































Feldenkrais Research Journal • volume 1 (2004)

Article

Der Aufrechte Gang: Hinweis auf Moshé Feldenkrais

Friedhelm Kemp
Professor of General and Comparative Literature, Munich

Keywords
Feldenkrais, Self-image, consciousness, awareness, movement, observation

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Please cite: (First published in the) Feldenkrais Research Journal, volume 1; 2004.

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Feldenkrais Research Journal 1 (2004) 
® 2004 by the author 

 
Der aufrechte Gang 
Hinweis auf Moshé Feldenkrais 
 
Friedhelm Kemp 

Wie man zum richtigen Denken und Tun, zum rechten Leben gelange - durch geistliche 
Exerzitien, Betrachtungen, Versenkungen, durch allerlei rhythmische Techniken, durch weniges eher 
als durch vieles, durch beharrliches Fortschreiten in der einmal eingeschlagenen Richtung jedenfalls , 
darüber sind seit je Traktate und Anweisungen geschrieben worden. Manche haben weit über ihren 
Ursprungsbereich hinaus Bedeutung gewonnen; fast alle halten, was sie versprechen: wenn der 
Initiand eingestimmt ist und aus ihrem Geiste zu handeln versteht. Alle aber enttäuschen den, der ein 
objektives Verfahren, ein unfehlbares Rezept zu finden hofft. Das Wichtigste bleibt meist außer Acht: 
dass, wer den Erfolg meint, das Heil verfehlt, weil es kein anderes Ziel gibt als das in jedem einzelnen 
Schritt des Weges sich verwirklichende. 
 
Die Welt sei absurd, sinnlos, heillos. Wir lesen’s, wir lassen’s uns sagen. Aber hören wir darum auf zu 
atmen, zu gehen, zu springen bisweilen? Meine Freiheit ist seit langem nur noch eine vorgespiegelte, 
versichert man mir. Aber ich kann mich doch bücken, wieder aufrichten, den Kopf drehen. Kann ich es 
aber wirklich? Es geschieht oft ungeschickt, anmutslos, unter Anstrengungen und Schmerzen. 
Offensichtlich benehme ich mich falsch. Wie es ändern? Wie sich bewegen, dass die Welt nicht 
zusammenfiele, wenn ich ihre Mitte wäre? Oder bescheidener: Wie sich selber, und damit andern, 
erfreulicher werden? Dazu bietet ein handliches, fassliches und jedem nützliches Buch einen 
Leitfaden: „Der aufrechte Gang“ von Moshé Feldenkrais (von Franz Wurm aus dem Englischen 
übersetzt). Ein Buch nicht für Fachleute, nicht für Gebildete, nicht für Sektierer, sondern für uns alle, 
die Laien und Brotesser. 
 
„Wir handeln dem Bilde nach, das wir uns von uns machen.“ Mit diesem Satz beginnt das Buch. 
Davon wird hier ausgegangen: dass unser Tun eine Imitatio, ein Nachvollzug ist. Voraus geht ein Bild. 
Dieses Bild aber, und das ist das Entscheidende, machen wir selbst uns von uns selbst, von diesem 
unserem sich bewegenden, empfindenden, fühlenden und denkenden Wesen. Freilich, wenn wir das 
Buch nehmen und lesen, haben wir dieses Bild uns bereits seit langem gemacht, es so fix und fertig 
ausgebildet und auf seinen Thron über uns gesetzt, dass es wie ein Usurpator über uns Vergessliche 
herrscht. Da dieses Bild jedoch nicht aufhört veränderbar zu sein, so können wir, meint Feldenkrais, 
unseren Herrscher belehren; wie Kinder ihre Eltern, der Dichter seine Muse. Er ist ja nicht wir selbst, 
auch keine fremde unbeeinflussbare Macht, er ist Bild von unseren Gnaden. Und lenkt uns nach 
unserem Willen. 
 
Genauer: nach unserer Willigkeit. Es gibt zwar beliebig viele willkürliche Bilder, die wir uns von uns 
machen können, aber nur ein einziges richtiges, mehr oder minder auf unsere Beschaffenheit 
zutreffendes, mit unserer Lage übereinstimmendes. Wir sind kein Fisch, kein Vogel, kein Engel; jeder 
nur ein Mensch, auf zwei Beinen, das Haupt gen Himmel gerichtet. Und wir kennen auch größtenteils 
die Gesetze, denen unsere Physis unterworfen ist; wir kennen sie, doch wir spüren sie nicht, wir sind 
ihrer nicht so inne, daß wir mit ihnen im Einklang lebten. 
 
