buesch-2000FocusSample-001.tif Vl ll hisrory. With rhe many changes oudined above, r look forward to a future which, I trust, will oHer increased opportunity far interaction and productivity among graduate swdents in German . 1 encourage our readers to sub mit articles. book reviews and interviews wh ich challenge the conventional definitions of Germanistik. O nce again, thank you for your support of Focus, in rhe past and in rhe future. Tonya Hampton Kafkaeske Elemente in Jakov Linds Erzählung Eine Seele aus H olz: Ein Vergleich in Bezug auf Darstellungen des Grotesken und der Sexualität Anna-Karin Axelsson Einige j ahre nach dem H olocaust wuchs bei manchen, die den Ho­ locaust überlebt hatten, das Bedürfnis, ihre Erfah ru ngen und Leiden in Wörter umzusetzen . Fürdie meisten wares eine notwendige T herap ie, um mit ihrem Leben weiter.lIl kommen, für viele aber auch ein Bedürfnis, der Welt zu zeigen , was wirklich passiert war, damit es auch nicht vergessen werden konnte. Der H olocaust als literarisches MQ[iv war sehr umstritten. Man fragte Sich, ob es fiir Kunst und Literatur angebrach t oder überhaupt mögli ch sei, sich mit dieser barbarischen Vergewaltigu ng der Mensch lichkeit zu befassen. Versuche zur Darstellung des N icht-Darstellbaren wurden unter anderem vo n Adorno abgelehnt, der 1949 notierte, dass es barbarisch sei, nach Auschwitz Gedichte zu schreiben. Siebzehn Jahre sp:iter wurde jedoch diese Aussage von Adorno selbst revidiert: "Das perennierende Leiden hat soviel Recht auf Ausd ruck wie der Gemarterte zu brüllen; darllln mag falsch gewesen sein, nach Auschwitz ließe kei n Gedicht mehr sich schreiben" (Adorno, 353) . Peter Stenberg weist darauf hin , dass die ersten literarischen Auseinandersetzungen mit dem Holocaust vor allem die Tendenz zeigten, die unbegrei fliche Brutalität auf eine so realistische Weise wie möglich darzustellen. Die Auto ren fühlten die Notwendigkeit, den H olocaust als ein beinahe hei liges Thema zu behandeln , "nO[ to be violated lightly by such porentially blasp hemous lilerary devices as satire, irony, t ravesty, or black humor, which had often been used in fictional acCOunts of destrucrive even lS in Jewish hiStOry"{Stenberg, 642). rocus on LiUrtlC/fr Volmne 7 (2CXX» 2 Tvws on Lileralllr 1962 wurde Jakov Linds erstes Werk , der Erz.i hl\lllgsband Eine Seele (lI /S Iloh, veröffcllllicht, das als bahnbrechend in der dCUlschcll I lo locaust-Litcmtur gelten sollte. Lind stel lt seine Erfah ru ngen des Nationalsozialismus in der Form eines surrealistischen Alptr:llllncs dar, bedient sich vor al lem des Stilmittels grotesker Verfremdung und scheut sich auch nicht d:lVor, satirisch zu sein. Bald folgten Linds erste r Ro­ man LandschaJi irl Beton und Edgar H ilsenraths Romane Nachl lind D er Nazi lind der FriseuT im selben Stil. D ie Reakti onen unter l....csC I"!l uud Kritikern ware n unterschiedlich. Manche fanden di e Werke anstößig, weil sie "secllled tu prefer surrcalism to reaJism, parody tO vcracity, black humor LO m oralism, lunacy to logic, nightma res to faClS, and 1I1liversals to specifics in transbting into literatu re an evellL o f in­ tellse personal pain"(Stenberg, 647) . Dagmar Loren z. rech tfe rt igt den Surrea lismus und (his G roteske als M ittel der Darstellung des 1[010- causts, indem sie konst ati ert , dass nur Erzählmittcl wie di ese es erlau ben, dass das U nrealist ische und U nverständliche ohne Erk lärung blei be, da auc h d ie makabre Brutalität des Naz ionalsozialismus unm ögli ch zu erfassen sei. O bszönität z.u vermiulen , ford ere eine o bszöne Sprache (vgl. Lorenz). Lind ist häufig mit Autoren wie Kafka , Gogo l und G rass vergl ichen worden, aber die Ansichten gehen in dem Punkt ausein :mder, inwiefern Vergleiche wie d iese gerechtfertigt sind (vgl. Rosen feld , 43; "Durdl Mark und Bein ," 75) . Stella Rosenfeld verw irft solche Vergleiche als "tenuous at best": "The attempt to establish lhem hirlls at a helpless ness to cope critically with a book of tal es whi ch literally had co me fro m an Olher world"(43). Einen Einflu ß vo n Kafka, auf dessen ß edcllwng oft hingewiesen wird, läßt Lind sel bst nu r in Bezug auf ih re gemeinsame Heimat, die ehem alige Donaumonarch ie, gelten ("Durch Mark lind Bein ," 75) . Trotzdem wi rd Kafka immer wieder im Zusammenhang mit Lind erwähnt, und es ist nicht zu bestreiten , dass d ie Le ktüre vo n Linds früh en Erzähl unge n bei viel en Lese rn zu Kafkaesken Remini zensen führt. Diesen ·ratsachen zum Trotz gibt es keine Stud ien , die sich spezifisch mit einem Vergleich von Li nd lind Kafka beschäftigen. Es is t des halb das