Focus 2001.tif 128 Foc1ls an German Studies Book Reviews CHRlSTOPH W. BAUER. lVege 7ErZOOgt. Galuhte. In nsbruck H aymon, 1999. 112 S. DM 27,00. Oltistoph \YI Bauer e ntsehied sieh, seinem ersten L),likband die Form eines Filmszenanos zu verleihen. Das erste Gedicht heillt" vorspalm" unci flihrt den Leser in die Welt des AulOrs hinein, "wie man sie aus fihnen kennt" (5). Das letzte Gedicht, "abspanll," ist die Abschiedsszene des Lyrikers, der aus seiner Welt weggehen zu wollen scheint , "oime einen bliek wruck" (109). Was dazwischen steht, sind funf Gedichtzyklen· STUMMZONEN, REICHLICH SONNE T1EFBLAU, \'(IEGE VERZWEI GT, BA]AZZO'S RACI-!E, 1M SCHATTEN DES MOlillERS. Schon i.hren TiteLl ist einegewisse Krisenslimnlllllg zu entnehmen, die in den Rahmengediehten .. Is eine Dberw:iltigung durch den Film, die Spradle und den Z\\~espalt der \'\felr angedemet wid. Jede rder Zyklen wiederholt die auBere Slrukturdes Bandes: jeder hat seinen Vor- und Abspann.ln STUMMZONEN sind es ,,(intra)" und "da "'PO a/ }i»!," in REICHLICH SONNE l1EFBLAU; dem Them, entsprechend, "mo rgens daheim" und "abends daheim," in 1M SG-IATfEN DES MORDERS, hollywoodniiEig, "load the gun" unci "happyend." Bauer expenmentiert mit der Sprache und der Schrift bzw der Gedichtsausfi.ih rung: italienisehe und englische Einschlibe, plotzliehe Kursive und , allSlatl der gelaufigen Konjunhionen &~Zeichen, stehen die Titel der Gedichte oft in Klammern und nicht vor, sondern nach dem Gedieht. Doeh das alJes sind keille freiwilligen Expenmeme, wie die Entscheidung, das GanLe als einen Film darzustellen. Die Well B,luers f:illt zusammen, und der letzte Versueh, sie festzuhaiten, 1St, ihr eine geschiossene lU1d liberschaubare Form Zll geben, wo es einen Anfang unci ein Ende gibt, wie in einem Film Doeh in Jedem Zyklus tauehen die obenerwjllllten Knsen-Motive wieder auf. Jedes Kapitel ist der Kampf zwischen Form und Inhalt, Struktur und Zusanuuellbruch, Realitat und ihrer Abbildung. In STUMMZONEN sind die Gedichte (eilweise numeriert (,, 1 portrait," ,,2 alflalui'lkc,'< ,,3 in; zeljindJte WW'Ixr,·' ,,4 k6rp?r wm:.l-uiirts"), teilweise typologlSiert ("stununzonen," "stUl11ll1Z0llen II," "stummzonen III;" "inrermezzo," "intermezzo2," "mtermezzo3"). L-thaldich scheim der Zyklus eine Liebesgeschichte zu sein: "die frau von nebenan" (17), "sum­ mer in the city" (20), "blind date" (24). Doeh die HauptmOlive sind die existenzielle Zerrissenheit: "WJ dure/) ihr lddxin ein ills gdJt" (11) und die FWI:} en German Studies Volume 8 (2001) 1)0 Focus en German Studies Sprachkrise, die mehrmals thematisiert wird. Der lyris che Erzahler unterstreicht seine Unfreiheit von cler Sprache ... cler wir wfallig hineingeboren und in cler die spielregeln langst ausgegeben"(IS) sind. Er beklagt die Unmoglichkeit einer Fiuchr aus cler Sprache: .,den kopf aus clef sprache :w ziehell ist was uh rllcht mehr kann<; und ist sieh dagegen cler MOglichkeit bewuEl "doch !loch 2U ersticken an einemeigenen wort" (23). Das i51 eine ziemlich verz.weifelte Situation, wtrm man bedenkt. daB das Gedicht, ein Sprachprodukt sozusagen, am Ende des Zyklus doch als die einzige Renung poswlien wire! (29). Der Versuch, sich mit clem Begriff HeiJ1l:l.l in cler nachsten Szene seines "lyrischen Films" (siehe Umschlag) auseinanderzusetzen, mundel in die Veniefung derexistell2.iellen Krise und setzt das Thenld eines Risses fon. l-finter den fast kitschigen Heimnlandschaften "zwischen friedhof und 'Winshaus I die kirche auf dem berg" (32) steckt die Realitat einer luwermeidlichen Katastropbe. die in Form von einem gevtahigen AutounIalI ("im umkreis" 37) einen Riss durch die Landschaft ziehl. Die Heimat erscheint am Ende nicht nur als eine gewalttatige StumOlzone: "ieh hab das schweigen rue gelernt und doch I in diesem land die sprache verlorell" (42). sondern als eine vollkonunen emfremdele Instanz: "heunat ist an \· .... orte verpfanclet I die mir [remd geblieben" (44) . Das nachste. zentrale Stuck heilit wie das ganze Buch \XlEGE VERZWEfGT. enthaIl das gleichbclitelte Gedicht und schaUt den Einblick in das gesamte Konzept des Werks. Die apokllyplische Stimnllmg fUldet sich auch hier. Der lyTische Held siehl sich am Ende seiner langen Reise »,mf schnur I geraden strasse die sich hinter sellr/Ill riicken Ul gegangene wege verzv,'eigt" (51). Offensichtlich fUhn die schnurgerade Stra&! in den Tad bzw: in einen Absrurz, wie es im den Z yklus abschlie&!nden Gedichl "ikarus/variation 98" steht (69). Die ziemlich cindelltige Selbstidentifikation des Autors mit dem abgesriirzten Rebellen liest sich wic eUle Angstphantasie und verstarkt das allgemeine Bild des gescheitcrten Daseins. Auch in der Liebe findet man keine Renung, viorliber der Z yklus BAJAZZO'S RAOiE, die ultr·.lmoderne Variation von leonkavallos Paf/.ullri, berichtet. Bajazzo kamph daftir, im Namen der Liebe die Larve seines Kostiims loswerdcn (73, 84) und sei.ne Idemitat finden 1.U kOl.Ulen (80). Seine Ideale werden aber dllrch das Siid eines mechanischen, anspruchslosen Liehesaktes verspottet: "wenn du meiner libel" / driissig bist dano sei I ungenien liebste & 1.ieh I einfach den stecker mir raus" ("scherz05"), (76). Book Reviews Als Geisel des Kinematographischen 'l.eigt sich der Dichter im Laufe des ganzen Suches. Er benlft sich auf Film~ nicht.ls cine '-:-bbildung der Realitat, sondern als eine "Priniirwil"klichkeil," aus der er seme Bilder schopft und di!! erdie "gangbarste alternative" nenllt (5, 19,23,36,65).1 m letzten Zyklus seines Suches erreic~~ die Herrschaft des ~ilmcs bz~. der Filmklischees ihren HOhepunkl. Die Uberschriften derGedlChte parociIeren die Emwicklung des primilivslen Szenarios: "load the gun," "c rossover," "standby," "pull the trigger," "happy end." Aber hinter diesel~ und ande~n Titeln stech die Erkenntnis der verhangnisvollen KompleXJlal des Sems. Das Leben la{k sich nur schein bar so einfach 1.U einem \'\'eSlern mil Happy End schematisieren. Die Unruhe der zerri:;senen \X.e\t kommt unter anderem in "bericht" zum Ausdruck, einem Gedicht liber eUle Frau, die sich und ihre Kinder nach einem "sorgenlosen" Einkallfslag erschieBl (94). Das alJerletzte Gedicht der Sammillng, "abspann," rekapituliert die vomAutor neben clem Filmischen durch d.ls Buch ge-wgene Erkenmnis clerSchwierigkeit, diese zwiespaltige \'(felt in Wone zu fassell. Einerseits ist rrlln !lJ.ch der Bekannlschafl mit \xrEGE VERZWEIGT von dem sla rken Bezug des AlllOrs zu Won und seiner Ausdruckskraft ubeneugl. Die Anspielung auf Bachmann: "Undine ging lund iSl geg.Ulgen" und Par.lllelisierung mil clem lyrischen Enahler: "und geh~l I rJ.sch aus dir fon" (109) lassen aber den Leser andererseits in bezug auf die weilcren lyrischen Projehe des Autors etwJ.s verunsichen, dcn.n BJchm.1011 hat ja nun einmal aufgehort, Gedichte z.u schreiben. ZJX'f¥a lOiJeudJ OJwSklte U1l1WSiry MJOiAEL BRAUN. !erumaJa Das/ei,r Ge;Uhules Hi"".I,. Frank­ furt a.M.: F ischer, 1997. 272 pp. DM 20.00. Journalist Michael Braun's debut novel is breathtAkingly bad, offering its readers not only improbable and unsympathetic characters, but also highly problematic represemations of race and nationali[y- Set inllllCdiatelyafter German reunificalioll,jeridXltakes place almost cmirelY:l.l Oxford Univer­ sity, where the gay German protagonist and narrJ.LOr, Benj.lmin, is a Stu· Focus a1 German StJ/dies Volume 8 (2001) Book Revie~"'S 1)5 sind eingerollt, die Pastoren blast:n die Demonslrationen ab, [ ... ) Ach! Oer Menge gefalh, was auf dem Marktplatz taUgl" (57). Mit scharfe01 Ver.aand verfolgt llnd seziert Braun die Wende und ilire Polgen. Friiher von seiner Heurut mifucillel findel er sich Illllllnehr geachtet aber heimatlos. Diesem konsurnverv.6hmen kJ.pitalistis~hen.Lan.d mil der neuen Einheil, dieser Einheit, die er "die enrimmte Elilhea, dIe zusammengenagelte, erpreRte Einheit, die Einheit der Uneinigen, Ungleichen, der Zerrissenen" nennt, kann er ~ine Heim;lIgerlih~e entgegenbringen (57). Auch slilislisch baumt slch Braun gegen (ite leiclnkostverwOhnte Konsumgesellschaft auf. Seine l exte sind kelile Leichtkosl. Sie wehren sich geradew ddgegen, einfach kOllsumicn l.U werden. Seine Satze muB man Il"lehrfach ben, sie geradezu miihevoll zeneilen, urn die komplex verdichtete Inforrn.llion zu cmfallen. \X'er sich jedoch diese Miihe macht, wird mit wenvollen Einblicken in Volker Brauns .. Luftkoffer" belohnt. "Mein Luftkoffer, n"K::in politisches Gepack emh:ilt EruUlerungen lUld Erwdnungen, wlkomrollien und subversiv, scllwer zu trJgen, aber die Schriue trcibend" (58). Cotfl1lt?YSt. A nmrl Unl'l1!lSltiil Kr:nstmlZ VOLKER BRAUN. Das Whkli 011 G(!nIlQIl S/Ifdies Volume 8 (2001) 136 Fro/S en German StIulies eingestelhen Venretern der jiingeren Generation. Die drei Geschichten hahen einen offenen Ausgang: \X'er Sieger wird und wer die Niederlage erleidet, bleibt unklar. Deurlich ist nur, class def Status quo unhaltbar isl. Wer nach clem Zusammenbruch des KommunisOlus mil Francis Fukuyama vom Ende def Geschichte redel, hat- $0 ulgen diese Erdhlungen- die in der ~ll garenden und steh nach LOsung selmenden K mfte umerschatzt. Die Titelgesduchre beginm mil emem an Kleist erinnernden, eine Seite langen Periodensan, def Idyll und Brutalitat vereint. Der emeritiene Professor Giorgio Badini und seine Ehefr.l.U Lucia slO6en bei deT Ri.ickkehr vom Abendausflug durch den Olivenhain ihres wunderschonen Landguts in def Toskana auf zwei junge Einbrecher, die sich in ihrer Kliche, ausgehungert wie sic offensichtlich waren, voll gestopft haben. Bliduu beschwichtigt die fauchend amoritare FrJge seiner Frau" Was wollen Sie?" mit einer ruhigen Gene. Er fasst den Jungen und das Madchen bei der Hand, und einen Moment erstarrt die Szene zum Tableau einer neuen harmon is chen Konstellation zwischen Jung und All, Eigenem und Frerndem Die Einbrecher werden nach oben geschid.i., am nachsren Tag wird auf dem HoC ein Bad fur sie bereilel. Bei Tisch erv.oeisen sich Luisa llnd Gjergj aIs albarusche Fluchllinge, und dJ.s alte Ehep.Jar scheim gewillt, sie als Gaste aufz.unehmen. Auf einem wegen der schwie rigen Verstandigung fast wonlosen Spaziergang kommen sie einander naher. Lucia fiihll sich wie verjiingt, Giorgio durch das Madchen erOlisch gereizt. Am Nachnulldg bei der Siesta iiberrascben sie das junge Paar beim Liebesspiel, was sie durcheinJ.nder bringt. Abends philosophieren die Badinis liber die Verganglichkeit, die .A.nziehungskrdft der Erde auf Aile. Konfrontien milder hanen Wahrheit- .,Ou sci.nkst und stirhst" sagt Lucia l.U ibm- scWagl Badini seiner Frau ins Gesicht. \Venn eraffi nachsten Tag Gjergj zu verstehen gibr, daB er fongehen soU, stidn ihm der Junge ein Messer in die Schulter; zu Hille eilend bricht sich Lucia heide Arme. Nach einer Srunde scWeichen die jlU1gen Leute ins Zinuner der im Bell iiegenden I--li1flosen. "Das Ehepaar sah sie mit einem Gefi.ihl der Erleichterung und des Entselzens an, und Badini fragte: Was wollen sie?" (24). Oer klassische Erzahlstil WId die zahlreichen symboltriichtigen Ele.mente lassen diese in gleichem MaRe hofflllUlgsvollen wie tragischen Geschichre iiber den Bericht von ei.l1er spannenden Einzelbegebenheit hinauswdchsen. \'(lie oft in Volker Brauns Werk, haben die scheinbarprivaten Ereignisse geschichtsphilosophischen O1.am"1er. Giorgio Badini ist nicht zufallig ein ennauschter .linker' Geschichtsprofessor. "Sein Thenu: fa. Book Reviews IJ7 riuiuzm war ibm abhanden gekommen, delUl sie hane sumgefunden, wo man sie n.icht machre. [ ... ) Er hane das Interesse an Zeitaltern verlo~n. Wirft man dem Baum vor, daB er um di e W6lbung des Stems herumwachst?" (12). Die gesellschaftliche Befreillng IlJ.t SiC~l il~ se~ ~l el~~ Privadeben verwirklicht: "Er, derSohn eines Maurers,l~bre wle em Furst (ebd.). Das landgul, auf dem er lebt, gleicht dem G:l11.en Eden. "M,Hl konnte hineinkommen, in das Paradies; v.renn def Pliciner gestorben Wdf und seUle Sohne/Kneclne ddS Land verbssen hatten" (16). Badini Jebl i.lll Stand der paradiesisehen Unschuld, wei! er luer rue gearbeitet hat. Seil~e Lebenshaltuno setzt Einverstandnis mit der Welt voraus, so lange er m seiner 'Feslun~ Europa' sein Ltu.."l.lSleben beschlitzen kalln. Denn?Ch gibt es einioes das ibn um seine trugerische Sicherhe.it. den Schem emes perpen:e[~baren Gliickszustands, bringt: seiH 'Ahern, und dJ.s FeWell von Nachwuchs ("Meinem Soh.n, v.renn ich einen haue haben durfell" (seu.(zt) er (14).). Die Eindti.nglinge beSliitigen ihn erst einmal in der'WoUust sel1~er Lage' (15), spiegeln ihm auch die Moglichkeit einer Vel"j~ingu~lg vor ~~me Erahlellipse Seite 18 suggeriert einen Geschleclll5akt mit LUisa), erfi.illen ilUl aber zugleich mit Hafi dar.Hlf, dafi seinenl Reich- schon allein durch den Lauf der Zeit- ein Ende geseel.t ist. Seine anIangliche GilStf reundscllJ.h verkehn sieh, fruslrien v.