CEY. Vol 6. Crosson.Die+ASKÖ+und+die+Arbeitersportbewegung+der+Zwischenkriegszeit.docx Die ASKÖ und die Arbeitersportbewegung der Zwischenkriegszeit: Ein Vergleich radikaler Rahmung und Verwirklichung des Programms Harper Crosson Abstrakt Die Wiener Sozialdemokrat:innen der Zwischenkriegszeit wollten einen neuen sozialistischen Menschen ohne Revolution entwickeln. Dieses Ziel erforderte einzigartige und kreative Mittel, die in der Privatsphäre der Arbeiter:innen tätig waren. Ein Instrument, das die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Österreichs (SDAPÖ) zu diesen Zwecken nutzte, war der Arbeitersport: eine einmalige und faszinierende Mischung aus sozialistischen Werten und einer florierenden internationalen Leistungssportverrücktheit. Diese Analyse konzentriert sich zum Teil auf die Veröffentlichungen von Julius Deutsch, dem Leiter der österreichischen Arbeitersportbewegung. Deutschs beschriebene Ziele und radikale Visionen werden dann mit der tatsächlichen Manifestation des Programms verglichen. Es wird gezeigt, dass die proklamierte Radikalität der Bewegung oft hohl war. Diese Erkenntnisse werden dann in die größere Geschichte der SDAPÖ eingeordnet. 4 Überblick und Geschichte des Arbeitersports: Für den modernen Leser sind Dinge wie Wettbewerb und nationale Rivalitäten dem Sport inhärent. Für manche stellen die enorm profitablen modernen Profisportindustrien sogar eine Karikatur der Werte des Kapitalismus dar. Daher scheinen die weit verbreiteten Bemühungen der Zwischenkriegszeit, eine Art sozialistischen Arbeitersport zu kultivieren, der in direktem Gegensatz zu diesen kapitalistischen Werten stand, vielleicht schwer fassbar zu sein. Die anfängliche idealisierte Vision für den sozialistischen Sport umfasste Variationen von kollektiver Demonstration von Gymnastik, Tanz und Kraft, die den Wettbewerb minimierte, und den die Seele, den Körper und das Image der Arbeiterklasse stärkte.1 Die heute spürbare starke Dissonanz zwischen kollektivistischen oder sozialistischen Werten und unserer Vorstellung von Sport, war in der Zwischenkriegszeit sicherlich vorhanden. Es war dieser Widerspruch, der die faszinierende, aber letztendlich zum Scheitern verurteilte Arbeitersport Agenda der Arbeitsgemeinschaft für Sport und Körperkultur in Österreich (ASKÖ) prägte. Der moderne Sport war sicherlich ein Produkt neuer politischer, sozialer und wirtschaftlicher Strukturen, ebenso wie das Konzept der arbeitsfreien Zeit, in denen Sport betrieben wurde. Mit dem Industriekapitalismus kam es zu einer deutlichen Trennung zwischen Arbeit und Erholung. Nur durch diese Unterscheidung konnte sich der Sport, wie er heute existiert, entwickeln.2 Aufgrund seines Status als Freizeitbeschäftigung wurde und wird sein politischer Charakter jedoch oft in den Hintergrund gedrängt. Die ASKÖ, eine Organisation der Sozialdemokratische Arbeiterpartei Österreichs (SDAPÖ) in Wien, und insbesondere ihres Leiters Julius Deutsch, lehnte die Möglichkeit ab, dass eine Sportorganisation, ein Sport, oder die Teilnahme eines Athleten unpolitisch sein könnte.3 In einem Pamphlet von 1931 behauptet Deutsch, dass der bürgerliche Sport (alle Nicht-Arbeitersportarten) immer in einer Weise getrieben wird, die mit kapitalistischem Denken und Fühlen einhergeht.4 Deutsch beanstandete den unpolitischen Charakter des Sports und wollte in seiner utopischen Vision Sportarten schaffen, die Kollektivismus und Solidarität förderten, und vor allem, für Arbeiter:innen eine gesunde Umgebung gewährleisteten, die zur Schaffung einer einzigartigen Arbeiterkultur beitrugen.5 Die Geschichte des österreichischen Arbeitersportes existiert in einem internationalen Kontext. Die Arbeitersportbewegung war in der Zwischenkriegszeit eine weltweite Bewegung, deren größte Teile jedoch in Mitteleuropa angesiedelt waren, insbesondere in 5 Wheeler, “Organized Sport,” 196. 4 Julius Deutsch, “Unter Rote Fahnen! Vom Rekord-zum Massensport,” in Antifaschismus! Proletarische Wehrhaftigkeit Im Kampfe gegen den Faschismus, ed. and transalted by Gabriel Kuhn (Oakland CA: PM press, 2017), 73. 3 Georg Spitaler, “18. Sport und Körperkultur”, In Das Rote Wien: Schlüsseltexte der Zweiten Wiener Moderne 1919–1934 edited by Rob McFarland, Georg Spitaler and Ingo Zechner, (Berlin: De Gruyter Oldenbourg, 2020), 352. 2 Wheeler, “Organized Sport,“ 191-192. 1 Robert F. Wheeler, “Organized Sport and Organized Labour: The Workers’ Sports Movement,” Journal of Contemporary History 13, no. 2 (1978): 196-197. Alle Übersetzungen vom Englischen ins Deutsch sind meine eigenen. 5 den deutschsprachigen Gebieten.6 International entstand 1913 die Arbeitersportbewegung in Belgien, aber löste sich im Ersten Weltkrieg auf. 1920 wurde sie wieder zum Leben erweckt und später 1926 in Sozialistische Arbeitersport Internationale (SASI) umbenannt.7 Auf dem Höhepunkt der Mitgliederzahl und Stärke hatte die SASI über zwei Millionen Mitglieder aus zwanzig Ländern. In Wien begann die Geschichte des organisierten Arbeitersports im Jahr 1891, als der erste Arbeiterturnverein gegründet wurde. Die ASKÖ war dann das Ergebnis eines Zusammenschlusses im Jahre 1919 von vielen bereits bestehenden Arbeitersportorganisationen.8 Auf ihrem Höhepunkt zählte der ASKÖ 300.000 Mitglieder, was ihn zum weltweit größten nationalen Arbeitersportverband im Verhältnis zur Größe der Bevölkerung des Landes machte.9 Die hier vorliegende Arbeit wird sich auf die Schriften des Sozialdemokraten und Leiter der ASKÖ, Julius Deutsch, konzentrieren, aber auch kritische Analysen des österreichischen Arbeitersports miteinbeziehen. Die Analyse ist in drei Kategorien unterteilt: Militarismus, Wettbewerb und Nationalismus, und Körperideale. In diesen drei Bereichen hatten Deutsch und die ASKÖ die schärfste Kritik am bürgerlichen Sport. Es wird gezeigt, wie Deutsch diese Kritik genutzt hat, um den Arbeitersport gegen den bürgerlichen Sport zu schildern – als dichotom – und als vollkommen gegensätzlich. Innerhalb jeder dieser drei Kategorien wird argumentiert, dass die radikale Ausrichtung des Arbeitersports als Antithese zum traditionellen Sport immer wieder schrumpfte und sich veränderte, bis er nicht mehr sehr von seinen verhassten bürgerlichen Gegenstücken zu unterscheiden war. Fig. 1: Der Eröffnungsmarsch der Arbeiterolympiade 1931 in Wien. Unbekannter Fotograf:in.10 10 Wikipedia Commons: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Opening_march_1931_Vienna.JPG 9 Kuhn, Antifascism, Sport, Sobriety, 26. 