Focus Fall 1998.tif [ [4 Fonts on Litemtur Book Reviews [ [ 5 VOLKER BRAUN. Die v ier Werk zettgmacher. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1996. 51 S. DM 19,80. Sie waren bigger chan lifo, die Helden des Vo lker Brau n der 60er Jahre: von faustischem Wissensdran g gejagt , eineo baalschen Hang Zlim MaBiosen in den Adem, [rugen sie di e groBen gese ltschaftlichen Konflikte der DOR im Tagebau und im Betrieh aus. Die Idee yom befreiten und mundigen Menschen im demokratischen Sozialismus forden en sie im Jetzt und Hier zwischen Aufbau und Ankunft - und kollidien en an den Schnittpunkten der Machtstru kruren, je schneller s ie di e F o rderwage n i n den Ab ra um h ald en d er Gesc hi cht e voranzutreiben suclnell. Irgendwo zwiscpen cler von c ben verordneten Revolut ion und clem individuellen BewuBtsein blieb die Karre illl D reck sleeken und erforderte Losungsmodell e, d ie auf "Bitterfelder Wegen" nieht zu rinden waren . lnmitten einer vom 11. Plenum des Zentralkomitees der SED (1965) beschlossenen kullllrell en Eiszeil fiihrten Volker Brauns Figuren einen Kampf, der nieht auf Losungen hin ausgerichtet war, sondern der verfestigte gesellschaftliche Zustande zu Prozessen verfliissigen und mehrere Zugangsmoglichkeicen eroffnen saUte. Unter dem EinfluB des Brechtschen abstrakten, parabelhah verkiin:enden, eine Mode11situation darstellenden Leh rstiickes gerieten Brau ns d ramati sch e Texte zu e ioem T estgel iind e iist he tischer Experiment ierfreudigkeit und lieBen ihn so neben H einer Mii ller und Pete r Hacks zur provokantest en Stirn me der D DR-Dramatik avancieren, die die parteigetreuen Kulturwacln er in beispieUoser Weise zu b ehindern wufhen. Doeh gerade di e zah lr e ichen Reglernem ierungsversuch e offiziel1er Kulturpolitik, gepaart mit den immer k rasser hervo rtretenden Antagonismen cler ostdeutscheo Ubergan gsgese Jl schaft (so 3uch d er Tirel sei nes e rstmals 1987 ve ro£fentii cbren Stii ck s nach M ori ve n vo n Tschec hows Drel Schweslern) haben Braun, so scheint es, einen Fundus an Konfliktstoff bereitgestellt, aus dem er in den 70er und 80er Jahren einige seiner hervorrngendsten T exte gestaltete. Auf ibn wie auch auf H acks t raf z u, was Mulle r e inmal so tr effend ti ber se ine e ige n en Arbeitsbed ingunge n anme rkte: "In der DDR ist aUes sch iefgegangen, ~lIl d das ist die beste Voral.lssetzun g fur Kunst und Literatur." Was Braun beso nders in den letzten Jahren der DOR und F OCUIOll LiuraturVol. 5, No.2 (\998) 116 Focus on Lileralltr clamber hinaus zurn Einzelganger werden lien, ist die Beharrlichkeir, mil def er in seinen T exeen von cler Utop ie einer Solidargemeinschaft sozial istisch er Pdigung traumt und dabei sein unnach giebiges analytisches Oifferenzierungsvermogen wahrt. H aft ere di ese Utopie besonders in Brauns spareren Texren immer schon nu r als Spu r den Zerfallsprozessen an, so ist sie in clem Text D ie v ier l17erkuligmacber uberhaupt n icht mehr zu erkennen. Der anarchische Aufbau-Riese Paul Bauch aus Brauns friihem Stuck Die Kipper (1972) ist in den grauen Jah ren des '"real existierenden Sozialismus" zum selbsrgenilgsamen Brigadier Manhes geworden, der miLSamt seiner drei Untergebenen in die Abwicklungsmaschinerie der deursche n Wiederve reinigung gerat, als Aldasr seines ehemals "volkseigenen" Betriebs entso rgt und schlieGlich per Begnadigungsakt der neuen Firmenleitung als kleiner , nunmehr unterprivilegierter Arbeiter recycelt wird. Wer war er, a ls was finder er sich selbst vor, wer hat ihn aus sich selbst herausgeworfen ? Von den neuen Machtigen degradien , w mnt sich Matthes als O pfer emer Verwecbslung, deren Begleitumstande als '"Wende" z.u bez.eichnen man sich angewohnt hat. Und "gewendet" wurde Matthes, genauer: er wurde zu einem Anderen umgewendet, mit dem er fon an iiber das Vorher und Nachher debattierc, urn der schizophrenen Situat ion wechselnder Kennzeichnungen zu emkommen. Zergliederc in den ehemaligen Bestarbeiter und in den fUr den Ruin mitverantwon:lichen Wicht, in Fiihrenden und Gefuhnen, in H errn und Knecht wird Matthes - und darin umerscheidet er sich von Brauns Paar Hinze und Kunz.e des gleichnamigen Stiickes und des 1985 veroffentl ichten Hinze·Kunze·Rornans - zurn Austragungsort eines Kampfes u rn Anerkennung, der nicht mehr iiber ein gemeinsames geseUschahlich es Interesse verhandel bar ist. Vielmehr wird das problematisiert, was oaeh Matthes ' Dafiirhalten anerkannt werden soli: seine ihm offi ziell zuerkannte Rolle als "Sieger der Gesehiehte" und als Machnrager im untergegangenen Arbeiter· und Bauernst aat. Beide Roll en w aren angemaBte Identitaten , bevor s ie im Zuge de r DDR· Haushahsau fl osung von den neuen Machtigen zwangsvollstreekt wurden. Die vall Manhes eingeforderte Anerkennung wird ihm verweigert, weil sieh seine anzuerkennende Identitat nieht mehr auf eine kulturelle Leistung berufen kann und er in seinem Versuch u m Wiedereingiiederung einen Kataiog an Kriterien abruft, der langst selnen gesellschahlichen Bezug verloren