Focus Fall 1996.tif Book Reviews !59 KARLHEINZ BAR WASSER. Mltlterkom. Miinchen: A l Verlag, 1996. 152 S. D M 28,00. Mll tlerk orn - ein seltsamer Tilel? Milnichlen , nicht scltsam aber hinterhalt ig_ Muuerkorn , so teilt der Verlag dem Leser mit , ist ein hochgiftiges Dauermyzelgeflecht der Roggenahre und wird wege n se iner Alkalo ide zur Einleirung vo n Ge burtswehcll verwe ndet. A uaerdem emhalt Muuerkorn als natiirlichen Bcstandteil Lysc rgsaure, von der Lysergsauredi athylamid (LSD) ein Abkommling ist. Schon geringe Dosen ru fen bewuRtseinsveriindernde \,(/irkungen hervor. Von solchen wird aueh Geo rg Wa nder, der Ich-Erzahler des Romans, geplagl, der die Nachricln vom Tad seiner Mutter ZlIm An la R Tl nllmt, iiber Elend und Schrecken einer schein bar unallilosbaren Mutter-Soho­ Beziehung zu reflektieren. Fur Wander, clas wircl sdmdl dcutlich, bedeutct Mutter nicln einfaeh MUlter, sondern - G ifT: "eine Multe r, d ie einfac h abslOGend und anziehend zugleich ist, gi ft ig wie Mutterkorn ." Die lebenslange Verslrickung mil seiner Multer , cler Autor spriclll von "Lebenshaft ," besteht fur Wander aus einer Ken e vo n Erniedrigun gen, enttauschten Erwa rtungen und einer schmerzhaften Ambivalenz: Einerseits will er cler Mutter so nah wie moglich sein, andererseils - und da:; wird \Y/ander zu r sc hmen:haflen Lebens.mfgabe - mochte er sich durch eine sOZllsagen zweite En t-Bindung endgiiltig vo n ihr losen. Was ist das hir cine Muu er, die Wander derart in Bann hait, daR er ih r nur mil einer beunruhigenden HaR-Liebe begegnen kann ? Nun l zum einen erscheim sie :lIs "normaie," wenn allch unkonventionelle Frau , die jeder als Mutter akzeptieren konnte. Zum anderen aber - und das ist die Muuer, die Wander scho n als kleiner Junge im wahrsten Sinne des Wanes zu spiiren bekommt - ist sic cine mental auGer Kontrolle geralene Furie, di e in ihrer rase nden Lust zu qu1ilen nicht our ihre Kachloffelsammlung tiber clem Kopf des jungen Wander zusammensc hHigt. G leichzeitig ergeht an den Sohn die clrohende Aufforderung: "DafS clu mich ja bloa liebst!" 1m Prinzip handelt MltUerkom von den clrei Tagen zwischen der T odesnachricht und clem Begriibnis; von einer chronologischen Abfolge der Ere ignisse kan n allerdings keine Rede sein. Oer Roman fallt form.lich aus der Zeit, denn Karlhein z Barw:lsser sp ringl virtuas Focm Qn [iural"r Vol. 3, No.2 (19%) 160 FocltJ on Literall" zwischen cler Schilderung von Wanders Kindheit uod Jugend , den Begrnbnisvorbereilungen uod den alptraumhafren Wahnvorstellungen seines Prougonisten (so stellt sich Wander his ins kleinste Detail vor, seine Mutter wie ein tOles Tier auszustopfen) hill und her. D ennoch, lind das ist das Erstaunliche an AllIuerkom, sind diese zeidichen Briiche kaum spiirbar, dOl die nicht gerade stringent zu nennende Handlung von Barwasse r s oltemlos-gehetzter Sprache unbarmh erz ig vorangetriebe n wird lind der Leser in eineo faszinierenden MahlSlrom olus Worten gedit. Am Ende hal Wander (sc hei nbar) mit cler Mutt er allch se ine destmktive Han-Liebe zu Grabe getragen. Es liegt nit ht alleill an diesem H offnungsschimmer, daB cler Roman keio den Leser anodender BetroffenheitsleXl geworde n ist. Bdrwasser, gchoren 1950, schreibt nicht nur ungeheuer intensiv . wobei er sich teilweise ein er recht drastischen Sprache bediem -, er beherrscht allch, was sich bei jiinge ren deutsehen Autoren Oeider) seh en finder: den Ei nsatz von Ironie (d ie in MlIlurkom fre ilich eher als Sarkasmus daherkomnn). So laBt er Wanders Mutter allf das "Gestandnis" des Sohnes, dafi er schwul sei, bar jeder Vernunft reagieren: "Frauen mil kleinen Briisten kriegen keine H omos!" Und mit bei~ndem Span entlarvt Barwasser die am Grab der Mutter zur Schau getragene "T rauer" als pure Heuchelei. Schonun gslose Offen heit , genaue Beobachtung und schwarzer Hu­ mor - mit Mlwerkom ist Barwasser ein fulminames Stuck moderner deutscher Literarur gelungen. Llldwig.Maxjmiliarls.UlllVCrsjtiit Miinchen AleXilnder Gmss ------_ ..•.. _------ ELAZAR BENYOET Z. Bnidc:rlichkeit: Das alteste Spiel mit dem Feuer. M iinchen: H auser, 1994. 88 pp. OM 28.00. This slim volume of polyphonic modern poetry with the problem­ atic of human coexIStence as its theme is its author's fifth literary work in the German language. It has been well received by the press in Zurich. Elazar Benyoet2., who migrated from Vienna to Jerusa lem FOCUJ on Liuratllr Vol. 3, No.2 (1996) Boo k Reviews 161 at the age of twO in 1939, whose fluency in German has been lauded, addresses in an elegantly beautiful seri es o f aphorisms, pOl.!lological images, analytic passages, and reflective citations, the archetypal dia­ lectic of bro therly love and murderous hate, which in his self-under­ stood linguisticity, yearns in an untranscendant love, th at is ever-con­ scious of its constitutive anti-thesis. The volume unfolds into six polyphonic ch:tpters bearing titles: "Vor," "Kain oder: Woche der Briiderli chkeil ," "In Erin neru ng gedaclll," "Skmpel," "Das aheste Spiel mi t dem Feuer oder: C redo," and finally th e "Zitalnachweis," which painstakingly acknowledges the writers wh ose words were woven into the previously encoun­ tered divisions of poetry. These tides illlerprel his thinkin g in each division . On the backcover of Britderhchkelt Benyoctz exp resses the view that he should be a pure organ o f language, and this mea ns to him, thinking in ways th at in a magical language game, ket:p out the will to power, thereby seeming to allude to Wiu ge nstem 's pdradlgm of language as game and to N ietsche's notion of power. I n his spiri­ tua l~poetic renections, even the recent histo ry of the Jewish people in Germany is prefigured in the Biblical archetype of Cain and Abel. Thus he seems to allude to the experience o f Judaca in C hristian Ger­ man y in fOllr pilhy lines of poetry: "f\..b schiach C hristianlslen/und C hrislus entmenschensohnt:/die Bibel ve rdelilscht/ und das Deutsch entmendelssohnt" (13). In an abstract analytic pass.1ge he begins citing what seems to be an ancient Sanskri t myst ic'S cognition o f the arche­ typal historicity of bei ng: "Was wir vorhauen,lLiegt weit h im er lIns/ Sahadu tha" (18). Benyoetz' writing has not been limited to phi losophical, reli · gious poetry . li e has already made several contributions in the areas o f biograp hy ,md literary criti cism . This p.micular work is replete with reference and ac kn owledgment of imponant wri ters ,md wri t­ ings, and of thinkers and thoughts in the German humanist tradition. It is profound in its understanding o f rhe contributions of the Jew to hurn.lIlism in Europe. His BriiderltcbkclI ends in th e note of his religi­ osity, which recognizes the proof of God in the prayer of humans. Ben yoetz' spiritual home in th e Jewish religion and belief in the im­ monaliry of God is th e recour'se from the problemalic that is his theme. 162 Focus on Literatltr BTltderhchkeic establishes its author's importance in the an· nals of world poetry and is valuable reading for American scholars whose pursuits take them [Q modern German poetry. Judaic culture, and the mystic and religious poetry of the world. Umvermyo/Cinclnnatl Joseph Vin cetlL ------_ ..... _------ MARCEL BEYER. Flughunde. Frankfurt: Suh rkamp, 1995. 