Focus 2002.tif Letzte Läuterung: 110 loiteting Ernst Jüngers Pros3s31nmJung Das abentel/erliche H erz neu gelesen vo r dem Hintergrund des 11 . September 2001 K ay Baronowski fi' ie islamistischen Terroransch1äge des 1 1. Seprember 2001, die das I.U Wodd Trade Center in New York und das Pentagon in Waslungron zum Z iel hatten, haben in threr Symbolwir:kung etncn nachhalttgen Schock hinterlassen. Die Reaktionen auf diese - im satunertcn wesllichen ßewußrseln unvergleichlichen - Taten gest:llten sich untCrScilledlich. Ihre Konsequenzen sind noch unabsehbar. D ieses Fanal wir:ft dte Frage nach der MotivalJo n derartiger Taten au f. Heerscha[en von Psychologen haben seitdem die Dcnkslrllkniren und sozio logischen Hintergründc dcr Attentäter und ihrer geistigen Anführer analysiect E rstaunlicherweise wu:d jedoch so gut wie nlem:tls versucht, d iese Erscheinungsfor:m des Terrorismus in einer Tradioo nsllOie zu lesen. dJe tatsächLd l sehcalr ist, und deren Grund motivatIon, Clil Unbehagen an der Moderne in Verbindung m it einem reaktio nären Wahrheitsanspruch, sich besonders deutlich vom Westeuropa dcs ausgehenden 19. Jahdmnderts uber dessen kawtrophale Überwindung durch den Ersten Wcltkrieg bis in die Zeit der späten 1920erjahrc dtagnostlzieren läßt. Eu! exemplansche[, hochko mpJexer Text, in dem d.lcse D enkweisen kulmimcren, soU deshalb an dieser Stelle mit dem Blick auf dcn 11. September 200 1 neu verh.'llIdcll werden: Rrnsl j üngers Sammlung kleiner Prosastücke Dm obtllltlltrliche Iltrz aus demjalu 1929. De[ Untertilel jenes nur auf dcn ersten Blick dlspar31cn Banddlens, in dem Ernst Jünger 25 Texle aus den 1920cr jahrcn mit cm.ige[ Stringenz versammelt hat, lautet Ar(zIUhlUln/-eH bei T~ lind Nac:ht. DIC~se h)[nulierung ve reint di e Ex treme un bewu ßte r und überl egter Wa. hrnehmung: Schreckensbildcr von der NaclltSeite des Lebens, die an die deutsche Spätro man tik erirulcm (vgl. Bo hrer), stehen gekünstelten AutOblograpluc­ Splittern wld intcilekrucll au fge ladenen priucntiösen [lrog-rammatikcn un 2 FoatJ on German 5tudies Geiste der Konsecvativcn Revolution l gcgcnübeL Doch audl die Tagseite des Abmltutrlichen HtT'{!H bleibt seltsam diister, und als ihre primäre LichtqueUe erscheint nicht dje Sonn e der in den 20et: Jahren hochblühenden Modeme, so ndern das Feuer minclalrcrlicher Scheiterhaufen und der Jünger zum literarischen Daucrttawna gewordenen MateOa1schl:achten des ErSten Weltkriegs.. Das AH nimmt in Jüngers Frühwerk durchaus ke ine Sonderstellung ein, sondern fügt sich na htlos in das Programm der Kriegstagebücher und -theorien. Die aggressiv vorgetragene Modeme- und Zwilisatio:oskritik des Buches darf neben der Totalen MobiblltJ&hung (1930) als direkte Vorsrufe zumArbtiurvon 1932 gellen. Es wire zu kurz gegriffen, das Abenteuerliche Hut Zals "surrealiscische" Prosa genuin belletristisch zu vemden, um es für eine eventuelle "neuuale", d. h. unpolitische Rezeption zu retten. Das ,,Idl" des Abenteuerlichen He~n ist eine kompromißlose Ge­ stalt Es vereint in seinem Anspruch zwei