Beispiel 9 von Thörne, “Nachtleben der zwanziger Jahre." 8 Thornton, “Club Cultures” & Hetherington, “Expressions of Identity.” 7 Thornton, “Club Cultures” & Hetherington, “Expressions of Identity.” 6 Hetherington, “Expressions of Identity.” 25 Doppel-Drag Shows geführt, in Cafés haben sich schwule Männer und lesbische Frauen getroffen und frei geliebt, währenddessen in Tanzlokalen neue Formen des Ausdrucks in Form von Tanz und Musik experimentiert wurden.10 Berlin war in den frühen zwanziger Jahren ökonomisch aufgrund der Hyperinflation schwer getroffen ein Resultat der Kriegswirtschaft), weshalb das Lebenim Vergleich zu den USA und Europa sehr günstig war. Menschen sind nach Berlin gereist um dort billig leben zu können und die besondere queer-freundlich Szene zu erleben. Berlin in der Weimarer Republik war in der dokumentierten Geschichte einer der “ersten Orte, die das Nachtleben mit einem emanzipatorischen Anspruch verband”.11 Das Nachtleben der Weimarer Republik war die Grundlage der Techno Clubszene, die in den achtziger Jahren wiederaufgetauchte. Berlin im Kalten Krieg Die elektronische Musik- und Tanzszene, die heute als Techno anerkannt ist, ist am Ende der Zeit der Berliner Mauer entstanden, während Ost- und West-Berlin noch getrennt waren, aber bald wieder vereinigt wurden (ungefähr zwischen 1987 und 1990). Auf einer Seite der Mauer in der DDR haben die strengen Verbote “westlicher” Musik und Tanz die Freiheit der Jugend in Ost-Berlin zum “Underground” geführt. Wegen tiefgreifender Überwachung und Repression in der DDR war die politische Freiheit nur Teil der Vorstellungskraft. Es gab aber gleichzeitig ein wachsendes Interesse an neuer Musik, großen Freiheiten und den Verlust von Kontrolle auf der anderen Seite der Mauer, in West-Berlin. Nach dem Fall der Mauer und den neuen sozialen, politischen und kulturellen Spannungen wegen der Wiedervereinigung, haben die Menschen angefangen, eine neue Identität zu konstruieren, die weder mit der DDR noch der BRD verbunden war. Weniger wichtig war die neue deutsche Identität, die die Politiker beschäftigte, sondern der subkulturelle radikale Underground-Identität hervorzuheben. Mit dieser neuen Identität wurde experimentiert und der Techno-Musik-Stil zeigt genau das. Es ist unter Experten noch umstritten, wann und wo genau der Berliner Techno Clubszene erstmalig aufgetaucht ist, da meistens an geheimen Orten oder im “Underground” experimentiert wurde und nicht unter der Auge der Öffentlichkeit(und noch wichtiger, der Polizei). Die musikalischen Wurzeln dieser Szene liegen in der DJ-Kultur, die in den 70er Jahren entstand, als Musiker begannen, mit synthetischen Klängen zu experimentieren und die Tanz- und Rave-Kultur immer beliebter wurde. Manuel Göttsching ist für viele Deutsche als “Techno Gottvater"12 bekannt, da er einer der Vorreiter dieses Genres war. In 1984 ist sein Album “E2-E4”13 herausgekommen, einige erkennen dieses als Startpunkt, als “Jahr-Null” des elektronischen Minimalismus. Göttsching war gelernter Gitarrist und hörte in seiner Jugend sehr viel Oper und klassische Musik. Trotzdem wollte er sehr minimalistisch mit Akkorden experimentieren, indem er “riffs” wiederholte und dann elektronisch manipulierte, um, laut Göttsching, einen "freien Raum"14 zu schaffen. Obwohl sein Werk “E2-E4” wegen der 14 Coney, “Manuel, Göttsching.” 13 Göttsching, “E2-E4.” 12 TCO BLN, “Techno Geschichte - Allgemein.” 11 Schneider, “Queer Nightlife”, 108. 10 von Thörne, “Nachtleben der zwanziger Jahre." 26 Wiederholungshäufigkeit nicht von vielen ernst genommen wurde, haben die Techno-Pioniere aus New York und Detroit diese Platte sehr häufig gespielt. Die Techno Bewegung wurde stark von Künstlern in den USA inspiriert, am stärksten von Detroit15. Die Ost-Berliner Künstler und die kreativen Menschen aus der DDR erhielten kaum Zugang zu diesen neuen Musikformen und begannen erst nach der Wende mit den ehemaligen West-Berlinern, Innovationen zu entwickeln und ihren eigenen unverwechselbaren deutschen (bzw. Berliner) Stil der Techno Musik zu beschaffen.16 Die frühen technologischen Entwicklungen in West-Berlin, als die Mauer noch stand, spielten eine starke Rolle, denn der Klang des Berliner Techno war synthetischer und rauer als in den USA und Großbritannien.17 Techno-Fans aus dieser Zeit erinnern sich an die Evolution von Punk zu House bis zum Techno. Der Techno nach der Wende ist geblieben, teilweise weil er nicht gegen West oder Ost diskriminierte, nachdem er einen einzigartigen “wiedervereinten” Berliner Stil annahm. In diesem Stil geht es um eine Art musikalischen Minimalismus. Das heißt: weniger ist besser und am wichtigsten ist der Bass. Jeder Song hat ein variiertes Tempo, aber die meisten Songs laufen mit 120 BPM (Beats pro Minute). In dieser offenen Form sind die Assoziationen im Kopf freier, das Denken, Tanzen und Fühlen lassen sich viel offener interpretieren. Beim Techno konnte man die Identität während der politisch und sozial aufgeregten Zeit zurücklassen und einfach in der Musik verloren sein. Er hatte eine vereinigende Macht im “Nexus der Subkultur”, wie andere Musikgenres bis dahin nicht