301 S. OM 38,00. Die Prosa in Marcel Beyers erstem Roman Das Menschenjleisch (1991) schei m gelegentlich stark an gesp rochener Sprache or ienti ert. Kapitelweise feh len KOmmal.l , und Beyer thematisien Sprache beispielsweise in assoziativ verknuphen Sprachreflexionen. Schon im Erscheinungsjahr von Das MemchenjlelSfh stelhe Beyer einen Teil der Flllghlmde in Klagenfun beim Ingeborg·Bachman n·Weubewerb vor und erhielt dafur den Ernst·\'(Iillner·Preis. In .Menschelljleuch r-eflektien Beyer unter ander-em sein eigenes Schr-eiben, das er wegen des Naehenahlens und Zitierens "parasitares Schreiben" (MenschmjlelSch, 59) nennt. In Flug/mnde ist di e gesprochene Sprache zum TheOla geworden. Auch die ErLahlperspektiven sind schon in Beyers erslem Buch "e rprobt" worden. In Flughllnde kommt der Ali lor im wesentlichen mit zwei sich abwechselnden Perspekti ven au::;. Sie sind das emseheidende Kompositionsprinzip. so daE der Roman stcher auch ohne die Kapilelmarkiemngen auskame, die abe r noch ein mal neun Handlungseinheiten voneinander trennen. Die erste Perspektive gehort dem Protagonisten und Ich·Er.dihler Hermann Karnau. Er versetzt die Leser monologisierend in den Oktober des Jahres 1940. in die Beobachtungen Karnaus, aus denen sich eine durchaus kominuierliche Handlung ergibl , ist 1m Mo no log haufig eine Fo lge von tiefen Renexionen und Bildern imegriert. Lctztere pragen sich starke r cin, so da..fi der Monolog aoch an einen "stream of consciousness" erinnen , und zwa r dann , wenn Karnau tiber sein Thema in Begeisterung geriit, die Sprache schneller wird, und er Ellipsen bildet. Karnaus Ausdrucksweise ist gewahlt und sein Abstraktionsniveau sehr hoch. Er betreut die Beschallungsanlage in Focus on LiuraturVol. 3, No.2 (1996) Book Reviews 163 dem Stadi o n, in welc h em der Pro p.l ga nda01 ini ster des Nationalsozial ismus, Joseph Goebbels, spater eine Rede halt. Sogar die mitgebradllen T aubstummen sollten mit der Rede erreicht werde~: ~Wenn sie nicht den Sinn der Tone ;lUffassen konnen, so wollen wlr Ihnen die Eingeweide durchwiihlen. \Vir Sleuern die Anlage olUS: Die hohen Frequenze n fur die Sch:idelknochen, di e nied rigen fiir den Unterleib. Tief in di e Dunkelheit des Sauchcs sollen d ie Gedillsche reichen" (H). N icht nur, d.,B Karnau se ine Arbeit d:imonisch ernSt nimmt und "sein Handwerk versteht," e .. iSl besessen vo n der Idee, eine '" Kane all er Stimm f:i rbungen" (29) der Menschen anzulegen lind macht deshalb haufig heiml iche Aufnahmen von Menschenslimmen. Er umcrsucht in seiner \XIo hnung, eben falls heimlich , Tier:.t.:hiidcl, um Oh .. , Zunge und Kehlkopf, den akustischen Apparat ~~ studieren. Karnau wei!!, dJ!! er fur seine Idee "selbs( die eXlremsten Au!!erungen nicht schwen" (29) darf. Er mc ldel sieh freiwillig zum "Entwelschungsdienst" (83) nach SlraBburg, denn im RJhmen der "Eindeutschung" sollte Welsches ~/elsch - Fr.ll1zosisch, ROIll.tnisch) aus dem SprJchgebr.tllch cntfcrm werden, well die "Kl.mgl.mdsschJften zu Hause" (ibid.) schon "ausgekosrel lt (ibid.) sind. Er nimmt es wah rend der Aufnahmen in Kauf, Grausamkeitcn mil Jnzusehen: "Verhore, furcluba r. Priigelstrafe bis .lufs SIUl" (8-1). Karn.lUs Renektionen tiber seine Umwell, seine Abneigung gegen beslimmle Stimmerschcinungen, die menschli chc Stim~le. d.ie Sprachentwicklung und di e Vernarbung der Sti mmbander smcl em Vorgeschmack auf die poetische I-Iochleistung in Seyer:. Passage tiber die Tonaufnahmen von sterbenden Soldaten: "Die StoBseufzer in g.mz verschiedenen Tonfarhungen , das Achzen, Gurgelo, das Erbrechen in Dreck und Finsternis. Kb ngfarben, in denen sich Dunkel hei t in mehreren Schicluen abgel.1gert hat und die aus clem Dunkd iilrer Umgebung heraus entstanden sind. JCtZl kehren sie zuri.ick In ihren Urspnmg, die Sterbenden, da sie die Slimme nichtll1chr Ilolhen konnen und sich die Schreie eineo \'(leg bahnen naeh drauBen. Nur noch :lOimalische Tone, sie we rden jCtZl nicht meh .. gefo rl1u im Kchlkopf, und werden nic ht gedampft iill I-I als, sic erfi.ill en den gesJ.mlen Rachenraum. Und Lippen, Zunge, Zahne konnen diesc ungewolhen Lallie auch ni chl mehr illl Z,lUm hahen, :mfllJlt en und Zllm Verstummen bringen noe ll im Mund" (1 1-1 / 115). Ahnliehe Ausdrucksstarke find el sieh h:iufiger, so ollich w.ihrcnd elnes 164 Fows on Liler4£Ur Menschenversuchs (!) in Metaphern von Karnaus Begeisterung: "Der schwache. keineswegs gefahrliche StromstoB i:iBl den Keh lkopf zusammcnzucken. Jagt jetzt die Slimme hoch? In oherste Regionen? Neill, kippt "orher. [ ... J Sehr schone Schaltcn, dann, langsam, erst bum erkennbar, zeigt sich ein r6tlich schwarzer Schimmer, dano manes Blauviolen, das sich verdichtet zu einer leuchtend blauen Stimmfarbung. Schaner clef Himmel bereits ab? Sinkt der Kehlkopf unter gleichzeitiger Entspannung, wird die Slimme Liefer und rauher und zeigt cine immer deudicher werdende Neigung zum Vibrieren. [ ... ] Das Blut nimmr hier und dort einen Lichtstrahl auf, leitel ihn diinn, diffus und flackernd weiler und wehl ei n Muster in die Nacht hioein" (159). Das Grausame erscheil1l platzlich "asthetisch," und damit ist ein sehr gehibrliches Terrain erreicht. Bei Beyer steckl die sprachliche Prazision auch in einzelnen Formulierungen wie: "doch der Verwundctc hifh sich nich t stoppen, hehig verzerrt er das Gesicht, die Augen unbeweglich, entsichenen [!] Blicks tlnd HelJbrandl ilbersetzt niehl ruehr" (105). Grausames iSl so oft nur erahnbar lind wirkt dadurch noch ergreifender. Nachdem Karnau auf einem Kongrel1 mit narionalsozialistischer Themat ik eineo Vonrag gehalten und in Begeisterung ausgesprochen hat, was nicht in semem Manuskript stand, ist der BegleitarLt des "Reichsfiihrers 55,'" Professor 5tumpfecker, eben falls begeisten und will, da~ Karnau ei ne 50nderkommission leitel, die f.,llenschenversuche mit dem Ziel macht, den akustischen Apparat zu untersuchen und zu verandern. Hat sich Karnau bisher "nur aus Versehen" in Stra~burg eme Denunziation zu schuldet1 kommen lassen, treib. ihn sein Forschergeist nun zu viel groGeren Verbrechen. Goebbels ist von der "gigamisehe[nJ" (-\6) Beschallung illl Staruon begeistert und wi ll den Tomechniker Kamau zur personliehen Verfiigung haben. 50 kommt Karnau mit Goebbels sechs Kindem Heide, Hilde, Holde, Hedda, Helmut und Helga zusammen. Der achtjahrigen Helga gehart die zweite Enahlperspektive, die sich in den ersten zwei Driueln des Buches standig mil Karnaus abwechselt. Allerdings driingt sich nuch zllweilen die Perspektive del' Multer oder eines cler Geschwister in den Vordergrund. In Helgas Monologen sind Reflexionen und Bilder ihrem A bstraktionsvermagen enLSprecbend gering vertreten, und die Erzahlhandlung slehr im Vordergrund. Diese Perspektive ist zweifellos leichter zu lesen als die komplexe Sicht Book Reviews 165 Karnaus, nimmt etwas Tempo aus dem Text, ist aber nicln Iangweil ig. Es sind, wie alleh bei Karnau, innere Monologe; Helga sagl, "da~ ein Kind in zwei Welten leh(, zwei 51immen hat, zwei verschiedene 5praehen benulzt" (233). Helga gibt Ei nbl iek in ihr Inneres, damit aber zu einem groBen Teil aueh Einbliek in ib r Familienleben. Hier erleben die Leser den Demagogen Goebbels, der unzahlige Menschen in den T od geuieben und den verbrecherischen Narionalsozialismus m i t seine r Propaganda wesentlich llnterstiitZt hat, als zwar verschlossenen, aberauch liebenden Familienvater. Daher iSl dem Buch auch ein Zital aus Goebbels Tagebiichern vorangcslellt: «Tch hare die sii6en Stimmchen,/die mil' d.ls Liebsle auf der \'(Iell sind.!Wekh ein Schatz, welch ein Besitz!