Intelligente Wechselbr\374ckensteuerung f\374r die Logistik von Morgen Electronic Communications of the EASST Volume 17 (2009) Workshops der Wissenschaftlichen Konferenz Kommunikation in Verteilten Systemen 2009 (WowKiVS 2009) Intelligente Wechselbrückensteuerung für die Logistik von Morgen Alexander Podlich, Thomas Weise, Manfred Menze, Christian Gorldt 10 pages Guest Editors: M. Wagner, D. Hogrefe, K. Geihs, K. David Managing Editors: Tiziana Margaria, Julia Padberg, Gabriele Taentzer ECEASST Home Page: http://www.easst.org/eceasst/ ISSN 1863-2122 http://www.easst.org/eceasst/ ECEASST Intelligente Wechselbrückensteuerung für die Logistik von Morgen Alexander Podlich1, Thomas Weise2, Manfred Menze1, Christian Gorldt3 1 a.podlich@micromata.de, m.menze@micromata.de, http://www.micromata.de/ Micromata GmbH, Marie-Calm-Straße 3, 34131 Kassel 2 weise@vs.uni-kassel.de, http://www.vs.uni-kassel.de/, Verteilte Systeme, Universität Kassel, Wilhelmshöher Allee 73, 34121 Kassel 3 gor@biba.uni-bremen.de, http://www.biba.uni-bremen.de/, BIBA – Bremer Institut für Produktion und Logistik GmbH, Hochschulring 20, 28359 Bremen Abstract: Die Logistik ist einer der wichtigsten Zweige der Volkswirtschaft. Die ef- fiziente Gestaltung der in sie involvierten Prozesse ist daher, gerade angesichts des zu erwartenden Rückgangs der Ölfördermenge sowie des bekanntermaßen schädli- chen Einflusses von CO2 auf das Klima, von hoher Wichtigkeit. Dennoch gibt es auf diesem Bereich viele bisher nur unzureichend gelöste Probleme. In diesem Beitrag wird das Inwest-System vorgestellt, das sowohl eine praktische Transportplanung als auch ein Informationssystem, welche alle an der Transportket- te beteiligte Nutzer und Komponenten verbindet, zur Verfügung stellt. Keywords: Inwest, Logistik, YellowBox, Sensorknoten, Sensornetz, GPS, GSM, Tourenplanung, Evolutionärer Algorithmus, Middleware 1 Einleitung Eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit ist das stetig steigende Verkehrsvolumen auf den Straßen Europas, das durch den wachsenden Warenverkehr der globalen Import- und Export- wirtschaft verursacht wird. Nach Angaben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Techno- logie (BMWi) wird die Güterverkehrsleistung von 2005 bis 2030 um 69%, bis 2050 um 110% ansteigen [Bun08, Bun06, vR08]. Es werden immer mehr Waren über immer größere Strecken transportiert und der Bedarf an Transport und Logistik wird immer weiter steigen [vR08]. In Zeiten knapper werdender Energieressourcen und einer für viele Teile der Welt folgen- schweren Klimaerwärmung ist diese Prognose besonders bedenklich, stellt sie doch nicht nur die Logistikbranche vor steigende Treibstoffkosten, sondern sagt auch Belastungen für die gesamte Umwelt mit einem erheblich höheren CO2-Ausstoß voraus. Energieeffizienz und Umweltschutz sind daher die zwei wichtigsten Gebote für die künftige Verkehrswirtschaft. Steierwald, Kühne und Vogt fordern daher Verkehrskonzepte, die darauf abstellen, die Strategien zur Gestaltung des Güterverkehrs umzusetzen, müssen integrative Ansätze verfolgen, in denen Maßnahmen aus unterschiedlichen Handlungsfeldern zu Bündeln zusammengefasst werden und diese in den Zu- sammenhang einer Gesamtverkehrsplanung, d.h. einer gemeinsamen Gestaltung von Personen- und Güterverkehr, gestellt werden. [SKV05] 1 / 10 Volume 17 (2009) mailto:a.podlich@micromata.de mailto:m.menze@micromata.de http://www.micromata.de/ mailto:weise@vs.uni-kassel.de http://www.vs.uni-kassel.de/ mailto:gor@biba.uni-bremen.de http://www.biba.uni-bremen.de/ Intelligente Wechselbrückensteuerung für die Logistik von Morgen Im folgenden Abschnitt stellen wir