In Kleists berühmtem und vielzitiertem Aufsatz „Über das Marionettentheater“ ist davon die Rede, 
welche Unordnungen das Bewußtsein in der natürlichen Grazie des Menschen anrichte und daß nur, 
„wenn die Erkenntnis gleichsam durch ein Unendliches gegangen ist diese verlorene Anmut sich 
wieder einstelle”, so daß sie, „zu gleicher Zeit, in demjenigen menschlichen Körperbau am reinsten 
erscheint, der entweder gar keins, oder ein unendliches Bewußtsein hat,  so bei Kleist in dem 
Gliedermann, oder in dem Gott“. Zwischen diesen beiden Utopien, der vorgeschichtlichen des 
unerwachten und der endzeitlichen des totalen Bewusstseins, sucht Feldenkrais die menschliche 
Methode, indem er den Gliedermann, der wir durch unser Knochengerüst, unsere Muskeln und 
Bänder sind, ganz in die Vorstellung zu bekommen und von dieser her seine Bewegungen zu regieren 
unternimmt.  
 
„L’imagination au pouvoir“ las man im Mai  1968  an einer Mauer der Sorbonne. Ob die hier 
beschworene Imagination den Sozialkörper zu lenken verstünde, mag dahingestellt sein. (Wessen 



 

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Imagination? möchte man vor allem fragen.) Das aber ist nicht länger zu bezweifeln: In mir ist sie 
die „reine des facultés“ wie Baudelaire sie genannt hat, wenn man unter Einbildungskraft nicht nur 
erfindende Phantasie, sondern auch Beobachtungsgabe, Aufmerksamkeit Einfühlungsvermögen 
versteht und bedenkt, dass man selber ihr nächster Gegenstand, ihr Stoff und Wirkungsfeld ist. Die 
Gesellschaft ist eine Abstraktion, ein Mythologem manchmal, jedenfalls nicht wie die menschliche 
Person ein von sich selbst aus durchorganisiertes Ganzes; sie ist unübersichtlich, und eben aus ihrer 
Unübersichtlichkeit bezieht sie einen Teil ihrer Götzenmacht. Ich aber, jeder von uns, wir sind uns 
selber unsere Einrichtung, unser Funktionieren und können uns darüber Licht verschaffen; wir sind 
uns in die Hand gegeben: als ein Gliedermann, dessen wir uns nur deutlicher bewußt zu werden 
brauchen, auf dass er sich leichter, zweckmäßiger und anmutiger bewegen lerne. 
 
„Innewerden“ nennt das Buch diese Art von Bewußtsein, das nicht im Kopf sitzt, sondern jeweils an 
der Stelle, wo wir uns bewegen (oder bewegen könnten). Und was sind das meist für Bewegungen, 
die hier in zwölf exemplarischen Lektionen zur Übung empfohlen werden? Die mühelosesten, 
geringsten, geschmeidigsten, die in der Folge das Erstaunliche bewirken. Rollen, Drehen, Kreisen, 
Schaukeln, Wiegen, Wippen, Schwingen, Schwenken; leichtes Strecken, Heben, Senken; einmal 
fließend, dann bis an einen vorgewählten Punkt gelenkt, - mit anderen Bewegungen gleichgerichtet 
oder ihnen gegenlaufend; jetzt hinhorchend ausgeführt, dann wieder nach dem Vorbild der 
ausgeführten Bewegung nur vorgestellt (und desto wirkungsvoller). Alles ist einfach - und freilich für 
den Ungeübten wie jedes Einfache schwer; aber man erfährt etwas und kann jede Erfahrung im 
Augenblick kontrollieren. Man erfährt sich als eine Wundermaschine aus lauter (fürs Erste materiellen, 
körperlichen) Hebeln, die unablässig einer auf den anderen wirken, darüber hinaus jedoch die Nerven, 
das Gehirn und so zuletzt unser Fühlen und Denken belehren. 
 
Sind wir ein Bild? Wir sehen es nicht. Sind wir ein Wort? Wir vernehmen es nicht. Sind wir Lust? Wir 
fühlen sie nicht. Wir geben uns mit der Routine zufrieden, wo wir Virtuosen sein könnten. Wir 
verlangen das Außergewöhnliche, das in der Zukunft, hinter dem Monde liegt. Es heißt wohl in Hugo 
von Hofmannsthals „Traum von großer Magie“: 
 

„Cherub und hoher Herr ist unser Geist 
Wohnt nicht in uns, und in die obern Sterne 

Setzt er den Stuhl und läßt uns viel verwaist.”  
 