/Gott erhalte ihn mid" (5). Ein deutlicher Kontrast zu clem HaB, den del' Poliliker Goebbels so oft gczeigt lut. Deshalb ist die Siehl der Tociller auf den Vater cine schwer nachvol lziehbnre Sehweise, die fiir sieh allein cineI' Verklarung gleichkame. Mit dem Kriegsverlauf emfremden sich die MUlier und vor allem der Vater von ihrer allesten Tochler, \Veil diese deren Liigen mit zunehmendem Alter leichter durchsehaul. Beyer zeigt aus der Kinderperspektive die Do ppelmora! des Funktionars, der in der Offentlichkeit dafiir sprichl, daB auslandische gegen deutsdle Wianer gelallscht werden sollren lind dessen Kinder Pr ivntumerricln in Englisch bekommen; odeI' der gegen Lellle redel, die sich ,mf Kuren ausrllhen, abwobl seine Frau oft ZUI' Kllr (:ihn. (Vcrmutlich handelt es sieh um die Rede im Berliner Sponpalast nneh der Nicderlagc in 5talingrad am 18.2. 1943). 50lche Emlarvungen wirken eben dutch die Kinderperspek tive niehl plump allfgesetzt, sandern sind wie nebenbei und natiirlich in den kindlichen Denkvorgang illlcgrien. Beyer will keine 5ympathie fijI' den diabolischen Rheloriker Goebbels erreichcn, obwohl dessen Greuehaten zunachst hinter der Rolle als Fami lienvater zuriiekzllstehen scheinen, und er VOl' ,lllem von der Toclner naiv geschildert wil'd, die von seinen Verbrechen nidll einmal al11ll. Das anfangs heile, spateI' angespannte Familienleben und die zcntra le posl.Slalmgrad.Rede werden durch die Grausamkeiten des Ka rnnu'sehen Forschungsu'iebs kontrnstiert, w:i h renJ der pOSI­ Stalmgrad.Rede sagar in perspek t ivischer Versehrankung mit Mensehen- und Tierversuchen Karnaus. Dureh die Kontrastierung wird die Sieht der Tochter relativien. Beyer ziclt bewuBt auf Goebbels "J'lnuskapfigkeit." Die Liebe zu den Kindern wil'd nus diesel' Sicht als 166 Focus on Literalur absurd und hochgradig z.ynisch herausgeste!lt. Beyer experimentien aber auch mit cler Groreske: Goebbels ist der "Saubermann" an der Windschutzscheibe des eigenen Autos, - er entferm mit Spucke Fliegenblut. Beyer mach l nach etwa zwei Dritteln des Romans cinen Zcilspmng in das Jahr 1992. In diesem Jahr wurde in Dresden im stadlischen Waisenhaus ein Schallarchiv gefunden. 1st es das gleiche. an clem der imaginare Karnau mitgearbeitet hat? Der Name Karnau ist der ciner Person der Zeilgeschichte, lliiIlllich der eines \Y/achnunnes des F~hrerbtlnk~rs in Berlin. Beyers Karnau gibt sieh nach clem Krieg also OI chl zufalllg als Wachm:ml1 aus. Niclll erst hi er, sondern schon im Bereich der Famdie Goebbels triu das cin, was Beyer in .HenschenflelSch programmatisch vorweggenommen hal: Poelische Fiktion uberlagen die hislOrischen Fakten und "wir ulHerscheiden jelZr nicht mehr genau zwischen fiction und non-fiction" (Alensch~nfleisch, 17). Beyer bemGht sich nicht um eine moglichst wah:~~ttsgelreue Abbi.ldung einer wahrscheinlichen und vergangenen Reahtat, sondem urn eme wahrscheinliche Vermilliung seiner Fiktion der Vergangenheit. .. Kar~au hat zuviei Fachwissen, das er wah rend einer Begehung der Raume In aufkommender Begeisrerung erkennen la:6t. Dureh eingeblendete Berichte der Untersuchungskommission wird klJ.r da6 man ihm die Rolle des \Xfachmannes nicht ab nimmt. Karnau niehl und herr an e inem unbekannten On n oc h einmal il:1chts Tonaufnahmen an. Er will dem Ratsel urn den Tad der sechs Kinder deren einzige Venrauenspersan e r bis zu deren Tad war mit Hilf~ seiner Schallplatten auf die Spur kommen. 1m lelzlen Orittel'cles Suches scheinr Helgas Perspektive zu uberwiegen, welchc die letzre Zeit im Fiihrerbunker in Berlin erzahlt, in dem auch Karnau arbeirete. Hier werd~n die zwei Perspekliven aber noch durch die einiger ZlIm Tod der Kmder befragler Zeugen erweiten. Helga ist kurz vor ihrem T od funfzehn Jahre aIr. Allerdings hat sich ihr Reflexionsgrad seil ihrem achten Lebensjahr nur wenig erhoht. Eine U naufmerksamkei t des Autors? Der versucht diesmal eine gro6ere Groteske. Sie deutet sich mil der Diatkechin Adolf Hiders an, mit deren Perspektivc die von Kar.nau e}n einziges Mal erweiten wird. Professor Stumpfeckers letaer Patlent 1St Adolf Hitler, cler groBe Mengen Schokolade ilk cler Sekretii.rin sein Testament diktien und dabei standig in Wonerbiichern Book Reviews 167 nachschlagt. Mit ihm si nd offenbar Untersuchungen gemacln worden, moglicherweise sagar Versuche. Karnau sol!te Hillers Sti mme konservieren, doch der "Redner ist erloschen" (2 12) - wie so viele andere. Hitler wird verbranm und Karnau ist Zeuge - wic allch die hlSloTische Vorlage Karnau. Nich t nur das Proiekt der Sonderkornmission ist gescheitert, sondern auch Kamau sclbst, weil er nich t begreift. wamm er, "der Schall mensch" (286), nielus vom gep lanren T od der Kinder aus den Slimmen der Tiiter herausgehon hanc. Beyer gibr der Person Karnau seinell per-sonlicben Errahrungsharizont mil, der sich in zwei wichtigen Mot iven von Beyers Sp'J.chreflexion konkretisiert. Erstens dem Motiv des '"Sich­ Einschreibens" oder "Einzeichnens." Es wird in Oberlegungen Kanuu!:t zum Aufzeiehnen von Schall sinnfallig. ~Jedes Allfbrallsen zeichnel sich in die iiberdellnten St immb:inder ein, das narbt sich immer weiter fan, und soleh ein Mall:i6t sich nie wieder zum Verschwindell bringen. die Stimme bleib[ lTI arkierr bis an das Lehensende" (15). SpateI' konstatiert er, d.lR "jeder von diesen Stimmausbriichen nun alleh gepragl [war] , sie hauen die Kehl e aufgerauln und slch in di(! Stinunbander eingezeichnet als verhangnisvolle Narben, die keine noch so rein arbeitende plastische Chimrgie je wieder hane 1I1lkenntlich m3chen kennen" (232). Karnaus Ubcr!egungen zur Aufzeichnung von Schall refleklieren in Ana log ie wr Sprache die pJ.radoxe Gewaltstrllktur des AlIfnahmeverfahrens, wenn er schre ibr, daR man "die Verlelzung der Oberflache [brallCht], urn Gerausc he einzllfangen. es braucht das Auskratzen des Tonspeichers mit clem Schll eidstichel. als erfordere die flu chtigste Erscheinung gerade die haneste Vorgehensweise, als konme clas verletzl ichste Phanomen nur millels eiller verletzenden Proz.edur ri xiert werden" (24) . Obrigens sind die Flughunde (groBe Flederm:illse) wegen ihrer besonders guten H orfahigkeit Titel lind Leitmotiv des Romans und Symbol fur das Unerreich bare, die Ullraschaillone, ~die nur die Tiere kenncn" (1 SO). Vorderen Hintergrund zerfalh Karnal! die Stil1lmgebungsk.lne "unter den H anden." Der Text ist gerade in den 1\!lonologen K.lrnaus sehr anstrengend, aber insgesamt hervorragend geschrieben. Universiliit Hamburg Ra/f E. W,m,r 168 Focus on Literalltr HANS CHRISTOPH BUCH . Traum am />"iihen Mo>gen. Berlin: Yolk & Welt , 1996. 132 S. OM 26,00. Vielfach iSl die EXlSlcnz des deulschen Geistes von Ideologen verschiedener Couleur behauptet worden. Buch, dessen l.iter:uunheorcmches Werk immer noch schwerer wiegt .. Is dessen literarisches, sprach sich schon vor gut zwanzig Jahren filr eine Veranderung der allein theorctischen Sieht auf die \'(felt allS, hin zu einem politischen undasthcrischen Engagement in der linken Literatur, wcg vom politisch Feslstehenden: "Literatur, die ihre aSl hcl isc he Autonomie preisgibt, wird auch politisch wirkungslos" (KTlll5che Walder 88). Dabei ist es his heme geblieben. Mag man dem Klappcmexl des Erziihlb.lndes glauben, bliehe ein deutscher Geist ;luch in II :lns Christoph Buchs Tramr/ am /nthen Morgen :lut1er Frage. Die These hinter den sec hs Prosas lucken Iafh sich so formulieren: Yom siebzehmen J:lhrhunden bis in die Gegenwan besteht ein Kontinuum von T odessehnsuchr des deutschen Geistes. "Am Stiefel die Kok:lrde /Das B:ljonen ;un Hlit/ 1lars zupft die Mandoline/~Iachl noch den Toten 11m" (5). 