das Projekt Inwest vor, welches diese Anforderung erfüllt. In Abschnitt 3 gehen wir zunächst auf die Systemarchitektur von Inwest ein. Dabei sind be- sonders die Erweiterung von Wechselbrücken um Sensorknoten (Sektion 3.1), die intelligente Tourenplanung und -optimierung (Sektion 3.2), die Bereitstellung aller Logistikinformationen an Nutzer und Kunden (Sektion 3.3) sowie die Middleware, welche alle Systemkomponenten miteinander verbindet (Sektion 3.4) interessant. In Abschnitt 4 ziehen wir ein Fazit und geben Ausblicke auf die noch geplanten Arbeiten am Projekt. 2 Das Inwest Projekt Um dem anwachsendem Verkehr und den daraus entstehenden Anforderungen gerecht zu wer- den, startete das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) die Förderinitiative Intelligente Logistik im Güter- und Wirtschaftsverkehr. Diese beinhaltet das Projekt Intelligente Wechselbrückensteuerung, kurz Inwest, welches gemeinsam von der Deutschen Post, der DHL, der Micromata, dem Bremer Institut für Produktion und Logistik, sowie der OHB Teledata durch- geführt wird. Ziel des Projektes ist die Minimierung des Verkehrsaufkommens im Bereich des Waren- und Güterverkehrs. Dies wird mit Hilfe innovativer logistischer Informations-, Planungs- und Steue- rungsverfahren, dem Einsatz neuer Technologien zur Identifikation und Ortung von Transport- container (Wechselbrücken) und die Anbindung an geeignete Softwaresysteme erreicht. Erstmals werden somit verschiedenste Ansätze und Techniken aus allen Bereichen der Logistik und For- schung kombiniert, um als Ganzes einen großen Mehrwert sowohl für die Umwelt als auch für die Industrie zu erreichen. 2.1 Die Transportkette Am Beginn und Ende einer Transportkette stehen die Kunden, welche zum einen Güter versen- den und empfangen und durch das IT-System des Logistikdienstleisterns über den Status ihrer Transportaufträge informiert werden wollen. Diese Aufträge werden z.B. mit Wechselbrücken befördert, von denen LKWs jeweils zwei und Güterzüge bis zu 60 transportieren können. Neben der Zuordnung von Aufträgen zu den Fahrzeugen und Wechselbrücken ist deren Ortung eben- falls Aufgabe des Logistiksystems. Zusätzlich müssen externe Dienste angebunden werden, von denen z.B. Informationen über die aktuelle Verkehrslage abgefragt werden können, welche dann in den Transportplanungsprozess einfließen. 3 Systemarchitektur Bisherige Forschungsprojekte fokussierten sich meist nur auf jeweils einen, eher theoretischen Teilaspekt dieser Problematik. Inwest hingegen setzt auf einen ganzheitlichen Ansatz und die Verknüpfung mehrerer Technologien und Dienste, um so einen Mehrwert in der logistisch re- levanten Informationsgewinnung und Informationsverarbeitung zu erreichen. In den folgenden Abschnitten werden die Komponenten von Inwest vorgestellt, deren zukünftiger Einsatz im pro- duktiven Betrieb bei den Projektpartnern Deutsche Post und DHL vorgesehen ist. Proc. WowKiVS 2009 2 / 10 ECEASST Dimensionen : 178 x 50 x 100 mm Schutzklasse : IP 31 Betriebsspannung: 12 - 32 V Nennspannung : 24 V Betriebstemp. : -40 bis +80 ◦C Lagertemperatur : -45 bis +85 ◦C Speicher : 1MB RAM, 2-8 MB Flash CPU : XC 2267 + ATMEL Standards : E1, CE und die Standards der Truckhersteller Interne Module : CAN Controller, GSM, GPS, Gyro Expansion slot für CE Modul, PowerSave Connectors: GSM/GPS Connector, Fakra Main Connector AMP Tyco MQS, 26-pin Schnittstellen : COM Interface 2 x RS-232, CAN-Bus 2 x CAN SAE J 1939 Abbildung 1: Die YellowBox (Quelle: Projektpartner OHB Teledata GmbH). 