8 Wheeler, “Organized Sport and Organized Labour,” 198 7 Kuhn, Antifascism, Sport, Sobriety, 87. 6 Gabriel Kuhn, Antifascism, Sport, Sobriety: Forging a Militant Working-Class Culture, (Oakland CA: PM press, 2017), 25. 6 Militarismus: Man kann konkret sagen, dass pazifistische und antimilitaristische Gefühle einen Großteil der austromarxistischen Ideologie untermauert haben.11 Als jedoch bereits Mitte der 1920er-Jahre politische Spannungen zunahmen, haben viele Austromarxist:innen wie Otto Bauer und Julius Deutsch begonnen, die Notwendigkeit des bewaffneten Widerstands und des proletarischen Militarismus zu befürworten.12 Trotz dieser veränderten äußeren Einstellung, als die ASKÖ offen begonnen hat, das Potenzial des Sports als Beitrag zu ihrem Militär anzuerkennen, beharrte die Leiterschaft weiterhin darauf, dass die Militärpolitik und die wachsende militärische Struktur der ASKÖ grundlegend anders und tatsächlich das genaue Gegenteil des traditionellen Militarismus war. Diese Betonung auf Militarisierung wird durch Schriften Deutschs und weiteren Parteipublikationen der SDAPÖ deutlich aufgezeigt. Danach tritt es eine Analyse der Darstellung des Militarismus innerhalb der ASKÖ als gegensätzlich zum traditionellen Militär ein. Die Unwahrheiten dieser Behauptung werden hervorgehoben. Das Parteiprogramm von 1926, das bei der Linzer Parteikonferenz entworfen wurde, ist ein klarer Beweis dafür, dass die Partei bereits 1926 offiziell und offen den potenziellen Bedarf an militärischer Entwicklung anerkannte. Das Linzer Programm wurde von Otto Bauer, einem prominenten Mitglied der SDAPÖ, verfasst: Wenn sich aber die Bourgeoisie gegen die gesellschaftliche Umwälzung, die die Aufgabe der Staatsmacht der Arbeiterklasse sein wird, durch planmäßige Unterbindung des Wirtschaftslebens, durch gewaltsame Auflehnung, durch Verschwörung mit ausländischen gegenrevolutionären Mächten widersetzen sollte, dann wäre die Arbeiterklasse gezwungen, den Widerstand der Bourgeoisie mit den Mitteln der Diktatur zu brechen.13 Dieses Gefühl der Notwendigkeit, sich militärisch auf die faschistische Bedrohung vorzubereiten, wuchs verständlicherweise noch weiter.14 Zudem sagte Julius Deutsch 1931: Heute ist das Ausüben von Sport zu einem Mittel geworden, um das Proletariat zu stärken, ein Mittel, um seine Kampffähigkeit und Kampflust zu steigern. Deswegen müssen die Arbeiter Sportvereine und die proletarischen 14 Spitaler, “18. Sport und Körperkultur,” 352. 13 Otto Bauer et al., Programm der Sozialdemocratischen Arbeiterpartei Duestchösterreichs: Beschlossen vom Parteitag zu Linz am 3. November 1926, (Wein: Europa Verlag Wien, 1926). 12 Öhner, „Austromarxismus,” 34/35. Und Julius Deutsch, “Klassenkampf, Diziplin und Alkohol,” in Antifaschismus! Proletarische Wehrhaftigkeit Im Kampfe gegen den Faschismus, ed. and transalted by Gabriel Kuhn (Oakland CA: PM press, 2017), 97-99. 11 Vrääth Öhner, „Austromarxismus. Die Ideologie der Einheit der österreichischen Arbeiterbewegung,“ In: Das Rote Wien 1919-1934: Ideen, Debatten, Praxis, ed. Schwarz, Werner Michael, Spitaler, and Elke Wikidal. (Birkhäuser, 2019), 35. 7 Verteidigungseinheiten so eng wie möglich miteinander verbunden werden.15 Als Organisation begann der Arbeitersport die Ansichten jener Austromarxist:innen zu verkörpern, die an die Notwendigkeit eines bewaffneten Proletariats glaubten. Sport wurde zum Vehikel für diese Aufrüstung und Militarisierung. Deutsch argumentierte, dass es einfach sei „in modernen Ländern Waffen zu bekommen,“ was allerdings schwierig sei, wäre der Aufbau effektiver, strukturierter und disziplinierter Militäreinheiten.16 Diese könnten aber durch Sport gefördert werden. Deutsch erkannte auch, dass die Zahl der Menschen mit militärischer Erfahrung aus „dem Krieg“ verschwinden werde, und Sport ein Mittel war, um junge Menschen militärisch auszubilden.17 Als die politischen Spannungen zunahmen, wurde Sport immer mehr als Mittel gesehen, das Proletariat auf bewaffnete Konflikte vorzubereiten. Um das Ausmaß der Militarisierung des Arbeitersports bis in die 1930er Jahre zu verstehen, und um die Begründung daher später zu kontextualisieren, ist eine Beschreibung des „Wehrsports“ und eine kurze Geschichte seines Platzes in der ASKÖ erforderlich. Wehrsport war im Wesentlichen militärisches Training: Wehrsport war als Mittel zugedacht, um junge Arbeiter:innen der Verteidigung auszubilden und ihnen beizubringen, sich in geschlossenen Formationen zu bewegen, lange Märsche zu ertragen, Hindernisse zu überwinden, mit Schusswaffen umzugehen, und sich in anderen Kampfformen beteiligen.18 Niemand würde dies als modernen Sport bezeichnen - Das war einfach militärische Ausbildung. Natürlich muss dies als Reaktion und Antwort auf die zunehmende Flut des Faschismus verstanden werden, aber die Einzelheiten und Merkmale dieses Übergangs zum Militarismus müssen noch kritisch hinterfragt werden. Die Anerkennung der Bedeutung des Sports für den Aufbau leistungsfähiger Militäreinheiten existierte schon vor 1927, und wurde ab 1926 ausdrücklich (offiziell) eingegliedert.19 Es überrascht nicht, dass Deutsch auch die paramilitärische Organisation der SDAPÖ (den Schutzbund) anführte.20 Die tragischen Ereignisse des 15. Juli 1927 haben die Verbindung zwischen sozialistischem Sport und Militär schließlich endgültig vereinheitlicht. Am 15. Juli 1927 gab es eine Massendemonstration, die durch den Freispruch von drei nationalistischen 20 Kuhn, Antifascism, Sport, Sobriety, vi. 19 Helmut Gruber, Red Vienna: Experiment in Working Class Culture, (New York: Oxford University Press, 1991), 105. 18 Deutsch, “Unter rote Fahnen!“ 83. 17 Kuhn, Antifascism, Sport, Sobriety, 66. 16 Julius Deutsch, “Organisation des Selbstschutzes,” in Antifaschismus! Proletarische Wehrhaftigkeit Im Kampfe gegen den Faschismus, ed. and transalted by Gabriel Kuhn (Oakland CA: PM press, 2017), 62. 