1m Prolog wird umer anderem mit diesen Zeilen der unbedingte Wille zu Kampf und T od als rater Faden gespannt, an clem die Protagonislen aus Literatur- und Weltgeschichte aufgereiht werden. Oer Aufbau iSt simpel: Jede cler sechs ErLahlungen llJ.ndelt von einer Personlichkeit, die in Zusammenh:lng mit geschidnli ch besonders relevanten Ereignissen stehL Die Erzahlungen folgen chronologisch :lufeinander. Soleh relevante Ereign isse sind der Dreit1igjahrige Kri eg (1618 - t6~8), del' Siebenjabrige Krieg (1 756 • 1763). der Abzug cler letZlen franzosischen T ruppen JUS Mexiko lind cler Kampf Kaise r Maximilians gegen die Liberalen lin ter Ju.lrez um 1867, der erste Weltkrieg und del' zweite Weltkrieg. Schli eR lich folgt noch ein Riickblick Imd Allsblick. Es gibt innerhalb jeder ei nzelne n Er.lahlung eine n kominuierlichen, abel' unterden Erzahlungen keinen zlisammenhangenden Handlungsablauf. Die Personl ichkeiten stehen im Vordergrund des Erzah lerinteresses, sollen jedoc h dUTch individuelle Lebenslaufe ein allgemeines Geschichtsblld abgeben. Daher konnen die T exte sicher zur Ganung der historischen Erzahlung gerechnet werden, abwoh l die Handlung nicht rein fiktiv, sOlldern Focus Oil Llltralllr Vol. 3, No.1 (1996) Book Reviews 169 ei ne Mischung histo rischeT Fakren und poclischer Fiklion. Buchs grundlegendes Schreibprinzip 1St. In de,r ersten Erzahlung, die d~m Buc h se ine n Tile! gibt, verschlaft em namenl ose r Genera l lin DreiBigjahrigen Krieg den groRten Teil der entscheidcnden Sc hl~chl . Immer wiederkehrend ziehen sich die schablonenh aften Bllder .utS dessen Triiumen durch die folgenden Ertihhexte. W;ihreml die Vermiscbung historischer Fakten und poetlscher Fiktion einc eme Ebene bildel, vermischen sich auf der Handlung~ebene Traum und Realitat zu einer Ralse lhafrigkeil des Phanusllschen. Grausame Ereignisse werden bewuBl, e~e sie in der ironischen Dist~~z des Erzahlers untergehen. Erfolgrelch hat gemde cler Genc~a l dlc Insub­ ordinati on," die Verweigerung der Unterordnung el.I1I!S Soldaten verhindert: "Das Beisp iel cles sterbenden Sokl;nen, der his Zllm IClzten Atemzug die Sefehle sei nes Vorgesetzten be~o l gte, schi~ 11 .ul ~teckcnd zu wlrkcn; ei ne wellenformige Bewegung lief durch die Relhen del' TOlen und Verwundeten, die sich innerlich einen Ruc\;. g.lben, als mut1lcn sic auf dem Kasernenhof zum Appell antreten; durch die plOlzliche Bewegung wurden die T atenvogel aufgeschellclH, di~ 111 ErwaTtung eines Festschmauses an den noch w.lfInen Lelchen .. hre Schnabel gewetZI hatten und krachzend J.urflatterten" l ~6) ., Hmter der liter.lrisch sorgfalligen Komposit ion wirJ lelder nur blltzbchthaft cler UmertJ.nengeisl und mil ihm der Wille zur t>.ladn aufgerufen. Ob er in Buchs Sinne als BesunJleil des deutschen Geistes gehen soli. bleibl offen. Obwohl die chronologische Reihung einlomg ist, die Beisp iele zum deulschen Ge ist se lbst sind dagegen originell lind individuelllusgesucht. . Btlchs Beispieisammlung wird mit C hri stian Ewald vo n Kleist fOflgefuhn , del' hilHef se incm Neffe n H ein rich von Kleist an Bek,lIlntheit deutlich zuriicksleht. C hristian Ewald Hifh er.l hnen, was den AUIor auf ein so weiles Thema gebrachl h:Jbcn diid,c. Buch will die "asthetische Autonomie" (Krulsche \'fIaMer 88) del' LllerJtllT. Er stelh dJbei regeimaRig ein subjekti ves Moment in den Vordergnlild. DiesnlJ.1 hat ihn wahl se ine Liebe zu den Dl cht U" 1l .IUS der Liler.llurgc)chichte auf den Plan gebrac111, den deutschen ?eist .lIs verbindendes Element zwischen den Person lichkcllen ailS Lncratur­ und Wehgeschichte und gleichsam zur politischen \V.Ii~ksamkeit s~iner LileralUr einz.uselz.en . Es geht Buch abel' nicht urn eme Iheoreusche Behandlung des Abstraklumsdeulscher GelSl. Er gibt auch clOer anders 170 Foe/{5 on Literallir differenzierten Auseinandersetzung mit clem ideologisch mehrfach beschlagnahmten deutschcn Geist keine Chance, sondern versucht, das ganze Phanomen durch eineo Aspekt vDrstellbar zu machen. Kleist leidel an "unhe.ilbarer Schwermut" (25) und "r-.lelancholie" (25), spater segar zu "immer SchwarLere r Schwermut" (29) und "Weltschmerz" (29) gesreigen, und kann schon nicht mehr dichlen, bis er cndli ch in DienSlen Friedrichs des GroRen den Marschbefehl bekommt und nicht mehr unratig henlmsitzen muG. Mil der Marschorder finder er zur alten Poesie zuriick, indem Bueh den Kleist von einem Spaziergang mit dessen Freund Lessing traumen 13:6t und darauf eineo poetischen Text Kleists zil iert. Trefflich poiiEisien Buch den Kleist im Wechselspiel z.wischen historischer Wahrheit und eigener Fiklion. \X'ar Kleist nur dann Dichter, wenn er kampfen und tOlen konnte? Er kann plotzlich so verstanden werden. Sein Wunsch, hirs Vaterl::md zu sterben, wird schnell erfullt: Vom pferd gestiirzt, wie der General im Krieg zuvor, erliegt er wenig spater seinen tod!ichen Verletzungen. "A Is Soldat kenne er keine Krankheit auRer clem Tad" (31), hatte Kleist schon vorher leitmotivisch gewuBl. Auch fortan bleibt es den Lesern uherlassen, aus solchen und ahnlichen Mosaiksteinchen - hier Schwennut und Tad - einen deutschen Geist zu konst ruieren. Diese heiden verbinden namlich Kleist auch mil August von Goethe, cler mit dem Freund seines Vaters, Eckermann, eine Italienreise umernimmt. August iSl lethargisch, ''lrage'' (54) uncl "schweigsam" (54), kurz: dumpfbriitend. Vor aHem aber stirbt er an den BeLlSlungen del' Reise. Es is( uniibersehbar: Die ZusammenHeliung dieser Geiste ist ei n e Ver bindung des k!einsren gemeinsamen Nenners, des unbedingten T odeswunsches, der imme!' in ErH.illung geht. Ausdauernd halt Buch Leitmotive und wiederkehrende BiJder dagegen, um ein Gr6Reres zu suggerieren. A is wolle er den im Hintergrund "Schlafenden" nicht selbst aufwecken, schreibt er lieher nichts vom deutschen, sondern nur vom Geist. Es bleibt diffus, was Buch unter clem deutschen Geist verstanden wissen will. Ein Vergleich zwischen historischem Material - in der Gesehiclne um August von Goethe sind es die Aufzeichnungen des Johann Peter Eckermann (Gesprache mit Goethe) - und dem poetischen Text Buchs lohm sieh, um die Umsetzung des Buch'schen Schreibprinzips zu erfassen. Eckermann schreibt beispielsweise von seiner Abreise aus Northeim und seiner Ankunfr in Gottingen: "A bends am Table d'hote, als der Book Reviews 171 Win hone, dJR ich aus Weimar sei und dahin wruck wolle, auRene er in gemiitlicher Ruhe, dat1 doch der grot1e Dichter Goelhe in seinem ho hen Alter noch ein schweres Leid habe erfahren mussen, indem, wie er heur in den Zeilungen gelesen, sein einziger Sohn in ltalien Jm Schlage geslorben sei" (20. November 1830). Bei Buch iSl der Ort der H andlung auf Northeim zuriickverlegr und Jas Geschchen durch Fiktion angereichert und lebendig gemacht: "Eckermann erhielt den grat1lichen Bescheid am 20. November gegen sechs Uhr Jbends auf der Durchreise in Northeim, als er an der Table d'l-Iote P!.uz r1.lhm, um das Nachtrnahl zu beslcllen. 