hatten.18 In dem Jahr zwischen dem Mauerfall undder Wiedervereinigung, als die Zukunft des Landes nicht klar war und viele DDR-Bürger:innen in den Westen gingen, begannen Jugendliche, verlassene Orte wie Bunker, Keller und Lagerhäuser in Tanz- und Musikräume zu transformieren. Die Räume funktionierten damals als Orte, in denen man mit Sicherheit ohne Augen der Anderen man selbst sein und quasi machen konnte, was man wollte, und zwar mit Menschen, die dasselbe Erlebnis suchten. Diese verlassenen Räume waren physische Orte, wo die Sicherheit der Communities existierte, als die Sicherheit der Gesellschaft und Politik noch unsicher war. Deswegen war die Freiheit im Club der Achtziger wahr, weil es etwas den Menschen gab, was keine andere Person oder System versprechen konnte. In dem Buch No Photos on the Dance Floor!: Berlin 1989-Today, wird eine visuelle Geschichte der Berliner Clubszene dargestellt, was auch die Bedeutung der Freiheit in den Clubs unterstreicht. Diese Darstellung ist kraftvoll und beleuchtet die Geschichte dieser Szene, indem man in die Welt mittels visueller Galerie hineingezogen wird. Der Titel dieses Buchs spielt mit einem der berühmtesten Elemente Berliner Clubs und Technokultur: keine Fotos dürfen innerhalb des Clubs gemacht werden. In manchen Clubs heute werden die Kameras mit einem Sticker abgeklebt, die beim Ausgang wieder geprüft werden, in anderen Clubs werden die Handys in Schließfächer eingeschlossen, bis man den Club wieder verlässt. Man soll sich in den Tänzen und der Musik selbst verlieren 18 Opitz, “Capital B - Folge .” 17 Opitz, “Capital B - Folge 1”, 14:37-15. 16 TCO-BLN, “Techno Geschichte - Allgemein." 15 Wasacz, “Berlin, Detroit and reinvention.” 27 und nicht auf dem Handy sein. Außerdem sollte man die Privatsphäre der anderen schützen, denn die Clubs sind deswegen entstanden. Sie sollen der einzige Ort sein, in dem man keine Angst haben muss, von anderen be- und verurteilt zu werden. Man konnte in dem Raum man selbst sein, die Kontrolle verlieren und die Atmosphäre völlig genießen. So war die Berliner-Clubszene gemeint. In dem Vorwort des selben Buches schreibt Redakteur Heiko Hoffmann folgendes: “Während an anderen Orten und in anderen musikalischen Kontexten das Fotografieren der anderen sowie das Dokumentieren der eigenen Teilnahme fester Bestandteil der Ausgehkultur ist, hat das Nichtfotografieren hier vor allem zwei Gründe: ‘Die Tradition des gemeinsamen Feierns in einem Raum, in dem man sich nicht nur in der Musik verliert, lost in the music, sondern in dem man sich frei und aufgehoben fühlen kann. Frei von Überwachung. Frei von Konsequenzen und dem Urteil der Welt da draußen.’”19 Frei von Überwachung - das ist das ursprüngliche Ziel von Techno. Ich hatte auch bei meiner ersten Techno Nacht ähnliche Gefühle von Schock und kompletter Freiheit, die ich in der Art sonst nie erlebt hatte. Das Fotoverbot funktioniert tatsächlich als eine Art Schutzmittel, in dem man entspannt machen und anziehen kann, wie man will, ohne Angst haben zu müssen, dass es dokumentiert wird. Man ist wirklich, im Vergleich zur “Außenwelt”, im Clubraum frei, man selbst zu sein und sich grenzenlos auszudrücken. Hoffmann beschreibt aber zwei wichtige Elemente des Innenraums: die Freiheit von Überwachung und das Gefühl, wenn man in die Musik eintaucht. Techno, als Musik- und Tanzform ist keine überraschende Wahl, um diesen grenzenlose Freiheit zu erfüllen, denn es hat eine bestimmte Unregelheit und Unberechenbarkeit, was andere Musikformen vielleicht nicht haben. Der Wiederholungshäufigkeit, kein Text und elektronische Pulse ziehen die Körperbewegung und Gedanken rein, ohne Kontrolle. Das Erlebnis heute Weil jeder Mensch verschiedene Erwartungen hat, ist es schwer, ein typisches Erlebnis zu beschreiben. Die stereotypischen Elemente können in fast jedem Club erwartet werden, es gibt aber auch einige Elemente, an denen nicht jede Person teilnehmen darf. Es gibt viele Menschen, die argumentieren, dass die Clubs als sogenannte “Safe Space” bezeichnet werden können. Laut der RISE Jugendkultur Organisation, ist unter “Safe Space” folgendes zu verstehen: “Safe Spaces (deutsch: sichere Räume, auch Freiräume genannt) sind analoge und digitale Räume, in die sich Menschen mit ähnlichen Diskriminierungs- und Marginalisierungserfahrungen zurückziehen können, um sich über ihre Erfahrungen auszutauschen, sich zu organisieren und gegenseitig zu empowern. Es wird jedoch häufig zu Recht darauf hingewiesen, dass auch safe spaces nicht frei von Machtstrukturen innerhalb der diskriminierten Gruppe sind. Alternativ wird die Bezeichnung safer spaces (sicherere Räume) 19 Hoffman, “No Photos”, 12. 