15 “Internationaler Sozialistischer Verband für Arbeitersport und Körperkultur (ISVAK),“ In Bericht über den IV. Kongress zu Helsingfors, 5-8 August 1927 (Leipzig: Arbeiter-Turnverlag) 57-58. 8 Heimwehr-Angehörigen eingeleitet wurde, die zuvor zwei Leute bei einer sozialdemokratischen Veranstaltung ermordet hatten.21 Es kam zu Gewalt, der Justizpalast wurde in Brand gesetzt und die Heimwehr hat fast 100 Demonstranten getötet.22 Vor 1927 war der Wehrsport bereits ein großer Teil des ASKÖ-Programms. Nach dem 15. Juli 1927 waren praktisch alle Mitgliedsverbände der ASKÖ verpflichtet, sich der Ausübung des „Wehrsports“ mindestens Teilzeit zu widmen.23 Militäreinheiten (der Schutzbund) und Sportvereine existierten zu diesem Zeitpunkt nicht mehr unter einem organisatorischen Dach, sondern wurden strukturell vereint. Angesichts des politischen Kontexts ist es keine Überraschung, dass die Sozialdemokrat:innen sich auf den Kampf gegen die faschistische Bedrohung vorbereitet haben. Es kann nicht stark kritisiert werden, dass der Pazifismus, der dem Austromarxismus untermauert hat, in vielen Fällen aufgegeben wurde. Jedoch kann eine differenziertere und kritischere Analyse der Unterschiede zwischen den proklamierten Zielen der ASKÖ und ihrer Verwirklichung in der Begründung und der Rahmung, die für die Militarisierung des Sports angeführt wurden, erfolgen. Die Vorsitzenden der ASKÖ stellten sich und ihre Agenda weiterhin im Gegensatz zu ihren bürgerlichen Gegenstücken dar. Deutsch verurteilte „die bürgerlichen Sportvereine, [weil sie] die Leidenschaft der Jugend für den Militarismus geweckt haben.“24 Deutsch definiert aber den Militarismus eng als „die Maschinerie der Unterdrückung“ und „das wichtigste Element des Machtapparates, das von der herrschenden Klasse des Staates eingesetzt wird.“ Er behauptet dann: „In diesem Sinne ist es klar, dass die Organisation des proletarischen Selbstschutzes nichts mit Militarismus zu tun hat.“25 Deutsch trennt Militarismus und „militärische[...] Strukturen“ und glaubt dann, dass „es keinen besonderen Grund gibt, warum das Proletariat keine militärischen Strukturen nutzen sollte.“26 Jenseits von Deutschs paradoxer Konstruktion der Dichotomie zwischen „Militarismus“ und „Militärischen Strukturen,“ ist eine viel substanziellere und auch bedrohliche falsche Dichotomie, die Deutsch versuchte, zwischen der Hierarchie und Struktur seiner militärischen Organisation und einem bürgerlichen Militär zu ziehen. Völlig im Gegensatz zu der „Maschinerie der Unterdrückung“ wurden der Arbeitersport und die militärischen Strukturen, die ihn umfassten, als Manifestationen proletarischer Macht dargestellt. In einer Veröffentlichung von 1926 behauptete Deutsch: Der innere Kern des Militarismus ist fremd und feindlich zu dem Volk. Die proletarischen Verteidigungseinheiten [des Schutzbundes] sind ganz anders. Sie gehören zum Fleisch und Blut des Proletariats. Wenn sie nicht von dem Proletariat getragen würden, wären sie nur bleiche 26 Deutsch “Organisation des Selbstschutzes,” 59/60. 25 Deutsch “Organisation des Selbstschutzes,” 59. 24 Deutsch, “Unter rote Fahnen!“ 88. 23 Gruber, Red Vienna, 105/6. 22 William P. Barnett and Michael Woywode, “From Red Vienna to the Anschluss: Ideological Competition among Viennese Newspapers during the Rise of National Socialism,” American Journal of Sociology 109, (2004) 1467. 21 Kristie A. Foell, “July 15, 1927: The Vienna Palace of Justice Is Burned in a Mass Uprising of Viennese Workers, a Central Experience in the Life and Work of Elias Canetti,” in Yale Companion to Jewish Writing and Thought in German Culture, 1096-1996, ed. Sander L. Gilman and Jack Zipes, 464–70. (Yale University Press, 1997), 1098. 9 und leblose Gespenster.27 Deutsch hat dramatisch die Ansicht vertreten, dass diese militärischen Strukturen ein Mittel zum Ausdruck der Macht des Proletariats waren. Die Kontrolle kam ausschließlich von und durch die Mitgliederbasis. Die militärischen Strukturen der ASKÖ waren angeblich eine Antithese der, von-oben-nach-unten Strukturen der Heimwehr und traditionellen Militäreinsätze des ersten Weltkrieges. Diese radikale und idealisierte Darstellung der Machtstrukturen innerhalb der Militarisierung des ASKÖ greift zu kurz. Ein Hindernis auf dem Weg zur Verwirklichung dieser radikalen militärischen Struktur war der Hintergrund Deutschs in der K.u.K. Armee. Die ungarische Revolutionärin Ilona Duczynska, die zur Zeit des Bürgerkriegs in Wien lebte, übte nach der Niederlage der Sozialisten im Jahre 1934 im österreichischen Bürgerkrieg viel Kritik an dem Schutzbund und an den proletarischen Militärstrukturen. Duczynska kritisiert Deutsch und seine Leitung, und behauptet allgemein, dass er „streng konventionelle Formen militärischer Aktivitäten gefördert hat, die für den Straßenkampf gegen das reguläre Militär völlig ungeeignet sind.“28 Die Implikationen dieser Militärstruktur auf den Konflikt von 1934 sind weniger wichtig für das Argument hier als die Tatsache, dass Autor:innen der damaligen Zeit den Irrtum von Deutschs vorgeschlagener radikaler Struktur des Schutzbundes sah, und die Konventionalität der Methode und Hierarchie darin erkannten. Moderne Wissenschaftler:innen stimmen Duczynska zu. Kristie Foell gruppiert die Wiener „politische Rechte“ mit „eher konservativen Sozialdemokrat:innen“ zusammen, indem sie beide die Ereignisse vom 15. Juli 1927 als „Verbrechen der Horde“ betrachteten.29 Interessanterweise stimmen sowohl die konservativen Sozialdemokrat:innen als auch die Rechte im Allgemeinen zu, dass an erster Stelle der Verbrechen die Zerstörung von Eigentum war. Foell behauptet dann, dass beide Gruppen diese „Zerstörung“ auf „das Versäumnis der Sozialdemokrat:innen, ihre Anhänger:innen in angemessener Parteidisziplin zu erziehen, zurückführten...[und] einige der sozialdemokratischen Leiter [nämlich Deutsch] gaben dies zu.