'Wissen Sie schon, welches Ungltick den ahen Goethe gelroffen hat,' fragre der Win, in cler Zeilling blallcrnd, in gleichmiitigem Ton seine Gaste: 'Sein einzlger 5uhn ist in Rom am SchlagfluR gesto r-ben'" (57). Es gelu fort durch die Geschiclne. Stilislisch ist dit! Erzahlung iiber Kaiser MJximilian von Mcxiko am interessanteslen. Auch er ist melancholisch und nach eige ner Aussage tief denkend. Er unterliegl den Truppen seines Gegners Juarez, wird geLmgen genommen und liillt sich hinricht'enj denn "em H absbllrger fliehl nicht" l79). Fleifiig ironisierend beginnt der Erz.a:hler, sich lustig :iU machen, und nicht allein Maximilian gelegendich ins Licherliche zu ziehen. Buchs Begabung fiir die Groteske erreicht einen Hohepunkl. ;Oln der Tiefe des Raums flackerte eine KerL.e, neben einem Tisch, auf dem der K,li­ se r aufgcbahrt warj er hielt ein Buch in Handcn, Thon1,IS ,1 Kemp is NachJolge Christl, in dem er im Tode:iu lesen scllicn; sein waehsernc) Gesicht. tiber ci.ts der Kerzenschein unruhigc Schatten warf. str,lhhe eine iiberi rdische Ruhe aus. 'Meine Bewacher: sagle der Kmser laehelnd und klappte el lS Buch w, 'haben noch hine Ze it gehabt, ein Zimmer fur mich herzurichren. Man hat mich deshalb in diese Gruh verlegl'" (82). D ie Prosasammlung hat ihren literarischen Gip fcl nach zwei Driucln des T exles fast schbgart ig hinter sieh gelasscn. 1:\ icht nul' die Hinweise auf den vom Leser zu imaginierenden deulschen Geisl. sondern alleh die Wirksamkeit cler Stilminel nimmt abo Franz Marc hat wa h rend des Ersten Wel rkriegs zwar am "Soldatspielen" (94) gar kein Interesse, aber den Tad als die Losung seiner Probleme mit der Malerei an:iubieten. "Am Ende wird es keincn Sieger, nur Besicglc geben" (102)j daher fragl er sieh, ob niclu der T od die besle Losung,­ ergo die feindliche nicln ei ne freundliehe Kugel sei. In cler letztcn 172 FoCils on Literalltr Gesch ichte k,lI1n cler Geist auch so deutsch schon nicht mehr sein. Die italienische (!) Prinzessin l>.'lafalda pflegt den Steinadler Adolf Hitlers im Zoo des Konzentrationslagers Buchenwald gesund und stirbt selbst kurz darauf. Die Ironie ist ausgerei1.t, weil sie dem hisLOrischen ~'I aterial Konzentrationslager nicht angemessen ist. Sie (rifft bei Buch Tater und Opfer. AuRe rde m wirkt ein Lagerarzt, "cler im Zivi lbemf Tieraf2t war" (118) eher grallsam .lis lacherlich; auch spottisch ktingt dieser Nebensatz nicht. Wegen cler angecleureten Grausamkeiten im Lager wird man dieser Ironie schnell iiberdriissig. Ahnlich wenig leistet die Groteske, weil clas Komische hier w konkret und daher fast sofon grausam ist. Es kommt gar nicht mehr 1.U einem Zusammenspiel zwischen clem Komischen und clem Grausigen - nur die scheumichen Fakten bleiben. Das Emsetzen folgt nicht der Komik, sondern geht ihr voraus und ist somi t nicht k:athanisch . Das Lacherliche schlagt eben nicht ins Entset1.1iche urn, weil es nicht lacherlich ist, oder die Lacherliehkeit nicht stark genug ist, das Grauen zu ii benonen. Beispielsweise wird die Prinzessin naeh dem Angriff eines britischen Bombergeschwaders verletzt im Lagerbordell umergebracht, wo sich die Prinzessin gestor! fiihlt e, "weniger durch das Kommen und Gehen der Freier als durch das benachbane Kino, aus dem Tagsuber laUle Filmmusik und naehts das gedampfte Pohern der GenickschuBanbge heriiberdrang" (11 6). Auch cler verbindende Geist, egal ob deUlsch oder nicht, ist immer schwerer zu imagi.nieren. Die Prinzessin singt zwar hohe, "'atheri seh reine Tone von durchscheinender Klarheit und Zanheit," urn "die Ahnung einer anderen, besseren \V'elt" zu den "durch den taglichen Schrecken des Lagerlcbens abgeslumpften Gemutcr[n]" (122) za bril1gen, aber es ist nicht auszumachen, in welcher Beziehung ein solches T lin 1.um deutschen Geist stehr, lind schiiemich stirht die Prin zessin . So ist der deutsche Geist endgiiltig auf den T od zlisammengesehrumpft. Doch Buch schre ibt weiter: Quasi resiimierend sch lieRt er mit drei kleinen Prosastiickchen im Stil der Nachrichlenparaphrase ab. Wieder Melancholie und Schwermut? Ganz im Gegenteil: Zwei AngekJagte verkehren ihre Talen ins GegenteiL Oer Lagerkommandant des KOl1zentrationslagers Buchenwald, Koch, will plot1.1ich kein Morder gewesen sein, weil er einen judischen Haftling niche erschossen hane, obwahl dieser es walhe. Koch hane zuvor dessen Frau und zwei Kinder geloleL Auch der Stasi-Major B. Book Reviews 173 meint, bei seiner Arbeit eigentlich se inen Unmut iiber die DDR ausgedriickt zu haben und halt die Stasi fiir die "eHektivste und am besren o rganisierle Oppositiansgruppe in der DDR" (128) . Die realistische Groteske gerat Buch auch in diesen zwe i 'Nachri clnen' - die den Riickblick bilden - wiede r 1.U konkrct und ist eigentlich nur grausig. Er steigen sie im A IIsblick sogar 110ch zur phantastischen Groteske: Ein Auszubildender 1St dUfCh einen Arbeitsautomaten, eine Art Roboter, getotet worden. Der Bericht cler Untersllchungs­ kommission gipfelt in del' Aussage, clat1 di e Einfuhrung von Arbeilsautomaten im Verglcich zu clem Gesellschaftss),ste m, dat1 die Gewerkscha ften fordern, t::in "Bei tr repe_l.lcdly as vio lent metap hors for both the city of Berlin J.nJ the dur.lctcrs depicted li ving there. Although great efforts arc undertaken to pM,ll. lei those tWO sides, the links between lhe city with its histo rically unique status ,1nd the psychopalhogrJ.m~ of indiv idu_1I char_KterS Jre no t very strong, nor are they self-exp lanat o ry. The Lu:t .li0ne that the loclls where the story takes place Il.lppens to be Berltn in the night o f N ovember 9 does nOt suffice to ciev,lIe the lustoric.ll ncnt to the level of a C,lUse o f Ihe char.lcters· grotesque behavior. This _lppear~ to be even more o f an inappropriate exposition because lhe novel never touches on any of the problems that cou ld pos~ ib l y Il.lve been fore­ seen by Berliners at tll.lt time - problems that , by IlInd!>iglll, llIrned out ro be the hm issues that would trouhle Germany III the process o f unification. Nox neither deals with nor mcnuons any o f the historic-o­ political dimensions behind the fall of the Berlin \\1.-.11. 