hat. Stan dessen wird er sieh Book Reviews 117 in einer Fernsehsendung se1bst vor- lind zugefiih It; die Au fnahmen ein er Brigadefeier gleichen nunmeh r den bizarren Bildern eines Spiegelkabinen s und sind wie di ese his zur Unkenntli chkeit verzern . Das Gediichtnis def Medien konterkariert Matthes' Erinnerun gen, wec hse lt sic aus wie St raBenschi lder u nd ge nerie rt e ine neue Topograph ie seiner ldentilal, die der Welt die Lacherlichkei t seines D aseins vor Augen fiih It. Aur nahezll burleske Weise vollzieht Braun an Manhes und sein eo Werkzeugmachem eine exemplarische \'(fandlun g, an derem Ende sic wie Fossilien in einer spriehwordieh entgrenzten Landsehaft steh en und weder sie o oeh sic h w iedererkennen . In e inem ungewohlllen Tempo u nd bar jeder erkennbaren GesetzmaBigkeit entreiBr di e Geschiehtsmasehine die vi.er Werkzeu gmacher ih re r Enklave der Stille und schleuden: sie in die Weile ei nes n euen Zei talters. N ur ei n Restbestand an Ungeklartem bleibt vo n ei ner Geschicllle, die aHem Anschein uaeh verriiekt - und die Vier ins Aus - gespielt hat. Der Zugriff auf dieses U ngeklane iSl Brauns Figuren verspern, denn es war ihllen niemals eigen. Ih rer Werkzeuge en dedigt sind sie am locus melancholicus angeko mmen, wo es vorerst nur das zu konstatieren gibt, was Braun in seinem Gedicht "D as Eigentum" (1990) vermerkte: "Was ich niemals besaB, wird mir entrissen .lWas ich nieht lebte, werd ieh ewig missen." New York University Peter Rosenbaum ----- - -----... ------ ----- TANKRED DORST. Harrys Kapl Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1997. 137 S. DM 30,00. Tankred DorstS Theaterstiick Harrys Kopfspielt in den 1850iger Jahren in Paris und berichtet von den letzten Lebensj ahren Hei nrich "H arry" H eines. D er Dichte r lin seit 1848 an einer todl .i chen Rii cken­ markerkrankung und verbrachre die Ictzren aeht Jah re sei nes Lebens gelahmt auf e inem Lager vo n za h lreichen beso n ders weichen Matratzen, abgemagert u nd unter dem EinfluB von Mo rphium. Trotz F OCU 50n liUY4 tur Vol. 5, No. 2 (1998) 118 Focus on Literawr seines desolaten Zustands sah H eine Krankheit und Leiden als QueUe seiner Dichtung - in cler "'Marratzengruft" entsranden oach mindestens fiinfundsechzig Gedichre. Wah rend die Sekundarliteratur Heine in diesen letztenJahren geme als Martyrer darstellr, als den Sterbenden. der unter Qualen Gedichte schreibt. dabei seine Frau Mathilde finanzieU versorgt , Gaste empfangt und poi.irische Polemiken fiihn, prasemiert Dorst ruer eine andere Perspektive. Dorsts Panorama des sterbenden H eine und seiner Mitmenschen in Frankreich beru ht teils auf wahren Begebenh eiten, wie z.8 . das Zusammenleben mit Mathilde und Begegnungen mit Baron Rothschild und Balzac, teils auf fikti ven Edebnissen. Dorst skizzien eineo egozemrischen und beque men H eine, eineo iibe raus eitlen Mensche n, einen gefallsuchtigen Frauenhelclen, cler unfahig ist z.u liehen, der sich aber eifersuchtig mit Mathilde aufs Erbinertste streitet. Er ze igt au ch einen here it s geistig verw irrten Kranken, dem unverarbeitete Kindhei[Serinnerungen im Nacken sitzen: Mathilde: .. Was machst du denn umer clem Tisch?'" Heine: "Jeh wein es nicht mehr. Jeh glaube, ich hane plotzlich eine seltsame Erinnerung an meine Kindheit. lch weill es wirklich nichr. u Kopfschuttelnd kommt er umer dem T isch heraus. (32-3) Heine ist hi er A th eist , der Gmt fu reh tet, ruhmsuchtige r , naI"Zilltischer Schriftsteller ( .. kh bin mein eigener Traum" 57) und Revolut io nar, der fur die Ideale der M ensehen kampfen will, aber den Geruch der Massen nieht enragen kann (116). Dorst z\.lfolge Hillr sieh H eine von Baron Rothschild kaufen, will trotl. revolutionarer 5ympathien an der Borse spekulieren und bleiht letzten Endes in seiner HaBl ie be zu Deutschland und in den Widerspriichen zwischen Deutschland und Frankreich gefange n. Dorst verarbeitet in seinem Theatersriick historisches Material auf faszinierencle Weise und entwirft unmer wieder neue Biihnenbilder, Figuren und Effekte . So treten z. B. verkleidete ancike Goner, Christus umerm h olzernen Kreul. und ein Rabbi als lebensgrone Puppe auf. Dennoch bleiben diese Szenarien bJoJ1e Effekte. Das Sild, clas Dorst von H eLn e zeichnet, verbleibt ein Schattenb ild, das zwar d ie Schattenseiten H eines C harakte r s be leuchtet, aber die vielen Book Reviews 119 G rauzonen im Dunkeln Jalk Heine wirp so zu einer dialektischen, zweidimensionalen Figur, letzrendlich oh ne Tiefe. DaB groBe Kiin stlerseel en menschliche Versager, ja sagar ich bezogc ne und gcltungs bedurftige Kreaturen sein konnen, ist bekannt. Dorst entlarvt in Heine die Sucht nach Ruhm: "Meine Verse ... unleserlich ... sie werden weggefegt ... vergessen ... Jch werde vergessen! lch! Ich!" 68), jedoch ist diese leider keine Neuigkeit. D ie H erausforderung ware, uber cliese offens ichtlichen Gegensarl.e hinauszugehen, um clem doch sehr komplexen Phanomen Heine gerecht zu werden. University o/Cali/omid a l Davis CAroline Schaumamz ----------------..... ----------------- SIMON JAKOB KREUTNER. Die Ehrlichs. Die Geschichte einer jiidischen Familie. Leipzig: Kiepenheuer. 