Z iel des vo rliegenden Aufsatzes, d ie Kafkaesken Eleme nte in J akov Linds frühe Erzählungen zu urllcrsll chen . Im Mittelpun kt des Vergleichs steht der Gebr.luch des G rotesken, besonders hinsichtlich der Darstell ungen von Sexualität und runktio n der Fr.lu , Kafkaeske Elemente in Linos Ei"e See/e a lls Holz 3 wo die beiden Autoren v iele Ähnlichkeiten aufweise n. 1nsbeso ndere w ird die U mersuchun g auf Jakov Linds Erzählun g " Eine Seele aus Holz" und F ranz Kafkas Romane Der Prozeß (1925) und Das Schloß (1926) konzent riert sein. Obwohl Kafkas Welt schon dreißig Jahre vo r dem Holocaust und fünfzig Jahre vo r der Verö ffentlicbung vo n Eine Seele alls Holz existierte, begegnen sich die beiden fiktiven Welten in der Darstellung e iner un h eimli c h eIl , ve r zerrte n Wel t , wo die Ilatürlichell Kausalzu sammenhänge ni cht m ehr exisitiere n . I n diesem Zusammenhang wäre es vielleicht angemessen zu er wähnen, das.~ es Stimmen un ter den Litc ralurkritikern der Nachkriegszeit gibt, d ie umgekehrt sogar Kafka 'l,1.I1l1 H olocaust-Prophet verkün d igen, indem sie behaupten, dass di e fi ktive Weil Kafkas als eine P räfiguration der Realität des H olocausts zu betr'achten sei. D iese Kriti ker-Stimmen gehören unter anderem G ünter Anders und BeftOlt Brecht, die i..n Kan,as Werk Prophezeiungen d er KOrl7..ent rationslager, des hierarchischen Staatsappa rats des Nazi-Regimcs lind der G leichgültigkeit der SS­ Offiziere beim e rban nun gsloscll ' I'ötcrl ullsclluldige r Menschen z u finden behaupten (vgl. Lan ger, 11 6- 11 7) . D iese etwas weithergeho llc Vorstcllurr g von Kafka als Prophet des Holocausts ist auf W iderstand gestoßen . Lawrence Langer lehnt di ese Analogie-T heorien ab, da er der Über/..cugung ist, dass sie nu r dem Bedürfnis der Kritiker entsprechen zu glauben, dass "only future hislOry could validatc an eccentric litera ry vision timt past and con­ tcmpo rary events were insllffi cielll to explain" (117). Dass di e unvorstellbaren fikt ionalen Grausamkeiten der Kafkasken Welt erst mit der Realität des H olocausts vo rstellbar werden sollten, sei nacb Langer kein Grund dafür, Kafka des Prophezeiens des H olocausts zu beschuld igen . Langer ICl lgnet zwar n icht, dass es mehrere sich tliche Äh nl ichkeiten zw ischen den beiden Welten gibt, betont aber, dass d ie unfaßbaren Grausamkei.ten des Nationalsozial ismus überhaupt kein literarisches Gegenstück fi nden können. Die Welt Kafkas ist grausam, aber de r I-Io locaust ge h t weit darübe r h inaus - so auch Linds Sch ilderungen. Ein wesentliches Elemellt in der Literatur vo n Kafka und Lind ist das ästhetische Phäno men des G rotesken, das auch im Mittelpunkt des vorliegenden Vergle ichs steht. Daher ist z unäc hst eine nähere Bestimmung dieses Begl'iffs an gebracht. D ie Defi lliti on des G rotes ken I 4 rUCllS on Lileralllr in Wilpcns Sad1\vörtcrhuch b ulet wie fo lgend: D ichtart des Derbkomischen ... , die ." Gegensätzlichstes und Unvereinbares , bcs. das Komische und d:ls Grausige, in paradoxem PhaTlt:lsiespicl ... ncbcncinandcrSlc llt und in Zusammcnh:lIIg bringt. .. Kennzeichnend ist das Umschlagen der Form ins Formlose, des Maßvollen ins Sinn lose bis gcradC"L-U Dämoniscl lc, des Lächerlichen ins Entsetzliche, Monströse. Epochen, in denen das G . daher c. bevo rzugte Stellung einnimmt, sind immer wieder diejenigen, in denen der Glauben an eitle hei le Welt z.erbrochen ist. (Wi lpcrt 352-3) C laude Dav id belOnt den bedeutenden Ullterschjed zwischen dem Lächerlichen und dem Grotesken, indem cr .... ..cigt, dass beim Grotesken nicht nur, wie bei m Komischen, "gegen die Sitte oder die Gewohnheit verstoßen, sondern unmittelbar gegen deli Sinn [verstoßen wird]. .. Es gibt in dcm Grotesken etW:lS, was die Bestimmung des Menschen in rr:lge stellt" (l09-10). D:ls Groteske bringt kein Lachen hervor. "Durch d:ls Lachen kOllllte mal'! dCI! Feldcr, das L:lster des Geiz.igen, die Narrheit des eingebildeten Kranket! endgültig unschädlich machen. Vor dem Grotcskcn vers00Iy Wilh materi:ll ity, sex, :md reproduc. 11 0 11 111 the female body makes i1 an essential , , , aspect of th e grolCSque, (Mil es 91, %, 90) Aus Kafkas Tagebüchern und Briefen geht CS. New I laven: Yale UP. 1997.642-47. Veichtlb;mcr, Judith lind Slephan Steiner. -Jakov Lind" KLG. Wilpert, Gero von. Sachw(jrlerbltch der Llleralllr. 7 Aunagc.Stuttgart: Alfred Körner, 1989.352-53. Yalcs, Wilson. ~ An lnlrodllction 10 lhe Gn)tcsq ue. "'f1Jt' Gro/(!J(/lIe i71 A rl mui LiteratlIre: 71Jcologicaf R,ejfeclimu. I Ig. J :UllCS Luchcr Adams und Wi[son Yalcs . Gl':lnd Rapids: Will . U. Ecrchnalls, 1997. 1-68. 17