178 FOCl/J 011 Lileratllr Funhermore, the woman's mOlive for her killing rhe nan";l­ tor also remains virtually unex plained. She meets her bter victim, who bappens to be a writer, on the occasion of one of his pub lic readin gs. Afterwards, fill ed Witll sexual desire, she fo llows him out­ side LO ask whether he could be as brutal as the characters he creales. When he rejects her for the moment, he sees somethmg in her face which remains undefined but appears 10 ha ve been the disclosure of her true self. This exposure, as we are later lold, is the :>ole reOison for the murder. Yet agai n, there is no apparent connection between this scene .Ift er the reading .lnd the specific hisLOric moment. Despite the mentioned shortcomings and one's possible dis­ taste for the novel's graphic descriptions, Hettche nl.lnages to hold the reader captive by means of his narrative technique. The story is to ld In small, disconnected episodes with the various encou nters be­ tween the woman and other characters disrupted by several flashbacks of the narrator in which he remembers his first meeting with his Luer killer. The disjoinred sequences and the objective, impanial (sachl iche) narrative style is, one ca n assume deliberately, reminiscent of Alfred Dablin's Berlin Alexanderpiatz. The Structure co nsisting of a se ries of shan, almost dissected scenes fun her reinforces the novel's content by becoming itself an example o f something wounded, something sev­ ered. Visu:llly, rhis is supponed by ch:lptcr breaks often co nsist ing of more than three entirely blank pages. It shou ld be co nceded, how­ ever, that this fact cou ld also be Interpreted in a way that would throw suspicion on both rhe editor and the author. Also taking into consid­ ~rat.i ~ n l.he larger fom size as well as (he remarkably narrow page Just lflcau on, the book's layout cou ld be read as a nOl·so-subtle at­ tempt to stretch the book's format to the outermost limits. Thus, Heuche's latest work might be called controve rsi al in bot h iLS fo rmat and its co ntent. Instead of teUing olle StOt-y in which the lives of a city and its inhabit.1nts parallel and reflect one ano ther, he brings together tWO stories. In the first, Hettche successfu ll y recap­ tures the atmosphere of an epoch-marking event. [n the parallel sto ry, he can fronts the reader with disturbing pictu res of self-estranged indi­ viduals in a decadent society who are trying to convince themselves of their own existence by means o f ever-increasing forms o f physical stimulation - that is, mainly by sex combined with violence . Whereas the city'S wound was about to be closed, even if by plastic surge.y, Book Reviews 179 the female protagonist and her man y acquaintances of that night carry psychological wounds and scars that were neither caused by th e po­ liti co-histo rical circumstances nor, as Hettche suggests, will th ey be hea led in the wake of the eve nts fo llowing the night of Novembe r 9. UniverSity of North Carolina at Chapel HilI Clmstoph Pr:,mg ------_ ..... _----- UWE KOLBE. Niche wi,.klich platonisch. Fra nkfurt: Suhrkamp, 1994. 103 pp. DM 28.00. The fifth and most recem collection of Uwe Kolbe's poclry, entitled Nicht 'Ullrkhch platonisch, presents itSelf to the reJJ er unfamllilr with the author's work as the laborious process of one "coming to terms" with o lleself and reality. Though not as well known as some o f his peers and mento rs, most notably Fiihmann, Kolbe, born in 1957 East Be rlin , dwells on the outskit1S of the litera ry circles. I Ie refrdins from an oven political voice , though detected politi c,\1 un.der.:urrems re­ sult ed in a publicJ.tion ban o f hi s poetry in the early 1980's. Kolbe keeps faithfuito common themes in his writings, confini ng Ihe topics of his poetry to the simple and mundane. The object itself IS not glo­ rified or "poetiz ised" but rather addressed at the level of "the thing itself." The problematic theme of life, for example, whil h functions wil hout roots o r destinalions in Kolbe's philosoph y, is by definition an endl ess journey . Visually, thematiclily and stylisticall y, the poetry encom passed in this latest collection offers few surprises or di stractio ns. It tends, indeed, to adhere to traditi ollJ.1 fo rms from which the ,Iuthor effec­ tively deviates on some occasions. The book is di vided into seven sect ions, each including 0 11 (he average twelve poems, wi th two ex­ ceptions. Kolbe adyances the predominant th eme, around which all others connect to a greater o r lesser extent , in the fi rst st.una. The biuer truth of the poem "Kleine Empfangnis" confro lll s the reade r with the issue of physica l and mental homelessness: '·Eincr oder der Focus 011 Lllt!rafll r Vol 3, No.1 (1996) 180 Foms on Literalltr anderen Stadt oder / einem oder dem anderen Land zugehoren /oder nur oder gcrade I clem schlechten Gewissen gehoren" (9). These words poignantly enlighten the rC;lcler to the author's autobiographical per­ spective; a dismayed individual who is suddenly expected to Illtegrate an unconnected paSt as an outsider. Noticable words such as "lch bin ,1lIner Landes" (96), "ortlas" (97), .md "nicht heimisch» (9) issue a feel­ ing of impending demise: "\Vir sind was dumpf am SlUmpfe des Jahrtausends" (19). This is the first line of a poem entitled "Zcntral­ viehhof" in which lhe author compares tbe behavior of humans to animals: as canle driven into the slaughter house, humans surge to­ ward the end with little foresight, a common pOSt World \X/ar II anal­ ogy. The author's words offer no sign of hope; the fact that the au­ thor arranged the poetry into seven sections carries its own symbolic and apocalyptic ovenones. As the previous paragraph hints at [he author's critical stand opposite of society, Kolbe effectivly conjures up familiar, romanti­ cized nOlions of home by meOlns of implicit and implied reference to German folksongs, such as in "Daheim 1,· included in a section which emphasizes simple life and nature. The concept of "home" has lost functionOlI and aesthetic use in today's dissarayed world and can no longer carry the same connotation for the individual or the society. The idealized image lies deconsrructed by the author's ironic depic­ tion of his subject freely detached from any nostalgic longing for home. Cenainly, the ambiguities inherent in Kolbe's poetry stem from the physical, mental ~nd psychological constraints set up by a schizo­ phren ic environment. The author assumes the passive attirude of someone who makes the best of a silUation, which IS perhaps the manner the author finds fitting for a poet. Kolbe co nsciously refrains from attaching moral attributes to any subject m.lller. He prefers, instead, to st;ue t hin gs in the objective: the act of li ving without love is not bad, but JUSt ~lieblos" and "Nicht schlimm, ohne Liebe nurn (11). In a principle poem the author elaborates on the fraility of the human condition: "Wen du nicht liebsl noch haBt/den kennst du nicht" (58); or, words reminsiscient of the preachings of Elie Wiesel, who condones the greal­ esr of all evils as indifference. Book Reviews lSI Unable 10 work out the odds with the environment, the indi­ vidual stands aloof, canopied under a tent of solitude. The words "Allein sein und deutsch se in / in Rom, ein Kneg in dir selbst " (26) ponray the inner mult i-layered stnlggles the individu,ll fdces. Note­ worthy is the author's interest in Zen, a topic not new to this collec­ tion. Based on a conversalion with Yang Li:m, the six p.lge poem entitled "Schweigen" leaves the reader curious regarding the author's intent. The amhor works with construed notions of time and nu­ meric and linguistic paradoxes such as the concrete word "Gipsptme" as an .ldjective for the abstract co ncept of "Zukunft" (59). Kolbe succeeds in creating a strange range of feelings in many domains. There was a lime when Germans cou ld take night from their own country, yet keep th ei r heritage firmly established. This is the reference point from which Kolbe creates the opposite; to li ve as a foreigner in your own !.lnd as a relatively new but widespreOld phe­ nomenon and hence an argument for the title. In the sixdl section of the book, in prose rather than verse, the author makes the comment that "Schriftsteller sein ist Abstand hallen, rundnull" (82), which applies to the seemingly objective tone driving Kolbe's voice. His poetry is not of a reconcillialOry nature, but on the contrary seems to deepen the abyss. If the poetry bcks passion, the re.lder mOlY ha\"e cleJ.ved Onto the author's intent. The emphJ.sis on the ll1dividual draws stre ngth for irs ow n sake 3S It disembodie) from the world "nur noch sich und !:Iich gehorcn, / nirgcndwo mehr hin gc hn" (98). Thus this co ll ection of poetry is led to its final st:uu;a. Universit) 0/ FlOrida Veronica Freeman ------_ ..... _----- H ERMANN LENZ. Zwei Frallen. Frank furt und Leipzig: IIlSel, 1994. 