28 eingeführt, um zu betonen, dass dies nur Räume sind, die sicherer als öffentliche Räume sind”.20 Man argumentiert zum Beispiel, dass Clubs unter dem Begriff Safe Space eingeordnet sein können, aber je öfter man in die Clubs fährt, desto klarer wird es, dass etwa das Abkleben durch Kamera-Sticker und das einschließen von Handys einschließenperformativer Natur sind. Einigen Clubs ist es doch wichtig, die Freiheit der Club-Gehenden zu schützen (z.B. SchwuZ), aber bei anderen fördert die “No photos on the dancefloor” die Exklusivität. Wenn man zum Beispiel wissen will, wie es ist, in KitKatClub zu sein, muss man selbst hinfahren sich ein eigenes Bild machen. Die "keine Fotos machen” Regeln fördert die wirtschaftlichen Zwecke eines Clubs und macht aus dem Erlebnis ein Geschäftsmodell. Die Berliner Clubs waren also am Anfang doch ein wahrer Safe Space, aber mit der Zeit werden sie eher als Mittel für Tourismus und Profit ausgenutzt. Einige Clubs versuchen absichtlich sichere Räume für Queere und Trans-Menschen, die meisten Clubs jedoch suchen Menschen in der Schlange mit kulturellen oder finanziellen Kapital, die oft gegen marginalisierte Identitäten funktionieren und dieselben sozialen Ungleichheiten reproduzieren. Für die Clubs werden nur diejenigen, die etwas “anzubieten haben” als “nützlich” gesehen, in dem sie entweder die Atmosphäre kulturell verstärken oder zum Profit beisteuern. Oft sind Touristen dafürideal, da sie beide Aspekte mitsichbringen. Die Menschen in der Schlange, die das Geschäft unterstützen, werden zuerst reingelassen, dann aber erst die Menschen, die einen Safe Space suchen. Das ist problematisch und komplett konträr zu den ursprünglichen Zielen der Berliner Clubszene - und muss daher genauer untersucht werden, etwa durch eine Analyse der Räumlichkeit. Die Räumlichkeit Zwei weitere Aspekte des Club Erlebnis sind der Raum und die Räumlichkeit. In einem Club geht es um verschiedene Räume und den ganzen Club als einen Raum selbst. Der Raum ist wichtig, weil er einen Ort darstellt, in den Menschen gehen, um miteinander zu sein und sich sicher zu fühlen. Das muss jedoch in Frage gestellt werden, denn die äußere Grenze dieses Raums wird stark betont und schließt so ganz grundsätzlich schon einige Menschen aus dem Raum raus. Das Reinkommen, der Einlass, oder eben die Abweisung, sind mit die wichtigsten Elemente des Cluberlebnis. Wer wird hereingelassen und wer nicht. Diane Delaveau unterstreicht die wesentliche Rolle des Raums in ihrer Untersuchung von Club-Szenen als Orte für die Community. Sie sagt, dass Clubkulturen im sozialen Umfeld einem Teil der Gesellschaft gehören, deshalb werden soziale/gesellschaftliche Strukturen und individuelle/kulturelle Ausdrücke während des Aufbaus der Nightlife-Szene integriert. Diese Szene ist in Berlin nicht zufällig in verlassenen Gebäuden gegründet worden (wie dieser Arbeit schon demonstriert hat) und die Integration von den Subkulturen im Club war ein Teil der Aufbau dieser Szene, nicht eine Nachwirkung.21 Clubs existieren als Orte, in denen Menschen die Identität nicht nur 21 Delaveau, “How are spaces.” 20 RISE, “Safe Space.” 29 mit Freiheit ausdrücken können, sondern sogar neu schaffen können. Sie sind aber auch Orte, in denen kulturelle Bedeutung und Kapital auch konstruiert werden. Delaveau argumentiert in ihrer Arbeit, dass Räume soziokulturelle Erfindungen der Menschen sind und deshalb auch politische Bedeutung haben. Menschen entscheiden, wofür ein Raum sei, wer im Raum sein darf und was im Raum passiert: das Geschehen im Alltag wird in dem Club direkt widerspiegelt. Solche Entscheidungen sind fundamental politisch, weil sie eine Identität schaffen, das Gehalt voraussetzt und ein Machtverhältnis darstellt. Die Räume gelten eher als Symbole der Sicherheit für Menschen, die am Rand der Gesellschaft stehen, die außerhalb des Raums diskriminiert werden. Der Räumlichkeit eines Clubs enthält viele verschiedene Elemente, Deutungen und Widersprüche, aber daran, dass sie alle Konstruktionen sind, liegt das Problem. Wie ein bestimmte (bzw. sichere) Räumlichkeit von Clubs hergestellt wird, wird durch eine Auseinandersetzung mit drei wesentliche Elementen des Cluberlebnis genauer untersucht. Für einige Clubgehenden fängt das Erlebnis an der Tür an, wenn entschieden wird, ob man den Club “erleben” darf oder nicht. Die Tür ist ein entscheidender Punkt für die Entscheidung über Inklusivität oder Exklusivität. Der Türsteher ist eine Person, angeheuert von dem Club, der vor der Tür des Clubs steht und die Aufgabe hat, Menschen hereinzulassen oder abzuweisen. Der Türsteher nimmt für die Club-Gehenden dann die Rolle einer Autoritäts-Figur ein und die Club-Gehenden werden zu “Ungeordneten”, die bestimmte Regeln erfüllen müssen, um akzeptiert zu werden. Das Konzept eines “Safe Spaces” wird in Frage gestellt, denn um im freien Raum zu sein, muss man sich an abstrakten Vorschriften halten , die oft als Diskriminierungsmittel verwendet werden. Dieses Phänomen wird genauer durch eine Analyse von Türsteher Sven Marquardts Autobiografie untersucht. Der Türsteher als Beispiel - Sven Marquardt Sven Marquardt ist in der Popkultur sehr bekannt für sein Aussehen und sein Verhalten als Berghain Türsteher. Er spielt bei dieser Arbeit eine sehr kritische Rolle, weil er ein Stellvertreter vieler Türsteher Berliner Clubs ist, aber auch weil er selbst in seiner Jugend Teilnehmer der Clubkultur war und auch (immer noch) in die Subkultur tief integriert ist. Ein starker Fokus wird auf Marquardt gesetzt, weil er sich selbst mit der Rolle des Türstehers kritisch auseinandersetzt. In der späten