~e er ist, in nungelnde SoLd,lrit;it. Gjergj lind Luisa werden von ,Zuwachs' 7.U bedrohenden Kr,iften, die er, wie die VOgel von seinem Weinberg, verscheuchen will. Was ihm als Reflex der Seibslerhalmng ("seiner fube sicher" (19)) erscheim, wendel sich ?egen ilUl. Er verkennt die menschliche Gleichheil, die ihm die l-Llrmoll1e der Liebe vorgefuhn hal, und die Volker Braun im aufflilligen Parallelism.lIs der NanlCll Giorgio/Gjergj und Lucia/Luisa sinnfallig [~cht. Be~llt1g1 wird was Badinis Frau bein) abendlichen Gesprach fo rmuhen und ihn so ge~1. hat: "daB v.,u. uns aushahen, dafidie Namr UllS, d.ill v.,u.es aush'llten. Sonst ist es die HOlle." (22) Enttauschung bestlrrunl von Anfang an die mittlere Gesch.ichte des Tript){:ho!lS, "So slehn die Oinge." Oer Eisenbahninge.nieur Sachar Baschkin, keine fiinfzig, ist mit seiner Frau Walwara vor mehrals 20 ].lhren aus Piter nach Sibirien gezogen, um dart am Ball der BAM mitZlla.rbeilen. Nach Fertigstellung der Strecke iSI er dekoriel1. lU1d elltlassen worden und seitdem arbeitslos . .,Nach dem Abl.mf des Soz.ialismus in den ungeheuren Gulli" (27) lebt das Paar jetZI in armlichen Umstanden in einem \Xlaggon an einer aufgegebenen Bahnslation. Eine Bande junger Stre~U1cr, "l.1I ~er auch sein Neffe Sergei gehon, treibt don ihr Unwesen. \X'ahrend seille 138 FoolS en Genna/l Studies Frau ibn wegen cler Aussichr auf ein v.rarmes Bad mit Stepan. einem arbeitslosen und erbittenen Lehrer betriigt, SUChl Sachar den Banditen Serge; auf, bindet lhm die ffinde und geht mil ibm das Gleis emlang, urn mn vor ,Gericht'zu bringen. Das Verhor,demerden Asozialen ulllcrziehen will, kehn sich gegen ihn selbsL Sergei with ihm vor, scin Leben in den Dienst ciner sinnlosen S .. che gesteUt z.u haben. Die Slrecke in unniil'l. gCm:lrden. "Jem reist das Gesindel, die Mafia! Du hast ihm die Streeke gebaul. ldim!" (38). Der Junge weigert sieh, so zuleben wie Sachar. ,,\X'erde ieh salt davon? [ ... J \Vill ieh leben wie du? Gibt mil'das cinen Rubel? Verdammter Aller, will ieh so lehen?" (39) Die Geschichte eodet in gro&er Verwirrung, ohne Punkt am Endcj Gewdlt erscheim unabwelldbar. Die Gleise, die in eine bessere Zukunft flihren sathen, verlieren sich im Nidus. Der ehernalige Spezialist flir Havarien, irruner Herr der L'ge, ist aus der Balm geraten, buchstablich auf der St red.e geblieben. Bromn beschreibt die Brdche der Landschaft WId die Sinnlosigkeit dieses Lebens in h-urutmigen, standig durch Beis triche gebrochenen Siitz.en, die er wie in seiner Lyrik ab Wld zu mit kursiv gedrud..1.en ZilJ.ten aus clem rhelorischen FWldus des kommunistischen Slaates durchsetZL Direlae Rede erscheint ohne Anfuhrungsz.eiehen, bruchstuckhaft in den ErziihlfluB ge'tl.'Orfen. Auf den lelzten Seiten 'tI.~rd die Verwirrung zwischen dem dialogierenden Angeklagten und dem AnkIager dadurch gesteigen, dass der Hinv.oels auf den Sprecher Wllerbleibt und die VOI"9:urfe auslauschbar v.oerden. "Was kommt?" tit die letzt e, eSSdyis lischere GeschiclHe uberschrieben- ein Titel, der genauso gut auf die ersten he iden Erzahlungen zutreffen kOnme. Ein wirbelnder Anfangssatz, in dem das Satzsubjela irrefuhrend v.oeehselt, ecihh wie Borges, ein neunz.igjahriger brasilianischer Architekt, "in einem rebellischen Uberdn.£" (43) Jorge,einen versehmutzten StraBenjungen, in Rio aufliesl. Autoritar zwingt er den schmutzigen Jungen, ein Bad zu nelunen, zieht ihn mit eigener Kleidung an, wahrend dieser vor Scham mit den T riinen kamph. Borges siehl em, dass erden ,Fang' niche wieder fOrlSchicken kann: "sie W4). D.I Idm der JWlge mit einer MeUle, die ilUl treibt, wruck; Borges sieln illm entgegen- auch diese Geschidlle bricht ohlle Punh1. ab. Dem Miuelteil seines 1999 erschienenen L}rikbJnds Tww/us hal Braun ein ~.Ilono von Benoit Brecht mitgegeben: .. VergiB niehl, dies sind die Jahre Wo es nicht gilt Zli siegen, sondern Die Nlederlage zu erfechten.'" Die drei Geschiehten aus [)as rrr"kluiJiFl1lilte scheinen beim erslell Lesen einem Geschichtspessinlismus anheullzufallen, der iur einen durch die historischen Entwieklungen ,widerlegten' Schriflsleller wie Volker Braun verstandlich wa re. SoUte nur die il3Ch1.e Gewdh einer anardlistischen, ideologief rei hereinbrechenden Jugend das letz.lc \'(fon haben? ~em widersprechcn das offene Ende dieser Erahlungen und vor allem ihre dialektische Viclschicluigkeit und ve rdiducte Sp rache, die cine wiederhohe Lektiire fordern llnd ihr auch slandhahen. Eins der vielen, in kleUlen Varialionen v.~ederkehrenden Bildel' dieses Erzahlbands is\ das Graben eines Loches imBoden. EUl Sch.lrrell aus R.,ldos igl (Sonderdruck edition suhrkamp, Frankfurt a.M., 29). Sich dem Thema wieder zu nahern isl eine Aufgabe fur Lese r, die sicb niehl durch diese haneo aber offenbarenden Geschichten abschrecken lassen. Enk deS"uk Smt-jeeefaiJ'IF Tu,,-ha. (&JIP0>f GIONMATHlAS CAVELTI Q,ij&u, aler Eire ReiseunGeiIJ!rk Als Beispiel des Schicksals des Einzelnen, das hinter diesen nuchternen Fah.-ten stecKr, ziehl Helene Floss die Erinnenmoen zweier benachbaner, sich fluclllig kennenden Frauen heran: Die De~ friiheren Backerstoc.hter Olga aus einer Dableiberlamilie, die in ihrer Jugend von dem Optanten Mani umworben wird, und der Sclmeiderin Elsa deren Zuschneidepapier-Sdmi~seinerzeit eine lagebuchanige Ft:nktion FeatS en Genllall 5111die$ Volume 8 (2oot) Book Reviews H3 ausuhten und nun dazu hervorgerufen werden, ihre eigene, tragische Liebesgeschichte mit einem Franziskaner lehendig werden zu lassen. Olga , die sich yom ehemaligen GeseUen ilues Vaters Matti mehr liehen laBt als eigentlich liebt, vermittelt anhand der Briefe ihres Geliebten von der From einen ergreifenden, bedriickenden Einschniu in das hane Soldatemeben einer Jugend, die nidu richtig weill, worum und wamm sie kimpEr. Mattis, eines gutmiitigen, lebe ndigen und illusionsreichen jungen Oplanten ausfiihrliche Briefe werfen hir Olga einen sehnsiidnigen Einblick al1f das, was hane seill kCIiUlen, ware nicht ein friiher, unniitzer Tod eingetreten. Von vorneherein in ihrem liefsten lnnern Oi ls \'(!inve abgestempelt, gibt diese Iluchterne Frau auf, etwas vom Leben ZLL erwan ell, heiratet schlieBlich einen von ihr l1ngelieblen Mann und verlie.lllel auf ki.infliges Gli.ick. Bedruckender und unvergle ichb.lf ungli.ickseliger wird Elsas, der Sclmeiderin, Schicksal sein .lhre Liebe zu dem Franziskanermonch Ansgar bewirh.-t bei ihr eine etwas sch\\~erige Situation im Darf, als sie von illlll schw.mger wird, wld illr G eliebter iiberstiirLt das Kloster verlassen muE, um erneUl an die Aim seiner Ellern zu gemen, iirmliche Bauernslellte, deren hanes Leben weniger vom Krieg v.eir... als von extremer Not und Sparsamkeit. Der Tod ihres Kindes bei der Gebun bcwirkt bei Bmder Ansgar-nun wieder Bauer Ulrich-eine irulerlicbe Zerriiuung. Als er sich weigert, in eine.n ibn n.ichts angehenden Krieg einzurucken und desenien, wird Elsa als nachste Verw.lIldte verhaftet lind in ein Kon:zemrationslager gesch.ickt. Der Stern der politischen lmd niclll rassischen Vemrechelin vermag es niehl, ihren Alltag im KZ zu erleichtern, aber der Gedanke, durcll illre grausame Haft ihrem Geliebten das Leben zu erhalten, indem sie ihn vor dem Krieg sChUtZl, gibt illr die Kraft ZUlli Uberleben. Das tr.H1rige Erw.lchen erfolgt bei K riegsende, als ihr selbstlQses Opfer fUr sic selbst als deutlich ungesch:itzt erweist. Olme Dank verli&. ULich sic, um sich emeut demK losterleben zu widmen.ln der Hoffnung, illIen Geliebten irgendwann mal zurUckzugewinnen, el1lschlieBt sich Elsa dazu, auf ihn zu \varten-und waIter erfalglos illr Leben lang. Anhand des Unglucks dieser beiden FI'"dUen wird die Rolle der \\eiblichen Bevolkerung zu Kriegszeiten latent. Als wiclnige okonomische Stiitzen wissen sie han zu arbeilen und das Daheimgebliebene zu schi.itzen, wahrend ihre .Minner, fern der Heimat, um das Uberleben ringen. Eine fast pathetlsche Figur wird im Roman U1rich-Ansgars Muner, cine ake, frorrune Bauerin, die liber die Ennauschung, die illr aiteslcr Sohn dacsteUl, den Tod ihres Ehemannes, jungsten Sohnes und Enkels, die Verhaftung 144 FO::1tS a1 Germall Studies ihrer ge1iebten Schwiegenochter und die Beschlagnahmung ihres Hofes, clem sie ihr ganzes Leben gewidmet hat, hin't\oegzugehcn ~-eill., und uberlebt, indem sie zu renen versucht, was noch zu renen ist. Diese in der Liter-nur vernachlassigten, leidenden Figuren, \'\.-erden bei Helene Floss besonclers hervorgehoben, luneine andere VlSiondes Krieges zu zeigen. Oabei VJerden die Figuren schlicht, sparlich, fast f1uchtig beschrieben, urn ihre im ielZthin nur schein bare bescheidene Wichtigkeit Un \Xleltgeschehen hervorzuheben. Die Trostlosigkeit des Krieges und seine verheerende Falgen bis in die heutige Zeit vermittelt das bittere Leben der Z\"ei einsamen Allen, die nUf ihre Schninbogen und Briefe besitzen, und deren Leben ansonSlcn leer gewesen zu sein scheim. So bleibt der letzte Eindruck des Romans bedriickelld-und iiberzeugt gleichzeitig von def Nutz.los igkeit des K lieges, von den "Gro&n" emsehieden, lUld von den "Kleinen," vor aUem der Jugend und den Frauen, .1.usgetragen. Helene Floss, 1954 in Brixen, Si.idtirol geboren, kenm die Atmosphare, die sie in ihrem Roman besehreibt, hautnah. Bekanm geworden voraUemdurch ihren Publikurm- und Kritikserfolg Diirre}ahre, 1998 im Ha},non Verldg veroffentlicht, wo sie das ebenso ergreifende Sch.icksal einer Magersiichtigen aus eigener Perspektive ertihlt, 1,\'echseh Helene Floss in Sdm1l1biYjpl nurscheinbar ihrerzahleruches Feld. In ihrem Blickpunl..1. stehen nach 9.;e ,·orungli.ickli.che Schicksale der F'-.lU-von heute, oder von gestern_ SJUl Herre Umwsubd de Seu1b. FRANZOBEL Scab. Santa oder ja;ejim li7zffLn/x"h"" Hdxpunkl. \XIiene Zsolnay, 2000. 394 S. DM 39,80. In seinem am 11 . Olctober 1999 erschienenen Anikel im Spieg!1weist Volker Hage auf die neue Generation von jungen deutschen SchriflSlellern wld SchriftsteUerinnen hin, "die lustvoU erzahlt" (244). l\1it diesen Wonen hane I-bge ebenso den 3-1-jahrigen in VOckJ.abruck/ Oberosterreieh geborenen und in Wien !ebenden Amoren Franwbel alias Stefan Grieb! FootS CfI Genllall 511tdies Volurnt: 8 (2001) Book Revie","S 1-15 beschreiben kOnnen. Ahnlich wie die jungen deutschen AUlOren und AUlorinnen nimmt auch Franzobel bei der teil9tlt.ise pomographisch anmutenden Sprache kein Blan vor den Mund und beschreibt in ~e~em neuesten Roman SGlM SantLt o:Ier }ae{ue It'lznz,iud~ HilX!puriu mIL eiller unvergleichlichen Graphik die Ereignisse sein~r Ertihlung, die mit einem Mord in der Cisterreichischen HauplStadt begmnt und auf den Stufen cler Scala Santa, der Hciligen Stiege, auf cler einst Jesus zu Pilatl.lS gefiihn \\Qrden sein soli, in Rom endet. 1m Gegensalz ZlI den deulSchen AUlOren und AulOrinnen, die in den vergangenen Jahren mit ihren Erstlingswerkcn Aufmerksamkeit erreglen, gehon der 1995 mit dem Ingrid-Bachmann­ Preis ausgezeichnete Autor jedoch mil seinen Werken, die sich VOI~l Ro­ nun iiber die Satire bis hin ZU!11 Theaterstuck ers trecken, zu den etablienen zeitgenossischen Autorcn in Osterreieh. . . Doeh worum gelu es in diesem neuestell \Xhk cles Osterre,clusch~n Sprdchgellies? Eigemlich um alles, denn der Autor Hisst nahezu kem skandallr.lchtioes Thema unberlihrt- Sexualidit, GeW".lll, Ehebruch, MissbwlCh "o~ M1nde~ahrigen, Inzest, Prostitution, Sunde, Kirchel1.krltik, Korruption und Mord. 1m Zemrum dieser Mannigfaltigkeit von 111emen stein die Hmdluno um die Famihe Wl.IrLnbaeher, die Eltem Hugo und Anna und die Kintlder Pepi, Fnllz und Lorenz., mitsamt illrcr sl.. • .Irrilen \Xliener Ndchba~chaft. Fiir Zanbesaitete ist Fr.mz.obels SChreib .... oeise flKht z.u empfehlen, schilden cler Autor doch in graphischer ENlktheit wie der Familienvdler WurLnbaeher seine Frau ZlI Beginn des Romans .lIs Sexualobjekt benlltzt, diese ira Affel.. .. lotet, die Leiche scil:indet wld sich ihrer entledigt, indem er sie in Stiicke zerkiemen durch einen Fieischwolf dreht und in cler Toilette henmterspiilt. Dureh em F OlO auf die in Rom lebende Laura Corneui ullfmerksam geworden, begibt er sieh, faszlnien von ihr auf ihre Suche nach Rom und lam seine Kinder mUlterseelenallein auf eU;em Kinderfest zuriick, die am Ende des Roouns "noch inuner ihrem Wa n en ausgesetzt" WJren (J93). Um die VerhaitIJisse ZlI ko01pliz.ieren, ftihlte sich AlUla illrerseilS zu illJen Lebzeilen zu ihrem Cousin Roland Leander Fleck, dem uneheliehen Sohn von Harrer Hutwelker, hingerogen, der wiederum Liebhaber Laur.l Corneuis, der Frau seines Geschaftsfreundes Adrian Zwack, ist. Pepi WurLllbacher, in dercn DJrstcllung Fran20bel die 1906 erschienenen Memoiren der Wiener Dime Josefine Mutzenbacher verarbeitete und die, wie in dem Bueh vorausgedemet wird, ebenfalls :tis Prostituiene endct, zu Reiehtum kon1l11t und in iluer Einsamkeil aus R.tche 146 Focus Oil Germa1l Studies ihre gesamte Familie ausloschen will, macht derweil- wie auch ihr Bruder Franz- ihre erslen eigenen sexuellen Erlahrungen mil clem Lehrling Zdenko Faulhaber some Fe rdl HasentGd. Neben cler Handlung urn die Familie %nnbacher prasentien Franzobel den Lesenden allerdings noc.h eine VieUalt von teils grotesken Charah.1:eren und Handlungsstrangen, die inuner wieder durch den Erzahlkommentar Papsl Pius' und cler anderen Saulenheiligen cl er Sau.lenhalle cler Scala Santa umerbrochen werden. Trot2 def unzahligen Olaraktere und einer anfanglich schein bar feWenden Verbindung spiom cler Autor die einzelnen Faden zu einem groGen Ganzen zusammen und deck! die zwischenmenschlichen Beziehungen cler einzelnen Figuren auf. Er beendet den Roma n mit cler hereits Z li Beg ion an ge kundigten Katastrophe in Rom Verbunden werden einerseits die Einzelhandilingen umden geschledmumgew.lIldeken pfarrer Hutwelker und ihremlseinem Wunsch, d ie erSle Papstin zu werden. Um die Entdeckung cl er Geschlechtsumwandlung zu ve rmeiden, die sieler in einer Beichle gestanden hane, muss selbige/r dem Bischof Finocei Mmistranten zv.