1996. 208 pp. DM 32.00. In his work Die Ehrlichs. Die Gescbicbte einer jtidischen Familie, Simon Ja kob Kreutner traces the development of a Jewish family living in Leipzig from the late 19th century until 1933. T he novel is divided into three sections, each of which contains untitled chapters. Part O ne, ent itled "lntegration," opens in Pmok, a city in the Galician province of t he Austro-H ungarian Empire. Jakob Ehrlich, the Ehrlich family patriarch, is the proprietor of a fabric store and followerof the H asid ic branch o f Orthodox Judaism. At age sevem een Jakob's youn gest son Salomon is summoned to enlist in the Imperial and Royal Army. Fear­ ing t hat his son is nor military material, Jakob Ehrli ch consults his childhood fr iend, Israel von Ruszyn, who advises him to send Salomon to Leipzig to live with his cousin Salka and her husband Hirsch Gans. Upon arriving in Leipzig, Salomon's transfo rmation begi ns. During the first few months of living with h is cousi ns, he retains his Orthodox Jewish identity, but as time progresses Salomon begins to integrate himself more and more into Leipzig society. W ith integra- FOCIOS on Literalur Vol. ;, No.2 (1998) 120 Focus on LireralUr rion comes also reinvention: he slowly abandons many o f the ortho­ dox cuStoms, trades in his traditional dress for clothing befitting Leipzig society, and forsakes Yiddish, makin g German his medium of com­ munication. Not o nly does Salomon begin to shed his spiritual iden­ tity, he also discards his earlier intellectual and professional ambitions. During his youth in Potok, Salomon was consumed with a passion for Biblical studies and was on his way to becoming a rabbi. In Leipzig, however, he gives up this sp iritual desi re to become a minor pa rtner, and eventual sole owner, of his cousin-in-law's commoditi es business. Salomon's inregretion is most evident when he returns to POlOk to marry Rosa, the daughter of Salomon's former rabbi and mentor. He comments on how foreign things appear to him. H e describes to Rosa all that awaits her in Leipzig, and they both agree to discard some of the orthodox rituals and observances in their new life together. The rest of Part O ne describes how Rosa and Salomon estab­ lish themselves in Leipzig society, t he birth and early years of their children, and the effects of \'(forld \'(far I, which sends Salomon off to war and more or less destroy the Jewish community in Porek, includ­ ing Salomon's mother and father. Part Two, entitled" Ansturm von auRen," spans the period of the Weim ar Republic. The second sect ion o f the novel concentrates on rhe political situation of post-war G ermany and the consequences it has on the Ehrlich family. Returning home, Salomon finds both his family and his business in shambles. T he years away from home have al ienated him from his children, a condition that persistS until the end of the novel. His wife is no longer the ca refree lady of culture he len behind; the war has taken its t oll o n her as well. The business h as suffered financial setbacks due to poor econo mic conditions, but Salomon begins to rebuild and breathe new life into Gans & Ehrl ich . Although Salomon once again achieves financial prosperity, and both he and Rosa are greatly in volved in Leipzig's Jewish com­ mun ity, Germany's political climate is cause for great concern for t he Ehrlichs. Germany is now a country of conflicting ideologies and brutal strife. David Ehrlich, Salomon 's oldest son , is himself arrested on differen t occasions for his participation in leftist demonstrations and party activity. The reader is confronted with reports of murders, assassinations, and the rumblings of anti-Semitic sentiments. Through­ out part two of the novel, t he reader receives accounts from various Book Rev iews 121 characters in the work about the rise of the National Socialists. As the chapters progress, the reports occur more often and take on an ever­ more menacing tone, climaxi ng at the end of part twO with H indenburg appointing Adolf H.ide r to the position of ReichskanLler. Part T hree, entitled "Unterm Hakenkreuz," describes the in­ creasing hOSli li ties toward and the worseni ng conditions for the Jews under the Naz.i government. Life fo r the Eh rlichs becomes more re­ strictive and dangerous. T he political situation drives Salomon's and Rosa's daughter and son-in-law {Q leave Germany and emigrate to Palestine_ David Ehrlich is engaged to a non-Jewish woman. U nder advisement from a friend, he and his fiancee also decide to flee Ger­ many. Because David is considered a stateless person, his friend sup­ plies him with a fake passport. B Ul before he can leave the country, the Gestapo is info rmed, and David is tilfown in jail. The remai nde r of part th ree is spent recounting Rosa and Sal omon's attempt to gain their son's release, but to no avail. T he novel