achtziger Jahren war Marquardt ein Jugendlicher im ehemaligen Ost-Berlin und ein “untypisches” DDR-Kind. Er war sehr tief in die Punkszene eingetaucht und wollte mit der “Regelmäßigkeit” der DDR brechen, weil er schon in seiner Jugend wusste, dass er nicht zur Norm-Kultur gehörte. Das hat er beispielsweise mit seinen Haaren, Tätowierungen und Piercings bewiesen. Als Künstler, Punk und schwuler Man wusste Marquardt, dass er seine eigene Gemeinschaft finden musste, die nicht in der Öffentlichkeit zu finden waren. Er brauchte in der DDR Orte, in denen er für seinen Lebensstil akzeptiert wurde, und in denen er sich ausdrücken konnte. Wie kam es also, dass er Türsteher werden würde? In seiner Autobiografie spricht er die Gegenüberstellung vonÜberwachung- bzw. Autoritätsfifigur und auf der einen Seite, und 30 jene des “Genießers” freier, sicherer Räume auf der anderen Seite an. Er hatte recht einfach erkannt, dass , er Geld brauchte und als Fotograf nicht genug verdiente, als Türsteher jedoch war er ebenso qualifiziert und brachte auch das passende Aussehen it. Darüber schreibt er folgendes: “Als ich auf Oliver treffe, fragt er mich, ob ich nicht Lust hätte, den Türsteher für den geplanten Schuhladen-Club zu machen. An drei Wochenenden hintereinander. Er weiß, dass ich Geld brauche. Ich bin verdutzt über das Angebot, aber später denke ich: Warum eigentlich nicht? Warum soll ich in der Szene, in der ich selbst gerne feiere. nicht auch ein paar Mark verdienen? … Am besagten Abend gehe ich hin und lege einfach los. Lasse hinein, von denen ich mir vorstellen kann, dass ich selbst gern neben und mit ihnen tanzen würde. … Eine Absage an der Tür erteile ich Leuten, die aussehen, als hätten sie sich von der Oranienburger zu uns verlaufen. Ich sage ihnen, dass hier nicht ihre Musik spielt, und verweise sie auf umliegende Nachtbarn ”.22 Man lernt, dass Marquardt seinen ersten (und dann weitere) Türsteherjobs zufällig bekommen hat. Er wollte von dieser Szene profitieren und die Arbeit war ihm nicht schwergefallen. Er musste nur abstrakte Regeln einsetzen, die er mit unverschämten Vorurteilen durchsetzte. Er war in dieser Rolle gleichseitig Schützer dieser Subkultur und schaute darauf, dass weder Touristen noch Eliten auf die Tanzfläche der ersten Techno-Sets kammen - zumindest meint er das mit “Einer Absage an der Tür erteile ich Leuten, die aussehen, als hätten sie sich von der Oranienburger zu uns verlaufen”.23 Gleichzeitig hat Marquardt aber ein elitäres Netzwerk gefördert und nur diejenigen reingelassen, die nach seiner Meinung an die Kultur passen. Der Arbeit eines Türstehers muss von ihrer Natur aus gegen Menschen diskriminieren, Marquardt jedoch ist ein besonderes Beispiel, in dem er für das Wohlergehen des Clubs (oder für dessen kulturelles Kapital) diskriminiert und nicht gegen finanzielles Kapital, Rasse, Ethnizität, Sprache, Geschlecht oder Sexualität. Man kann nicht mit Sicherheit wissen, mit welchen Motiven andere Türsteher ihre Arbeit erledigen, aber die Perspektive von Marquardt ist einzigartig und darf nicht in dieser Arbeit fehlen, weil er ein Teilnehmer der Technoszene war und die Intimität der Szene versteht. Marquardt zeigt auch, wie Türstehers oft den Mythos dieser Szene gleichzeitig unterstützen und untergraben. Die Frage ist nicht, ob Türsteher nicht existieren sollten, sondern welchen Zweck sie im im Sinne des Schützens von Räumen, der Herstellung von “Safe Spaces”, sie erfüllen.. Wenn sie ihre Autorität missbrauchen, um nur Menschen mit finanziellem und kulturellem Kapital hereinzulassen, weil sie mit der Räumlichkeit des Clubs gut zusammenpassen, dann ist die Rolle des Türstehers falsch und diskriminierend. Ein Türsteher soll den Raum schützen, um Sicherheit herzustellen für diejenigen, die es brauchen. 23 Marquardt, “Die Nacht ist Leben”, 180. 22 Marquardt, “Die Nacht ist Leben”, 179-180. 31 Nun ist der Türsteher nur ein Teil des ganzen Systems. Einige Soziologen, wie Timo Koren, behaupten, dass sie nur Mittelständler sind, die die Regeln durchsetzen, aus Arbeitsgründen und nicht unbedingt aus persönlichen Vorurteilen. Die echte Diskriminierung fängt, laut Koren, noch viel weitervor der Tür an und ist wesentlich unsichtbarer.24 Dieses Thema wird später in der Arbeit genauer untersucht. Der Raum - Tresor, UFO und die Love Parade als Beispiele Im Jahr 1989 sind zwei fundamentale Ereignisse für die Berliner Technoszene geschehen: der Club UFO wurde in West-Berlin von Achim Kohlenberger, Dimitri Hegemann und Carola Stoiber eröffnet. Die erste Love Parade fand ebenfalls dort statt. Die Love Parade war gleichzeitig ein großes elektronisches Musikfestival und eine “Technoparade”, organisiert von Matthias Roeingh und seinem Partner Danielle de Picciotto. Die Parade gilt bis heute als ein politisches Fest für Frieden sowie internationale Verständigung durch Liebe und Musik. Das Motto lautete "Friede, Freude, Eierkuchen" oder Abrüstung, Musik und Essen für alle. Sie fing mit nur 150 Teilnehmer:innen an und wuchs bis 2010, dem letzten Stattfinden der Love Parade, auf 1,4 Millionen.25 Die erste Parade wurde danach bei UFO an ihrer Eröffnungsnacht gefeiert.26 