--ecks sexuellem "Missbrauehs in die eigens daflir angemielete Wolmung lidem . Andererseits ist Florian ZiegelbOck von Bedeutung, vor dessen FOlogeschaft cler Mord an .A.rnasal Acs al geschiehL Auf seine LOSWlg konz.entriert sieil cler Kommisa r SiXlUS Ponstigl-Ribisl, lIntersli.itZt durch seine Kollegen Gundula Krumpllllld Karol KnechtL Ihm wird ebenfalls der Mord an Anna, der Tochter der Ludovica J-llsemi.itl, iibenmgen. Bis nach Rom fUhren ihn die Untersuchwlgen, wo er auf den Swfen der Scala Santa den Marder der Anna J-lasenti.icl verhaften kann Desweiteren treffen etliche Olarah1:ere beim Fe isten Fridolin aufeinander. dem Betreiber emes Pornoladens. in dessen Hinrer"immer die beiden polnisehen Prostituierten Beuina lllld Manina arbeiten und deren Dieoste sich Kommissar Ponstigl~ Ribisl zu Nutzen machL Nach dem Mono "AIle \X'ege fiihren nadl Rom'· enden nahezu aile Olamktere am Ende des Romans in Rom, die meisten von ihnen durch eine organisien e Reise in die Heilige Stadt, \1.Q sie auf die Karastrophe zusteuem. Die Vielschichtigkeit des Romans, insbesondere die stauliehe Anzahl an Personen, stellt den Lesenden vo r die Wahl , diesen Roman als ein Meisterwerk und ausgesprochenen Sprachge nuss zu \\-'t!rten, in v,.·elchem jedes Detail von Bedeurung sein bun, oder es als die unmoralische, beinahe apokalyptische Kreation eines Pessimis ren anzusehen, der den Lesenden durch die Verwieklung del' Themen und Figllfen i.iberw-alrigt lind anwidert , so dass Book Reviews 147 del' Lesende res ign.iert das Buch beiseire legt. \XFie immer man stch enrscheidet, eme Figurenko nstell::nion im Anhang ware sicherlich von Vo rte il gewesen, urn die Zusammenhange in einem klareren Licht erscheinen zu lassen und den Lesenden durch das \XFirrwarrder Charaktere zu fiih ren. \Xlie der Autor in einem Imerview mit der Sonntagszeituog zugibt, hat er selbst .,groBOachige Skizzen angefenigt, Soziogramrne lind solches Zeug:' Insbesondere ::ihnliche Namen wie Gudrun/ Gundula und KorberVKnechd kOnnen leicht zu Ve!"WechsekUlgen fiih ren, aber vielleicht war gerade das die Absicht des Amors- Verwirrunge.n zu schaffen, das heiRl die Gesellsehaft als eme verwirne, amoralische und ziellose \X'elt darzustellen. Spricht dieser Roman thematisch nicht unbedingt jeden wenden an, besteht kein Zweifel an der spraehlich qualiraliven SuperiOrit::i1 des Erzahlten. Her war ein MeiSler cler Formulierung w1d Wonsehopfung am Werk. Zur letzteren zahlen "Himhee rdenken" (175) und "Ma)Unnaisesonne'" (197) sawie die gesarnte \XflSsenschaft cler "Popologie'· (178·180). Diese und die zahlreiehen Bilder und Metaphern himerl.men im Lesenden einen bleibenden Eindruek. Metaphern und Bilder finden sich insbesondere in Bezug auf die se:\l.lellen T riebe und das kindlich~ n,l'!Ve Denken von Pepi. A1s der Lehrling Zdenko sie Un Sandkasten urinierend i.iberra scht , wird se in Masturbieren von de r unerfahrenen Pep i folgenderrruBen besehrieben: ,,[S]eine Hand srreicheite, ja rieb beinrt he wie besessen, als gahe es, einem Tiersehiitzer zu imponieren [ ... ] Dl bei gefiel dem Tier das niclll emmal, es ekelte sieh und Spuh"le" (22). Die Spermien, das heiBl die "graBen, 'Q.'eifien Tropfen" erinnern Pepi z-udem an "frisehe Zirronenglasur, an Weihnaehten und Lebh"1Jchen" (22). rhr sexuelle UnerfahreruleiI und Naivital werden ebenso v.~e in der zitienen Passage allch an anderer Stelle du rch Alltagliches umschrieben, urn das ihr Unbekannte zu erfassen. Beim GeschJednsverkehr mit FercH vergleiclll sie ihre Pos ition mit del" einer Katze, denn sie f-jjhlt sieh "wie ein Katzensehwanz, der in eine Krebsschere geralen ist" (47). Bcispiele dieser An lieBen sieh noch an anderer Slelle finden. Neben den sprachliehen Bildem stieht var aHem aueh die Genauigkeit der Beschreibwlg her-a us. Sehr delailliert ertiutert Fr.mzobel die verschiedenen Sehritte Wurznbachers, die er zur Beseitigung semel' Frau und ihrer Leichensehandung umerninmlt. Auch die Vergev.raltigung Gud runs und ihre Gefi.ihle sind in de m Tagebucheinl rag akribiseh feslgehallen. Oem Leser wird daclurch kein Spielraum fiu Famasie gelassen 148 Fro6 aJ German Studies und die ~bscheulichkeit des Verbrechens auf groteske Weise dargestellt. Durch diese Minel und den tron cler ansloBigen Thematik kraftvoUen und mitreiBenden Stil, der ins GrOleske geht. hebt sich dieses Werk von anderen ab und l:isst die Kritik an den ausufernden Verwicklungen und unmoralischen Exzessen in den Himergrund [reten. Sal:vr Ster.enz U"umry if A Ii:elta ANKE GLEBER. 77)(,;1" if Takirfia Walk: FIa"";" Litemlllre, alld Fl1min WeinnrOdeure Princeton: Princeton UP, 1999. 283 pp.lJSD 20.00. In nxAnq Takuga H'1llk, Anke Gleher sets Out to examine revise and c:.:pand the figure of the meditative urban stroller, the flme~r. wh~ be­ cJ.~ emblen'L.u ic of a~ imponam new mooe of perception and represen­ l.lllon from the early runeteemh century to the \X4!unar period. In seeking to reconstruct the "lost history' of the flaneur, especially of what she 1cr:ns "female flanerie," Glcber's study closely follows the meandering philosopher, c~llectOr, and writer, tracing his, and significantly. also l:er steps as stages 1ll an evolving visual epistemology of modernity. . For Gle~r, this me~ an understanding of culture gained through a reading ~f. public spaces, Its te.x"tS consisting o f streets, shop windows, and ad~ertlsmg posters. Such an approach to modernity is perhaps best kn?:m Ul the ~rks of Olarles Baudelaire and Walter Benjamin, whose wnnngs on Berlin and Paris exemplify the anemion to visual detail and I he belief in its aes thetic and illuminating potential that is characle zistic of the "walking ph)'Siologist." The historyof the flaneur is, hO\vcver, much older, and a~ G~eber points o~t, is rooted in a cultural comext shaped by rapid urbaruzatlon, technological advances, and an intensification of commod­ irycapitalism. Gling Kleist , E.T.A I-loffmann, and Bom e among others AS precursors, she attempts to rerustOOze the fbneur and m.ake the case for flanerie as cultural phenomenon rather than individual aesthetic. She employs the nearly clinical term "scopophilia" to describe the FoolS al Genna'l Studies Volume 8 (2001) Book Reviews 149 modem cultural preoccupation witllthe visual, a stance characterized bya vast openness to the sensory impressions of the cit)! 1n paying such acme anemion to images. Gleber argues, the flaneur prefigures and is likewise constituted by the gaze of the came ra And the perspective of the lnotion picture. At the same time, she points Out, the fl.meur is not to be thought of in purely technologic:!l terlllS. Flanerie is a distanced, but not a lne­ ch.l.Ilical. recording of scenes. Ins tead, she writes, it is an imoxicating and intenselypersonalmooe, with the sight of a scrap of paper blowing through the streets o r the glow of a neon sign sparking memories, new constella· tions o f ideas, and philosophical insight. Tn shon, a Ines lllelized f1aneurstudying a shop window is as much an enthralled observer o f the signs of modernity as an inconveniel1l ob· stacle on its busy sidewalks. As Gleber writes: "The atmosphere of mo­ dernit y that gives rise to the fbneur conleS into being by a paradox of imerrehned, yet comrddictoryphenomena: the verya nonymity and frantic rationality of the city produces one of its most subjective. decidedly slow, and ami· funCtional perspectives" (28). In exploring this pAradox, Gleber paints the f1aneur as a figure of resi!>tance, the lingerulg brov.-ser who embodies fascination as much as refusaL Gleber's closest te:>..1.1.lJ l analysis of fianerie literJture is her read· Ulg of the work of Fr,Ul2 Hessel. Hessel is a \'\'eimar em Author whose notoriety has paled in comparison to those of IUs BerlIn friends, among them Walter Benjamin. Yet it is from Hessel, Gleber writes. that BenjJmin arrived at the figure of the f1aneur 1ll his own better knOV.1I works, most notably {).7.5 PassQg?lTIlDk. Her careful readings of Hessel's Sp:lZ/ere11 Ul Ber· 1m and its central essay" Von der schwierigen Kunst, Spaz.icren z.u gehen" aptly illustrate Hessel's love of cit ies and his expansion of the mode of flanerie to e:>..-plore them Her anal)~is also seems to reveal d possible ex­ planation for the relative obscurity of Hessel's works: his flaneur p la)€d much more of an aest het iciziug fllllclion than the more clitical and aUe­ gorical role of the figure in Benjmlln or Siegfried Kracauer's writings. Briefly it seems as if Gleber tOO fOllis intO more of .l celebratory ,han criucal mode in discussing the flaneur's freedom, curiosity, and nearly heroic resistance to capitalist commodification. The tables turn in tl1e finJI section of the book, however, when she turns to figures of the female n.meur, COntrAsting lhe leisurely idleness of the male f1aneur with the con­ st raints placed on his ferrule coumerpan . l lere G leber writes that f!anene as a res istant practice is also a "'uniquely gendered pldclice" iIlmOSt exclu- 150 FrolS al Genna" Studies sively limited to the male gaze (171). In examining female nanene she examines not only what it means to see the citybul also to be seen by it. As Gleber writes: \Xlhile the ~mm stroller is as evidemlypresent on metropolitan pavements as her male contemporaries, she requires an additional measure of ph}-sical and ps yciloJogical confidence: the courAge to step OUt, to face the threat of assault or being taken as a prosti­ nIle, in shan to endure tbe risk of being transfonned il1lo an objeC!. (176) Tn 'works by I rmgard Keun .md Ol.ulone Wolff, Gleber points to Wd)'S in which women characters are defined by men's e}'!s but refuse to close their mvn in response. For them, flanerie is resistance b\ll also the libera­ lion of seU-defmition. The book ends after Gleber's examination of Weimar 'women writers v..ilhoUl a formal conclusion, disappointing in that it would have offered an interesting return to key thematic issues through the lens of gender. As it is, the reader has joined the fbneur's 5troU through \X'eUnar modernil}' .lUd arrived al what she argues to be his gendered blindspot. Her arguments: are convincing, but one v.'Onders v.~lythis is the end of the w.1k and nOt the beginning. A closer examination of gender throughout would ha\"e lldded II fTK)re critical dlIl1el1Sion to the nule observers she credits with enormous insight early on, bUllhen later reveals to have rather selective vision. £ ric jaminiki Unl'l/:lHcyq lVISca.5zn.MadzsO'1 Book Reviev..~ 151 DURS GRONBEIN. Nad"1e,, Satm>1 Frankfurt a.M., Suhrlump, 1999.229 pp. DM 36.00. At the end of tltis demanding volume of poetry; a person talks with ,I demon at the half-tinr of life, and caustically gives thanks for"Hyaunthen, Verr.H (schw~r zu andern) / Und den Lm.:us von Verben, aus denen nichts wird'" (216). This seems slanderous for a poet whose currency is precisel}' lhe lu..