“30 Sicherlich wollten die Sozialdemokraten, auch der konservative Flügelfähig sein, gegen den Faschismus zu kämpfen. Dahingegen, insbesondere im Lichte von Foells Analyse, scheint es, dass einige konservative Sozialdemokrat:innen wie Deutsch diese Militarisierung als eine Möglichkeit betrachteten, ein weiteres Ereignis zu vermeiden, bei dem Arbeiter:innen außerhalb der Kontrolle und des Diktats der SDAPÖ handelten und demonstrieren würden. Bezugnehmend auf den Schutzbund, meint Historiker Helmut Gruber kurz zusammengefasst, dass „strenge Disziplin, ein geschworener Eid, ein Führerkult [mit Julius Deutsch als Führerfigur] und das Verbot aller politischen Diskussionen (...) das 30 Foell, “July 15, 1927”, 464/465. 29 Foell, “July 15, 1927: The Vienna Palace of Justice Is Burned in a Mass Uprising of Viennese Workers, a Central Experience in the Life and Work of Elias Canetti,” 464. 28 Radomir Luza, review of Workers in Arms: The Austrian Schutzbund and the Civil War of 1934, by Ilona Duczynska. The Journal of Modern History 51, no. 3 (1979): 604 27 Deutsch, “Organisation des Selbstschutzes,” 59/60. 10 Ende der ursprünglichen Ziele der SDAPÖ“ markierten.31 Die radikalen ausgerichteten militärischen Strukturen der ASKÖ spiegelten so die bürgerlichen und faschistischen Militärs wider, denen sie in Form angeblich entgegengesetzt waren. Der soziale und politische Kontext, in dem sich die Austromarxist:innen und die ASKÖ befanden, machte es unmöglich, ihre Mission und ursprünglichen Ideale zu verwirklichen . Die Geschichte des Arbeitersports und seiner Militarisierung spiegelt die umfassendere Geschichte einer Partei wider, die unter der wachsenden faschistischen Macht zum Scheitern verurteilt war. In diesem Licht meint Historiker Gabriel Kuhn: „Die positiven Folgen des Schutzbundes dürfen im Frust über verpasste Chancen und eventuelle Niederlagen nicht übersehen werden.“32 Diese Meinung wird aber von manchen modernen und damaligen Wissenschafter:innen widerlegt, die der Meinung sind, dass die Militäraspekte der ASKÖ, natürlich inklusive des Schutzbunds, „die Eigeninitiative den Arbeiter:innen untergrub. Diese widersprach den kulturellen Idealen des Austromarxismus und machte die Organisation zu einer Polizeitruppe der Arbeiter:innen anstatt zu einer Kampftruppe gegen die Bourgeoisie.“33 Mit dem gleichen Ton sprach Karl Haas „von einer bewaffneten Arbeiterklasse, und einer proletarischen Miliz, die Parteisoldatenschaft unter ernannten Führern war alles, was übrigblieb.“34 Dies entspricht der Kritik von Foell und Duczynska. Diese widersprüchlichen Meinungen vertreten eine optimistische und auch ziemliche pessimistische Wahrnehmung der ASKÖ. Klar ist jedoch, dass ein Teil der Begründung für die vollständige Militarisierung der ASKÖ der Versuch war, die Arbeiter:innen zu kontrollieren, und keineswegs eine Manifestation der proletarischen Macht von unten nach oben, wie Deutsch zu argumentieren versuchte. Die strenge Hierarchie, Struktur und militärischen Praktiken der ASKÖ spiegelten die bürgerlichen Militärs, die sie anfangs offen ablehnten, und gegen die sie sich als Gegensätze positionierten, wider. Körperkultur und Massenästhetik: Die Besessenheit von muskulösen, fähigen, kräftigen männlichen Körpern, die wir in der faschistischen Propaganda dieser Zeit sehen, war nicht nur auf nationalsozialistische Kreise beschränkt. Dies war ein Phänomen, das über Parteigrenzen hinausging. Das Gleiche gilt für die Betonung von Massenästhetiken, die mit der Körperkultur verbunden waren. In diesem Abschnitt wird zunächst die Diskussion über die Militarisierung des Sports fortgesetzt, wobei der Schwerpunkt auf der Massenästhetik innerhalb der ASKÖ und dem performativen Charakter der ASKÖ liegt. Es wird eine Fallstudie vorgestellt, die diesen allgemeinen Wahnsinn um Körperideale veranschaulicht. In Bezug auf Körperideale und Massenästhetik wird das Muster der radikalen Formulierung der ASKÖ, die letztlich zu kurz kommt und die dominante bürgerliche Kultur widerspiegelt, fortgeführt. 34 Karl Haas, “Die Wehr Politik der Sozialdemocratie,” Vortrag gehalten beim symposium Österreich, 1927-1938, Zitiert von Ilona Duczynska, Workers in Arms, (New York : Monthly Review Press, 1978), 59. 33 Gruber, Red Vienna, 56. 32 Kuhn, Antifascism, Sport, Sobriety, 42. 31 Gruber, Red Vienna, 105. 11 Deutsch kritisiert den bürgerlichen Sport, indem nur „Spitzenleistungen" geschätzt wurden. Er argumentierte, dass dies nicht die beste Funktion des Sports sei, insbesondere für Arbeiter:innen. Deutsch sagte, dass „Sport alle Teile des Körpers harmonisch entwickeln sollte“ und es nicht um beeindruckende Leistungen gehen sollte.35 Er weist darauf hin, dass beeindruckende sportliche Leistungen,„Spitzenleistungen" und das erreichen von Perfektion für Menschen, die einen Großteil ihrer Zeit arbeiteten, nicht möglich wäre. Deswegen geht es beim Arbeitersport darum, einfach eine gesündere Arbeiterklasse zu schaffen, und nicht Meistersportler oder extreme Stärke zu entwickeln.36 In gewisser Weise wird in den Programmen von der ASKÖ ein Mangel an Betonung auf extreme Kraft oder Körperperfektion gelegt. Gabriel Kuhn beschreibt, wie die Laufwettkämpfe der bürgerlichen Sportvereine durch Wandertouren im Grünen ersetzt wurden, und Schwimmwettkämpfe durch Rettungskurse und Wassergymnastik. Beides deutet auf eine vermeintliche verminderte Betonung des Wettbewerbs hin, die diskutiert werden wird, aber es zeigt auch einen Mangel an Betonung auf die Kultivierung extremer Stärke. Die Geschwindigkeit und die offensichtliche Kraft, die für Erfolg bei einem Sprintrennen erforderlich sind, wurden angeblich zugunsten der allgemeinen Gesundheit und Atmosphäre verworfen, die durch Aktivitäten wie Gruppenwanderungen geschaffen wurden.37 Diese Behauptungen über die Werte der AKSÖ wurden allerdings nicht verwirklicht. Um die Körperideale innerhalb der ASKÖ zu analysieren, ist ein Verständnis der extremen kulturellen Besessenheit von männlicher Stärke und körperlicher Perfektion im Allgemeinen zu dieser Zeit erforderlich. Dies wird durch die bizarre Fallstudie von Breitbarts Besuch in Österreich illustriert. Siegmund Breitbart war ein russischer Bodybuilder, der eine Tournee durch Europa unternahm. Breitbarts beabsichtigter einmonatiger Aufenthalt in Wien wurde auf drei verlängert, da die Stadt von ihm besessen war.38 Seine nächtlichen Auftritte fanden vor ausverkauften Mengen von 1500 Leuten statt.39 Die illustrierte Kronen-Zeitung berichtete, dass Kinder jeden Alters von Breitbarts Stärke wussten.40 Ein Reporter des Neuigkeits-Weltblatt hat einen Café-Besitzer interviewt, der sich über Breitbarts Auftritt in Wien beschwerte, weil seine Kunden bei Kraftwettkämpfen Löcher in Wände geschlagen, die Gardinenstangen verbogen und mit bloßen Händen Nägel in die Tische genagelt hatten, als sie versuchten, Breitbarts Auftritte zu replizieren.41 Einmal hat Breitbart mit seinen Zähnen durch eine Metallkette gebissen und ein Reporter beschrieb die folgenden Ereignisse als „schwer zu beschreiben...Frauen stürmten auf die Bühne, um ihn zu küssen.