Der Club war noch illegal in dem Sinne, dass die Erfinder keine Schanklizenz oder sonstige offiziellen Genehmigungen hatten. Der Club wurde zwei Jahre später wegen seiner Beliebtheit und Kenntnisnahme der Polizei geschlossen. Dann kam Tresor. Tresor wird unter vielen Historiker:innen und Technofans als “heiliger Ort” angesehen. Dieselben Gründer des “UFO” haben 1991 auch den “Tresor” eröffnet. Locations existierten zuvor schon im “Underground” als informelle Orten, wo Partys mit lauter harter Techno-Musik, Tanz und illegalen Drogen-/Alkoholkonsum stattfanden. Tresor liegt an der Köpenicker Straße in einer unscheinbaren Umgebung der ehemaligen Ost-Berlin Zone. In der Nähe gibt es verschiedene Industriegebäude, Fabriken, Werkstätten, einen Dönerladen und noch einen sehr bekannten Club - ansonsten ist der Stadtteil ist nicht weiter besonders auffällig. Genau das ist aber der Punkt, wenn man die bekanntesten Clubs anschaut erkennt man sehr schnell, dass fast alle ziemlich weit von der Hauptstadt, von Schulen, der Polizei und sehr weit von den reichen Nachbarn der finanziellen Eliten entfernt sind. “Tresor” ist wie ein Verlies gebaut. Die Tür befindet sich zwar imErdgeschoss, aber sofort, wenn man hineinkommt, führt der Weg herunter. Es wird dunkler, stickiger, heißer und rauchiger. Man sieht die farbigen Lichtstrahlen durch dicken Rauch in der Luft (wie in vielen Berliner Bars und Clubs, darf man hier noch drin rauchen), der Technostil ist hart und ernst. Von allen Wänden vibriert es. Der Stein aller vier Wände sieht original und veraltet aus, es gibt Stahlstäbe, die überall herausragen,in der Masse von Menschen fühlt man sich klein. Ich fand Tresor persönlich schrecklich und zu erstickend. Meine Trommelfelle sind fast geplatzt aufgrund der Lautstärke der Musik. Die Menschen sind so nah aneinander, dass ich sogar von der Zigarette von jemandem 26 Die letze Love Parade fand 2013 statt, weil Menschen im Publikum von “crowd crush” gestorben sind, “Wikipedia: Love Parade”. 25 “Wikipedia: Love Parade”. 24 Koren, “Beyond door policies.” 32 verbrannt wurde. Jetzt verstehe ich aber, warum “Tresor” wichtig und beliebt ist, denn “Tresor” ist einer der einzige unverändert gebliebenen, originalen Teile der ursprünglichen Technokultur Berlins. Dazu ist es beeindruckend, wie die Clubbesitzer diese Stimmung festgehalten haben, besonders im Laufe des steigenden Technotourismus und d Druck, um ihren Club zu modernisieren. Tresor bietet für Menschen wie mich keinen Safe Space, viel eher einen “gefährlichen Raum”, aber trotzdem repräsentiert dieser Club den ursprünglichen Safe Space für Jugendliche in Berlin in den achtziger und neunziger Jahre. Dieses Verlies war in der Wendezeit ein sicherer Ort frei von den Augen von Polizei, Eltern und Verurteilten. Die sexuelle Freiheit Weil die Clubs als einer “Nexus der Subkultur” entstanden sind, waren sie auch ein Ort für sexuelle Emanzipation und queere Menschen. Das gehört immer noch zur Clubkultur und zum Erlebnis, dieser Ruf ist jedoch eher übertrieben. In einigen Clubs wird die sexuelle Freiheit “verkauft”. Der KitKatClub ist ein primäres Beispiel dafür, da es einer des berühmtesten Fetish-Clubs Berlins ist, der nur 15 Meter von Tresor entfernt ist. Die dort betriebene Art von Türpolitik habe ich bei keinem anderen Club erfahren. Es war mitten im Januar, bitterer Winter und wir trugen natürlich alle lange Hosen und Jacken, einige auch Mützen und Handschuhe. Trotzdem wurde man an die Tür direkt gefragt: “Du ziehst die Jacken aus, oder? Man kommt nur mit wenigen Klamotten an rein, ne.” Wir nickten alle und fingen an, die Jacken auszuziehen (man trägt doch im Club sowieso keine Jacke). Bei der Garderobe wurde auch nach Handys gebeten, die in einem Beutel eingeschlossen und erst beim Ausgang wieder abgegeben wurden. Hier reichten die Kleber über den Handykameras nicht aus, um die Privatsphäre zu schützen. Dann fuhr man im “Hauptraum” ein und was man zunächst sah, kann schwer in Worte gefasst werden. Die Vielfalt von sexuellen Aktivitäten und Handlungen auf einmal, direkt auf der Tanzfläche und neben der Bar, waren im ersten Moment ein Schock. Ich wurde doch gewarnt, aber noch nie hatte ich sowas erlebt. Sex ist aber im KitKat kein tabu, sondern die Regel. Die Lichter im Club sind überall rot, als wäre man im Rotlicht-Viertel. Überall wurden entweder Drogen oder Alkohol ohne Zögern konsumiert und großzügig an Fremde ausgegeben (auch im Austausch gegen sexuelle Handlungen). Die Menschen waren allgemein freundlich, ich hatte aber das Gefühl, dass es für Frauen und besonders queere Frauen nicht unbedingt ein sicherer Ort war. Ich wurde oft als Mann verwechselt oder offen nach Sex oder Geld gefragt. Wenn es keine Grenzen im Raum gibt, dann werden manchmal auch persönliche Grenzen übertreten. Ortefür marginalisierte und BIPOC-Menschen sind notwendig, weil sie von der veränderten Club-Szene entweder nicht akzeptiert oder übersexualisiert werden. Nicolaus Schmidt führte ein Projekt namens Gayhane, ursprünglich ein Club in der Nähe vom Tempelhofer Feld. Er beschreibt das Erlebnis in seinem gleichnamigenBuch“Gayhane war immer für