ends with Salomon and Rosa's very sudden deportation to Poland. Die Ehrlichs. Die Geschichte einer jiidischen Familie is loosely based on Kreutner's own fam ily history. Al though the novel seems to end abruptly, it presents to t he world a culturally hi sroricai docu­ ment that shows the trials and tribulations faced by many Jewish fami­ lies who attempted self-integration into mainstream society. Kreut ner also documents the rise of the Nazi govern ment , allowing rhe reade r to w itness it through the eyes of a Jewish family. Die Ehrlichs is writ· ten in a clear style, and is a fasci nating read to anyone interested in Jewish cultural history o f the late 19th through the early 20th centu­ ries and in the problematic nature of assimilation. Un iversity ofCincinnali Michael H. Rice ---- ----_ ..•.. _--- - ---- 122 Focus on Literalllr ANA LANG. R auhnacht. Innsbruck: Haymon, 1996. 168 S. DM 35,00. Ana Lang wurde 1946 in Zurich geboren und lebt derzeit in Uezwil, Freiamt (Aargau). Sie ist Autorio mehrerer ErLahlungen und erh ielt 1987 den Werkjahrespreis von Stadt und Kantan Luzern. 1988 folgte clef Forderpreis des Kaman Aargau. Ih re ersre BuchveroHenclichung der rote gartner. spiege/hi/der erschien 1989. Ana Langs jungsrer Roman Rauhnachr ist eine ungewohnliche und faszinierende Arbeit, bei de, die Autorio die dem Leser so vertraute Metaerzah lung aufbricht und auf poerologische. postmoderne Art und Weise de, Erzahlung Gestalt gibe Rauhnacht ist eine Fahrt in die Vergangenheit eines kleinen Dorfes im schweizerischen Freiamt, in clem im vorigen Jahrhundert das rraditi oneHe H andwe.k des Strohflechtens eine Wendung hin zlir indllmiellen Ausbeutung erfuhr. Ana Lang "berichtel vom Leben der Frauen Lind Kinder, die in Heimarbeit 'Stroh zu Gold spi nnen'4 zu Gold in den Kassen der Fabrikanten, der 'Strohbarone'. Ihre einzig moglie he Form der Selbstandigkeit und Kreativitat liegt in der Variation der filigranen Ornarnente auf den Bandern def beriihmten Strohhiite aus dem Aargau. Als 'Gegenmuster' zu Armut, Kaite, Schmerzen und zermiirbender Akkordarbeit bleiben nurTriiume" (Zitat Klappentext). D ie Hauptfiguren in diesem Szenario sind Odi l ie, eine Bauersfrau und Strohflechterin, und Wendel, ein ehemaliger Bewohner des D orfes, der oaeh 20-jahrigem Dienst in der F rerndenlegion in Afrika nach Freiamt zuriiekkehrr. Zwischen ihm, dessen Erinnerungen den Leser immer w ieder in die Hitze der afrikanisehen Wiiste entfuhren, und der ungliicklich verheirateten Odilie flammt eine alte Leidenschah wieder auf. Nach einigen glucklichen, geheimen Treffen entdeckt Odilie, da~ sie ein Kind von Wendel erwartet. In der H offnung, mit ihrem Geliebten und dem Kind doch noch den Traum einer zufriedenen Familie verwi rklichen zu kennen, vergiftet sie ihren Mann Benz m it Hilfe von Wendels Wissen urn die Wirkungen versehiedener Krauter. Aus Angst, entdeckt zu werden, mtissen die beiden Liebenden £liehen. In eioem kalten H euschober gebart O dilie nachts ihT Kind: "etwas nacktes, ein winzling, bum groj3 genug, seine [W endels] beiden hande auszufiillen. Einfach herausgeflutscht ins harte, kalte» (161) . FOCIIS on Liuratur Vol. 5, No.2 (1998) Book Reviews 123 Wendel verlaj3t die schlafende O dilie unq begibt sich erneut auf die Flucht; die Fluchr vor den Dorfbewohnern und vor sich selbst. Die zuriickgelasse ne Odilie tragt ihr totes Kind ins Moor und versenkl es dort. Erst in der folgenden Nacht rraut sie sich , in ihr H aus zuriickzukehren, wo sie sieh dann schlie~ l ich mil den glei chen Krautern, die ihren Mann vergiftet bahen, das Leben nimmt. Wendels und Odilies Schicksal, ihre Liebe, ihrc Triiume und ih r Elend sind eng verbunden mit den Recherchen cler Erzahlerin Tuna, die es sieh zur Aufgabe gemacht hat, die Geschichte des Dorfes aufzusehreiben. Wie Odilie arbeiter auch sie zu Hause, und wie beim H andwerk des Slrohflechtens selbst, verweben sieh Lebens- lind Ze itbilder der Gegenwarr und der Vergangenheil, wobei die Vcrgangenheit immer wie eine Narbe, ein Pigment del' H aUl, in TU4 nas Gegenwart durchscheint. So arbeitet sich die Autori n in einer poetischen Sprache, in cler OlJle Wa rter klein gesch rieben und dadurch gleichwertig si nd, durch die einzelnen Schichten der Erzahlung, li m an die Wahrheit zu gelangen. Doch was ist die Wahrheit, gibt es sic iibe rh aupt? D ie Gesch ichte, di e Tuna bearbeitet, steck t vo ll er Widerspri.iche, ist je nach Perspekti ve veriinderbar, und so fragt sieh die Erzah lerin dano auch: "Was ist wahrer, die geschiehte, so wie sie sieh zugetrage n hat, so wic es ihr die darfler erzahlren oder so wie es ihr die intuition gebietet, ihr eigenes wissen urn sieh?" (106). Tunas Version emsteht beim Schreiben, heim Kreierell und Eintippen der Worte in ihre Schreibmaschine, beim Reflektieren tiber das Geschriebene. Ihre Erkenntnis ist die Nichtexistenz einer einzigen Wahrheit: "Senkreeht, waagrecht , diagonal, schleife und aueh spirnle, kreis. Muster, die das leben schrieb. Variationen auf ein thema, das bli.b" (167). Dieses Leben scheim eingeteilt in den Zyklus der Rauhnaclne: "Berchta, erzahlte die freundin, brachte das ende der rauhen naehre. Zweigesichtig sei sie, hiilerin des iibergangs. Die d.unkle seite halte sie dem verganglichen, dem rode zu, die helle dem neuen, dem leben" (1674168). Und am Ende bleibt dann die H oHnung, dall sieh das Leben selbst enthiillt: "In einem koko n lag die welt, im verborgenen. Einmal wiirde sich das gespinst aunun, inneres wiirde sichtbar, wiirde sich entfalten in seiner ganzen pracht (l68)." University of Maryland Kathrin DiPaola 124 Focus on Liceracur INGRID NOLL. Kalt ist der Ahendhauch. Zurich: Diogenes, 1996. 