“42 Breitbarts „wohl proportionierter und ausgewogener Körper repräsentierte das zeitgenössische Ideal der Körperkulturbewegung, 42 „Hie Breitbart, Hie Martha Farra,” Illustrierte Wiener Extra Blatt, Februar 3, 1923 S. 41 "Der Breitbart-Rummel in Wien," Neuigkeits-Weltblatt, Jan. 31, 1923, 5. 40 „Breitbart Zeigt Wieder Etwas Neues, “Illustrierte Kronen- Zeitung, Feb. 3, 1923, p. 4. 39 Gillerman, „Samson in Vienna,” 69. 38 Sharon Gillerman, “Samson in Vienna: The Theatrics of Jewish Masculinity,” Jewish Social Studies 9, no. 2 (2003): 70. 37 Wheeler, “Organized Sport,” 196. 36 Deutsch, “Unter rote Fahnen!“ 74. 35 Kuhn, Antifascism, Sport, Sobriety, 74. 12 Kraft und Schönheit.“43 Diese wahnsinnige Besessenheit und Begeisterung, die Breitbart in Wien auslöste, spiegelt das unglaublich hohe Maß wider, in dem männliche Stärke und männliche körperliche Schönheit idealisiert und angestrebt wurde. Trotz der angeblichen Konzeption und Ziele des ASKÖ-Sports konnte sich die darin formulierte Körperkultur dem breitbart-esken Konzept maskuliner Perfektion nicht entziehen. Ganzheitliche und allgemeine Gesundheit waren nicht das einzige Ziel in Bezug auf die Körper der Arbeiter:innen. Die Massenausstellung von Athlet:innen war nicht nur eine Demonstration der Parteistärke und der potenziellen Kampfkraft der Arbeiter:innen, sondern die einzelnen Arbeiterkörperschaften wurden als Beweis für den Erfolg des Arbeitersports und der Kultur der Arbeiterklasse angesehen. Die SDAP wollte den „neuen Menschen“ schaffen: ein neues, aufgeklärtes Mitglied des Proletariats und Akteur des sozialistischen Wandels. Wie bereits erwähnt, war Sport eine der wichtigsten Methoden, um die Kultur der Arbeiterklasse zu schaffen, die notwendig ist, um diese „neuen Menschen“ hervorzubringen. Die Kulturlandschaft mit Breitbart und der mit dem Nationalsozialismus verbundenen Körperkultur ragte jedoch groß heraus. Die Körperideale der ASKÖ und der Nationalsozialisten sind in Bezug auf Umfang, Ausmaß und Schaden nicht vergleichbar. Wir können jedoch die vorherrschende Kultur anerkennen, die beide tief beeinflusst hat. Ein großer Teil der Konzeption des „neuen Menschen“ und des idealen sozialistischen Arbeitersportlers beinhaltete „die Verherrlichung der (männlichen) Körperliche Kraft und verbundenen Ideale von Schönheit und Gesundheit.“44 Die ASKÖ formulierte sich gegen offene Zurschaustellung von körperlicher Kraft und athletischer Perfektion, die Körperkultur, mit der dieser jedoch durchdrungen war, spiegelte immer noch die bürgerliche Gesellschaft wider, in der sie existierte. Die Körperkultur der ASKÖ spiegelt die bürgerliche Gesellschaft spezifischer und differenzierter wider als nur die allgemeine Verherrlichung männlicher Kraft und Muskulatur. Die Nüchternheit und Alkoholabsitnenz der Arbeiter:innen waren wichtigere Teile der Arbeitersportbewegung und ein großer Teil von Deutschs Mission mit der ASKÖ. Deutsch glaubte, wie viele andere, dass Alkohol den Klassenkampf behinderte. Weiterhin glaubte er, dass Sport das wirksamste Mittel zur Steigerung der Nüchternheit der Arbeiter:innen war.45 Die Art und Weise, wie Deutsch diese Funktion des Sports beschrieb, ähnelt jedoch auf unheimliche Weise der klassischen christlichen Rhetorik, die er und andere Sozialdemokraten verpönten. Die spezifische Sprache der folgenden Veröffentlichung von Deutsch ist hier sehr aufschlussreich: Der Arbeitersportler braucht hauptsächlich die innere Stärke, die nötig ist, um in den schwierigen Kämpfen unserer Zeit bestehen zu können. Klarheit und Nüchternheit, Disziplin und Besonnenheit, heiliger Enthusiasmus und Opferwille: das sind die Eigenschaften, die den sozialistischen Kampf ausmachen.46 46 Deutsch, “Sportler, meidet den Alkohol,“ 1. 45 Julius Deutsch, “Sportler, meidet den Alkohol!”, Der Weckruf. Zeitschrift des Arbeiter-Abstinentenbundes in der Tschechslowakischen Republik no. 3 (June 1936): 1. Und Deutsch, “Klassenkampf, Diziplin und Alkohol,“ 98-100. 44 Kuhn, Antifascism, Sport, Sobriety, 44. 43 Gillerman, “Samson in Vienna,” 90. 13 Die Ähnlichkeit zwischen dem Begriff „innere Stärke“, der sich hier auf das Widerstehen von Versuchungen bezieht, und religiösen, puritanischen Botschaften ist unbestreitbar. Auch die Verwendung des Begriffs „heilig“ ist nicht zufällig, noch ist die zutiefst christliche Vorstellung von der Wichtigkeit des Opfers. Die Verbindung von Sport, körperlicher Betätigung, und Körperkultur mit Moralvorstellungen wurde 1931 von Deutsch ausdrücklich betont: „Körperliche Bildung ist für den moralischen Fortschritt des Proletariats unerlässlich.“47 Moralische Botschaft in Bezug auf Sport war überall. Eine Anzeige für einen Arbeiter-Jiu-Jitsu-Club lautete: „Der Sport entfaltet jene körperlichen, moralischen und geistigen Kräfte, die die Arbeiterklasse zu ihrem wirtschaftlichen und kulturellen Aufstieg braucht.”48 Dieser religiöse Ton eine große Abschreckung für viele Arbeiter:innen und nach Ansicht einiger Wissenschaftler:innen ein Hindernis für die Arbeitersportbewegung dar.49 Die moralische Rhetorik ist ein weiteres Beispiel für den Arbeitersport und die Ähnlichkeit der ASKÖ mit jenen bürgerlichen Institutionen, die sie kritisierte, in diesem Fall die Kirche. Es macht Sinn, dass jede große Mäßigkeitsbewegung, selbst wenn sie sozialistisch wäre, einen ähnlichen Ton anschlagen und eine gewisse Rhetorik mit der vorherrschenden Quelle der Mäßigkeitsrhetorik teilen würde: der katholischen Kirche. Wir sehen immer wieder, dass es unmöglich ist, der vorherrschenden Kultur zu entkommen. Ebenso wäre es beeindruckend gewesen, wenn die ASKÖ der Körperkultur, die Breitbarts Ruhm umgibt, widerstanden hätte, ganz zu schweigen dem allgegenwärtigen kulturellen Einfluss der Kirche. Breitbart illustriert eine Stadt, die von einer Vision männlicher Stärke und Körperperfektion besessen war. Es ist keine Überraschung, dass die ASKÖs in vieler Hinsichten diesem Körperwahn folgten. Es ist auch nicht neu oder seltsam, dass bei den Arbeiterolympiaden die Zurschaustellung von Körpern und Massendemonstrationen sportlicher Stärke dazu benutzt wurden, die Stärke der Arbeiterbewegung als Ganzes zu reflektieren. 