Lesben, Transgender, Schwule und deren Freundinnen und Freunde konzipiert. Wie freuten uns über die ersten Grüppchen von türkischen Mädchen und Frauen die unserem Raum ebenfalls als einen Freiraum für sich 33 entdeckten - fernab von den üblichen, türkischen Diskotheken und der damit verbundenen stumpfen Anmache von Heteromachos, die bei Ablehnung zu Sitten wächtern zu mutieren imstande sind.”27 Es war am Anfang an als Safespace geplant und die Tür sollte für alle, die diese Community gehören oder es unterstützen, offen bleiben. Die Tür, in diesem Fall reguliert. Die Kontrolle weist möglicherweise bedrohlichen oder gefährlich wirkenden Figuren schon außen ab, um den Innenraum vor sozialen Unterdrückung zu schützen. Einige Expert:innen argumentieren auch, dass bei queeren Clubs den strengste Regelung stattfindet, weil sie das Gefühl von einen sicheren Community und “special fantasy” im Raum fördern.28 “Allies” werden sehr oft von Stereotypen wie Alter, Geschlecht und Klasse bestimmt, was natürlich auch problematisch ist. Schmidt erzählt weiter wie Gayhane mit diesem Problem umging: “Um dieser Situation spielerisch entgegenzuwirken, entwickelten wir die Idee, bei einer Party Buttons am Einlass zu verteilen - mit dem Aufdruck ,ben ibneyim’ (ich bin ein Schwuchtel) oder ‘ben lezoyum’ (ich bin eine Lesbe) -, die jede/r unserer Gäste, die das nicht taten, mussten am Tresen 1,- DM mehr pro Getränk bezahlen. Dieser Versuch, unserer Selbstverständnis klarzumachen, wurde ignoriert. Weitere Aufrufe und Erklärungen folgten - wir mussten immer wieder klarstellen, dass es sich bei Gayhane um einen lesbisch-schwulen Raum handelt und dass dor unsere Spielregeln gelten.”29 Laut Schmidt und den Organisator:innen ist das Gayhane ein freier Raum, wenngleich ein stark kontrollierter Ram. Das ist ein Widerspruch, der von marginalisierten Menschen im Club erlebt werden muss, um sich sicher bei der Feier zu fühlen - es gibt keine andere Wahl. Im Kontext von queeren und Trans-Clubs geht es weniger um die kapitalistischen Ziele eines Geschäfts oder darum, kulturelles Kapital im Club zu gewinnen, sondern eher um die ursprüngliche Freiheit in einem “Nexus der Subkultur” zu füllen. Diese Clubs benutzen Techno als Genre, um einen sicheren Raum zu bauen, in dem man von gesellschaftlichen Meinungen oder Ver- und Beurteilungen frei sein kann. Natürlich gibt es immer noch materialistische Ziele von queeren Clubs, aber es geht dabei eher ihre Arbeiter und Künstler (bzw. DJs) gut zu bezahlen. Eine Party wie Gayhane versucht nicht nur, einen sicheren Raum für Menschen der LGBT Community zu errichten, sondern auch für Menschen aus ethnischen Minderheiten. Gayhane gehört als Club zu der Minderheit, denn die meisten Techno Clubs reproduzieren ähnliche soziale Ungerechtigkeiten laut Hautfarbe, Sexualität, Ethnizität usw. Überhaupt ist die heutige Szene von homosexuellen Männern dominiert mit weniger Platz für Lesben, Transpersonen und Queers ethnischer Minderheit. Für manche Mitglieder der LGBTQ+ Community wird der Mythos der Freiheit verkauft, aber wenig ausgelebt oder verwirklicht. 29 Schmidt, “Kosmos-Gayhane”, 6. 28 Koren, “Beyond door policies.” 27 Schmidt, “Kosmos Gayhane”, 4. 34 Weitere Kritik: Hinter die Fassade schauen Obwohl diese Szene damals ein Ort für freien Selbstausdruck war, hat es sich bis heute sehr verändert. Einerseits existieren diese Orte noch als Safe Space für einige Menschen, aber andererseits fördern sie das Gegenteil: Elitismus und Exklusivität. Eine Erklärung dafür kann sein, dass die Clubs hauptsächlich als Geschäfte funktionieren und man das Erlebnis eines sicheren Raums kaufen muss. Um die Frage zu beantworten, ob der Clubraum politisch ist oder sein kann, muss gesagt werden, dass die Antwort kompliziert ist. Clubgehende suchen die Räume eines Clubs, um vor der Politik zu flüchten und an einem Ort zu sein, wo die Realität der gesellschaftlichen Strukturen weniger zu bemerken, bzw. zu erleben ist. Jedoch: als man ihren eigenen Raum schaffen will und nicht an der Politik der “Außenwelt” teilnehmen will ist eine Form des Widerstands, die Identitäten der Clubgehenden werden auch im Clubraum betont und von Machtverhältnisse der Außenwelt auch hier widergespiegelt. Das Fördern von Elitismus durch kulturellen Produktion Die Türpolitik entsteht aus zwei Formen von Regelung: staatliche Regelung und Club geführte Regelung. Der Staat regelt einen Club durch Lizenzierung, Gesetze um Begrenzung und die Gentrifizierung in Nachtlebenvierteln.30 Ein Club befolgt seine eigenen Regeln an der Tür, um einen problemlose Tanzfläche zu schaffen und um Geld in das Geschäft zu bringen. Es kommt bei jedem Club darauf an, aber meistens spielen Stand/Klasse, Rasse/Ethnizität und Geschlecht die größten Rollen. Die Clubszene scheint “betrügerisch” zu sein, sie gaukelt einen Mythos vor. Der Club ist vor allem ein Geschäft. Er war am Anfang ein Ort, an dem die Menschen mehr Freiheit finden konnten, die im Alltag sonst fehlte. Jetzt ist die Clubszene aber meistens von Profit motiviert. Die Exklusivität der Türpolitik und die Erfahrung innerhalb des Raums sind alle sehr bewusst konstruiert, um