3.1 Wechselbrücken als Mobile Sensorknoten Die Aufgabe der Hardware im Projekt Inwest ist es, an einer Wechselbrücke Daten zu erfassen und diese bei Bedarf über Funk an eine Zentrale weiter zu geben. Das dafür benötigte Gerät wird als YellowBox bezeichnet und ist zusammen mit seiner technischen Spezifikation in Abbildung 1 dargestellt. Die Grundfunktionen dieser Box sind Orten, Kommunizieren sowie Identifizieren. Die YellowBox ist für die Datenakquise verantwortlich und sendet Wechselbrückendaten wie zum Beispiel Geokoordinaten an die Software (Middleware). Diese verarbeitet die empfangenen Daten zu Informationen und leitet sie an die operativen IT-Systeme der verschiedenen Anwender weiter. Die YellowBox besteht dabei aus einem Bordrechner, einem Ortungsmodul (NAVSTAR-GPS [Xu07]), einem Kommunikationsmodul (GSM/GPRS), einer Prozessor- und Speichereinheit so- wie einem Energiemodul (Batteriekonzept). Digitale Eingabe- und Ausgabeschnittstellen stellen die Erweiterbarkeit der Box sicher, so dass weitere technische Komponenten angeschlossen wer- den können, z.B. einem Laderaumüberwachungsmodul. Ortungsmodule für LKWs in Form von Bordcomputern existieren schon länger, jedoch konn- ten bisher noch keine solchen Sensorknoten für Wechselbrücken oder andere Ladungsträger in der Praxis eingesetzt werden, da die Energiekosten dafür zu hoch waren und deren Betrieb dadurch zu teuer wurde. Im mobilen Einsatz muss die Hardware spezielle Stromsparfunktio- nen aufweisen, damit ein möglichst langer und wartungsfreier Betrieb unabhängig von exter- nen Stromquellen, das heißt energieautark, möglich ist. Diese Anforderung wurde seitens der Industriepartner genannt und stellt für die intelligente Wechselbrückensteuerung ein wichtiges Umsetzungskriterium dar. Die Verwendung eines entsprechenden stromsparenden Prozessors ermöglicht das zeit- beziehungsweise ereignisgesteuerte An- und Abschalten der Box, um so eine stromsparende Funktion zu realisieren. Die YellowBox erfasst über das Ortungsmodul die Positions- und Zustandsdaten der Wech- selbrücke, die über das Kommunikationsmodul an weitere Knoten im Netz gesendet werden. Die Datenübermittlung erfolgt mittels eines komprimierten binären Formats über eine GSM In- 3 / 10 Volume 17 (2009) Intelligente Wechselbrückensteuerung für die Logistik von Morgen frastruktur. Diese Daten werden an ein Softwareinterface übertragen, welche diese in ein XML Format transformiert und an die Inwest Softwareschicht überträgt. Dabei handelt es sich um eine bidirektionale Datenverbindung. Die YellowBox kann somit über die Softwareschicht konfigu- riert werden. 3.1.1 Hardware Konfiguration Um einen möglichst langfristigen Betrieb ohne Wartungseingriffe wie Batteriewechsel der Yel- lowBox sicherzustellen, muss die Hardware intelligent konfiguriert werden. Für ein effizientes Arbeiten der Box ist es ebenfalls sinnvoll, diese dem betrieblichen Geschäftsprozess entspre- chend der Tourdaten anzupassen. Die Box überträgt die Daten erst bei eintretenden Ereignissen, die zuvor durch die Nutzer konfiguriert wurde. Dieses Verfahren trägt auch dazu bei, dass die Nutzer der Planungs- und Steuerungssystem nicht mit nutzlosen Informationen überflutet wer- den. Unter der intelligenten Hardwarekonfiguration wird verstanden, dass diese sich den Umwelt- gegebenheiten anpasst und in einen Status versetzt wird, der dem betriebswirtschaftlichen Zweck des Containers entspricht, also zum Beispiel zwischen dem Zustand der Einlagerung und dem Transport auf einer Tour unterscheidet. Für die Hardware bedeutet der jeweilige Status, dass die angeschlossenen Komponenten wie Rüttelsensor, erweiterte Sensorik, Sendeeinheit, etc., un- terschiedlich und an die reale Gegebenheit angepasste Ereignisse auslösen können [LDG08]. Beispielsweise kann überprüft werden, ob sich der Container zu bestimmten Zeitpunkten an ei- nem Ort in einem bestimmten Umkreis befindet, so dass die positive Beantwortung dieser Frage als “alles OK” zu werten ist und keine Meldung veranlasst, die negative Beantwortung jedoch einen Abweichung an übergeordnete Systeme meldet. 