200 pp. DM 36.00. In Zwel Frauen, t he nimh novel in Hermann Lenz's series of Olutobio· grnphical novels, the reader once again encoumers Eugell ROlPP, the en igmati c writer and main character from the earlier novels. H ere toO, the theme of coming to terms wilh one's personal past dominates Focus 011 Lir~,..alur Vol 3, No.2 (1996) 182 Focus on Lileratur the plot and character development. In Zwei Frauen, which is sec in the late 1980s, Rapp returns to the place of his childhood das Hobenlohische in nonhern Wiirttemberg. In the course of th is 'road nove~ through the past, l.he reader fo llows Rapp as he stro lls through the vdbges .and wanders 111 the woods with sunken, inwardly directed eyes and Wlt~ th~ughts that meander from impressions of nature, to thoughts of I11S wife, to reflecti ons on things past, and to Gertrud and ~Isbe th, the two women refered to in the ritie. On this shorr vacation Irl the country, Rapp visits Gertrud whom he has known since child­ hood and has seen occasionally throughOllt the years at wri ters' COI1- f~rences (Gertrud is a transl.uor). Through her he meets Elsbeth , a high ~chool teacher. The two women are nOt only represented in Rapp s thoughts, the~ assume acemral role in the text. Indeed, Rapp's character gradually disappears being replaced by chapte rs devoted to Elsbe th's and Gertrud's lives. The frequelll change of pe rspective that Lenz. a~epdy c.reates by varying the narrative perspecti ve between the OmlllSClent dllrd person and a first person stream-of-consciousness for each of the main characters illuminates the numerous ways to confront one's past. Eugen. Gertrud, a~d Elsbeth each set Out on individual jour­ neys thr~ugh the countryside. Gertrud goes by car; Eugen and Elsbeth useyubhc transportation. Page aher page the reader follows them on their separate travels. They occasionally cross each other's path but only reluct:ntly acknowledge each other's presence. Each has b'is or her ow~ annudes and approaches to life, but their passion for the paSt and the~r restlessness about the future attract and unite these three lonely f!gures. Eugen .and Elsbeth appreciate and fondly look back on the ~ast. Eugen de.rlves pleasure from taking the local bus to various towns 111 search of thlllgs past. He looks for Johann Prag, the shepherd whose p~aceful ?ature had always imp ressed him, only to learn that he has died. He IS repeatedly drawn to the village cemeteries, where he con­ templates the lives ?f ~he people whose tombstones he reads. Eugen comments on the hd lslde~ and fields which are abloom in their early su~mer splendor and which Lenz describes with extremely close, and a.t times overzealous, anemion to details about vegetation and wild- L Book Reviews 183 Lenz. best succeeds in evoking J.longing for the past through Elsbeth. As she su rveys the large new bui lding with concrete h,llco­ nies, she remembers the town square as it was in her childhood with its chestnut trees and week ly livestock market, where the LlfIners used to promenade with theiJ· horses. She tries [Q convince herself that t his progress is good, but her voice betrays her longing for the past. Elsberh's nostalgia for the past is coup led with her regrets about it. She reproaches herself for becoming a teacher and not h.lving done something more adventurous with her li fe. Her greatest excitement comes from reliving an affair she had with a married man. On her (by off she nervously returns 10 the town and inn where they Iud their secret meeti ngs. Elsbeth is diffe rent from Gertrud in her positive relationship wi th younger people. She enjoys the respect of her studems and of Gertmd's two adult chi ldren, Wolfgang and Eva. In seeming COnLra­ diction to her impression thaL she leads a boring life, Elsbeth conceals a package containing ill icit dl1Jgs for Wolfgang. She unquestionmgly accepts her part in this illegal transaction as a natu ral extension of her role in fostering positive relationships with younger people. Through them Eisbeth gai ns access to a vicarious world of adventure, a past she neve r had . Gertrud is Lenz's most complex and multi-layered cha racter. Instead of t rying to relive a past that has irrevocably disappeared or to create a fic tional past , like Elsbeth does, Genrud struggles 1O obliter­ ate her past. Her active and ca re-free lifesty le in Stuu g.lrt that she shared with her writer husband has been rep laced by what should be a rranquilli fe in a small house in the COllntry. But her husband died shortly after they moved from the city and this loss COllsumes her. She is haunted by visions of her deceased husband that appeJ.r in the most unexpected of places-in rain puddles and in the roofing on her house. The reader becomes privy to Gertrud's past through her com­ ments about her chi ldren , about the eccentric arti st Patzek J.nd hiS female East Ge rman companion, and 3bolit the businessman with whom she is having he r latest in a long line of affairs. But all these current events help in no way to alleviate the memories of her hus­ band that have plagued her for seven years . The novel concludes with Geltm d accepting her son's offer to follow him La New Zealand: Foclls on Lileralllr "Adieu und keine Ruckkehr" (200). Gertrud flees from her past, leav­ ing everything but twO suitcases behind. Zwel Frauen offers the reader accustomed to the hectic time of the t990s to reflect on each character's relation to the past and the personal changes each one undergoes in accepting or denying their past. Eugen, Gertrud, and Elsberh retrace their steps in the idyll ic counlr·yside, which itself exudes its own confron tation with t he past . They reflect on the castles that have been leh as ruins and serve as reminders of the past. They reflect on those that have been renovated and suggest perhaps new ways to deal with the past. In Verlassene lunmer (1966), the first novel in the cycle) Hermann Lenz began Eugen Rapp's journey at the beginning of the twentieth century. In lwei Frallen, Eugen arrives althe end of this cemury. T he narrative which at times painstakingly emulates the slow pace of the count ry­ side gives the reader ample opponunity to contemplate one's own personal history. Washington University 111 St. Louis jane Sokolosky ------_ ..•.. _------ MONIKA MARON. Animal Triste. F ra n kfurt: Fischer, 1995. 