-....ury of using verbs and VoIOrdS to detJillife; but [his line reinforces Griinbein's view of life as a continuum in which humans plJ.Y minor roles. Using a critical and dist.nced lone in the 1l1.1jOrity of the Illore than rift)' lengthy poems, Gtiinbein densely 1.1}'Crs his work with allus ions ranging from Greek m}tholog); Oll'l:'l and Ronuns to BJudelJire Jnd Poe. Stu­ dents of Gmmrl1stzk may fInd themselves lookiilg up 11l.U1}'references during an encowlIer with Griinbein's pages. But rema rkably he combines his sophisticated,allus ion-ricb language with a discrimin.lIoryea r fon ile words' rh}thm and cadence, thus eJ.Sing a redder into grdppling with the more difficult passages. Throughout the volume Gtiinbein engages the broad themes of life J.nd death, while he also eOlplo}'.i vJ.l)ing poetic forms, like the sonnet or d s[ricttrochaic meter, successfullydispldying the depth of his skills. As the title of his sonnet series, "NJ.chblider. Sonetle," implies, he pro\-es he kno'WS the SbakespeareJIl sonnet form, three quatrains of alternating rh}nle followed bya couplet; but mosLiy he emplo)s the luli.Ul sonnet form and vdries the sestet's, the iJ.Sl si.x hnes', rhyme while keeping an alternating rhyme in the beginning ocuve. In tllls series of SOllnets, Griinbein ad­ dresses human mon.llit}~ as in the firs t ti.ne~ fromlhe SOlUlel "VlI " sho\\~ Und class es Tod nidll gibt, nur TOle ... endli..:h W,II Auch diese Einsidu nah. An einer StraBenecke, Nach einem Unfdll iriebhaft elicht die Schduluslschar, \Xlar es sehr still \.1m cine braune Decke (191). Here Gtiinbein also dis pld}'S his skill with veiled social commemarywithil1 his passages. In the IJ.st si.x l.i.nes of the It.uan sonnets, Gtiinbein poses rhetorical quest ions as to hUl1lJlls' understJndillg of their existence, con­ trasting this to the continuance of time_ At the end of sonnet "VIl," T~ leaves the scene of lhe crime, allilollgb lhe onlookers do 110t not ice: "Sie merh-ten ktum, / Verfiihn von den Si.renen, daB die Zeit / Als eI""Ste FootS ()I German SlIldies Volume 8 (200 I) 152 FootS en German Studies Fahrerfluclll beging" {191}. The last lines of the Sonnet "XI"provide a sunmuryof humankind's brevity and irs limits: Zu fiirclnen, nein, 2U wissen, daB der letzte Blick, die Frage, Niclll auf die Sterne, J.uf Geriimpd faUt, ertragt man das? Nachbilder smd es. NetzhaUlskizze.n, die man lesen lernt, Ole Augen schlieGend, wenn der Tag sich legt wie aUe Tage. (194) \X'ithin his commitmelll to this structured form of the sonnet, Griinbein upholds the mastery of language in his use of detail, such as Netzhautsktzzen- ~ketches on the retina- and which hJ.s won the pr.ilse of so man}; including his recemlydeceased rremor, dr.un.atist Heiner t-. li.iller. TIle usUJ.liydistant voice in these ~ms dealing with the ongoing themes of life and death reveals an mtimacyin the [v.Q poems that react to Heiner MUller's death a,muary 1995), "'Heiner MUller, auf darm ... Drei Blauer" and "Brief an den [oten Didner." t"9."O elegies In the sense that they mourn MUller's P,lSSing. ~faking form equal content, Griinbein, in the first ~m of the Drei Blatter, separJ.tes the laSt sentence from the previolls stanzas; thus the line's {ornul status is that of an "Orph'lll"­ Stnlcturallyalone, while the content reflects the same: "Berlin imDez.ember ohne ihn, das Gefuhl I Von Verwaistsein" (58). OrphJ.ned in the wimer season when \vords are a source of heat, Griinbein remembers the fire of MUller's technique: "Oein Fluch, I Die Spracbgewalt, die .tuf den Spredler zuriickfallt, I \~ilsie die Angst zememien und dem Too IEmgegenkonunl \'on der .mderen Seire" (61). Griinbein portra}'S this cemented fe.lr as :1 byproduct of MUller's work and places it into the context of the Germ.m Democr.nic Republic, where the files of the secret police ser.·e as .t son of marri.lge cenificate- albeit of the most unequal union : "und das lelzte WOrt I I-Uben die Alaen. \'(~ iiberdauert die Staaten? I Der Trauschein von Opfer und Tater" (62). \'(/jth a twist on the themes of life and death, Griinbein ponders insomniacs' thoughts and provides four long poems in the second,tide­ bearing section, "N.lch den Satiren." In his notes, Griinbein helpfully explains IiUs tilie: according to Karl Kerellyi, "'satura" W,lS a word the R0- mans in\'ented for a new genre, the Gesargder Saaen- or song of the well­ fed (223). After the songs '9.'ere sung at the Roman table and aU the food eaten, it W.lS time for digestion; and it was also the time for those demons who were mocked during the me,t\ [Q rerum, thus causing reasons fo r Book Reviews l 53 sleeplessness ill these well-fed people. Imeresting:y, Griin~in .Ilso n~n­ lions that Roll1J.ns suffered death moSt often dunng the rught followmg sllch brge and lengthy mealtimes; in folklore, these demons were con­ nected to these deaths and Griinbein extends these demons' range through­ out these four poems. In the second poem in this series, '9.~dl a switch of lime frame, the poet spe.aks to Orestes who can't sleep due to \'isions of his revenged father's ghost, his dead ffiOtherand revengeful siSler, Electrd: "' I lundert mal tOt im Traum, [ ... J Hast du gedacht. du entgehst dem. Ore::'l?" (102). . The NadulenSallMlseries begins "9.ith an epigr.un fromJuvenalis, "In der Stadl1.ll schbfen kostet viel Geld, I Davon riih ren aile Ubel her" (93). -nlC city is the backdrop for this lin-e of sleeplessness, and Griinbell1'~ contemporary City scenes are griU)' examples of why it's hJ.rd to sleep there: "Ein Kopfschu~1 Macht aus dem Ladentisch einen bliitenschweren All'lr" (95). Indifference embodies one of the dailycnmes of the .UlOIl)" mollS city~ "Uberfahren wird einer, weil er den Parkp!UI}~/denJ.!tym \\1ont1l~ Lilemtlucan:i A 11.. New York Stale U of New York I, 1')97. KATHARlNA HACKER. DerBademisli!r. Frankfu", a.NL Suhdump, 2000. 207 S. DM 36,00. . Von einem Buch welches aus dem Gedankenmonolog eines Bademcisters besteht, m.J.g ein' Te J des Lesepublikums cine ~ch~ng von Liebe, Se~, Leid und Abenteuer naeh dem Vorbild der amerik.uuschen Fernsehsene i3aywlldJ erw,mell. Nun 1St aber Hugo, die Titelfigur auS K.ll~1J.rin und Judaistik suldlene, l~.t flU.r ihrem ersten Ron1;ln Der Badenl?isrer em Werk gelungen, dessen Erzah1s{il anfangs moncton und repetitiv v.irkt., demdufmerksamen Leser nach kurzem jedoch einen IIlteressamen Blick in den VerfJ.ssungszustand des Erziihlers ermaghcht und Hugos Probleme nUl clem Umbruch in seinem Lebenspiiren lasst. Die von Hugo berejigesreillen lnformatiollen zu denentscheidenden Erlebnissen in seinem Leben werden nicht chronologiseh und in einem Stuck dJrgelegt, sondern miissen aus einzelnen, verstreuten Bausteinen zusanunengeselZt v.rerden. Ddzwischen Slreut Hacker Beriehte, in welchen Hugo von cler zunehmenden Ausgrenzung ?urch seine Kollegen, den Wochen nach der SchlieBlIng des BJ.des lind semem Irren durch die ihm f remdgewordelle Stadt erziihlI. Zusammen mit bestandig wiederholten I-linweisen auf die gelreue Erfi..ilhmg Book Revie~ 159 seiner beruflichen Pflichten in einem Beruf, den er selbst nidll ergreifen wolhe, emsteht das Bild eines Mensehen, der nach dem Veriusl seines bisherigen Lebensminelpunktes sidl selbst aufgegeben hat lmd mm ebenso wie seine Umgebung dem Verfall preisgegebell lsI. Markus \\'/ttSt Unru:"''Yif Alh= MANFRED IlAUSMANN. KiezrELui-czIIAnl!nka. Euzjlof>"(?T"A/al1Jl sch!e"&.."It durch die Sltull(!t1 Frankfun a.lvl.: Fischer, 1000. 255 S. OM 19,90. Der BlInunel durch die neue \\kIt imJahre 1929 beginnt mit den lemen Tagen einerSchiffspassage nach New York. Zunachst ~~rd d.lsl...eben cines Reiscndcn an Bord beschrieben- dabe.i bielbt dem Leser der NJIl"\e des ,jlUlgen tvl.mnes' tulbekannL Aus dersicherell Perspelaive des En.(e-Kbsse­ PassJ.gie rs begul3ehtet dieser die Situation der Ausw.md~rer in der Ori.nen K lasse. Anders als diese Gruppe wird der junge Mann sic h nur voriibergehend in den USA aufhalten und IlUlUlll daher auf seinen Strcifziigen die I lJ.\tung eines unbeteiliglen BeobJ.chters ein. Bestimmte Vorstellungen vom Land der unbegrenzten Moglichkeilcn h.lI er illl Hmdgepack: ,,~rika [ ... 1, v.o aUe Leule eiseme Ellbogen lind en.lkJJssige Gebisse IMben sollen!" (10). In New York angekonurcn folgen eillige Gro&l.ldtimpress ionen. Oer PrOl,lgolllsl erlebl ein il1m unbekanntes Tempo ut eUler yom Konsulll regienen Stoldt. Gl.mz und Glitter berduschen ihn, ein Gouesdienst in der ,Abyssi nian B:lpt ist OllLrch' erschreckl ihn e her. Seinen nicht der amerik.inischen Mode e nt spreehenden Hut tr:i gl e r ,Hd seinen Erkundungstouren .lIs bewuBtes Kennzeichen der Abgrcnzung. Die erstdunten Blicke. die er damj( auf sich lenia, weeken seinen TrOlZ. Er wird sich niclll der neueslen New Yorker t-olode anpassen. denn d.lI1ut wi.irde er einen Teil seiner Sondemellung aufgeben lind mogltcherv:eise se ine Einsle llung wechseln musse n. Gcrade d ie Pe rspeklive cines lInbeteiligten Aufknslehellden is t jedoch vOil Bedcunmg, da sie es dem FoolS CWI Genllall Studies Volume 8 (2001) 160 Focus a i German Studies jungen Mann erm5glicht, die neue Welt zu besuchen und zu beschreiben, ohne sich wirklich damit auseinanderzusetzen. Durch einen Schneesrurm in New York veranla&. tiber \\'eile re Reiseziele nachzudenken, emschlie& der Protagonist sieh, mil clem 2 ug nach Key \'('est und dann u'eiter oach Kuba loU fahren. Anschlie6end geht es iiber Midrni, Jacksonville, Cll.manooga, St. Louis und O licago w riick oach New York. Der Bummel eodel auf clem Passagiercl.a.mpfer, der den jungen 11.ann zuriick oach Deutschland bringen wird. Die verschiedenen Stationen d ieser Reise durch die neue Welt \\'erden in wlterschiedlicher Ausfiihrlichkeit dargestellt. 1m Vordergnmd slehen dabei Begegnungen mit Menschen und oieln {'t W A lOuristische Attraktionen: MI', Lundquist, ein kleiner Galliler in New York, def den lUlbedarften Tounsten fa lschlicherwelSe als vermeintlich leichtes Opfer ausw.ihlt; Mill Kelly, eine amerUu.nische Joumalistin in Hw.HUla, fur die der junge MaJUl ronumische Gefi.ihle em~~ckelt; und Hugo Tasch, ein deutscher AU5w,mderer, den er in einem Kino in S1. Louis trUft , wo Tasch dl5 Pl.u-z.anweiser arbeitet. Sprache und Sli} si.nd eigenwillig. Die Schilderungen des ,nlluoriaien Em hlers sind durchsetzt mit englischen Begriffen und Satz.en, eine sinngelTiiBe Obenragung ins Deutsche wird in den folgenden Sa:tl.en ha:uIio mitgeliefert. Lange und kurze Sat2e v"oechseln ab. Die Satze sind nidu imme~ vollstandig, neben fremdspr.lchlichen finden sich umgangsspr .. chliche \'{Iendungen. Bericht, Ged.mken des Erz.:ihlers, direkte und indirekte Rede gehen fliefiend ineinandcr tiber und konnen haufig erst auf den zweitcn Blick untersch.ieden 9.'eroen. Eine Reihe ,,'On Ausdriicken, die keines faUs als politiseh korrelu einzus tufen sind, wirken aufiem befremdlieh ,llIf die Leserlnnen des einundzw.mzigsten Jahrhundens. Der Vergleich der neuen mil der alten Well fiihn zunaehst Zll keinem Ergebnis: ,, In Europ,\ haben wir die urJ.lte Philosophie und die dunklen und si.i&n \'(lorte cler Diduer. Aber wir haben alleh dic Krankheit und das f-fuldbsinken. Amerika ist gedankenlos, Amel'ika ist , um es beinl richtigen N'l!l1Cn zu nennen, primiliv, aber es ist berauseht von Kr,lfl wld Jugend und Tatigkeit. \X!cm soll m.t1l den Vorzug gebe.n?'" (100) . Ocr Pro­ tagonist genie&. den A nrnam lt7ay cf Life, er kosrel die Unkomplizienheit Wld die Unbeschwenheit aus, und er lal!!. es sich in der Ged.Ulkenlosiokeit D 9.>uhJ ergehen. Am Ende seines Aufenthdlls spiin er heLm Ge(bnken an Europa jedoch .ein biflchen Liebe und Zinlichkeit" (146). Seine Re~e und sein Ve rh:iltnis zu AmerikJ. CaBl er sehlieBlich folgenderm.lfien Book Reviews 16 1 zusammen: .,Es VJar herrlich in Amenb, aber man muB do n geboren sein, sonsl hilt man es nlcht aus" (250). Aus dieser Perspekti\'e herJ.llS ist eine kritische Auseinanderselzung mit dem Neuen nicht erforJerlich. Der Pro­ tagonist ist lediglidl ein Urlauber, er .nOchle einen Eindnlck VO Il .d~m Land bekommen, gut unterhaltcn werden und Leislungen erhalten, die lhr Geld v"oc rt sind. Der Autor befand sich gcnau in der entgegengesetzten Situation. Von der Kamsd)(!11 Zel1Jmg beauhragt, einen R.eiseberieht z.u seh reiben und mit einem Scheck iiber ulisend Dollar fur die Reise allsgestattet, fuhlte er sieh wdhrscheuilich verpfliehtet, einen Reisebericlu w schreiben dcr sein Geld wen Wdr, d.h. dessen In.halt und Slit sich flirs FeuillClOn ei~neten . Dabei blieb wenig Rautn fii r eine problemoriemiene Auseinandersetwng mit del' Realitiil . O b diese r Aspelu :Ii ~ Erklarung allsreichl, sei dahingestellt- in jedem Fdll stellt er cine Moglichkeit d,lrzu vcrstchen, warum I-busmann , del' ill den Jahrcn 1928 und 1929 ersehiencnen PrOSdt\'crken Lal1pro1und S . .Jut [PI Humu einen Ich- Elzahler .IUS der Perspektive eines LandSlre1chers bel~cl\len la&, seinen Blickwin.kel in KlevE Llih ZII A nmka so auffallend veriinden . 