Focus Fall 1995.tif 172 Fonts on Lileratur Paulin, Rager . "Oer alte Tieck.'Zur Literatur der Restoura/iofuepoche; 1815- /8018. Ed. Jost Hemland and Manfred Windfuhr. Stuttgart: J .B. Mel2lersche, 1970. -. Llldwig neck . Stuligart : 1.R Metzlersehe, 1987. - . Ludwig Tieck, A Lirerary Biography. Oxford: Clarendon, 1985 . StoPP. Elis.1belh. " Wandlung des Tieckbildes: Ein Literamrberi cht." DVH'f7 (1939): 252-276_ Taraba, Wolfgang. "Viuoria Accorombona. 'Der DelIIsche Roman vom Barock bis zur Geglmwarr. Ed. Benno von Wi ese. Val. I. Düsseldorf: Bagel, 1963. 329-352. Tha tmann, Ma riann e. " Hundert Jahre T ieckrorschung.'i\lonalshefle 45.3 (1953) -113-123_ - . Ludwig Tteck. Der Heilige von Dresden. Beflin : De Gmyler, 1960. Tieck. Ludwig.Ausgewählte kritische Schriften. Ed. Emst Ribba1. Tübingcll: Ernst Ribbat, 1975. -. Franz SIernbaids Wa/lderungen. Stuttgan: Reclam, 1979. - . "SeIUlsucht nach Italien." ln W.H. WackenroderflerzensergleßlI/lgen eines Kunst/iebenden Klosterbruders. Dilzingen: Reclam, 1985, 12· 13. -. Romane. MOnehen: Winkler, 1963. Weibel, Oskar. 1iecks Renaissancedichlllng. Sem: Paul Haupt, 1925. Zcydel, Edwin. Ludwig Tieck, 17fe German Roma/lticist. Princcton: Princcton, 1935. - . "Ludwig Tieck und Friedrich Raumer. " nO.A 48.3 (1929) : 863·893. Klopstock: National-patriotische Gedanken eines deutschen Poeten StefanJux .. us Anlaß se ines zweihundert jährigen Geburtstags im Jahre 1924 DlI wurde Friedrich Gortl ieb Klopswck zur Ehre in Deutschland eine Münze gep rägt. Zwei Insch riften würd igen KlopSlock als Poeten der Religion und des Patr iotismus. Auf der einen Seite der Medaille ist der erste Vers des "Messias" eingravien: "Sing, unsterbliche Muse, der sündigen Menschen Erlösung" (1: 1).1 Auf der anderen Seite befinden sich Verse seiner pat riotischen Ode "Mein Vaterland": "Ich sinne dem edlen, sch reckenden Gedanken nach,! Deiner wert zu sein. mein V,ml,nd" (4, 216)_ D aß Klopstocks Patriotismus auf einem religiösen Fundament steht, bzw. seine Religiösität immer auch national ist, ist Grundvoraus­ setzung für das Verständ nis vo n Klo pstocks nat ional-patriotischer Lite ratur und sol! deshalb im folgenden erläuten werde n . Die Isol ierung von Klopstacks national-patriotischen Gedanken allS ihrem literarischen Kontext und die T rennung von ihre r pietistischen Gru ndlage führten dazu, daß KlopstOck für die nationalistisch-mili tante P ropaganda der Befreiungsk r iege. des wilhelminischen und faschistischen D eutschlands mißbraucht werden konnte. Ob die von einem Literalurwissenschaftler aufgezeigten "gefährlichsten Wirkungen aus dem Klopstockschen LaboratOrium der Phantasie" (Kaiser 168) dem Dichter direkt anzulasten sind oder ob ihm die tragische Rolle eines "Zauberlehrlings'" zukommt, sei dem individuellen Urteil des Lesers überlassen . Die Forschungsliteratur der Nachkriegszeit hat sich jedenfalls mehr der poetologischen Fragestellungen in KlopstOcks Lyrik angenommen u nd sich eher dem empfindsam-pietistischen Dichter der Liebe, der Freundschaft, der Natur und der R eligion zugewandt. Diese Untersuchung sol! sich auf drei Facetten von Klopstocks Patriotismus beschränken, wie sie sich in seinen Oden, Epen und Prosastücken FOCUSQIl LiuralurVol. 2, N o. 2 (1 995) 174 FOClls on Literatur äußern. Diese drei Aspekte seines Patriotismus sind: kulturell, humanistisch und vor allem religiös. Im erSten Abschnitt wird aufgezeigt, wie Klopstock versucht, entgegen dem bestehenden Partikularismus in Deutschland zur Einheit aufzumfen. Als Basis dieser Einheit dient ihm die demsche Sprache, die germanische Mythologie und die gemeinsame Geschichte. Im zweiten Abschnitt wird die polit ische Seite seines Patriotismus beleuchtet. Klopstocks Begriff von Freiheit wird hier eine große Rolle spielen, in Form einer Emanzi­ pation von einem dominanten kulturellen Einfluß des Auslands sowie der Emanzipation des Bürgertums und der Organisation einer unabhängigen Öffenrlichkeit gegen den bestehenden kulLurlosen Feudalismus. 