50 Die Körperideale und Betonung der Massenästhetik und körperliche Perfektion innerhalb der ASKÖ sind an Schaden und Umfang nicht mit denen der Nationalsozialisten gleichzusetzen. In ähnlicher Weise gab es einzigartige sozialistische Untertöne in den Vorstellungen von Moral und körperlicher Reinheit, die den direkten Vergleich mit christlicher Rhetorik erschweren. Diese verwandten Merkmale offenbaren jedoch die Konvergenz und Überschneidung der ASKÖ mit bürgerlichen Institutionen; der Fehlschluss ihrer radikalen Abkehr davon ist bewiesen. Wettbewerb und Nationalismus: 50 Es ist üblich, dass Nationen die Athlet:innen, die sie zu modernen Olympischen Spielen schickten, insbesondere im Kontext des Kalten Krieges, als Ausdruck des Erfolgs der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Initiativen ihres Landes betrachteten. Bei den Arbeiterolympiaden war das anders, weil nationale Grenzen weniger betont wurden, aber das zugrundeliegende Konzept war das gleiche. 49 Kuhn, Antifascism, Sport, Sobriety, 44. Und Gruber, Red Vienna, 142-144. 48 Kuhn, Antifascism, Sport, Sobriety, 32. 47 Deutsch, “Unter rote Fahnen!“ 87. 14 Sport ohne Wettkampf ist schwer vorzustellen, aber für viele Befürworter des Roten Wien war dies eine Möglichkeit. Sie behaupteten, dass Wettbewerb, der sich natürlich an kapitalistischen Werten ausrichtete, kein wesentlicher Bestandteil des Sports sei. Viel mehr war Wettbewerb im Sport für sie eine Wirkung kapitalistischer Rahmenordnungen, die den bürgerlichen Sport beeinflussten: „in dem Maße als die Entwicklung des Kapitalismus fortschreitet, färbt sie Mußestunden der Bourgeoisie ihre Merkmale auf.“51 Das Beharren auf Wettbewerb und die „Jagd nach Rekorden“ wurde als bürgerlich-kapitalistisches Phänomen bezeichnet, von dem der Arbeitersport vermutlich abwich. Mit einem sehr kritischen Ton sagte Deutsch „Um den individuellen Erfolg zu messen, sind Aufzeichnungen erforderlich. Im bürgerlichen Sport wird das Aufstellen neuer Rekorde zum obersten Ziel.“52 Die natürliche Verbindung zwischen Anti-Individualismus und Anti-Wettbewerb wird hier deutlich erkennbar. Deutsch und andere Befürworter des Arbeitersports waren der Meinung, dass die Besessenheit, Rekorde zu schaffen, und die individualistische Überhöhung von "Gewinnern", die Exklusivität des Sports erhöht hat, für Arbeiter:innen eine unerreichbare Aussicht war und eine Ablenkung des Potenzials des Sports für Arbeiter:innen war. Der Arbeitersport folgt dieser Rekordbesessenheit angeblich nicht und hat sich „im Kern“ von den bürgerlichen Sportarten unterschieden: „Während der bürgerliche Sport Einzelleistung und Rekorde verfechtet, verfechtet der Arbeitersport Leistungen der Massen und Solidarität. "53 Die Arbeiterzeitung legte dar, dass es im Sport nicht um „die Vernichtung des Gegners” geht, sondern um „die gemeinsame Ertüchtigung beider Teile.”54Es ist klar, dass in der Arbeitersportbewegung Kritik am Wettbewerb, und des damit verbundenen Individualismus und der Rekordjagd, die im bürgerlichen Sport waren, weit verbreitet war; Ebenso war das Beharren darauf, dass der Arbeitersport in direktem Gegensatz zu diesem Wettbewerb steht. Die angeblich antinationalistischen Tendenzen des Arbeitersports waren eng mit dieser Antiwettbewerbsauffassung verbunden, weil der Wettbewerb “Nation gegen Nation” im Sport den Nationalismus fördert. 1931 deklarierte Deutsch „die bürgerlichen Sportverbände gehören seit jeher zu den stärksten Trägern von Chauvinismus und Nationalismus.“55 Deutsch behauptete vehement, dass der bürgerliche Sport das „Rückgrat der nationalistischen Bewegung“ ist. Gleichweise, im Handbuch der Frankfurter Arbeiterolympiade von 1925 wird folgendes festgehalten: die bürgerlichen Olympischen Spiele werden immer von dem Ungeist des Nationalismus geschädigt... [aber] wir [die Arbeiterolympiade] verleihen Nationen keine Lorbeerkränze, und wir hissen nicht ihre Flagge. Stattdessen kommen wir zusammen als Brüder und Schwestern unter der Flagge des Sozialismus.56 Diese Haltung und vorgetragene Vision für den Arbeitersport wird von der ASKÖ und insbesondere von Deutsch eingenommen. Wie üblich wird der Arbeitersport als radikale 56 Handbuch für die Arbeiterolympiade in Frankfurt am Main 1925, zitiert in Kuhn, Antifascism, Sport, Sobriety, 29. 55 Deutsch, “Unter rote Fahnen!“ 88. 54 Dr. J Hannas, „Sport und Faschismus,“ Arbeiter Zeitung, 15. Marz 1924, 7. 53 Deutsch, “Unter rote Fahnen!“ 77. 52 Deutsch, “Unter rote Fahnen!“ 73. 51 „Sport und Arbeiter Klasse,“ Arbeiter Zeitung, Juli 4. 1926, 3. 15 Abkehr von diesen schädlichen nationalistischen Tendenzen des bürgerlichen Sports und damit der bürgerlichen Gesellschaft dargestellt, die dieser Sport repräsentiert. Ein vernichtendes Stück widersprüchlicher Beweise gegen die obige Erzählung stammt aus der Veröffentlichung der Arbeiterzeitung vom 27. August 1931, die direkt nach der Arbeiterolympiade von 1931 in Wien veröffentlicht wurde. Eine Schlagzeile auf der Titelseite lautete „Österreichs Siege bei der Olympiade.