Zuletzt aber heißt es ebendort von diesem Geist, er lebe in mir „wie ich in meiner Hand“. Doch wer 
lebt schon in seiner Hand, in seinem linken dritten Zeh, seinem rechten Ohrläppchen? „Die Entfaltung 
der menschlichen Wesenskräfte“, lautet ein allerjüngstes Evangelium, „wird nur dann möglich, wenn 
die ganze Welt aus den Angeln gehoben wird.” Feldenkrais will nicht mehr als uns die Angeln merken 
lassen, um die unsere wirklichen, nicht unsere eingebildeten Kräfte schwingen; aus denen heraus 
Türen sich auftun könnten in unsere eigene, jetzt beginnende Zukunft. Es sind nicht die Angeln der 
ganzen Welt, zu denen keiner einen Hebel besitzt; es sind unsere Knochen, Muskeln, Nerven; unser 
durchaus herrlich gestalteter Staub. 
 
Neue Züricher  Zeitung, 19. Januar 1969 
 
Brief von Moshé Feldenkrais an Friedhelm Kemp 
Tel-Aviv, den 28. Januar 1969 
 
Lieber Dr. Kemp, 
soeben las ich Ihre Besprechung meines Buches „Der aufrechte Gang”. Der erste Gedanke, der mir 
bei der Lektüre kam, war der, daß ich Sie persönlich kennenlernen möchte. Es gibt nur wenige 
Menschen, die mich wirklich verstehen; außer Ihnen nur Professor Hugo Bergmann, Leiter der 
Philosophischen Faktultät der Universität Jerusalem, der sich mit dem wesentlichen Gehalt des in 
meinem Buch behandelten Themas beschäftigt und diesem einen Platz auf der Stufenleiter des 
wachsenden Menschengeistes anweist. 
Wenn ich Ihnen darüberhinaus sage, daß ich die scharfsinnigen Nuancen und die elegante 
Leichtigkeit liebe, mit der Sie das Thema behandeln, das sich nicht mit kurzen Worten beschreiben 
läßt, so werden Sie verstehen, warum es mich drängt, Ihnen meine schrankenlose Bewunderung 
auszudrücken. Ich hätte Ihren Artikel gerne selber geschrieben . 
In der Hoffnung, das Vergnügen zu haben, Ihnen die Hand zu drücken. 



 

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M. Feldenkrais 
Warum nicht das Richtige? 
Friedhelm Kemp 
 
Gibt es eine Methode, sein körperliches, seelisches, geistiges Befinden und Verhalten ohne 
Anstrengungen, allein durch Aufmerksamkeit, zu verändern? Und zwar auf die Dauer, und dies auch 
noch im hohen Alter? Wie gesagt: durch Aufmerksamkeit; und freilich durch ein wenig Geduld mit 
sich, mit seinem Körper und dessen eingewöhnten Neigungen, sich unbeholfen, sich verkehrt zu 
benehmen. Wie verändert wie verbessert man sein meist, außer bei Schmerzen, nur obenhin 
wahrgenommenes Allgemeinbefinden zu einem durch Leichtigkeit, Wendigkeit, Mühelosigkeit 
gesteigerten Wohlgefühl? Wie gewahrt man, was als Lust auch, und recht eigentlich, erfahren werden 
könnte, wenn man sie nicht im Krampf, im Tempo, im Taumel, in der „Ekstase“ sucht? 
 
Wie verwandelt man sich durch Lernen, durch Umlernen, nachholend, doch niemals zu spät, in einen 
für sich selber wie für andere erfreulicheren Zeitgenossen, mit dem Begleiteffekt, dadurch vielleicht 
auf bescheidene, unansehnliche Weise zur Verbesserung der „Verhältnisse“ beizutragen? 
 
Ja, es gibt sie diese Methode; und eben nicht als Geheimlehre für Eingeweihte in teuren Dauerkursen 
am Fuß heiliger Berge, sondern jedermann in Schrift und Wort zugänglich. Um sie sich zunutze zu 
machen, genügt eine einzige Voraussetzung: daß man sich längere Zeit hindurch unterwirft; oder 
besser: daß man ihr folgt, daß man, indem man sich, was sie lehrt, bewusst macht, seiner selbst “inne 
wird” und bleibt. Das beginnt mit so wenigem, daß man geneigt sein könnte, solchen 
Unerheblichkeiten keine Bedeutung beizumessen; bis man merkt, und zwar sehr rasch schon, am 
eigenen Körper, welche unerwarteten Veränderungen kleine Schritte, einer nach dem andern, 
mehrfach und immer wieder wiederholt, bewirken; wie diese Veränderungen als Verbesserungen 
wahrgenommen und zu hilfreichen Gewohnheiten entwickelt werden können. 
 