Extreme, die Jünger schon 1923 in der kurao Erzählung Sturlll als Hauptmedmale seines Wunscb-alter ego, eben des Leutnant Sturm, gezeidmer hat: die Fähigkeit zur distanzierten und kontemplativen Anschauung einerseitS, den Willen zur gnadenlosen Zerstörung andererseits. Diese Ex treme sind auch im Sprecher-leh des AbentUltrlühen Herzen voll ausgebild et - zwisch en ihnen liegt ke in überbrückbarer Raum. vielmehr sch ließt der Sprech er sie kurz (vgL ßul­ lock). Die Mcxlell6gur des abenteuerlichen H erzens ist eine Kombination der Typen: Krieger - jugendlicher Schwärmer - Leser, wobei der Krieger das Resultat einer innigen Verbundenheit der heiden Let2tgenaruHen ist; oder anders fornluuen, o hne ausdrücklich werten zu wollen: Brutalität ergibt sidl als Konsequenz einer Allianz zwischen Naivität und O rthodoxie. Das abenteuerliche Herz ist recht eigentlich ein TeHocist. Sein Feind ist die Lauheit der modernen Demokratie, seine SeImsucht eine Götterdämmerung d er Zivilisation. Se in Z iel liegt darin, eine neue, ,,geläuterte" hierardlisdle Ordnung zu etablieren, sein Merulun bildet der gnadenlose Krieg, Dionysos ist sein Gott und NietzSche dessen ProphCl Denn Jüngers revolutionäces Konzept kommt nIcht ohne e inen transzendenten Hintergrund aus, der im Abllluuerlichen l-Ierzlll so geFaßt wird: Letzte Läutenmg: Das abenteuerlühe I-Irrt. 3 Die Arbeit dieses Künftigen, geleis te t n icht etwa durch die Anstrengungen einer menschlichen Generation, sondern ~ur~h ein kosmisches Walten, das wunderbar und daher uncrklarllch Ist und das sich dieser Generation bedient, drückl sich zunächst als Vermchrung aus. Das bewegende Element, die Lebcnskrnft im tieferen Sinne ihrerseits wicderwn durdl das Wunderbare bewegt, zieht sich ab ~n ihren zeitlichen Bildungen, lUld de r Hauch der Verwesung steigt auf. Aber da nun d ieses Wesent liche, dieser Z usammenhang mit der Tiefe, aus deo Uildungen scheidet, so bleiben sie .udH als Bildungen, sondern als Abbildungen ZUnick, so Wie die Meereswelle nur die Panzer der Seeigel, die bröckelnden Schalen der Muscheln und den faden Schaum der gläser.nen Tiere hiIl terläßt. Daher geschieht niemals, was ja auch völlig sinnlos und somi t unmöglich wäre, Fäulnis im wesentlichen Kern. I hr Dunst verrät wohl, daß das Leben stirbt; aber er verrät zugbch, daß es den reuenden Rückzug zur miiuerlichen Tiefe gefunden hat Dorr, in deo dunklen Zonen einer chaotischen Fruelltbarkeit, rüstet es zum neuen Vorsto ß in die Zeit, dort, in der wärmeren Nähe des Wunderbaren, zeugt es die glänzenden Urbilder, lUtl sie wiederum als Bilder über die Barrieren der Erscheinung zu sc;hleudero.. (AH 89-90) D ie ßezugspunkte dieser M.etaphysik werden mein benannt, sind aber o ffensichtlich: Friedrich NictzSches zyklisches Geschiclllsbild und derersIe Akt des FmuJ fI. insbesondere Nieruche, der im Text auch mehrfach genannt wlCd, verdankt Jünger wohl den e~rschei.denden In~uls, dc.