3.1.2 Ergänzende Technologien Um eine optimale Auslastung von Wechselbrücken zu gewährleisten, ist es notwendig deren Ladezustand zu erfassen. Ein großes Potential liegt in einer automatisierten Laderaumzustand- serfassung. Dazu bieten sich optische sowie akustische Verfahren an. Als optisches Verfahren können z.B. Videoscanner eingesetzt werden. Jedoch sind die Anschaffungskosten der Scanner recht hoch. Eine kostengünstigere Alternative stellen hier die akustischen Systeme dar. Im Rah- men des Inwest Projektes werden zur Füllgradüberwachung Ultraschallsysteme in Form eines Demonstrators entwickelt. Dieses Verfahren kann nicht nur zur Wechselbrückenüberwachung genutzt werden, sondern ist auch für eine Vielzahl von logistischen Ladungsträgern (z.B. Con- tainer, ULD im Luftfrachtbereich) einsetzbar. Zur Informationsgewinnung ist in den Wechsel- brücken ein Sensornetzwerk mit Ultraschallmodulen aufgebaut. Dabei werden an der Decke der Wechselbrücke Utraschallsensorknoten befestigt, die eine bidirektionale Kommunikation gewährleisten. Die Module messen dabei Entfernungen von der Decke der Wechselbrücke nach unten, respektive von der Decke der Wechselbrücke zu der darunter liegenden Beladung (z.B. Paletten, Stückgut, . . . ) [LDG08]. Ist die gemessene Entfernung folglich kleiner als die Höhe der Wechselbrücke, meldet der entsprechende Sensor, dass der von ihm überwachte Laderaum belegt ist (siehe Abbildung 2). Durch die Zusammenführung aller Sensordaten entsteht so eine Über- sicht über den Auslastungsgrad des überwachten Gesamtladevolumens. Die Datenakquise über Proc. WowKiVS 2009 4 / 10 ECEASST Decke/Dach der Wechselbrücke Sensorknoten Master-Sensorknoten Auswerteeinheit Abbildung 2: Schematischer Aufbau der Laderaumüberwachung. das beschriebene Sensornetzwerk führt zu einem Masterknoten, welcher die Daten sammelt und bedarfsorientiert zur Verfügung stellen kann. Die Kopplung an die bestehende YellowBox wird über standardisierte Schnittstellen ermöglicht, um die Auslastungsdaten über die angebundenen Telematiksysteme in die übergeordnete Middleware zur Planung und Steuerung der Transporte zu übertragen. 3.2 Tourenplanung 3.2.1 Verwandte Arbeiten Die wissenschaftliche Forschung im Bereich der Tourenplanung und -optimierung geht bis in die 1950er Jahre zurück. In der Literatur wird zwischen exakten und heuristischen Verfahren unterschieden [PT09]. Tourenplanungsprobleme sind in der Regel NP-vollständig [LK81, PT09] und auf Grund der kombinatorische Explosion bereits bei kleinen Szenarien nur durch enormen Rechenaufwand exakt lösbar. Heuristische Verfahren mit schnelleren Antwortzeiten, die dafür jedoch nicht immer eine optimale Lösung finden, sind in den letzten Jahren in diesem Bereich immer mehr in den Vordergrund getreten. Die bekanntesten Vertreter dieser Familie von Al- gorithmen zum Lösen von Tourenplanungsproblematiken sind u. a. die Tabu-Suche [ADV00, BGG+97, BG02], Simulated Annealing [CC02], Ameisensysteme [BHS97, BHS99, DGH+02] und insbesondere die evolutionären Algorithmen [WPR+09, PT09, MTPC02, AD04, Zhu03, Tha95]. In der Literatur werden jedoch meist spezielle, eher praxisferne Klassen des Tourenplanungs- problems betrachtet. Zudem untersuchen viele Autoren sehr kleine Problemstellungen mit nur 50 bis 100 Kunden [Ral03, PK07, PK07]. Im Inwest-Projekt sind dagegen weitaus größere Da- tensätze mit mehr als 1000 Kunden und ebenso vielen Haltepunkten, die direkt im aktiven Betrieb der DHL aufgezeichnet wurden, Gegenstand der Forschung. 