„Jede Wahrnehmung eines Dinges, jede Bewegung auf ein Ziel ist ein einzelner festgefügter Akt, und 
in jedem Akt sind Wahrnehmen und Bewegen fest verschränkt.” (Viktor von Weizäcker) Dieses „fest” 
ist jedoch modifizierbar, die Wahrnehmung kann intensiviert, die Verschränkung durch Wiederholung 
zugleich gelockert und gesteigert werden. Dadurch aber verändert sich zugleich die Qualität, der 
Tonus der Wahrnehmung. Und dies alles gewinnt eine erhöhte Bedeutung, wenn das 
wahrgenommene „Ding” der eigene Leib ist, den man gesteuerten wiederholten und durch die 
Wiederholung veränderten Bewegungen unterwirft. Dabei richtet die Aufmerksamkeit sich zuvörderst 
auf minimale Veränderungen. Am Wenigen verfeinert sich die Wahrnehmung. Jede verfeinerte 
Wahrnehmung, wenn sie den eigenen Körper betrifft, verändert dessen Verhalten, und durch das 
Verhalten schließlich ihn selber. 
 
Habe ich meinen Leib? Bin ich mein Leib? Beide Fragen sind falsch gestellt. Wir sind uns immer auch 
als Leib gegeben, biologisch, physiologisch, physikalisch, chemisch; zugleich aber influieren, 
trainieren, schädigen wir diesen Leib. Wir traktieren, wir behandeln diese Gegebenheit, die uns ja 
nicht unabhängig von Welt, Umwelt gegeben ist und nicht ohne beständigen Austausch mit dieser. 
Leben heißt demnach leibhaft in der Welt sein, sich leibhaft in dieser Welt bewegen. Diese Welt 
können wir verändern, das tun wir unaufhörlich. Auch uns können wir verändern, durch 
Aufmerksamkeit, durch Übung, bei der kein Ende abzusehen ist; kein Ende der Korrektur, der 
Verbesserung; nicht auf Vollendung, auf Vollkommenheit, auf höhere Leistung, auf Rekorde hin, 
sondern auch Genauigkeit, Verfeinerung, Differenzierung. Die notwendigerweise auch zur 
Verlangsamung, zum Verweilen führen. Nur wenn ich nicht bereits anderswo bin, gelingt es mir 
vielleicht, bei mir zu sein. 
 
Bin ich derart – unangestrengt, gelassen – bei mir, so entsteht eine Empfindung der Genüge, des 
Sich-selbst-Genügens, in die alles Geltenwollen hineinverschwindet. Das konstituiert sich als Selbst-
Wahrnehmung, Selbst-Empfinden, Selbst-Bewegung: Leben in und durch sich selbst, als ein 
Höchstes. Als könnte einem nichts mehr zustoßen; als müsse man zu leuchten, zu klingen beginnen. 
Alles ist, wie es immer war, und ist doch durch diese „Innewerdung” anders; für die Dauer dieses 
veränderten Zustandes. Der wieder abklingen wird; und der, doch, erfahrungsgemäß, wiederholbar ist; 
in dieser Wiederholung wiedererkennbar, und jeweils zugleich neu. Das gesteigerte Neue, die 



 

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überraschende Frische entspringen der wiederholten, zugleich geschärfteren und gelasseneren 
Aufmerksamkeit; auf das Unmerkliche als vielleicht das Wichtigste.  
 
Vielleicht stellt sich dabei unter der Hand auch so etwas wie ein Verlangen nach Entwöhnungen ein. 
Diese müßten nicht durch Askese eingeübt werden. Wer des Richtigen an sich gewahr wird, in dem 
erwacht, fast wie von selber, die Neigung, dies oder jenes Unzuträgliche zu unterlassen; es entfällt. 
Die Aufmerksamkeit – eine gelassene, unangestrengte, ja gelegentlich leicht zerstreute 
Aufmerksamkeit – ist anderswo lustvoller beschäftigt. Womit? Nun, eben mit Lernen, in einem 
unaufhörlichen, zuletzt fast unbewußten Lernprozess, der mit dem Leben selber eins wird. 
 