1m letzten Abschnitt wird schließlich deutlich gemacht, wie Religion und Patriotismus in Klopstocks Werk eine untrennbare Einheit bilden. K1 opscocks kultu rell er P atri o t ismus KlopstOck kommt als Schöpfer einer neuen deutschen Dichtersprache eine zentrale Rolle zu. E r war einer der ersten, der in einer Zeit kultureller Dominanz Frankreichs den Wen und eigenen Charakter der deutschen Sprache erkannte und sich dabei gegen Gomcheds Schule wandte, die der deutschen Sprache nach französischem Vorbild eine analytische Struktur und vernunft mäßige grammatische Regeln auf· erlegen wollte. In zahlreichen Aufsätzen und Oden wendet sich Klop· stOck gegen die Tendenz deutscher Dichter, französische Literatur oder griechische Verse nachahmen zu wollen. D amit wendet sich Klopstock nicht gegen jeglichen Kontakt und Austausch mit anderen National· dichtungen. Klopstock selbst hat beispielsweise keinerlei Prob leme, sich zu einem neuen Vaterland zu bekennen, denn wäh rend seines langjäh rigen Aufenthalts in D änemark wird ihm dän isch "die Sprache seines zwe iten Vaterlandes" (10: 202) . Klopstocks Kr it ik betrifft vielmehr die sogenannte" Ausländerei": "[Die sklavische Nachahmung] kann es noch dahin bringen, daß die Ausländer glauben werden , die Deutschen am richtigsten von anderen Nationen zu unterscheiden, wenn sie dieselben Nachahmer nennen" (10: 214). Entgegen aller nationalen Verklärung Friedrich ll. in den folgenden Jahrhunderten hat Klopstock für den König von P reußen nur Verachtung übrig, die sich an dessen Geringschätzung der deutschen Gedanken eines deutschen Poeten 175 Sprache und Literatur entzündet. In der Ode "Die Rache" nennt Klopstock Friedrich ll. deshalb einen "Fremdling im Heimischen"; und fü r Friedrichs eigene Dichtkunst umer der Tutorschaft Fran~ois­ Marie Arouets, bekannt unter dem Namen Voltaire, hat Klopsrock n ur Hohn übrig: "Du erniedenest dich. Ausländertöne! Nachzustammeln, dafür den Hohn zu hören:! Selbst nach Arouels Säubrung/Bleibe dein Lied noch tüdesk" {-+: 277).2 Klopstock mißt der Sprache eine ganz besondere Bedeutung zu, da sich seiner Ansicht nach in ihr rel igiöse, patriotische und dichterische Impulse verschmelzen. Für ihn ist die Sprache ein "heiliges Band" (IV, 272) in dem doppelten Sinne, daß sie die Grundlage für menschliche Gemei nschaft umerei nander lind mit Gon bildet. I n der Ode "Unsere Sp rache" wird der ursprüngliche und natürliche Charakter von Sprache in mächtigen Naturbildern ausgedrückt.) Die Hymne an die Sprache gipfelt in der Bemerkung, daß die Sprache auch Tat sein kann!'n etwas mak abrer We ise drückt sich diesel be Überzeugung aus, wenn KlopstOck Rouget de Lisle, den Dichter der Marseillaise, mit den Wonen empfängt: "Sie sind ein gefährlicher Mann, mehr als fünfzig tausend brave Deutsche haben Sie erschlagen" Oahn 199). U rsp r ünglichkei t , Natürl ichkeit und Tatk räftigkeit sind für Klopstock wesentliche Merkmale der deutschen Sprache. Wie die germanischen Krieger mit dem Schwert ihr Vaterland verteidigen, so wehren die Bardendichter fremdsprachliche Einflüsse mit Hilfe ihrer D ichtung ab, um gemeinsam die alte germanische F reiheit zu bewahren. In Klopstocks Oden kämpfen die Germanen für ihre Freiheit deshalb mit "Schwert, und WOrt" (4: 196) - eine für Klopstock ebenso typische Wortfo rme! wie "die thatenvo lle Telyn" (4: 205), ein Instrument der Barden, das von den Taten der H elden singt, aber auch durch sein begeistertes Lied Taten geschehen läßt. Durch das Wort wi rd der Geist Tat u nd Aktion. Wie der Magier mit dem WOrt allein schafft, so wird durch des Barden Wo n die Welt bestimmt und verändert . D ie Bedeutung "Barde" ist als Bezeichnung für einen altdeutschen Dichter im 18. Jahrhundert durchaus geläufig. Zu einer intensiveren Auseinandersetzung mit der germanischen Mythologie und der dami t einhergehenden Verdrängung der griec hischen Mythologie kommt es allerdings erst während Klopstocks dänischer Zeit in den 50er und 60er Jah ren des 18. Jahrhunderts. Am dänischen Königshof hat er 176 Focm on literatur Kontakt mit dem deutsch·dänischen Gelehrtenkreis und wird dort von den altnordischen Forschungen beeinflußt, die aus dem dänisch­ schwedischen Antagonismus des 16. bis 18_ Jahrhunderts geboren wurden und vielfach der nationalkulrurellen Selbstdarstel lung sowie bürgerlichen Kreisen als Argumentationshilfe für deren Ansprüche ;j;uf Machtbeteiligung diemen.~ Klopstock sieht die kulturelle Aufgabe des Dichters als Barden in der Erforschung der Ursprünge der Sprache des eigenen Volkes lind der Schaffung neuer Sprachdenkmäler, eine Aufgabe. der sich Klopsrock selbst gerne widmet, indem er Gotisch, Altnordisch, Althochdeutsch und Altsächsisch lernt und nach alten deutschen Sprachdokumenten forscht. Für sein Verdienst bei der Bildung einer einheirlicheren deutschen Hochsprache würdigt Klopstock deshalb den Reformator luther in dem Prosastück "Zur Geschichte unsrer Sprache" als vorbildlichen Spracht.nieher.~ Sprache ist für Klopstock ein Behältnis der Begriffe eines Volkes, Ausdruck der nationalen Identität und der historischen Erfahrung eines Volkes und folglich eine wesentl iche Voraussetzung für den ZUg