1m f\nschluB an die Reise des AlllOrs erschiencn \'crschiedene Eindriicke und Episoden kapitelweise im Fcuillcton der }\f.bllSd)(!TI Zell1o~. I-LlUsmatms Verleger S. Fischer fa&e die einz.elnen Belt r.ige schheillich z.us.lmmenlilld foroene den Alltor .luf, ein Reisebuch dJr.lus z.u m.lchen. Der Veroffentlichung Un Jah re 1930 folgle funfuodz.W'.mrig J.lhre spatcr emezweite Auflage. 1m Vo",-'Ort der .t .... citcn AlIfbgc thenutisk:rt der Autor die Frage, ob Andenlllgen des Te)..'les notig oder siJUwoil seien, da dJ.s Amerika von heme rucht mehr dem Amerilu von d.J.n1.'1.ls emspreche. Er emseheidet sich gege.l1 eine Neubearbeilung und begriindet dies danut , daB die BClrachtLUlOs\\Ieise- namlich jugendliche Unlx:b.-iimmenheit- D . bedeutcnder als der Betrachlungsgegcnstand sei. Der \X/.mdel, del' slch am Belr.l chlUngsgegenstan.? in funfundzw.lIlzig Jahrcn voll.togen hal , rechtfenige somit keine Uber.lrbeitllng. Auch de .. im letzten J:ah r ersehiencne Text wurde lucbt veranden . Und ddS mil Recht. Obwabl die Perspektivc des u scrs s id1 hcme, 45 JJhrl! Ildch der z. .... e ilen Auflage, veranden hat, gibt nicht die DJ rstellung cines Amerika von datnals AnI.lB zur K ritik- im Gcgc nte il , es ge wahn interessante Einblicke in die Zeit, in de:r man diescs Land mit de .. EisenbalUl bereis le. Vielmehr ist es die: Betracluungs wcise des Erahlers, seine juge ndliche Unbekiimmertheit, die zuweil!! 11 ei ncn Eindruck vo n Oberftichlichkeit enlStehen b &. Die Einblieke in das und, in dem die 162 FoolS Cf'I Germall Slildies M6glichkeiten- zumindest fUr AuRenstehende- unbegrenzt erschienen, verbunden mit dereuropaischen Perspektive emschadigen jedoch dafiir­ wld zcigen nicht zuletzt wie beslandig europaische Vorstellungen und Vorurteile im Hinblick auf Amerika sind. A ,r/mt Hell.mmn O)IQSttlte Uniwsiry ALEXANDER H>\USSER Zeppelin/Franklult a.M., Fischer, 1998. 120 pp. DM 20.00. Zeppelin' is the title o f the new Erzdhiwf, by Alexander Hausser, the Ham­ burg-based author of the 1994 novelA/enury. Narrated in the first person, the text follows the tragic fasclllalion by the Silcher family of the majestic fl)ing machine from 19091O 1996. The narrator, a researcher working in the archives of the Zeppelin museum in Friedrichshafen, accidenully finds dues to the contributions made by his grandfather Robert Sileher in build­ ing pioneering airships. However, the narrator's interviews with Roben's colleague Karl reveal a darker side of the grandfather's personality, namely, Roben's fanatic obsession \ ... ith Zeppelins t1l.lt led him to abdndon his family and work aboard the Hin:lenhzng. TIlls eventually leads La his de,nh in the 1937 c("ash in America. \'Qhile retracing Roben's life through K arl's stories, the grandson simuhaneoLLsly sltlmbles upon repressed memories from his own childhood. In these remembrances, the father comes through as a dreamer whose chase of tbe elusive airship ends in futilit}: Trying to unravel the inextricable link between the Silcher family's fate and Friedrichshafen, the narrator iniliallyseerns unaffected by the connection. Ho.....-ever. by the end of the SlOry he also seems to have fallen prey to the lw·e of the Zeppelin, as the fmal words of the story mdicate: "Sdgen Sie Karl, daB ich verreise. Aber ich werde mich wieder bei ihm melden. Versprochen" (1 17). The connections between past and present and memory and real­ ityare a vital component of Hausser's writing. In his novel A[em::ny(1994), a young man who feels teniblyaged is forced byhis therapist to remember FoolS Ctl Germall Studies Volume 8 (2001) Book fu-views 163 the past. As in Zeppeim!, a reconstruction of the past is revealed .to be cathartic ~t fatal and leads to an enlightenment as well as a deeperung.of the 11litial my.;tery Hausser's new narrative has all the elements of a KnJ1~­ suspense, clues, red herrings, and alibis. TIle grandson become~ a dctec,­ t ive who solves the mystery of his grandfather'S death and Ius fathers catast rophic decline. Yet the solution to the mystery fails too.Her ~nyscnse of triumph: "Und es is! gleichgiiltig, ob eS stinlffit, was Karl nur bel unserem letzten Treffen iiber Robert sagte" (7). According to Hausser, the impulse for Zeppe1/J1J came from his fascination with wide-open spaces and with big cities like H'Imburg (H-iusser WaS born in Reutlingen). '"Es war immer der Wunsch da- raus, ralls" On­ terview). For his work, Hiusser researched extensively in ~ried~chsh~fen. talked to the "alten Zeppelinern." and was impressed bythelf heroiC J.cllleve­ ments. The airship Zeppelin becomes in his nJfnnivc an unmistakable symbol of freedom. of breaking out of parochial confines, ~nd of .1 pio­ neerino spirit that has been lost in the present. Researdung 111 the 1990s, the lu;,.nor is affected by his familys cOlmection lO the airship. However, for him, the fasc ination cannOt be translated into heroic deeds; lllstead, it must be relegated i.nto the sphere of storytelling, to the melancholy aCt of trying to recapture a lost past. Y~lD Jqjekar 0)10 SL'lle Uruu'1siry \'\'orks Gted Hassler, Alexander. Interview. Del£1Schl.l/rl Radii) 19 June \998. 164 FealS on Germa ll Studies WOLFGANG J-llLBfG. Das Pr",isonllm Frankfurt a.M. , Fischer, 2000.320 pp. DM 39.80. Since the 1980s, the E:m German writer WoUgang Hilbig has establisbed himself as one of the most irnponam contemporary German authors. Working in the high modernist tradition of Jo}'Ce and Kafka, his multi­ layered, semi-autobiographical lell.1$ e}'."plore the destructive effects of authoritarianism on the working-class masses in the GDR Das Pral.lsonlt1Jl nurks a rurning poim in his career. In this, his third full-length novel, v..-e see a funher re-writing of the life of C, the prougorust found in many of Hilbig's stories. Hol'.'ever, unlike earlier texts, Dos PrmisoruOll is largely set in the \'(lest and deals with the e).~rience of a GDR writer in exile coming to terms with living in the Federal Republic prior to unification. C is a working-class man who, having struggled in vain to gain recognition as a writer in the East, is finally given a visa to travel to the \X'es[ fora }~ar in the mid 1980s. In the \'(lest, he at last bas the opponunity of living as a full-time writer, J life for which he has al"'\Vays craved. How­ ever, he finds it impossible to senle intO \X'estern society and instead be­ gins to suffe r from a profound crisis o f identity He descends into a haze of alcohol abuse and loses the ability to write. The freedom tllJt he: longed for whilst in Ihe Easl has brought "~Ih it a loss of all familiar poims of orient.niol1, leaving him ,vith .I dislUrbing sense o f homelessness: Die Freiheit hier v,:ar nichts fUr ihn, derul er war viel freier. Er W.al uni rei ,lufgnmd einer vie! gro&ren Freiheit, denn ergehorte weder auf diese Seite der \,('ell, auf der man hier bg und flanierte, Hoeh auf jene andere Seile, auf der man sich danam sehnte. hier zu liegen [ ... ]. (16) Having been given a multi-entrance visa, C anempts to overcome his sense of crisis by regular trips back to the East. As a result, the image of train travel is centralia the novel's construction. The train allows C to comnlU­ n.icate ber-ween the Eastern and the Western aspects of his life. However, rather than helping him to recover, his constant travelling highlights still further the debilitating liminalityof his situation. His entire life is, as the tide of the novel suggests, prrYUSQl1sdJ. As the expiry date of his visa ap­ proaches C's sense of crisis be<:omes acute. He decides to remain in the \,('est, btl( having made this decision he proceeds almost to destroy him­ self with alcohol. He withdraws fro m the world, believmg lhat, now the Focus en Germall 5111dies Volume 8 (2001) Book Reviews 165 CDR is beyond his reach, all hope of finding an authentic sense o f iden­ tilY is 10St lO him. . Although set in the 1980s, the novel clearly addresses ':"e ex~n­ ence of illany East Gerrnans, and panicularly East Gernun wnters, slllce unification. C's \\'Ie1rieeffectivelytakes place three years before lht! evems of 1989. Rather than finding the Promised Land in the Federal Republic, his life there makes him more aware of the influence of the East on his sense of self and of differences in the experience o f Easterners and \'Vest­ erners. As HJbig himself suggests in his "Kamenzer Rede": Vielleiclll wird uns eines Tages die Erkenntnis kOl11men, d.d'~ erst jener Beitrin wr Bunde.srepublik uns zu den DDR-Biirgern hJt werden lassen, die wir nie gewesen sind, jedenfall nicht solange wir daw gezungen waren. ("Rede" 16) llle fact that l--lilbig is reflecting pOSt- IYlf'lrie East German sensib~ti.es becomes oven in the novel's vicious anack on what C sees as the vapldllY of \'('Cstern consumer culture, in whieh everything, including the hunl.lll bod), is for s.lie. This is, of course, a common critic ism of th~ F~der.\ 1 Republic by citizens of the former GDR rndeed, the controlling ulf1u­ ence of consume lisll1 on the ind ividual is cOl1stmcted in C's mind as ,\ new form of fJscism, "SlxpplI?g nad)t jrei.," as he provocatively suggests (263, empll.lsis in original). \'qbat is panicularly lamentable fO.f C is Ih~t literJtu re Ius no value in the \XI€-St, and although he has nowg.amed pubhc recognition as a writer, he fears that he has become nothing more th.an ,I CO" i.n Ihe Western literary media machine. I;> AJlhough l-li1big is highly critical of capitJIism, t~e. nowl never nlOs Ihe risk of being tarred ,,~th the brush of a rom:muClsed form of Qt..l1gze. Hilbig can never be accused of looking bdck .It the '?I?R th.roug~l rose-tulled spectacles. As C slips funher and funher into hIS Idemuyen­ sis he contemplates his old life in the East, anempting to pinpoint the impulse lhat caused him lO Stan wtiling. In so doing the: narrative bears witness to the destructive nalUre of life in the GDR, since he is, he claims "ein l)pische.s Produkt der DDR, physisch und pS)l.:hisch" (26.9). ~t ~­ comes clear that his inJbiliry 1O find fixed points of reference III his life actually began in the East, due in pan to the naLUre of the StJte's self­ constnLction .IS all OOO·~trfHfsti!sdJ..ft "bis in seine unbewufllen R.eaktionen hinein war er CUl Ergebnis des Provisoriullls, das sich DDR llannte [ ... ] 166 FootS on German Studies und damit kOJU1tt man leben!" (269). His life ,vas no happier in the East: "Aber er war doch allch in den Stadten des Osrens olme Wtrklichkeit gewesen, in Leipzig, Dresden, Ost-Berlin [ .. .]" (36). For C, the GDR was a nightmare world which would never allow him to give voice lO Ius aelUal experience as a working-class man. It would never recognise him as "real," consequently forcing him to find a new sense of self in the 'world of literarure. Since he was never allowed to gain recognition as a wl~ter he could never lead what he saw as an authentic life. To a degree, C's relationship to the GDR seems to echo Hans­ Joachim Man's controversial analysis in Der GejiJJlSSUlU' E in Ps;dxgramm der DDR (1990). Hilbig, like Maaz, constructs the inhabitants of the GDR as psychologically damaged due to the oppressive socialisation processes they undergo. However, the novel is more subrle in its readincr of life in o the East than !v1aaz's somewhat overstated account. C's damaged psyche becomes a syrnbol forthe destructive nature of German history as a whole. His individual Ge;dJzdJte becomes a meton)'ln for the on-""OillO sell-de-o b' SlnlClive GesdWJ!E of German history, a GfSdJi£hle which has not ended with the conclusion of the Cold \X'ar and the victory of capitalism over lvLuxism-Leninisrn Although not officially recognised as a SdJrijtsrdler, at least in the East he could write, and in so doing attempt to imbue his world with a new meaning. The tragedy for C is that now in the West, he feels himself similarly trapped inside an inauthentic world, but cannot even write. The inability of the writer to work in the West again places the novel firmly within a post- wente come:\"!, echoing the problematic position of writers from the former GDR and their need to find a new voice in the tmified German), All Hilbig's texts deal \\~th the ·writer's fms twion at his need, and his inabilit)i to make sense of society through an. Although Dz Prmis0l711111 e:\-plores Western SOCiel)~ the reader finds a similar sense of frustration. As in his earlier texts, Hilbig offers no answers to society's problems. Nev­ ertheless the novel shows Hilbig's continued commitment at least to ar­ ticulate these problems, in order that tbey might not be ignored . Thus C's attempt to overcome das Prmisori1fm that is his life becomes a powelful example of the sense of crisis and alienation felt by many East Germans on the COntinuing journey of German inner-unification. Paul C:xke UnhmVyif IVak·Abrytu;d, Book Reviews 167 Works Gled Hilbig, Wolfgang. "Kamenzer Rede." Preis- Iml Dankreden Rheinsberg: Kurt Tucholsh:yGedenkenstaue, 1996, 13-16. BARBARA HONIGMANN. A Iks, aile; LUi:e! Munchen, Hans", 2000. 