Manches würde sich ändern, manches sich erübrigen, wenn dieses Lernen und dadurch Sich-
Verändern allgemeine Praxis würde; wenn wir Beholfenere würden – statt, nun ja, als unverbrüchlich 
auf eine einzige Ansicht und Lösung Eingeschworene mit verbissenem Eifer „Leistungen erbringen” zu 
wollen, die uns rasch Erfolg, mehr Geld, mehr Geltung gewährleisten sollen und bei denen es oft auf 
leere Zeitvergeudung, auf Virilios „rasenden Stillstand” hinausläuft: Wie viele Stunden vor dem 
Fernseher täglich? Wie viele übers Wochenende unterwegs nach Salzburg, nach Prag, nach Paris? 
Um was dort zu tun? Sehenswürdigkeiten mit erschöpften Blicken abzulaufen, bei kulinarischen 
Zauberkünstlern sich den Magen zu überladen... 
 
Während man bei der erwähnten Methode kostenlos, mühelos, wie es dem Körper, dem Gemüt 
bekömmlich ist, sich beständig in Bewegung befindet. In einer Bewegung, die durch Achtsamkeit sich 
ändert, sich verbessert, sich genießt und, je gekonnter, je bewußter, schließlich unbewußt normales 
Verhalten wird. 
Ist man der Förderung, die wir in Befolgung dieses „Du mußt dein Leben ändern!“ an uns erfahren, 
erst einmal inne geworden, dann freilich bemächtigen sich unser andere Kümmernisse, wenn man 
zusehen muß, wie unsere Kinder zur „Bewältigung des Lernstoffes”, wie die Studenten unserer 
Hochschulen zum Dauerlauf durch die Sekundärliteratur angehalten werden; wie mehr oder minder 
alle bei einem Ziel und Zweck anzulangen hoffen, ehe sie bei sich selber angekommen sind. Im 
„Kulturleben” wie im Sport: Leistungen, Resultate, Rekorde bitte! Rasch, frech, ordinär, absurd! Und 
diese Greuel dann, zu unserer Beschwichtigung, mit Besinnlichkeit, mit Esoterik garniert. Statt daß die 
Aufmerksamkeit darauf gerichtet wäre: Wie werde ich nicht alltäglich, grau, stumpf, abgemattet; 
sondern frisch, munter, bunt; „zum Erstaunen da”. 
 
Dem Vernehmen nach steuern wir auf eine multimediale Informationsgesellschaft zu; eine 
Weltdatenbank wird in Aussicht gestellt; alles Wißbare liegt dort jederzeit bereit und kann, nach 
Bedürfnis oder Laune, jederzeit von jedem abgerufen werden. Potentiell dürfen wir uns allwissend und 
allmächtig vorkommen. Wir vergessen darüber, daß Daten und Fakten nur für den von Wert sind, der 
sie zu benützen und anzuwenden weiß. Ihr Wert liegt nicht in ihnen selbst, sondern in dem, was wir 
damit anfangen, wie wir damit umgehen. Fahren wir fort, uns selber unbekannt zu bleiben, werden wir 
insgesamt dümmer über uns selbst, so könnte diese Makrowelt der Information uns leicht über den 
Kopf wachsen und uns in Katastrophen stürzen, nach denen wir, ohne unsere Apparaturen und 
angesichts fortschwelender Atommeiler, hilfloser dastünden als ein vorzeitlicher Höhlenbewohner. 
 
 
Wer sich umgetan hat, weiß schon, wovon hier die Rede ist. Von der Methode “Bewußtheit durch 
Bewegung”, die der 1984 verstorbene Moshé Feldenkrais in Jahrzehnten entwickelt und durch 
mehrere weitverbreitete Bücher zugänglich gemacht hat. Ein Wohltäter der Menschheit – durch eine 
Lehre, die keinen Glauben fordert, die jeder „Mystik“ abhold ist, die uns nichts lehren will als allein 
das, was wir lernend selber an uns, und über uns an der Welt, erfahren können. Die neuen, unsere 
späten Lehrer wollen uns nicht durch Offenbarungen blenden und überwältigen; sie verhelfen uns zu 
uns selbst, jedem zu dem Selbst, das er – und er allein – werden könnte; wenn wir uns nicht so 
fahrlässig dahinleben ließen. Wir alle mehr oder minder, jeder Tag für Tag; liebelos, ein Schädling 
seiner selbst und den anderen. 
1995/1999 
 
 
Friedhelm Kemp, Professor für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, geb. 1914 in Köln, lebt als 

Schriftsteller, Übersetzer und Komparatist in München. 