246 pp. DM 36.00. Ingrid NoU is certainly one of Germany's most productive and suc­ cessful authors of the decade. Born in Shanghai, China, in 1935, she did not seriously pursue a writing career until she was well in her fift ies. Her debut novel Dey Hahn isL tot (translated as Hell Hath No Fury) was published in 1991 and became an instant success in Ger­ man-speaking countries. Since then, Noll has published a new book almost every year. One of them, Die Apochekerm, has even been adapted for a comrnercial1y successful feature movie, a rare treatment for contemporary German belles len res. KaLt istder Abendhaltch, Noll's fourth novel, was published in 1996, and has since been followed by a collection of short sto ries and yet another novel, Roslein rot. The protagonist of Kait ist der Abendhauch, 83~year-old Char­ lotte, holds conversations with her display dummy Hulda, her only roommate. Waiting for her life-long love Hugo to visit her, Charlotte takes stock of her everyday life as a woman in Twentieth Century Germany: Growin g up in the "Roaring T wenties," the Naz.i years, the total defeat in 1945, raising her kids aher the war. To be su re, Charlotte does not live exclusively in the past: she is an active senior, a supponer of the Green parry, and has lively discussions with her grandson, twenty-year-old Felix. However, her life is only an almost everyday life. Underneath the surface, disturbing things are going on: her brother Albert com­ mits suicide after being shunned by the family for his cross-dressin g tendencies (55). Charlotte carries on an affair with Hugo during the 1950's preoccupation with morality. H er granddaughter Cora, "das Biest " (64), has a rich lover, who disappears under dubious circum­ stances. Finally, Hugo and Charlotte need to dispose of the prover­ bial Leiche im KelLer. Despite the corpse in the basement, KaLt is! dey Abendhauch is not primarily a crime novel. Lnstead, Noll's text is a precise and accu­ rate account of everyday life in middle class Germany through more than half a century. The amhor demonstrates how family life is shaped by the political and social events from World War I to the present. Moreover, the novel tells the story of what it means to be a woman in FOCIlSOfl LittratuyVol. 5, No.2 (1998) Book Reviews 125 th ese times, often outwitting the less intelligent males. Charlotte is a woman who ultimately tries 1O get her wi ll, even against the odds. From this point of view, the novel is a piece of li lerary counrer-hjs~ tory. H owever, this view radically clashes with the more bizarre ele­ ments that are lu rking behind rhe fa~ade of the standard middle class family. Conjuring up the ghosts of a distant past, the tales' more un~ usual dimensions also blow the cover off of a seemingly nonnal presem­ day family and threaten its stability. This combination of the normal and the very bizarre may be one of the key reasons for the tremendous success of the book in Germany. A nother reason may be the depi£tion of the heroine. In a time when most female protagonists in the media are still portrayed as ravishing beauties under 30, it is an unusual choice 1O center a nar­ rative around an 83-year old retiree who killed for her love . Many of C harlone's characteristics are shared with Noll's other heroines: most of them are by no means young and beautiful , hut rather average women who got a raw deal in life, and take revenge through murder. Moreover, Noll builds lip a solidarity between these heroines through intertextual bridges between her protagonists. In Kalt ist dey Abendhattch, the granddaughter Cora found her way from another Noll novel, Die Hiillpler meiner Lieben (translated as Head Count), where she disposes of her elderly lover. With these intertexlual connections, Noll goes beyond por­ traying the lives (and kill in gs) of her protagonists as individual case studies in an otherwise "normal" society. The women take revenge through murders that aim to restore a lost balance in their lives. At the same time, the killi ngs are also an expression of the underlying problems of women in a man's world. In spite of this, Noll has come under criticism by feminist reviewers in Germany. Her leading char­ acters are too ambivalent and complex to be mere examples of male oppression, and too rich in the blackest depths of the human soul to serve as objects