179 S. DM 34,00. Seit ihrem schriItstellerischen Debut ROllml'1.DlieimllKirrie (1986) behandelt Barbara Honigmann Themen, die fur viele judische Autoren der sogenannten Z"reiten Gener,uion charaktelistisch si.nd: ihre Texte sind [.lSt ausnahmslos autobi.ographisch und beschreiben die Erfahrung der Heimadosigkeit und Fremdheit, die Riickkehr wrn Judemurn unci die Selbstfindllng m der Diaspora. Honigmann ·w1.ude 1949 in Ostberlin geboren. Ihre judischell Eltern waren liberLellgte Kommunisten lU1d sind n.lCh dem Krieg aus clemenglischen Exil in die sowjetische Besatzwlgszone zuruckgekehrt . In den Jahren 1967 b is 1972 slUdiel1.e H onigmann Thealerwissenschaften. Zwischen 1972 und 1975 drbeitete sic als Dra!l1aturgin und Regisseurin in Brandenburg an cler Volksbiihne und .tm Deulschen l11eater. Seil Mine der lOer Jahre ist Honigmann freischaffende SchriItstellerin und K unstlnalenn. 1984 verliess sie die DDR und sieclelle mil ihrem Mann unci den zwei Sohnen nach Strassburg u m, in die zweitgrossre jiidische Gemetnde Fnllkreichs. In der eIsassischen Stadt, clem sogenannten "Jerusalem des \Xfestens," wurde HonignlJ.nn zur pr.tktizierendenJi.idin. \Xfie sicb i.hr Judischsein definien, wonlUS es vi..:icbst, und \Vie es sieh zur Umwelt stellt, ist ell} \vichtiger Fragenkomplex in Honigmanns \Xferk WId wird von ihr schriftstellerisch immer wieder nell entworfen. A lies, alles Lrebe! ist ,vie bereirs Honigmallns Erstling ein atmospharisch dichtes Buch uber das ji.idische Selbstverstandms imDDK Staat der 70er Jahre. Ein Vergleich der biographischen Dalen der Autorin Illil dem Ertihlinhalt legen nahe, class allch hier personlich Erfabrenes Sto ff fur d ie literansche VerarbeilUng wird. Auffallen d ist jedoch, wie die Zeitbetrachtungen in HonigmarUls neuester Prosa- Veroffemlichung um FOJI.'i fKI Germall 5111dies Volume S (2001) 168 FO::lIs (Tl German Studies einiges pessimistischer und resignativergeworden sind. A lies, alles Lubfisl eine nuancierte Abrechnung mit clem sozialistischen Staatsapparat, der fiir die Elterngeneration zur verfanglichen Heimat wurde. So zelgt sich die Protagonistin Anna HerLfeld empon clamber, class ilire "bescheuenen Eltern glaubteo, unbedingt zuriickkehren zu mussen. In diesen Scherbenhaufen, in clem sie 5ich doch bloss aUes aufgerissen und 5ich wehgetan und aUes andere, bloss keill Gluck gefnnden haben" (32-33). Honigmanns Port rat der jungen Berliner Boheme, die den» wahren Sozialismus'" als ausgediente Uopie de, Eltem verabschiedet und "Mitiaufer und Nachaffer" (25) verachtet, isr eine pointierte Milieustudie des uisten Honecker- AUtags. A iles, ailes Luixd isl ein Brief roman .. Ank.niipfend an die Tradition dieser Literanugauung im achlzehmen JJ.hrhunden befinden sich die PrOtagonisten, die ihr Leben und ihre kiinstlerische Emfaltung seIber besltllUl1en wollen, im Spatilllmgsfeid mit der Umwe1t. Doeh ist dieses Spannungsfeld bei Honignunn niChl nur ein Produkt der unmittelbJ.ren Gegenwan, sondern auch der deu[scilen Geschichre. \X':ihrend die Gen­ er.uion der in die DDR zuriickgekehnen Eltern emweder als cholerisch exier \-ersteinen. beschrieben wird, versuchen die Kinder mehroder v.eniger erfolgreich, aus dieser Polarilal einer verfehlten wld \·erlogenen Existenz Juszllbrechen. Die Handillng erschlie sst sich aus den P e rspektiven der Korrespondenzpanner, die aus ihrem Leben berichlen und die Geschehnisse gegenseitig kommemieren. Der slind ige Wechsel in der Ertihlperspeb.-cive und im Autorenprofil haben zur Folge, dJ.ss die Sprache griffig und lebendig wirkt, und es auch an Selbslironie und hintergriindigem Humor keinesfills fehIt. Annas Sieht und Erfahnmgswelt machen den eigemlichen Kern der ErzahIung aus. Die Handlungen spie1en in Ost-Be r­ lin und in Prenz.lau, im norc:llichen Brandenburg, im Herbst und \'Vinrer 1975-76. Anna lebt in einer avantgarc:lislischen Berliner Klinstlerkolorue, die sie verl:isst, urn ein Engagement als Regisseurin an einer Prenzlauer Provin2biihne anzunehmen. Mit der Inszenierung eines \XfeihnJ.chtsmarchens fiir Kinder und des \'Viener Volksstucks De,. F mriJ15flJ1l! von Philipp Hafner soli sie sieh weltanschaulich weiterbilden und zur .. sozialistische[n] Kiinsderpersonlichkeil" reifen (6) . D oeh schlagt die kiinstlerische Arbeit fehl. Individuelles Denken und schopferischer Eigensinn sind im abgelegenen Theaterhetrieh nidu gefragt. fuma gelingt es ruehl, sieh in das sorialisl ische Theaterkollda.iv einzufiigen. Zudem wird der Dramaturg zum feindseligen Gegenspieler. Book Revie'WS 169 Die Weichen sind bereits bei ihrer A.nkunft gestellt, unci sic bleibt ein Fremdkorper: nDas erste Wort, das ich in Prenzlau hone, war ,Zigeuner'" (5). Der Briefkontakt mil Freunden, vetflossenen uebhabem­ diese sind vorab Emigramenkinder- und mit ihrer Multe r und dem Geliebten Leon helfen Anna, die erfahrene Isolation unci die zermi.irbellden Imrigen am Theater 2U ii.berbriicken, Del' ErfahrungsausIJ.usch mil Freundinnen in a.hnlichen Situationen zeigt, dass das Theater 111 Premlau beispielhaft fiir den Kukurbetrieb in der DDR ist. Der Briefwedlsel mit der Freundin Eva, die als Schauspielerin arbeitet lind wie Anna Jiidin i::'l. verc:leutlicht wie stark der AntiSelllltislllus umerschwellig noeh vorhanden iSl. Ev-J. schr~ibl: "Du hast GlUck, dir rufen sic bloss Zigewlerin llJ.ch, aber m.ich nermen sie, weil ieh noch diese schrccklich krumme NJ.Se lube, gleich Hexe. Wilikolllrnen in del' Provinz, fuma!" (14). Ocr Ver:;ucb, s ieh am The.ner durchzusetzen, scbeiten jedoch genauso wie ihre Be:tiehlUlg Z\.l Leon der lUldurchsichtio und abwesend bleibt. Anna klJmmen slch in , b ihren Briefen-die meist zwischen VCrLweifhmg llnd AuHehnllng schwanken- an ihre meist ji.idischen Freunde, als scien diese die lemen FllIchlpuni..1.e in ihrem Leben. In ei.nem Interview in den Kieler Nadlluhten (13.01.1ool) ills::.enc H oniomann dass nun alsJi..idin in der DDR"eine Alt Doppellebcn [flumel o ' DJ.s Jiidische wardas Zelllrum lUlserer Exislenz- und die delltliche Grenz.e z.wischen denen und lIns." Dass dieses Beziehllngsgefledu innerhJ.lb der jiidischen Ki.instlerclique als ldcmitatssliftungjedoch briichig blcibt, nuclll ein ver.irgener Brief Leons an Aru13 deudich. E r weist auI den SonderslJ.tUS von Anna hUl und halt ihr vor, dass sie doch eigemlich "delllsch bis J.uf die Knochen" (159) sei, Damit weisI er auf einenexislentiellen Widerspnlch hin den Anna und ihr Freundeskreis nidll wahrll.lben wollen. , Am Ende scheiten sowohI die Liebe als auch die KJ.n;ere_ Anna trenm sich von Leon, lmd das Provinzthealerschickl sie nach Berlin zuri.ick.. Das Zusammemreffen von privater lUld beruOicher Misere ve rdeUllidll , dass auch ein mneres Exil in der OOR unmoglich scheim. Aluus Existcnz ist in jeder Hinsicht ein Fiasko. \\hs Alles, aLles Lrebd d.IVor bewahn, ho ffnuno-slos in weinerlichen \Veltschmerz ZlI versulken, ist die gamlich o unsentimentale ErUihlhaltung. Letzrere ist ironisch-distanzien, voller suggestiveI' Zwischemone und oftn1.11s geradezu parodislisch. Del' Schweizer Theaterregisseur Luc Bondy, welcher der Amol;n im letzten Jahr den bedeulenden Heinrich-von-Kleisl-Preis iiberreichl hJt, sprach Ul seiner Laudatio von einer "taktile{n] Erzahlk ... mst"', Diese Vl!rtlug in ihrer 170 Fro~ (T/ Germa1l Studies Schlichtheit Wld Klarheit gam ohne Stilisierung Wlminelbar z.u beri.ihren. Barbara Honigmann hat ein kluges und einfiihlsames Buch geschrieben, das, wie inuner bei dieser Autorin, mehr Fragen aufwirft, als es vorgibt zu beanl'wonen. OAniare SdxJIii U=1ly if 871mh 0i10l1M, ValIDner HELMUf KOHL. Melli TagiJudJ 1998-2000. Miil1chen: Droemer Knaur, 2000. 351 pp. DM 44.90. Keen observers of Helmut Kohl will remember that he has rcpc.lledly vO'\\'ed never to publish a complete memoir. :\fter redding Ah'UI TaW;tKh 1998·2000, one rruycontinue to lake him at his word on lhis, as there is no mention of the recent pan), finance sc.mdals. l-fis steadfast refllSdilo J.C­ count for the n.nure of these don.llions has nOt edmed him .m openly co\"eted role as dn Euro~an elderst..uesnun, but rAther has releg.ned lum to the Bundestag backbenches m disgrace. It has also considerably eroded the mus eiecLOrJ.1 Vi,lbililY. In a tactic borro~:ed from the American polilicallrddition, Helmut Kohl has chosen to fight a publicity war rather than gIve a full accolUlling of his actions to the judicial bodies investigating this case. His sidled goal in publishing diaryexcerpLS is "[ ... J zur korrekten Dmtellung be{zu}LrJgen WId de r beabs ichtigten Verf:ilschung cler Geschidne entgegen[zu)wirken" (6-7). The entries begin -with the day after his election defeat in September 1998 and conclude with German Unity Day ceiebrJ.tions on Octobe r 3, 2000. In them, we are treated 10 his personal thoughts on both daily politi­ cal events and rnemolies of his role in the process of Gernun unification which these events often trigger. Post-defeat meetings with world ledders give Kohl a chance to reminisce aboUltheir (or his) unificdtion role mclud­ ing Pope John Paull! (24), Bill Ointon (63), Romano Prodi (72),Jacques Oelors (129), \'(rilly Brandt (272), and many others. Nothing is so edrth­ shanering as to demand a re-write of e~'tam material on the rcl'ltionship be(\,,-een Kohl and international prominence, or his role in eVents ledding FOOl! £rl Gennall SlIldia Volume 8 (2001) Book Reviews 171 to and proceeding from 1989. . The real reason for the book, the donation sc:.mdJI, erupts to d sho rt emryone-third of the way through .(I06~. Suddenly the ? iary.emries become more interesting, if not more hlsloncaUy relev.ull. Kohl IS con­ cerned as to what would moti'·J.te people to forget IUs efforts on behJ.lf of Gennan unification, and what \l.Quld nuke them think thai any ~ecret money he recei,'ed could possibly serve bad ~nd~. From t1~s e~ltryon, l~le TagiJ,((h can mo re fruitfully be read as a fascUlatl.ng COll1bllIdUOn of epls- 10iary novel, poison-pen leller, and pOSt- Wall polit ical apdr1i!f'I.. If 'WC view the TagbtlliJ as an epl)toidry novel wlIh the Gernun public as its intended recipiem, the main theme would be J. personal jour­ ney through loyalty and betrJ.pl. Helmut Kohl's (exemplar~ loyalty to those who donated money to the pany and his promis(! o f st!ence as to the identity of these donors is contrasted with the (in~ldellSible) J.c~ of betrayJ1 of his friends and proteges within the O)U !-lis deepest feelings of betrJ.yal are directed at \,(/o lfg.lIlg Schaubl\!! dnd Angel.l t..lerkel, his.des­ ignated successors as Q)U OlJ.irman, and Gener.ll SecretJ!): respe(tl\'el}~ An ediwriJ.i published in the Fr..l11cfinrer A 1Ig."Iwl'! ZetlllJ~ on December 22, 1999, in \N'hich Angel" Merkel writes th.n II is lm"IC lor the p.uty to distance itself from its former Olairman, spurs Kohl to write the follow· ing: '"[ ... J es 'hdnde1t' sich offens ichtuch urn ein dbg~prochcne:' Spiel mil verteihen Rollen" (146). He is '-'bestunt" (14 I) to d,scover tillS, dS he IS o,'er later O)U efforts to distance itself from hun. \'{~ also read tlw, even pre-1989, Kohl o ft en pl,lCcd someone in J position of powee only to find his trust abjectly betra)ed in conspir.norial ways, and so this diary J.llows for a poison-pen sealing of accounts. :u befits his stated desire to comribUte to accurate accounts o f rccem lus­ tory, Kohl uses specific entries to speak his mind on long-lime intern,1i mu nemeses. Richard von Weizsacker (179), Kurt B!edenkopf (155), Heiner Geimer, Lothar Spalh, and Rita Siissmuth (11 8- 19) are son"Je of the more famous names dropped in this regard. TIle app.!rent incongruit), of linking party revolts in the 1970s and 80s to Kohl's silence on ilIeg,l! donations in [he 1990s can be e~'Piained by his need to comrdSl "ilIo}".!I" pany members with "lo)"dl" ones regardless of )~a r orcomell.', ~t~rialls and political scientists will find this aspect of the Tapo} espec1allymter­ estmg fonhe Slrdtegic anal}'Sis he gives of the struggles Ul 1973, 1980 and 1989 for control o f the party le.ldership. The Tagbtch funcllons .IS post-Wall apdf11P J..) well, bU[ widl a 172 Foclls en German Studies uruque [wise It will be remembered thal many East German leaders irn­ mediately wrote chronologies after they fell from pO~'er in order to inter­ pret hislOryto their benefit . Indeed, there are many diary entries In which Kohl relives the heady days of 1989-90 and artempts to pi.lce his aClions at the center of an}thing positive which came out of them Some emries which respond to particularly scandalous revelations are e>..