Geld zu verdienen. Anstatt dem Verhältnis zwischen “freiem Raum und freien Menschen” sind es nunmehr Geschäft und Kunden. Somit stellt sich die zentrale Frage: Warum fahren so viele Menschen in die Clubs, trotz der klaren kapitalistischen Ausnutzung? Was genau ist an dem Club Erlebnis so wertvoll und lohnend? Diese Fragen werden in diesem nächsten Teil genauer untersucht. Das ignorierte BIPOC31 Erlebnis Die Berliner Clubs fördern einen Raum, in dem soziale Ausgrenzung ein wichtiger Teil der Kultivierung eines bestimmten Bild von “Subkultur” ist. In den frühen Neunzigern waren alle drei Faktoren bei der Exklusivität Berliner Clubs sehr präsent. Da die Kultur in den achtziger Jahren meistens im Underground stattfand, gehörten die meisten Teilnehmer:innen zu einem bereit sexistierenden Netzwerk, einer bestehenden Community, 31 BIPOC wird im englisch benutzt und steht für Black, Indigenous and People of Color (Schwarz, einheimisch, und “farbige Menschen”) als Kategorie für Rasse und Ethnizität. Dieser Begriff wird für ihre Einfachheit und Inklusivität verwendet, anstatt eine deutsch Alternative. 30 Koren, “Beyond door policies.” 35 in denen die Informationen und Neuigkeiten mit Blick auf Clubs und Partys geteilt werden32. Dieser Aspekt hat sich bis heute behalten, nun hat sich durch den Aufbau von Internet und sozialen Medien die Verteilungsmethode von Informationen drastisch verändert. Dadurch ist das engere Netzwerk weniger exklusiv, trotzdem gibt es spezifische Netzwerke und Kommunikationsmittel, in denen der Underground noch lebt. Dieses Netzwerk bestand damals meistens aus Menschen sehr ähnlich wie Marquardt - Punks, Künstler:innen, Queere Menschen und alle, die sonst ein Teil der Subkultur waren und oft zusammen in einem Viertel von Berlin gewohnt haben. Heute sind Angehörige der Subkultur immer noch ein grundsätzlicher Teil des Undergrounds, die Menschen selbst sind aber heutzutage weniger geographisch verbunden. Menschen kommen von überall aus der Welt um die Berline Cliubszene zu besuchen es ist nicht mehr eine “authentische Berliner Erfahrung” für und von Berliner:innen gestaltet. In diesem Sinne ist der Berliner Techno heute offener und für mehrere Menschen konzipiert. Zweitens war Techno am Anfang - und heute immer noch - ein sehr spezifisches musikalisches Tanz-Genre, das nicht immer allen für Geschmäckern beliebt. Dass dieses Genre Menschen ausschließt oder exkludiert kann zwar argumentiert werden, eher ist es ein Teil der Berliner Geschichte. Techno stellt eine Zeit der Unterdrückung und Aufteilung dar, verbunden mit einer erkämpften Revolution, wegen der dringenden Sehnsucht nach freiem Ausdruck. Diese Erkenntnis ist zeitlos und wird immer ein Teil der Underground-Kultur sein. Ein letzter Aspekt ist der Aufbau von "mystique", die einige Clubs, wie das Berghain, Tresor oder Kitkat als einzigartige Erlebnisse verkaufen. Solche Entwicklungen der Berliner Technoszene unterstützen die Einführung von diskriminierenden Praktiken, die unter dem Mythos einer Szene voller Feiern und Freiheit stecken. Heute benutzen die Clubvertreter die Marke und Geschichte ihrer Clubs, um Menschen eine freie Erfahrung anzubieten. Dies widerspricht dem ursprünglichen Ziel von Clubs. BIPOC Menschen werden von der Reproduktion von sozialen Ungleichheiten in der Berliner Clubszene am stärksten getroffen, was immer weiter gegen bekämpft werden soll. Wenn Clubs ein Safespace sein sollen, dann müssen historisch marginalisierte Menschen auch einen Platz im Club haben. Obwohl BIPOC Menschen ein wichtiger Teil der Aufbau vieler Subkulturen waren, besonders in der Nachtleben-Szene, werden sie immer noch ausgegrenzt. Timo Koren versteht dieses Phänomen als Nebenprodukt der Türpolitik, weil die soziale Ausgrenzung viel früher als an der Tür anfängt. Er stellt fest, dass “Because nightclubs are concerned with attracting the ‘right’ audience, cultural production practices also regulate nightlife spaces and thereby reinforce social inequalities in audience participation. While racist and classist profiling at the door remains a direct form of racism and is a powerful example of how exclusion becomes lived experience (Buford May and Chaplin, 2008), I argue door policies are only the tip of the iceberg in an analysis of nightlife, exclusion and social inequalities.”33 Er argumentiert, dass es andere Methoden der kulturellen Produktion sind, die bis zur sozialen Ausgrenzung führen: Erstens, die existierenden Informationen Netzwerke, die arbeiten, um die Tanzfläche zu füllen. Zweitens, Clubs konzipieren ihre Events um Genres und spezifische Interpretationen dieser Genres um ein bestimmtes (bzw. gewolltes) Publikum anzuziehen und das “ungewollte” 33 Koren, “Beyond door policies”, 48. 32 Marquardt, “Die Nacht ist Leben.” 