of uncritical identification. While many women may sympathize with Charlotte, she can hardly be seen as a role model. On another level, Kalt is, der Abendhallch is also a novel about literature. Hugo, Charlotte's great love, is portrayed as a sensitive book lover. He is outraged by the book burnings of the Nazis (68) and pleads for modem literature. Bernhard, one of Charlotte's later husbands and a dry bigh school teacher, defends the old Classicist 126 Foclls on Literal-ttr icons Goethe and Schil ler (75). Literature also helps C harlotte through her old age: "SoUte Ich einmal blind werden, so besitze lcb einen Schatz an Liedern und Gedichten, aber 311ch an inneren Bildern, die mich begleiten werden " (13). At the sa me t ime, the t itle Kalt ist deT Abendhauch alludes to Matthias C laudius' poem DeT Mond iSl au/gegangen, which belongs to the very same tradit ional canon Bernhard defends. When Charlotte sings these poetic lines, she begins to face her own death, which does n ot seem to lie toO far ahead: "So legt euch nun, ihr Bruder, in Gon es Namen nieder, kalt ist der Abendhaucb" (238). But while Charlotte's stance towards the literary canon is ambivalent, literature itself remains a positive entity. By telling her Story, if onl y to herself and the puppet H ulda, he r narrative gains a healing power. Through the unification of t he past, the present, the dull and the bizarre into a single narrative, Charlotte reconciles the divergent and often painful elements in her life and creates an inner peace with the ghosts that have haunted her. H owever, this peace is fragile enough to dissolve at once with the very last word of the story she teUs. University a/Oregon See/an Hoeppner ---------_ ..... _--------- ILMA RAKUSA. Ein Strich durch alles. Neun zig Neunzeiler. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1997. 96 S. DM28,OO. lima Rakusas Gedichtsammlung Ein Strich durchalles umfaBt neunzig Neunzeiler. "Neun Zeilen die Lange eines/Notats Windstofi ein halber/Gedanke ~ (19). In strenger Form sind Augenblicksaufnahmen , k1eine Geschichten und Erinnerungen verpackr. Rakusa, Tochter eines Slowenen und einer Ungarin , hat sich nach ihrem Studium clef Slawistik und Romanistik in Zurich, Ljubljana und Triest neben ihrer FOCUJ on LiterarurVol. 5, No.2 {1998} Book Reviews 127 Tatigkeit als Literaturkritikerin vcr aU em als Oberset ze rin emen Namen gemacht. AuGer durch Veroffendichungen zur russischen und frallzosischen Literalu r bat di e aus Rimavska in cle r Ostslowakei stammen de Di chlerin auc h durch Ubersetzun gen allS dem F ranzosischen, Serbokroatischen und Russischen (Texle 0.3. von Marguerite Duras , Marina Zwetajewa und Danilo Ki's) auf sieh aufmerksam gemacht. Das vielseilige Schaffen Rakusas seil Beginn der 70er Jah re ist inzwischen mit edichen Preisen honorien worden, unter anderem mit der -Ehrengabe der Stadt Z urich " (1986) und dem renommierten "Petrarca-Preis· fur Obersetzung (199 1). Mit der sprachl ichen Pragnanz ciner Obcrsetzeri n hat Rakusa unter dem Titel Ein Slricb dUTch aUes neunzig Gedichte vorgelegt , die trotz der auferlegten Strellge der Form alles andere als knapp und konstruie rt wirken. Die Gedi cht e' wehren sich gegen ein rei n deskriptives Erfassen; es sind mit priizisester Sprache gezeichnele Bilder. Die 1997 erschienene Sammlung kntipft an Raku.sas friihere literarische Veroffentlichungen an. Die Kontinuit at besteh t in der Wiederaufnahme themati scher Schwerpunkte: Begegnungen vo n Menschen, Sehnsucht nach N ahe und immer wieder d ie Angst vor dem MVierkanthof der Einsamkeit" (96), die Ausei.nandersetzung mit dem Altern und der verlorenen Kindheit, Notate tiber das Schrei ben und die Herausforderun g, die der Umgang mit dem Won. darstellt. Jedoch ko mmt es kaum je zu einer Art der Verwi rklichung des Wunsches nach Zugehorigkeit und Zweisamkeit, stets sind ade r werden Menschen durch geographische odeI' sprachliche Grenzen voneinander getrennt. SelbSl wenn Mdie Briicke stehr," "[Iauern] d ie Zecken schwarz" (21). Die "Grenzen sind lichterloh " (24), und "die Zaune stehen dazwischen/die Meere und schweigen" (37). Die Joseph Brodsky gewidmeten Gedichte artikulieren besonders einfiihlsam das Ceruhl der Fremde und die Entfremdung in der Sprache. Sprache wird vielfach eher als trennendes anstatt verbindendes Element empfunden. Worte werden als (odliche Waffe eingesetzt. "als dein Abschiedswortl in di e Brust gerammr" (5 1) . Sic k o nnen eben so Leere wie H offnungslosigkeit bedeuten: "denn im W ort / K omfort keinerloder im T od/durch die Lettern" (84). 