240 pp. DM 36.00. Monika Maron's latest novel, Ammal Tmle) serves as an apt canvas on which Maron paints with dexterity and deftness her portrait of psychologic'll obsession and consuming passion. Maron seems to have found her fane here; creating an entangled web of memory and re­ membrance in the mind of a woman who is only able w define her existence in terms of the one meaninghll affair of her life. The book envelopes its reader in an emotional whirlwind; one is swept up, along with (he never-named narrator, in a journey of pathetic mania, ratio­ nalized dependency and lingering unfulfillment. AnimaL Triste is the Story of a wo man living in East Berlin who, by the late 1980s, finds herself married with a grown daughter. The narrative, as tO ld by the woman herself, is a patchwork of hazy memories; the narrator cannm seem to remember any part of her life with any clarity. She does nOt quite remember her husband or her Foclll on Uuratur Vol. 3. No. 2 (1996) Book Reviews 185 daughte r or even in what profession she herself was involved, dlOugh she seems to believe it is paleontology. This is just the point; that her life was so meaningless that there was nothing wort h remembering. "lch hane, wenn ich mich recht entsinne, bis da hin ein ... iemlich durchschninliches Leben gefiihn" (19). That is, untillhat fatcfu l day after the fall of the wall , in 1990, when in a museum in Berlin, in the shadow of a Brachiosaurus skeleton, she meets the man destined to shape her destiny. The narrator callslhis man Franz, alt hough, since this is a relatively minor detail to her, she is not positive if thal is indeed his correct name. What is important is only the pal>sion that is ign ited between the two. She remembers her husband must have left her after the affair began and that Franz was himself married at the time, but this does nothing to al ter their love. This is .l Il LOld from the narrator's perspective as she is now - an old woman, holding on to memones. Al present, all she has to live for is remembering, which she does spondically unti l speaking of what she and Franz experi. eneed. Their relati onsh ip is highly sexual and involved, though he leaves her in the middle of each night to go home to his wife. She is enthralled with him, though she simply does not know why, and her life seems to finally have a purpose; something which to the narr.l.tor's mind, her li fe lacked befo re l he affair. Even the Berlin W.1I1 fell pur­ posefu!ly fo r the two of them. "Nachtraglich scheint es mir, als ergabe mei n ganzes Leben vom Tag meiner Geburt an nur cinen Sinn. wenn ich es als ein einziges langes Wanen auf Franz verslehe. r ... lanchmal glaube ich sagar, d,111 auch die Mauer in Berlin nm einge,-isscn wurde, damit Franz mieh endlich fl nden konnre" (51). Yes, Franz finds her, but Franz is, in reality, immaterial 10 the narralOr except for the fact that he provides her with someone tangible on whom to obsess and with whom to experience desire. J Jers is a completcly selfish journey and she concerns herself onl y with her own emotions and her own insatiable emotional appetite, though she blames all oi thIS on Franz. "Jeh dachte den Namen Franz vor mich hin wie andere Jen Namen Goues; fur Gllick, Ung1iick, Erlosung balte ieh nur noch dieses eine Won: Franz_ So iSl es his heute geblieben" (149). Though she em­ phaticall y proclaims she was not looking for a "Franz" in her life, or even ex pecti ng one, it is clear Ihal this is simply 1l00lhe Clse. She was 186 Focus on Literatllr indeed searching for an erotic love to give her life some meaning and some tangibility. The lurrative is interspersed with scattered fragmented memo­ ries of her childhood and youth. Her father came back from the war, but she never believes he was indeed her fJ.lher. She sees women around her clamoring for attention from the men they so greatly outnumber and she becomes sickened by feminLoity and women's bodies, includ­ ing her own. She is determined to hide the femininity of her body as she matures, wearing men's sweaters and starving herself, as to stave off her feminine maturity, w hich she observes t'O be somethi ng tw isted :lnd used for personal gain. "Jeb ekeile mich vor Weiberfleisch, 3uch \or meinem eigenen" (7.t), The exception is when she is wit h Franz.. Then everything in her world changes, becoming less frdgmentilry but remaining JUSt as insecure: "Fur mich ist die Zeit mit Franz eine zeitlose, durch kein Zahlwerk geordnete Zeit geblieben, in der ich mich seitdem befinde wie iOlluftigen Innern einer Kugel" (126). Emo­ tional stability still alludes her. Her ability to remain satisfied possessing Franz on a transi­ tory basis begins to wane for the narrator when she begins lO covel his sexual relationship with his wife. It is no longer enough for her, :ther some years, to share Franz (keeping in mind that the use of time as a reliable indlcOitor is lost in her narrative, as it is secondary to this pa~sionate love which i~ the only thi~g that has true meani~g, any cbl.ms by ~he narr,l.t?r with regards to time ca nnot be taken senously). This calls IIHO question whether or not the experience of erotit love is tmly paramount for her, for if it were, ::.he would feel no jealousy for anything else when it comes to Franz. She does indeed become slowly obsessed with Franz's wife and their relationship, even stalking them over the phone during a t rip to H .ldrian's Wall. T he obsession culmi­ nates with the narrator finding her way to Franz's apartment and confronting the wife with the disclosure of their affair. This does noth­ ing to sale the narrator's thirst for wholeness olnd, inevitably, Franz leaves the narrator for good. She reveals the following about Franz: "Er konne seine Ehefrau nicln verlassen, weil sie so wen ig fur ei n Ungliick trainien sei" (97). Once Franz is gone, the narrator (she states that it has been many years now, as she is at presem ninety or one hundred years o ld) spends her life remembering this time of love and passion. She has Book Reviews 187 notl1ing else to live for and nOlhing else to remember. She has Cut off all relations with people, outside of her bank where she occasionally goes to withdr-olw money. This affair has justIfied her life, and since it has ended she need not live for .mything or anyone else, and her life is .lg.1i n meaningless. Monika Maron's declaration of love .md remembr,mce is a haunting but beguiling one. The narrator forces us to consider what exactl y is human rather that animal in our relationships - why indeed WaS it not enough for her to possess Franz. sexu.llly? This fact in itself differentiates us from the rest of the an im,11 kingdom. It sets the nar­ r!.tlln Alptr3um gemacht. In Ko1chis sind die PaI:iste aus H olz, wdhremi man in Koril1lh dariiber beht, wo del' Wen cines Mcnschen Ilaeh dessen Vennogen, dem Besitz von Gold, gemessen wird. In Ko1chis gab es noch den Traum, dafi alle Mensehen gleich vie! Besitz haben. In Korinth regierte schon immer die Gief. Dabei hande\t es sich aber urn eine vereinfaclne Gleichsetzung. Es gibt auch die Moglichkeit, in Kolchis die Turkei ader andere under zu sehen, deren Asylsuehende im Westen keine gereehte Aufnahme finden. Wolf hat wieder einmal ein sehr intensives Buch geschrieben, nach dessen Lekture man noch lange von der l-Iauptfi gur und ihren Ideen gefesselt ist. Medeas Vorstellungen yom Zusammenlehen der Menschen beschreiben cine erstrebenswerte Utopie. Ob diese Utopie jemals Realitat werden kann, liegr ganz. allein an uns und unserem Willen, uns nieln mie falsehen Erk13rungen der Machth:lbenden :lbfinden zu lassen. University 0/ Cincinnati Britto Kallin