36 Publikum fernzuhalten. Drittens, der Ort eines Clubs/Partys macht den kulturellen Status eines Veranstaltungsortes einzigartig und schafft einen geheimnisvollen Nimbus im Gegensatz zu anderen Clubs. Ohne Zweifel existieren alle drei Faktoren in der Berliner Clubszene, von ihrem Aufbau bis heute. Schlußbemerkungen Abschließend lässt sich sagen, dass die Berliner Clubszene voll von verschiedenen Motivationen und Begehrlichkeiten ist. Einerseits gibt es ein offensichtliches Geschäftssystem, das die Clubgehenden materialistisch ausnutzt, aber ebenfalls von denselben Menschen ausgesucht wird, um eine bestimmte Freiheit zu erleben. Andererseits existieren diese Räume immer noch als Safespaces für einige Menschen und dort wird diese einzigartige Freiheit gesucht und manchmal auch gefunden. Diese Tatsache ist gleichzeitig ein “Wunder” dieser Szene. Trotz einiger unterdrückender Elemente die sich in der heutige Szene entwickelt haben - wie der materialistische Ausnutzung, abstrakten Regeln und Kontrollen an der Tür (Autoritätsformen und Überwachung) und der Reproduktion sozialer Ungerechtigkeiten - werden Berliner Techno Clubs immer beliebter. Echter harter Techno besteht aus purem elektronischen Rhytmus, der so tief eindringt ist, dass das Denken vergeht und man nur alles oder nichts fühlen kann. Das rhythmisches Schlagen kann manchmal robotisches Natur sein, was man öfter an der Berliner Technoszene beobachten kann. Viele wollen diesen Aspekt als eine Form von Unterwerfung, die die komplizierte Geschichte von Unterordnung zur Machtkraft darstellt, was eine falsche Interpretation wäre. In der Realität ist Techno eine "Neo Expression" der inneren Gefühle und Identität, weil dieses Genre das Einzige ist, das ihre Teilnehmer:innen Chancengleichheit ermöglicht. Keine einzige Person kann besser beim Techno tanzen oder genießen als eine Andere: Es ist pure Subjektivität. Diese befreit jede:n Einzelne:n, um zu verführen und fühlen, was für sie oder ihn am authentischsten ist. Die Individualität von Techno bietet beides, die Selbstständigkeit jedes Menschen, des Selbstausdruckes, und deren Interpretation der Umgebung.während dieser Auflösung lässt sich in der Szene einen Platz für Community und Verbindung bilden. Dieser Konzept von Techno mit seiner Fähigkeit Brücken zu bauen und Safespaces für die Individualität zu schaffen ist an dieser Tanz- und Musiksform einzigartig. Nicht nur einzigartig, sondern auch vom Aussterben bedroht. Tourismus, rücksichtsloser Drogenkonsum, Exklusivität und Fokus auf sozialem/finanziellem Kapital tragen alle dazu bei. Sie ändern den Kern dieser Szene und ihren ursprünglichen Ziele von purer Freiheit. Diese Faktoren haben unersetzlichen Schaden an einer Kunstform, die den Berliner Kultur inspiriert hat und die heute noch von vielen geschätzt und gesucht wird, verursacht. Die Evolution dieses Genres seit seinem Aufbau bietet eine interessante Perspektive darauf, dass die Exklusivität dieser Szene bleibt, um die Spaces für uneingeschränkten Selbstausdruck und Freiheit aufrechterhalten. Auf der anderen Seite aber argumentiert diese Entwicklung auch für die Zerstörung aller Barrieren, um absolute Zugang an alle zu lassen, für die Inklusivität und Einheit der Menschen. Das sind letztendlich die Prinzipien, unter denen die Berliner Technoszene erfunden wurde. Dieses komplizierte Dilemma ist 37 aus einer doppelseitigen Sicht der Szene entstanden, dass sie sich als eine Sache darstellt, aber in der Tat was anderes anbietet. Die Anerkennung der Berliner Techno-Szene als UNESCO Weltkulturerbe, erkennt die interessante und komplexen Ursprung dieser Szene und auch die abhängige Kraft dieser Szene für die unbegrenzte Ausdrück und Freiheit. Der Mythos ist genau das, was das Kulturerbe nur oberflächlich anerkennt , denn hinter der Fassade ist ein ganzes Wirtschaftssystem mit Profit Motivationen reich mit Dikriminierung. Der heutige Clubkultur priorisiert diejenigen mit finanziellem Kapital, bzw. die Eliten und nutzt Menschen mit kulturellem Kapital als Bewerber ihrer Szene aus, weil das kulturelle Kapital Menschen reinzieht und einen Brand für die Clubs kreiert. Aber nicht jede Person sucht einen Safespace im Club und deshalb soll jede:r für sich selbst entscheiden, was die Berliner Techno Clubs einem Mensch hinzufügen. Diese Unstimmigkeit von einer mystischen Fassade und die Wahrheit der Szene muss weiter diskutiert werden mit einem Fokus darauf, wie die Clubszene sich von ihrem Anfang bis zur heute verändert hat. Wie können die Clubs besser an den ursprünglichen Ziel um einen Safe Space von den unterdrückenden Gesellschaft und Regierung zu schaffen kommen, ohne die Reproduktion von Diskriminierung? Diese Frage muss weiter bearbeitet werden, und zwar gemeinsam mit Techno-Fans aller Identitäten, Türsteher, Club-Besitzer und ursprünglichen Techno-Club-Gehenden. Die Clubs müssen für alle, die es suchen, als Safe Space gelten, besonders für diejenigen, die immer noch in der Öffentlichkeit diskriminiert werden. Vielleicht ist die wichtigste Frage, ob Menschen in den Clubs gehen, um zu feiern oder zu flüchten? 38 Literaturverzeichnis Bücher und Artikeln: ℅ Berlin Foundation. “No Photos on the Dance Floor!: Berlin 1989-Today”. Edited by Heiko Hoffmann and Felix Hoffmann. 1. Auflage = First ed., Prestel, 2019. Delaveau, Diana. “How are spaces a significant impact within club cultures?: A case study of fabric London” Birmingham City University Press. April 2017. 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