1m Gedicht wird das Ende aller verbalen Verstandigung formuliert, die Sprache verschlieBt sich den ubermachtigen Gefiihlen: "der Kopflist leer die Stille/hat das Sagen" (85) . Fur die Dichterin und Ubersetzerin stellen die Refl ex ionen tiber 128 Focm on LiteralitY die Grenzen def Sprache eine Voraussetzung zur Sinnfindung dar. Wenn menschliche Erkenntnis wie bei Rakusa sprachverminelte Erkenntnis becleutet. dann moB urn jedes Wort gerungen werden. Dann M[in"t] dec Bleistift zinrig/ubers Papier sucht Linie Sinn/ Verstand" (52). ·Vielschichtigkeit" kennzeichnet Rakusas Lyrik. Dabei handelt es sich um ein poctisches Medium, das die Oicheri n selbsl in ihrem Essay "Frau und Literalu," (1984) als C harakterisierung einer weiblich gepragten Asthetik vornimmt. Mitunter scheint das Weseo eines Gedichts mehr durch Melod ie als durch Sinn gepfagl. In "Lange Zungen lange WunderM (22) bleibt de, Leserin def Gehalt auf den emen Blick verborgen, ·wenn sich def Pfirsich ins Porzellan/friBt und die Milch ihren Tellerllec kt und die Nacht krotenweich/tibers Land steigt und alles dumpeh. ... ft Aber die Bilder d ieses assoziativen Gedichts sprechen Bande. Nelln Zeilen, die vor Sinnlichkeil und Phantasie formlich uberquellen. Die Wirkung ist berauschend. verwir rend und stinunr zugleich nachdenklich. Durch eingefugte Sentenzen und (englische) Worter mag die Poetik an einigen Stellen zunachst disparat wirken. Das Gedicht "Nichl weiter ist harsch" (SO) wird durch die englische Floskel ftand so onft unterbrochen, ftln den Waben des FuRbodens/ irrt er herum Terrakottablicklno exit" (76), oder "der Joke ist Fun ft (83). Die Anglizismen fugen sich jeweils nur umstandl ich in das vorgegebene Schema on. Auf diese Weise sorgen sie fur poetische Spannung, indem der urspriingliche Kontexl derart abrupt verandert wird. Die VielseiLigkeit cler sprachlichen Souveranitat der Dichte rln :z.eigt sich auch darin, dafi das Gedicht ·Zypresse auf der Haut" (11) sowohl in deutscher als auch in englischef Sp rache efscheint. Aus clem Vergleich der deutschen Fassung des Gedichts mit der englischen fttnto your armsl (odour of cypress tree)" (67) enrsteht ein subti leres Verstandn is von dessen Bedeutsamkeit. Hier erscheint n icht etwa nur gleicher lnhalr in je anderer F orm, so ndern der Gehalt liegt in der Sprachlich ke it des Geclichts selbsl. Auf die Z weisprachigkeit wird an anderer Stelle auch inhaltlich Bezug genommen, wenn Hmit zwei Zungen" (37) gesprochen wird.ln vielen Gedichren wird das Elementare der Lynk thematisien: "Wiese/dieses Wort wie/kein Wic nur Wind- (40). Verzweifelte Allitcracionen und def Spafi der Dichtenn am Fabulieren zeigen sich in "Mit zwei Zungen/K.inderzunge fu r Kosen/ und Kuche Kanoffell Book Reviews 129 fur Kleckse Kekse/wld Z immerkalastrophen" (37). Die Anikulation mit Klang, Tempo, Rhythmus, den Pausen dazwischen, dem Verkli ngen und Wiederanheben spielt bei Rakusa eine emscheidende Rolle als poerisches Medium. Aus de, Sprache de, Gedicllle geht eine Bewegung hervo r: d ie Syntax wi,d oh aufgebrochen, Worter werden in neue Zusammenhange gestellt. 1m letzten Gedicht der Sammlung zeigt sich die sprachliche Pragnanz der Aurorio und die Vieldeutigkeit ihres Iyrischen Schaffens: -Das Laster de, Verlassenheit/der Vierkamhof de r Einsamkeit/die Wasser der Vergeblichkeit" (96). In der Wahl des Tirels der Sammlung li egt bereits ei n zentrales Motiv von Rakusas Lyrik. Durchkreuzt der Sl l"ic h durch alles, de, SHic h einer Feder e ines Gedankens Gegebenheiten, oder maclll er gar auf sie auf~e rksam? Kons[atie~ de r Tite.! den dichterischen SchaffensprozeB selbst, oder geht es urn Grenzziehungen? 1m fjinhli ck auf die Umschlagillu stration von Gabriele Rothemann ("Uherqucrung," 1993) scheim Ein StrichdllTCh alles vor all em eine verb inde nd e und dynamische Funhion innezuhaben: den Strich der Diclllerin. Meine Betradnungen von lima Rakusas Lyrik sind die durch die sprachlic hen Bilder a ngeregte n Assozi:uionen einer Leserin. Daraufhin sind die Gedichte auch konzipien, doch enthalten sie noch e inen weitere n Sinn : Indem die Gedichte der Leserin fremde Selbsterkenntnis, Lebens- und Liebeserfahrung, Angste und Reflexionen vor Augen fii h ren, veran lassen sie auch die eigene krilische Ausei.nandersetzullg mit de, Umweh . Das Gefiihl, mit dem die Leseri.n am Ende der Lekture den schmalen Band sc hlieBt, kann nicht o hne d ie Worte de, Dichlerin selbsl zu zilieren forml1 liert werden: -gure Nacht das Blatt/ und ein Strich/durch alles" (18). The Ohia State University Falke·Christine M6/1er·Sahling ~--------..... _-------- IlO Focus on LiteraWr WOLFGANG WENGER. Die Geschichte des Augenblicks. Salzburg: Residenz, 1996. 102 pp. D M 32.00. Sining in a bar, the protagonist of Wolfgang Wenger's novel Die Geschichte des Augenblicks ask5 the waiter for a scrap of paper, on which he writes a brief notation. The waiter explains t hat he was once a writer but had since abandoned that endeavor: "Manchmal notiere er noch etwas, sagle er, aber er sammle die Satze nicht mehr, lasse sie liegen aufB ierdeckeln und Kassezeneln" (52) . Wenger's novel appears as a series o f such brief notations, as if t he narrator had gath­ ered a stack of receipts and beer coasters ontO which he had scratched a few sentences to preserve the moment in words. The novel is a compilation of t hese moments, and the li fe of the protagon ist depicted therein is a fragmentary series of his thoughts, impressions, and