“57Nationalstolz und Konkurrenz auf einen Schlag. Alle idealistischen und radikalen Einstellungen zum Wettbewerb als auch Nationalismus werden sofort in Frage gestellt. Mit dieser wird dem Beharren auf die Vermeidung des Wettbewerbs zugunsten von Solidarität widersprochen und diese Schlagzeile steht im offensichtlichen Konflikt mit den Aussagen des ASKÖ und ihrer Ablehnung nationaler Konkurrenz und Rivalität. In Bezug auf Wettbewerb und Nationalismus wird hier die Arbeiterolympiade und der österreichische Arbeitersport als Nachahmer für bürgerlichen Sport und Olympiaden gesehen. Der Sport war in der Zwischenkriegszeit ein internationales Phänomen, das sich weitaus schneller ausbreitete als in jeder anderen Periode der Geschichte. Es scheint eine unmögliche Aufgabe zu sein, der Kultur des „ausdehnenden Nexus des globalen sportlichen Wettkampfs in den 1920er und 1930er Jahren“ zu entkommen und gleichzeitig die Mitgliedschaft aufrechtzuerhalten.58 Wien wurde „vom Sportwahn der Zwischenkriegszeit erfasst“, was bürgerlichen, organisierten, wettbewerbsorientierten, individualistischen und nationalistischen Sport bedeutet.59„Die Sozialdemokratie musste gegen den Boom des kommerziellen Sports antreten“,Spektakel und Wettbewerb waren ein Weg, dies zu tun.60 Tatsächlich war diese „Entscheidung, den Mannschaftssport und damit den Wettbewerb zu verstärken, offenbar eine Reaktion auf den Druck der Arbeiter:innen von der Basis.“61 Es muss daran erinnert werden, dass für Deutsch eine der Hauptfunktionen des Arbeitersports die Rekrutierung neuer Parteimitglieder:innen und später auch Militärpersonal war. Um zu rekrutieren, musste der Arbeitersport versuchen, den kulturellen Wünschen Wiens anzusprechen. Unleugbar ist auch, dass in der Wiener Bevölkerung, auf die die ASKÖ besonders abzielte, Nationalstolz und Nationalismus stetig wuchsen. Insofern kann der Appell daran als Ausdruck nationalistischer Ideologie innerhalb der Parteiführung gewertet werden, aber auch als Versuch, Bevölkerungsschichten anzusprechen, für die Nationalstolz immer wichtiger wurde, oder beides. Genau wie bei Körperkultur und Aspekten des Militarismus, war dieser Trend in vielen Facetten des Arbeitersports sichtbar: die ASKÖ konnte sich den Einflüssen des größeren kulturellen Kontextes, in dem sie existierte, nicht entziehen. Deutsch hat beispielhaft behauptet, „die Begriffe bürgerlicher Sport und Arbeitersport bezeichnen nicht nur politische Gegensätze, sie weisen auch auf tiefe sachliche 61 Wheeler, „Organized Sport,” 197. 60 Spitaler, "18. Sport und Körperkultur,” 351. 59 Bowman, „Hakoah Vienna and the International Nature of Interwar Austrian Sports,” 646. 58 William D. Bowman, „Hakoah Vienna and the International Nature of Interwar Austrian Sports.” Central European History 44, no. 4 (2011): 667. 57 „Österreichs Siege bei der Olympiade,“ Arbeiter Zeitung, 27. August 1931, 1. 16 Unterschiede hin. Ihr innerstes Wesen ist anders.“62 Wir haben viele Beispiele dafür, dass dies falsch ist. Die ASKÖ hat nicht nur Wettbewerb, Nationalismus und Militarismus kritisiert, sondern sie haben sich und den Arbeitersport in völlige Opposition zu diesen Kräften dargestellt. Im Laufe der Zeit wuchsen jedoch alle drei und prägten die Struktur und Organisation der Programmierung der ASKÖ. Dasselbe gilt für die Körperkultur innerhalb der ASKÖ. Obwohl die sozialdemokratische Führung weiterhin akribisch bürgerliche Körperideale im Sport, und allgemein, anprangerte, richtete sich das innige Wertsystem mit der Zeit immer mehr an bürgerlichen und sogar faschistischen Körperidealen aus. Dieses Argument zielt nicht darauf ab, den Schaden und die Reichweite des Militarismus, Nationalismus oder der Körperideale den damaligen Faschismus mit denen innerhalb der ASKÖ oder SDAPÖ gleichzusetzen. Vielmehr soll gezeigt werden, dass die ASKÖ sich in allen Aspekten, die sich selbst als radikale Abkehr vom bürgerlichen Sport bezeichnet hat, in Struktur, Form und oft auch Inhalt an ein etabliertes bürgerliches Muster angepasst hat. Die Bedeutung dieser Analyse ist nicht auf den Bereich des Sports beschränkt. Eine Analyse von Alys George, der die „Festivalkultur“ im Österreich der Zwischenkriegszeit untersucht, liefert beim Vergleich der katholisch konservativen Salzburger Festspiele und dem von den Sozialdemokrat:innen betriebenen Massenfestival ein bemerkenswert ähnliches Argument. Georg Argumentiert, dass das Massenfestspiel eine „symbolische Kompensation für den relativen Mangel an konkreten Veränderungen“ war. George weist nicht nur auf den relativen Mangel an Radikalität oder Aktion der SDAP hin, sie argumentiert weiter, dass trotz der unterschiedlichen ideologischen Tonfälle, beide Festivals in einem sehr messbaren Sinne gestaltet waren... Obwohl Organisatoren beider Lager [konservativ und sozialistisch] die Übereinstimmung der Festivals weitgehend ablehnten, mobilisierten sie, zu verschiedene Zielen, überraschend ähnliche Strategien, um maximale Wirkung und Reichweite zu erreichen.“63 So wie die ASKÖ von religiösen und bürgerlichen Werten definiert wurde, während Deutsch solche Werte denunziert, argumentiert George, dass „obwohl der Inhalt der Festivalaufführung [des Massenfestspiel] offensichtlich die Religion verteufelte...basierte seine Form dennoch auf einer klerikalen Vorlage.“64 Auf Festivals und im Theater, aber auch im Sport und in der Körperkultur, die Sozialdemokrat:innen predigten Narrative der Radikalität, in denen sie gegenüber dem bürgerlichen Mainstream dichotom waren, aber der Kern ihrer Programmierung beruhte auf unglaublich ähnlichen kulturellen Systemen, Symbolen, Rahmenwerken und Werkzeugen. In diesem Sinne kann diese Analyse der ASKÖ als eine Fortsetzung von Georgs Analyse angesehen werden, die ihre These über den Vergleich von Festivals hinaus erweitert und allgemeiner in den Bereich aller aufwändigen Kulturprogramme der Sozialdemokrat:innen des roten Wiens hineinreicht. Abschluss 64 George, Everyman and the New Man, 221. 63 Alys X. George. “Everyman and the New Man: Festival Culture in Interwar Austria.” Austrian Studies 25 (2017): 198–214. 62 Deutsch, “Unter rote Fahnen!“ 77. 