-plained away in light of the financial burden [hal unification placed on lhe mu Others which cannOt be put in any positive light, such as the January 20CX1 suicide of Wolfgang HUllen, head of the mu parliamentary group's budget! finance section, are simply not graced v.~th an entry. Thus, at first blush, Kohl's diary might appear to have much in corrunon with Egon Krenz's Werm Mallernfollen, Manfred GerlJch's MinemnlU011luh, Gunter Schabowski's biography, elC. Yet these authors tend to portray themselves as being uninvolved in most major political events in the GDR until Noyember 9th , 1989. In contraSt, Kohl portrJ}:) himself as a sovereign actor from the very first page: "Ja, ich habe 1,1 1.1illionen DM Spendengelder an den Rechenschaftsberichten vorbei direk"t fur die Ptem Future editions, if not annotated for scholars, should al least mclude an index of names to make navigation easier. D'-lrue/. C V Jlanl!e·.n U,,;uxiryq N""uI.·L", Vck Haymon, 1998. 191 S. DM 35,00. In dem kieinen, fast id)Uischen niederosterreichischen \,(!f!inb.lUemdorfchen Brunndorf un't'.-eit von \Vlen wird Inmobilienhandler Albert fuhn ill seinem eigcnen, Hingst verlassenen \Xfcinkellcr lot aufgeCunden. Allen Anschein !lach handelt es sich hierbei tim einen unglucklichen lind in def Gegend ruchl gam. euu.iganigen Girgasunf.lll- 50 lautct Wl:!nigstens ?ie offizielle Version, ,1Il die aber eigemlich niem1l1d recht zu glauben 5chclIlt. Denn einerseits war der vermogende Hahn ein zu Recht verhaBtes luItbltitiges Ungcheuer, der seinen besonderen SpaR darin zu haben schien, seine Miul1enschen loU schikanieren, andererseits lonn sich keiner in Brunndorf danut abfinden, dJi1 dieses Scheusal cineo so fliediichen, z.ufalligcn Tad finden soUle. Mehr a1s ui.hige Grlinde, Albert l-bhn bei seil1em verfriihten Verbssen dieser Well ein bi&hen n<'lchzuhelfen, I.men sich zudem !loch beim halben Don fmden: DOl ware zum Beispiel Hahns wiederholt gequilte Frau Grete, die bei dem Tad des Ehenunnes schon fast keine Kraft mehraufbringen bun, umsich dUfch di.e mehr aIs erse1U1te Erloslmg erleichtert loU fohlen. Oder auch seine Q.lasi-Freunde aus der Schulzeit Florian Swoboda und Dip!. Ing. PabIen, die Hahn mit gr.l.Usamer, he imtuckischer E rpressung an sich bindet und zu wiederholten Demiitigungen zwingt. Und nicht zuletlot Friedrich Kurz.bacher, Josef Schachinger, Ch ristian Wolfinger und Karl Brunner, einige ah liche \'{/eulbauer, denen Albert Hahn in der jungsten Vergangenheit ernsth ques t for authenticity. But in the light of his mistakes, it seems all the more dlfficult to fathom why Meillner chose to write about an Americ.m pop group, as opposed to a German band . However, there is a likelyexplanation at hand: JUSt before Flo)d's crucial encounter with Scott Walker, t..-mMl tours Ger­ nu.n}~ There, flo)d encounters German pop. embodied by A nalneless nuinstreamstar, apparendymodeled on tvlarius Miiller- \XbternhAgen. To Flo)u, Germanys popular music sounds highly derivative, the epitome of the "'Beschrinktheiten und Irrwege der europaischen Mustk" (177). Trul), 183 creative music, it seems here, can only emerge in Oln English-speaking coun­ try, thus the need for an American protagonist and a US setting .. I n this respect, Meillner seems to be pan of a long-standmg Ger­ nun tradition that Stylizes the US intO an almost mythical stage- a suge for tales that transcend the concrete existence of America. These tales rather intend to tell something about a quasi-umvers.tl hum,1nkind and its unive~al quests. This is nodling new. Karl MaYl> Western nov~ls, Bn;c.ht 's early plays 0 1' Kafka's De.,- Vel~dx;J!et!? all bea~ \\~\lless to tillS t!'admon. Despite this, it has to be Iloted that the cnlclal encounter between the Pelms}~vania kid and his Ohio idol ta~ place olltside ~he us: tl~ey meet on a Street in Berlin (190). Thus, Meillner secretly remsutes his home country to its trAditional function: Gernunyis the pl.tce where deep things happen. Stefan H~p'rr·Sta1! U"nmiry if Ow' FEU X MlTTERER. TiXlMx:SiOrffi Innsbruck f-1.l),run, 1999. 95 pp. OM 27.00. Why bother writ ing a play about the Seven Deadly Sins these days? FelL....: Minerer best known to Ius Austrian audience for his hilariously satiriCAl DIe Pufk~Sa91' impucitlyasks this queSlion in the forward to his l.nest plAy, Tiilftdx SiorJell_ The introductory notes are apologetic in both tone and funclion as tvfinerer trACes the roots of these cornerstones of morality back to Pope Gregory the G reat U1 the sixth cemu ry. (For lh~se who f~ter after the fifth dwarf and the si>..1h reindeer, the seven deAdlyslIlS are: P nde, Sloth, Lust, Angel', CovetOusness, Envy. Gluttony.) In p reseming the COIl­ cept of sin to a contemporAry audience, Nlitterer cJ. I'efully points out thOll, despite its veryGttholic genealogy, sin ,md religion are not necessa ry bed­ fellows: "' Der Begriff Sunde ist jJ. unschwe r hcrauszu!osen aus dem kin:hlichen Konle}"1., ( ... ] denn im Gnlllde ist Siinde ja nichlS anderes als ein lmsolidarisches Verhalten dem Mitmenscilen lind der Gesellschaft gegeniibec" (7). \X~ can quibble aboul titis definition and dispute whether FOO6 (71 Germall SlJld'e! Volullle 8 (1001) 184 FoolS (T/ German Studies it scill mc:rits t~~ ~cussion of sin, but that \\QuId be superfluous. In any event, this deflIUuon merelydivens anemian from Minerer's real justifica­ lion. Why bother WIlling about sin these da~? Sin sells! As proof of our continued fascination with Pride and her companions, Miuerer reminds us that Brecht, Camus and, moSt recentl); David Fincher's 1995 movie Seu'7ldeal with the same topic. Pointing out that sin links the holy uinity of Communism, exis. tentialism and Hollywood may justify the subject nutter [Q J number of audiences, but litis does not translate into a desire for a morality pLay. M'inerer realizes this as much as did Brecht and Fincher- the former"steUt ( ... )die gewohmc Moral auf den Kopf," and an)Qne who has seen Fincher's movie will rccJU that it revolves around an anachronistic religious zealot (6). TfxIIUkSii1r1enhas shades of bOlh approaches, with J.sorpt;alof Camus­ ~ absu~ity ~hrov,.n in for good measure. 11le very COStUllleS epitomize [his combmauon of anachronism, alienation and plJ.in J.bsurdit)~ as AU character:s resemble aliens "'in amerikanischen Science·fiction-Serien" (8). Mnerer IS cle,uiyawJ.re that he is v..'Orking in a number of trJ.dllions. The crazy costumes teUus from the Stan to distance ourseh,es from the events on the stage, but the critic.u distance .1chieved by Minerer generally.l.Voids sliding into didacticism, or tl.'orse, moralism. Moreover, the play's last line seems to travesty Brecht's constJnt reminder th,lt the world is our stage and that we should act accordingly: "Tschiil1, macht's g~t,. S~lO?en Abend noch!" (92). Is this a caU for reflection, or a resigned tnvlalizauon of the fact that sin, like life, goes on, even when the show does not? One wonders whether .Minerer VJOuld rather chanoe the world by ridd~g it of sin or side with Oscar \'(Iilde in resis ting ev;r)'thing but temptation. 11lankfully he, at least fo r the most pan,le.wes that choice to the theater-goer by merel y presenttng sin in lieu of preaching agdinst if. !.CdltdJe Siilulen could be subtitled either" Plus fa dJ3.nge, [ .... r or Van.?lIO'lS ~a 71;eITl? by(Prp) ~." ~1itterershov."S how easily sm makes the Jump lOtO the present, as technologies and iss ues unknown to Greg?ryare used to sinful ends. The strength of tills play lies less in its connection to the past than in its critica1look at comempor.try phenom­ e~a, where the hum.m element becomes a mere qualifier for cloning, smug. gting, and organs sold on the black Illdrket. Here vinlSes are not divine retribution fo r lustful pleasure, they are electronic dnd slipped into a colleague's system as a symptom of envy. LusLful desires are tempted by telephone, while, nm surprisingl}~ televis ion and sloth go hdnd in hand. Book Reviews 185 In the first of seven one-act pla}s, Pride, the mother of all sins, clothes herself as a tennis parent. For is it not Pride which COdxes Mr. Will.iams and his brethren to seek eternal life and fame through their children's athletic achievements? But this new and improved version of papa comes with a {wist, revealed in a Strdnge predicdte: "Du bisl nicht \\~e ich. Du bisl ich. Versteh das doch enduch" (15). In r!«h",a the figurd­ tive is made frigh teningly literul, for here the son is uler.lll), 4 clone of the father, devoid of characteristics from the hGebarnuschinc," r.lther than a mere mother. Logic leads the audience to believe that since the father W.lS a fine athlete, great things must also lie in the child's future. However, Miltcrer llIrns this logic dgainst itself, depicting anagnorisis .limed at the future. The child realizes his father's shoncomillgs: "Ou W.lrst rucht gut genug" (18). After tills realization, the child offers the logic.!l and theatri­ cal conclusion of this play: "[a1Iso bin auch ich nicht gut genug" (18). Carefully plalUled future success turns into an almost naturdlistic horror of perpetual failure bSphere surrounding them remains cool and distanced. TIlls changes in Unniisszgeeu, as we witness a )Qung girl taking stock or her life bycoum­ ing calories: "lch war sehr br.l.v, ich Wolr sehr schlimm. Ein Diat-Yoghun, Book Reviews 187 z.uckerfrei, werugerals ein Grarrun Fett, 55 Kalorien,30 Gramm Cornflakes [ .. .r (78). Again we experience a combination of 2 confessional tOne a~d a desire for catharsis achieved by admitting our sins. However, once agam there is a mrn from the figur.l.tive as the girl's purging is literal. The horrific here resides in the ritualized, hecCiuse induced, act of vomiting and the ps){=hological freedom that arises from it: ... Aber ieh £lihle mich ndchher so befreir, so rein [ ... J" (83). Funhermore, the damnable act is come~:lUalized within a sordid family life, thereby clouding the issue of blame. The clos­ ing number acts as a hint that perhaps the belief that a strong will alone can keep us from behaving "badly" is naive. The C)d e TaIlidx Siilldendoes not belr.lyits tille, Jnd death hangs over m.myof these pla~. "Es ist ein Schnjue~} hei& de r Tad" is J song that accompanies three of the sins' ponrayals. In addition to this morbidly appropriate SOtllldtrolck, the division into seven one-act pLtys parallels struc­ turallydanse 1117mbredepictions in which Death appears as the great equal­ izer by fiddling rich and poor, lowly and noble into the grave. There the thematic thread of death is simultaneously sliced into individual, )l.':t con­ tinuous, scenes. Here death is but ol function of sin, and where the dance of death's imponance rests on its singular gravity, Minerer's pbylives from both the intensity and variety of its thought. Emerging from a traditional frdlllework, TiiUid:e StOl.1en overwhelms the specUlor with contempor.iry dangers and possibilities of sin. 11le result is a strange combination of lhe dance of death and the neatly processed segmems of horror brought to us on the n.ightly news. jasCNI Blake Unnrnityif T I 188 Fcx:lIs C»l German Slltdies ADOLFMUSQ-fG. SlIlt"" Gbid<. Frankfurt a.M., Suhrkamp, 200!. 