dreams. Throughout this "'history of moments," the reader gains li ttle knowledge about the identity of the protagonist, to whom the narra­ (Or refers as "er ," and the events t hat occur in his life. Each moment of the novel is a th ird-person account by the omniscient n arrator, which offers a brief glimpse into the mind of the protagonist. T he reader learns that he has worked for a particular unidentified firm fo r fifteen years which has recently gone bankrupt. Seeking a new begin­ ning and fleeing from a traumatic past, at which the narrator only ambiguously hints. he travels to another city. T he structure of the novel suggests that much has been o mit­ ted. Several blank lines separate each passage, causing the reader to specu late about which information essential to a complete exposition of the protagonist's life may have been contained in that space. Early in the novel, for example, t he protagonist sits in a cafe conversing with a man he has met on a bus. T he passage relates the st ranger 's assessment of a crisis the protagonist is experiencing, the existence of which t he reader has been hitherto unaware. H e says: "'Nicht der Zusammenbruch der Firma ist es gewesen .. . nicht der Verlust lh rer Arbeit. Es ware besser, Sie vergaBen endlich die U mstande. die Personen, den Tag" (25). It seems as if the protagonist has already revealed to the man the circumstances that constitute his present stmggle. The words which elicit the above response, however, do Focus on Liu ratur Vol. 5, No.2 (1998) Book Reviews 13 1 not appear in the (ext, and the exact circumstances which have led the protagonist to an impasse remain concealed in the blank space pre­ ceding the passage. The reader knows henceforth that the protago­ nist is struggling to come to terills with an occurrence in the past but is given no further explanation. Everything that t he man advises him to forget - the circumstances, persons, and day - remains a mystery th roughout the novel. Aside from the passage mentioned, the fragments of the novel seldom contain dialogue. The moments depicted conta in manifold images from the protagonist's mind. Images from the present, illu­ sions, visions, and memories overlap constantly an d in phantasmago­ ric succession, blurring the boundary between reali ty and fantasy, waki ng state and dream sequence. The narrator's frequent use of t he subjunctive mood and his repeated rderences to the possible events of "'eine[r) andere[n] Geschichte" continually weaken the protagonist's seem ingly tenuous hold on real ity. Moreover , no transitions are of­ fered from passage to passage, leaving the reader groping for contex­ tual handholds by which to proceed. While the omissions, overlaps, and blank spaces hinder the reader's understanding of the protagon ist's stmggle, th ey simulta­ neously emphasize the protagonist's own inability [Q comprehend his situation. He also seems to be searching for meaning, although the reader is denied access to this corridor of the protagonist's mi nd. The narrator excludes the emotions evoked in the protagonist by the images he perceives as well as the analytical thought required to pro­ cess, order, and categorize these perceptions. The tas k of assimilation is left to t he reader. Several images appear th roughout the novel that pan:ially il­ lumLnate the protagonjst's struggle; chief amo~g which are recurring visions and memories of his father. The prevalen ce of these images gives the reader rhe impression lilat the protagonist's struggl e is cen­ tered around the death of his father. T he narrator provides, however, no explicit information to substantiate this imp ression, and the reader's in terpretation muSt rely only on the me mories of the protagonist. T h e cen t ral passage about t he fa t her's deat h rea ds: " IN OER ERiNNERUNG / han e er seinen Vater auf dem Riicken liegend gefu nden.. .Er wa re stehengeblieben, han e z ugesehen, wie d ie At em ziige wen ige r geworden waren, das Rocheln le iser, his es 132 Focus on LiteralJtr scitJieGlich ganz ausgesetzt hane H (47). The memory of the dying fa~ ther is recounted in the subjunctive mood, forcing the reader to ques~ tion its accuracy. The narrator's use of the subjunctive here and in other passages undermines the authority of his acCount and makes the reader incredulous of seemingly revealing passages. rn the end, the protagonist's life remains an incoherent juxta­ position of disjointed moments. This incoherence, while complicat­ ing the act of reading, is actually the strength of Wenger's novel. The novel's fragmentary structure is an apt rendering of the fragmented condition of the protagonist's mind and incomplete assimilation of the past into the present. His "Geschichte" lies somewhere between forgetting and panial remembrance, tempered by an ilJusive percep­ tion of the present. For the protagonist, as the narrator stares, "Oer Augenblick (findet nicht start)" (64). University of Cincinnati David T. Stroeh --------_ ..•.. _---- - --- 133