5 / 10 Volume 17 (2009) Intelligente Wechselbrückensteuerung für die Logistik von Morgen 3.2.2 Praxistaugliche Optimierung durch Evolutionäre Algorithmen Evolutionäre Algorithmen (EAs) sind populationsbasierte, metaheuristische Verfahren, welche Mechanismen wie Mutation, Rekombination, natürliche Auslese und das Überleben des Stärke- ren aus der Natur kopieren, um verschiedenste Optimierungsprobleme zu lösen [Wei08, Bäc96]. Aufbauend auf einer intensiven Analyse der Daten und der Logistikprozesse bei den Projektpart- nern konnten spezielle Phänotypen sowie Mutations- und Rekombinationsverfahren entwickelt werden, die unter Beachtung von vorher definierten Zielfunktionen eine längerfristige Touren- planung sowie eine kurzfristige Ad-hoc-Optimierung ermöglichen [WPR+09]. Bei umfangreichen Tests zeigte sich, dass der entwickelte Ansatz den aktuell eingesetzten Verfahren bei nahezu beliebigen Parametereinstellungen für den verwendeten evolutionären Al- gorithmus überlegen ist. So wurden auf den von der DHL zur Verfügung gestellten Daten immer Kilometerersparnisse zwischen 1% und 17% (in der Regel mindestens 5%) erzielt. Auf Verände- rungen der aktuellen Verkehrssituation kann schnell reagiert werden, indem der EA zur Ad-hoc- Optimierung aller betroffenen Ladungsträger eingesetzt wird. 3.3 Frontend für Disponenten und Kunden Die Nutzer des im Rahmen von Inwest entwickelten Systems sind auf Grund ihres großen Logis- tiknetzes über das gesamte Bundesgebiet verteilt. Aus diesem Grund wurde die grafische Benut- zeroberfläche als webbasierte Anwendung realisiert. Dafür wurde eine Rich Internet Applikation (RIA) auf der Basis von Adobe Flex für den Client und einem J2EE-Server im Backend umge- setzt. Das Web-Frontend vereinfacht das Auffinden von logistischen Objekten wie z.B. Aufträgen, Wechselbrücken, Fahrzeugen und Orte durch eine clusterfähige Volltextsuche, deren Grundlage ein verteilter Suchindex bildet. Das Suchergebnis wird in Objekttypen bzw. Kontexten darge- stellt und nach einem Ranking (Trefferwahrscheinlichkeit) sortiert. Durch diese Suche wird die Transparenz über die eingesetzten Ressourcen erhöht und eine effektivere Nutzung der Wechsel- brücken am Standort ermöglicht. Verschiedene visuelle Aufbereitungen der Daten wie beispiels- weise eine GoogleMaps-Integration verbessern zusätzlich die Übersicht. 3.4 Middleware Derzeit existieren verschiedene Technologien, die in der Logistik genutzt werden, um Optimie- rungen in der Planung und Steuerung zu erreichen. Meist werden diese Systeme jedoch isoliert voneinander eingesetzt [LDG08]. So existieren in der Regel keine netzübergreifenden Softwa- rekomponenten wie etwa Frachtbörsen. Eine globale Sicht auf alle relevanten Daten fehlt somit ebenfalls. Die Anforderungen an eine universelle Middleware für ein Logistiksystem sind vielfältig, da über sie viele Probleme der Disposition gelöst werden sollen. Aus Sicht der Kunden und der Betreiber soll eine durchgängige Dokumentation über die Bewegung und den Einsatz der Wechselbrücke möglich sein, mit der das Verfolgen der Container und Aufträge unterstützt wer- den kann. Diese Verfolgung muss durchgängige sein, also auch bei dem Einsatz unterschiedli- cher Verkehrsmittel in der Transportkette, so z.B. der Kombination von Zug- und anschließen- dem Lastkraftverkehr, zuverlässig funktioniert. Als Inwest stellt für beide Benutzergruppen eine Proc. WowKiVS 2009 6 / 10 ECEASST Frontend Kommunikation via Middleware Intelligente