17 Der Arbeitersport hinkte dem bürgerlichen Sport immer hinterher und hatte nur den wettbewerbsorientierten, individualistischen, militaristischen Bürgersport zum Vorbild. Die ASKÖ ist vielleicht die anschaulichste Organisation der SDAPÖ, die ihren Wunsch widerspiegelt, tief in die Privatsphäre der Arbeiterklasse einzudringen, um den „neuen Menschen“ ohne Revolution zu kultivieren. Um ihr hohes Ziel zu erreichen, musste der kulturelle Appetit der Zeit gesättigt werden und die SDAPÖ musste alle ihr stehenden Überzeugungsinstrumente nutzen. Parteien, Gruppen und Bewegungen werden wie Einzelpersonen in der Zeit sozialisiert, in der sie sich bilden, und wie Einzelpersonen ist es schwierig, die überwältigenden sozialpolitischen und wirtschaftlichen Institutionen abzulehnen, die ihre Epochen bestimmen. Mit dieser Einstellung, weil die ASKÖ seinen wichtigsten Zielen und Werten nicht gerecht wurde, bedeutet das nicht, dass sie als Organisation nutzlos oder insgesamt schädlich war. Der Staat hat Räume und Einrichtungen finanziert, die den Arbeiter:innen ihre Freizeit gesund zu verbringen ermöglichten. Ein ASKÖ-Mitglied und Freiwilliger gab im Jahr 1930 allein mehr als 10.000 Menschen kostenlosen Schwimmunterricht.65 Der Arbeitersport insgesamt und die Teilnahme der ASKÖ an internationalen Veranstaltungen hatten tatsächlich Komponenten der angestrebten internationalen Arbeitersolidarität erreicht. Anders als bei den bürgerlichen Olympischen Spielen zum Beispiel, wohnten die Arbeitersportler:innen bei den Arbeiterolympiaden mit anderen Arbeitergastfamilien.66 Die Arbeiterolympiade hat den Aufbau internationaler Verbindungen zwischen Arbeiter:innen und die Kultivierung internationaler Arbeitersolidarität massiv erleichtert und unterstützt. Das Praterstadion wurde für die Arbeiterolympiade 1931 errichtet, die mehr Menschen angezogen hat als die Olympischen Spiele in Los Angeles im darauffolgenden Jahr.67 Die Atmosphäre, die der Arbeitersport geschaffen hat, insbesondere die Arbeiterolympiade, kann ebenfalls nicht ignoriert werden. Ein amerikanischer Gewerkschaftsorganisator bemerkte nach der Olympiade 1931 „Ich konnte es nicht aus meinem Kopf bekommen – die Stimmung, die es erzeugte, von Einheit und Hoffnung, die Freundschaft, die es aufbaute.“ Dieses einzigartige Experiment enthielt viele leere Narrative von völliger Radikalität aber enthielt sicherlich auch Erfolge für die Wiener Arbeiter:innen. 67 Gabriel Kuhn, “Julius Deutsch, an Anti-Fascist Who Organized Workers on the Sports Field,” interviewed by David Broder, The Jacobin, July 23, 2021, https://jacobin.com/2021/07/labor-movement-olympic-games-interwar socialism-anti-fascism. 66 Wheeler, „Organized Sport,” 201. 65 Wheeler, „Organized Sport,” 198 18 Literaturverzeichnis Barnett, William P. “From Red Vienna to the Anschluss: Ideological Competition among Viennese Newspapers during the Rise of National Socialism.” American Journal of Sociology 109, no. 6 (May 2004): 1452-1499. Bauer, Otto, & Adler, Max, & Renner, Karl & Kunfi, Sigmund & Fogarasi, Béla & Lengyel, Julius. Programm der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutschösterreichs: Beschlossen vom Parteitag zu Linz am 3. November 1926. Wein: Europa Verlag Wien, 1926. Bowman, William D. “Hakoah Vienna and the International Nature of Interwar Austrian Sports.” Central European History 44, no. 4 (2011): 642–68. “Breitbart Zeigt Wieder Etwas Neues.” Illustrierte Kronen- Zeitung, Feb. 3, 1923. "Der Breitbart-Rummel in Wien." Neuigkeits-Weltblatt, Jan. 31, 1923, 5. Deutsch, Julius. “Organisation des Selbstschutzes.” In Antifaschismus! Proletarische Wehrhaftigkeit Im Kampfe gegen den Faschismus, edited and translated by Gabriel Kuhn, 59-68, Oakland CA: PM press, 2017. Deutsch, Julius. “Klassenkampf, Disziplin und Alkohol. ” In Antifaschismus! Proletarische Wehrhaftigkeit Im Kampfe gegen den Faschismus, edited and translated by Gabriel Kuhn, 94-102, Oakland CA: PM press, 2017. Deutsch, Julius. “Sportler, meidet den Alkohol!” Der Weckruf: Zeitschrift des Arbeiter Abstinenten Bundes in der Tschechoslowakischen Republik, no. 3 (June 1936). Deutsch, Julius. “Unter Rote Fahnen! Vom Rekord-zum Massensport. ” In Antifaschismus! Proletarische Wehrhaftigkeit Im Kampfe gegen den Faschismus, edited and transalted by Gabriel Kuhn, 70-93, Oakland CA: PM press, 2017. Dr. J Hannas, „Sport und Faschismus,“ Arbeiter Zeitung, 15. Marz 1924. Duczynska, Illona. Workers in Arms. New York : Monthly Review Press, 1978. Foell, Kristie A. “July 15, 1927: The Vienna Palace of Justice Is Burned in a Mass Uprising of Viennese Workers, a Central Experience in the Life and Work of Elias Canetti.” In Yale Companion to Jewish Writing and Thought in German Culture, 1096-1996, edited Sander L. Gilman and Jack Zipes, 464–70. Yale University Press, 1997. George, Alys X. “Everyman and the New Man: Festival Culture in Interwar Austria.” Austrian Studies 25, (2017): 198–214. Gillerman, Sharon. “Samson in Vienna: The Theatrics of Jewish Masculinity.” Jewish Social Studies 9, no. 2 (2003): 65–9 19 Gruber, Helmut. Red Vienna: Experiment in Working Class Culture. New York: Oxford University Press, 1991. “Hie Breitbart, Hie Martha Farra.” Illustrierte Wiener Extra Blatt, Februar 3, 1923 "Internationaler Sozialistischer Verband für Arbeitersport und Körperkultur (ISVAK). " In Bericht über den IV. Kongress zu Helsingfors, 5-8 August 1927. Leipzig: Arbeiter Turnverlag. Kuhn, Gabriel. Antifascism, Sport, Sobriety: Forging a Militant Working-Class Culture. Oakland CA: PM press, 2017. Kuhn, Gabriel. “Julius Deutsch, an Anti-Fascist Who Organized Workers on the Sports Field.” Interviewed by David Broder. The Jacobin, July 23, 2021, https://jacobin.com/2021/07/labor-movement-olympic-games-interwar-socialis m-anti fascism. Luza, Radomir V. Review of Workers in Arms: The Austrian Schutzbund and the Civil War of 1934 by Ilona Duczynska. The Journal of Modern History 51, no. 3 (1979): 603–5. Öhner, Vrääth. “Austromarxismus. Die Ideologie der Einheit der österreichischen Arbeiterbewegung.“ In: Das Rote Wien 1919-1934: Ideen, Debatten, Praxis. Ed. Schwarz, Werner Michael, Spitaler, and Elke Wikidal. Birkhäuser, 2019. S. 32-37. „Österreichs Siege bei der Olympiade.“ Arbeiter Zeitung. 27. August 1931. „Sport und Arbeiter Klasse.“ Arbeiter Zeitung. 4. Juli 1926. Spitaler, Georg. "18. Sport und Körperkultur" In Das Rote Wien: Schlüsseltexte der Zweiten Wiener Moderne 1919–1934 edited by Rob McFarland, Georg Spitaler and Ingo Zechner, 447-470. Berlin, Boston: De Gruyter Oldenbourg, 2020. Wheeler, Robert F. „Organized Sport and Organized Labour: The Workers’ Sports 20