335 S. DM 39,80. Nach cler Veroffentlichung seines icmen RDmans Der ROle Ritter. E i,e GesdJithte 'l.W Pa1Zruu (1993) ist Adolf Muschg vor allem als Kririker cler Sch~izer VertangenhcitSpolitik in die Offemlichkeit getrelen. In rrehreren kulturpolitischen Essays hal Muschg das patrimische Establishment seiner Heimal in den 90er Jahren vor clem Himergrund der Raubgold- Nfare neu hinterfragr. SUllen Gliick ist die Riickkehr zur erzahlenschen Form und :tu einer Reihe von Themen, die fur das \Xferk dieses Autoren beispielhaft sind. Muschgs neueSle Veroffentlichung ist sowehl Kriminalroman wie auch Ehedrama, doch vor allem iSl cler Text eine Auseinanderselzung mit clem Abschiednehmen, der Einsamkeit und den Moglichkeiten und VerfehJungen des eigenen Daseins. Der Protagonist 1st der 66jahrige Suner, alias Emil Gygax (Sutter wird er our von seiner Fr.m genanm), der sich vor seinem Ruhes land a\s Gerichtsreporter einen Stadlbekannten Namen gemacht hat. Ausgangspunl..1. fiirdie ErahiWlg ist der FreilOd seiner Frau Ruth. Nachdem Ruth mil einem unbeilbaren Krebsleidcn diagnostizien wird, lehnt sie die BehandlWlg der Schu~dizin db, "weil sie es notig hatte, ihr eigener Fall Zll bleiben, unter Schmerzen, aber wenigstens ohne Rlicksicht auf die Bedingungen, muer denen sie Hilfe gefunden hane" (59). Kurz darauf enriinh1. sich Ruth im Silsersee, i.n illrer Oberengadiner Ferieodeslination Sils Mand. Sutter, der sich ein Leben b ng als Journalist am Ungliick anderer profilierte, siehl sich oach RUlhs -rOd seiner eigenen Verganglichkeit ausgesetz.l. Er zieht Bilanz., wirft materieUen BaUast ab, und sagt sich von jenen Bediirfnissen los, die lediglich T rugbilder Wld IUusionen sind. Nicht von ungefahr ist der Titel eine Anspielung auf das Marchen Hans im Chick, wie Muschg erli:iuten, eine Parabel "auf den Menschen, der sich vollkommen antizyklisch verhalt. Was fli r andere ein Besitz ist, ist furiho eine Last. Erst weno Hans alles los ge'WOrdcn ist, fiihlt ersich frei" (Bllickr::nkller 16.1.200 1). Zum eigentlicben K rimi wird der ROIrun, als Sutlers Te!efon fast jede Naeht auf die Minute genau um 23 Uhr 17 klingelt;der Annlfer jedoch bleibt anonym. In der Folge wird Suner gar von einem Unbekanmen an einer Tramstation angeschossen und lebensgefahrlich verletz.t. Die Suche nach dem Tater und dessen MOliv veriauft paralJel z.u seiner eigenen Selbstenorsehung. Wer kbnOle es auf ibn abgesehen haben? Wem ist er etwas schuldig geblieben? Es sleUt sich herdus, daB eine Reihe von Menschen FootS ~I German Studies Volume S (200 1) Book Reviews 189 an Sutte rs Ableben interessien sind. Vor Jahren habe n seme Berichterstattunge n in einem stark publizienen Mordfall die Schuldzusprechung und das milde Strafmag beeinfiuRl. Eine Kalmlickin, die Ehebruch begang, hat il1Ten deutschen Ehemann getocet, um seine Ehre zu retten. Fiir Suner lag klar auf der Hand, daB der Mord ein Liebesbeweis war. r n Slfttm Gtiit:k roUt der E rzahler die E reignisse nell auf, und es stelh sieh heraus, daB Sutter prival mit den Beteiligten naheren Komah pflegte. 1m Miuelpunh1. von Stdters Cbick, dessen Erzahlsu-ange alle ineinander verslrickt sind, stehen Suners Bewaitigungsslrateg,en naeh RuLils Tad. Es wird deutlich, v.~e versch'WOnll1en und unnahbar Ruth in sei.nen Erinnerungen doch ist. Die Frage, ob es e ine gliickliehe fhe war, bleibt offen, vcr allem vor dem Hilllergrund del' AHaren, die sich die Ehepal1ner verschwiegen. Am Ende muB sich doch d er \'V'itwe r Sutter eingestehen, daB illm Ruth fremd geblieben ist. WelUl es tim Gefiihle und Innenansichten geht, schreibt Muschg ausserst diskret: ,,[Suller und Ruth] waren damals noch nicht iJ.nge verheira tet, dbe r er lulte RUlh b,lld angemerl..1., I.voriiber mit ihr nicht zu reden Wdf. Dnll gehone die Liebe" (39). NiChl von ungefahrsteUt Muschg clem Rom:.m eill Hofnl.-mnsti1.l1- Zilat YOWlS, welches die Spraehkrise im berLJlmten O.l1.lr!a·BrU!wJ.chmft: "Das was du nicht sagen bnnst, das allein frag ieh dich." Die Herausforderung ist niclll langer,das Niehtsagbare allsz.usprechen, sondern zu akzeplieren, daB das figentliehe o hne Sprdche bleibt: Ruth wolhe Su n e r n icht enlziffern, auch nieln zuriickbuchstJ.bieren. Sie wollte mil illm leben, niclm \\;in sister Dianne live with their mother, G !.tss, all Aunt ie Nume- like figure (had Marne been an unv.-ed teenage mother). Glass, all Amcric.m, travels to Germany nine months p regnant and gives birth to her children in front of the l'n.ansio l1 she will inherit , called "Visible" by her late sister because it is visible from every poinL of the town. 'Ille IlJrr.uive shifts constJlltly from p./oSt to future, gradually teliing us about bOl h Phil's first gay relation­ ship (mercifully free of "coming Oll t storY' chches) Jm.i about the famil y's tonured. reluionships to the town ,1Ild to edch other. Unconventional sexlulllYis .1 motif throughom the narr.ltive, even before Phil's e"-plicit .lwareness of his own sexu.ll des ire for Olen. GI.ISS has a never-e ,~ding series o f blicf ,lffJirs and one-,niglu-stands 'i\ith .men both for sex ILSCU and for dIe fJvors the men will do for her (t)'p ICJUy involving maintenJnce of the outrageous ly I.trge hOllSe), Her best friend Tereza is a lesbian who recognizes .1t.1l PllIl is gl y when he is still a child; after a hilarious " lest" involving, among other dungs, his .lbility to throw a soccer baU, Glass accepts Phil's se""U.llity \\~t h the sa il1/! nonchdlance with which she approaches most of life, even arranging 3 visit to a male prosti­ tute for his founee nth binhd,lY. The refreshing absence of slock family dramas 3nending the coming out process does not n1fan, however, that everything goes smoothly. 11le people of the tOwn , c.llled "dieJenseitigen" by Glass and "die Kleinen Leute" by Phil, Jirc.ldy fe.lr .lnd hale the family due to Glass's promiscuity and honesty. and Phil has no des ire to out him­ self, especiaUygiven that he has no boyfriend to either showor hide. This changes v.ri.th the arrival o f NicholdS, it new sludclIl whose charm and good looks captivate the entire school. The two begin a secret affair that is Phil's first love, although Nichol.iS's mot ives are, like the rest of his charncter, m}!>tenollS and uncie.lr, 1l1eir rel.t tions lup culminJtes in a drn- F(XUS in Gl!m UIII S(IIt/it."f Volume 8 (100 I) 194 Focus en Germall Studies matic turn thaI not only illustrates the extreme interconnectedness of lives in a small-town milieu, but also leads to revelations ahout Glass's past and the lies and secrets upon which the family's life is based. Steinhofel's backgrow1d ill children's literature also enables him to embed elen~nls of the fantastic in an otherwise realistic narrative, with­ out resorting to familiar tropes of Magical Realism Panicularly signifi­ cant is Paleiko, an antique pon::elain doll Tereza gives Phil after he passes the gay "'(est." Paleiko speaks to Phil, serving as a kind of c:-"1.emalized conscience, and Paleiko's advice and criticisms are a constant motif in the narrative; even more significant are Paleikos silences and his eventual (seem­ ing) den-USe. Such elements (including the mans ion Visible itself) maintain a sense of the uncanny throughout the novel, productively complement. ing and complicating the story of Phil's emotional coming of age, wid] which we can easily identif}~ Die il flCteder Wac is thus a r.trity on multiple fronts: a novel that is bmh intelligent and emenaining, a sLOryof youth that appeals to adulLS, and a gay novel that manages to appe,\1 to straight readers without replacing gay specificities with banal universJlity. a,rutqi"" Gam Conlil Ull11.1!mry MARLENE STREERU\XfITZ. MajakOllikiri"l, FrJnkiutt a.M., F~che" 2000. II I pp. OM 18.00. The neoclassical villa in which Madene Streenlwitz's latest n.lrrJ.live takes place is set in a quiet, once inaccessible PJ.rl of Berlin-P,mkowon the famous MajakOlilkirirg. Surrounded bYOlher villas that once housed GDR govemmem officials, the building fo rmerly served as a meeting place for [he Sdmfordl"wbu"d der DDR. Today one can rent rooms in the villa, and Streemwirz's main character, Lore, a successful middle-aged journalist from Vienna, has done just that. She has come to escape daily life, to be alone widl her thoughts, and to mourn the end of a relat ionsh.ip. The reader finds her sining by a window, looking out, deep in comempl.nion. Lore siLS, not coincidentaUy, FoolS Cfl Germal/ SlIIdies Volume 8 (1001) Book Reviews 195 in what used to be the waiting room of the Vi/Ja amMa;ak(JllJkuing. The significance of waiting in Lore's life becomes evident as the narrative goes on. Her room is quiet and cold, and the bustle of Berlin is far away. Streeruwitz seaLS the reader next to Lore, allowing him or her to see through Lore's e}~s and 1O foUow her train of thought. The narrative spans .I single da}~ Passing time is marked only by Lore's observ,nion of the shad­ ows tim fall on the walls of the Pl1lterblllthat she sees from the window. Streeru\\~lZ'S writing style is Striking and unusual. The reader fol­ lows Lore's train of thought, which jumps abruptly from place to place, always returning to her pas t relationships and her recent separation. Sen­ tences are fragmented and short, sometimes only tWO or three words long: "Nach der Scheidung von Richard. Nicht sch lafen hane k6nnen. Getrunken hane" (17). Subjects and \-erbs are· often left Out, leaving the reader to finish the sentences in his or her mind: "Sicher nichLS gefr:lgt hattell. Ob er. \%nn er. Wo er" (60). Lore's thought~ jumping and run­ ning into one another create a sense of tension. Streeruwitz's nusterfuUy created sentences set thc narrative's J.llxious, somewhat despe rate tone. Lore's thoughts a l wa~ jump back to her ex-husband Paul, who had lived with his ex-wife in Munich, visiting Lore only on weekends. Paul's careful separation of the differem p,uts of his life kept Lore etemally waiting for caUs and visiLS: "Was h.ute sie auf diesen M.mn gew.lrtet. Ihr ganzes Leben um diese Annlfe von ihm gruppien gcwcsen" (l7). She muses on the good times she had with Paul when they lived logether for a time in lhe United Slates: "'Es WJ.S aUes perfckt. Alles war richtig" (47). The pelfect ion was shanered quickly, though, when she found Paul in bed with another ~'Oma.n. Lore uhinlillely ponra)'s him ,IS a dictJ.tor who W.1S able to comrol her life bc keeping her wJitmg: "Er hane ihre ganze Zeit in Bes ilZ genommen und musste nicln einmal anwesenJ sein dafLir" (57). Lore's thoughts soon drift to other former lovcrs. She thi.llks of Richard, a Polish citizen who was under suspicion from the Polish and East German police. Richard himself suspected Lore of having ,dfain: and forced he r 1O tell him about all of her past lovers. The rei.llionship eventually led \0 a suicide anempt by Lore. Thinking back on the freedom and hopefulness she felt at 17, Lore feels a deep disdppointmc11l in her life. Shc sees this disappointment as closely linked to her femaleness. Lore smdies the bust of an unknown WOITIJil that is disp\J)'ed in her rented 196 FootS 00 Germall Studies room, set among other busts of famous men. She picks it up over and over, mIming her fingers over it v.rith great emotion: "Einen Augenblick hane sie schreien mogen liher die Verschwendung von Scrucksalen. In diesem Zinmler" (ItO). LOI"e refers here not only to her own fate, but also [Q the fate of women and to the fate of the people of the GDR She e)l:presses herdisappoimment in We nunytimes in the course of the nar~ !"alive. She is disappointed in herself, feeling inadequate in comparison to perfect houseWlves like Paul's ex-wife and Richard's mother. She feels that her eHom to create a perfect relationship have been in vain. This feeling is paralleled by her thoughts about the CDR: "Es genauso toll zu hahen \vie un Westen. Oder toller. Der Versuch zerston, die Schran1.""WJ.nd ebenso gut zu machen. Der Versuch umsonSt ge<;V'esen" (34). Lore fee ls that she trusted and toiled within a system that convinced her she 'WOuld become fulfilled through love. Like a DDR.BiirgY who tmsted in that country's system, Lore now feels cheated. Yet she mourns the loss of this state as she momns the loss of her relationship. "Die Spuren cler DDR wilrden verschwinden. Als hane es sie rue gegeben" (34). Siuing in the waiting room of the guest house, hiding with her own thoughts, Lore feels she has no place to call her own. "Und jetzl hatle sie beides nicht. Die Heimatlosigkeit nichl W1d die Heimat. Und deshalb auch ganz nchtig ""dr, in diesem Zinuner" (76) . She contemplates getting up to go outside, but remains seated by the window. She observes the housekeeper searching through the trash cans outside, and muses that she has probably done this for the past 20 ){,!afS, first reporting on the We-Moren being used in the building and now relishing In her knowledge about the personal habits of its inhabitants. Lore gets up only once, tOward the end of the narrative. She goes into the kitchen, takes out a knife, and cons id­ ers cuning off a piece of her finger. She changes her mind, puts the knife back, and packs her suitcase. 11lrowing the full suitcase intO lhe trash can for the housekeeper to find, Lore heads for the au-port. Majakow;kiring's an.xiolls tone draws the reader in and does nOt let go, even althe open end. The reader is left wondering where Lore is going and what sort of decision she nas made. The text's strength lies not only in its tone, but also in its many parallels: between inside and olltside, public and private, eaSt and west, politics and love. In Majakawkiring, Streeruwitz combines a deep aw,ueness of history and of the importance of place with a hard look at love. Standing alone, each story might seem Book RevIews 197 familiar: a history lesson and a tale of love gone wrong. By intertwllling the twO, Marlene Streeruwilz has created a new story with an unusual en­ ergy Silk, Sdxufe Unl7£rsltyif Qainrwi