Wechselbrücken- steuerung: Tourenplaner Kommunikation via MiddlewareSatellitengestützte Ortung Frontend im Detail (Screenshot) Wechselbrücke mit Sensorknoten Abbildung 3: Das Inwest-System im Einsatz: Sensorknoten, Middleware, Tourenplanung und Frontend. Schnittstelle bereit, die als Stand-Alone-Lösung die erforderlichen Anbindungen zum Trans- portmanagementsystem bzw. zur Hofsteuerung und Standortsicherung aufweist. Eine weitere Anforderung, die von der Inwest Middleware erfüllt wird, ist eine detaillierte Rollen- und Rech- teverwaltung. Für eine optimale Überwachung von Wechselbrücken und zur rechtzeitigen Identifikation etwaiger Problemstellungen werden externe Systeme an die Middleware angeschlossen. Dazu zählen diverse Schnittstellen zu den Softwaresystemen der DHL und weiterer Logistiknetze, zu Hofsteuerungssystemen und zu Wetter- und Verkehrsinformationsdiensten. Mit Hilfe dieser Da- tenquellen können aktuelle Störungsfälle erkannt und Routen optimiert und umgeplant werden. Die Verknüpfung dieser externer Datenschnittstellen sowie aller bisher genannter Komponen- ten ermöglicht einen noch nie da gewesenen Mehrwert für Tourenplaner. Dieser Sachverhalt ist in Abbildung 3 am Praxisbeispiel einer Ad-hoc-Optimierung visualisiert. Der Verkehrsinformati- onsdienst hat gemeldet, dass sich auf der originalen Route (durchgezogen) ein Stau ereignet hat. Die Middleware hat dieses Ereignis registriert und an die Benutzerschnittstelle weitergeleitet. Der zuständige Mitarbeiter erkennt alle betroffenen Transportfahrzeuge und löst daraufhin eine Ad-hoc-Optimierung aus. Der evolutionäre Algorithmus liefert die neue, gestrichelt dargestellte Route, woraufhin der Mitarbeiter dann die notwendigen Maßnahmen einleiten kann. In Folge dessen konfiguriert die Middleware die YellowBoxen in den Wechselbrücken der umgeleiteten LKWs auf die neue Route um. 4 Fazit Das Forschungsprojekt stellt in mehrerer Hinsicht einen Wendepunkt in der Logistik dar. Wo herkömmliche Methoden bisher nur Teilaspekte des Frachtverkehrs verbessern konnten, deckt der Inwest-spezifische Technologiemix das gesamte Spektrum logistischer Planung sinnvoll und flächendeckend ab. Durch die Kombination von mobilen Sensorknoten mit einem schnellen und 7 / 10 Volume 17 (2009) Intelligente Wechselbrückensteuerung für die Logistik von Morgen präzisen Tourenplanungssystem entsteht ein zukunftsfähiges Instrument zur Steuerung und Op- timierung des Frachtverkehrs. Ebenso wie der Einsatz von Sensorknoten stellt auch das Touren- planungssystem an sich bereits eine signifikante Verbesserung im Vergleich zu aktuellen Pla- nungssystemen dar. Im Gegensatz zu nahezu allen anderen Forschungsarbeiten ist es für den praktischen Einsatz geeignet und kann zudem Problemstellungen einer höheren Größenordnung lösen. Doch nicht nur diese Komponente führt zu einer großen Kilometerersparnis. Auch die bessere Übersicht der Mitarbeiter über die Logistikprozesse durch das neue System trägt dazu bei. Ob auf Straße oder Schiene, ob Luftfracht oder Seecontainer: Mit Hilfe der Intelligenten Wechselbrückensteuerung kann der Güterverkehr künftig drastisch reduziert werden. Dadurch werden nicht nur die Energiekosten der Logistikunternehmen gesenkt, auch die Umwelt profi- tiert von der Vermeidung schädlicher CO2-Emissionen. Literatur [AD04] E. Alba, B. Dorronsoro. Solving the Vehicle Routing Problem by Using Cellular Ge- netic Algorithms. In Proceedings of the 4th European Conference on Evolutionary Computation in Combinatorial Optimization, EvoCOP 2004. Pp. 11–20. 2004. [ADV00] A. Amberg, W. Domschke, S. Voß. 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