~ hinter dem Abe'llelierllChen Herzen s te ht, nämhdl selOe Autobiograp hie und Privaunetaphysik zur Ideologie zu machen; sie preist Aris tokralie und HeldelUnut, erklärt Leiden und Schmerz zu Notwendigkeiten und vccachtc.t Mitleid wie Furcht. D ie ScWüsse1cc.ferenz zu diesem Gedankengut findel sidl in N ietzsches nadlgelassener Vorrede Der griuhis(he 510(11, ein im Umfeld der Arheit an der Geburt der Tragödie en tstandenes Expose, wo es u. a. heißt E ins nämlich ist nicht zu vergessen: dieselbe Gcausamkclt, die wir im Wesen jeder Kulrur fanden.. liegt auch im \Vescn jeder mächtigen Religion und überhaupt i.n der Natur der Mach!, die immer böse ist; so daß wir ebenso gut es verstehen werden, WCrul eine Kultur mit dem Scheei nach Freiheit oder mindestens Gerechtigkeit em 4 FoCII.I on GUDJ:m Studies allzuhochgethürmtes Bollwerk religiöser Ansprüche zcrbridlt Was in dieser entsetzlichen Constellation der Dinge leben will das heißt leben muß, Is t im G nmde seines Wesens Abbild des Ursdunerzes und Urwlderspruches, muß also in unsrer Augen "welt- und erdgenUß Organ" fallen als unersättliche Gier zum Dasein und ewiges S,chwidersprcchen lJl der Foc:m der Zeit. also als lJ?trdtlf. Jedcr Augenblic.k frißt den vorhergehenden, jede Geburt 1St der Tod unzahliger Wesen, Zeugen Leben und Morden 1S t eins. Deshalb dürfen wir auch d ie herrliche Ku ltur mit e ine m bluttnefenden Sieger vergleichen, der bei seinem Triumphzuge die an seinen Wagen gefesselten Besiegten als Sklaven mitschleppt: als welchen eine wohlthätige Macht die Augen verblendet hat, so daß sie, von den Rädern des Wagens faSt zermalmt, doch noch rufen «\Vurde der Arbeit!" "\Vürde des Menschen." [/68-769) Ähnlich dürfte sith Jünger den Triumphzug der siegreichen abenteue dichen Herze n vorgestellt haben , wie sie nach Erfü Uung d es AUftCllgS des kosnuschen PnnZlps aus der Schlacht gegen die modem e Z ivilisatio n hen'orgehen würde.n . So betäugt er sich denn auch mit dem AH als Einpeitscher, dessen größte Sorge es ist, daß die ,Jugend" nicht me hr rur die Lockwtgen des Abemeue[$ und der Gefahr empBinglidl sein könnte und der Triighot verfallt. Er vergleicht die modemen Großstadtmenschen mit OpiumwCllcks und bemüht sogu - zum einzigen Mal - die Bibel, um seine Leser aufzurütteln: "Es isr nicht die gt:ä ßte Sunde, böse zu sein, sondern stump~ und das WOrt von den Lauen, welche ausgespieen werden sollen, ist ein herrliches WOrt der göttlichen Unbarmherzigkeit" (A H 39)1. Denl kosmischen \'('alten dürfen nämlich die Nachwuchskräfte nicht abhanden konllnen -wie sollte der Konservative Revolutionär d eOJl auch noch revoltieren kö nnen, wenn er plötzlich der einzige ist, der noch "Sehnsucht nach eUler verschollenen Zeit" (AH25) empfindet? Wer soll, so fragt sich Jünger, .. den nächsten Krieg"(AH 113) noch fü hren. wenn keiner mehr solche Nerven wie e r besitzt, der "sich lange und geduldig damit b~schäfhgte, Menschen vor die Mündung seines Gewe lues zu bringen" (AH 41)? Die Zivilisatio n is t für Junger eine geGi hrliche Schwundstufe, d ie!: dem endgG1rigen Kältetoo die Bahn bereiten wu:d. Junger zeichnet das Bild des nuchtemen, rumben Gegenwanstnenschen, der den Unbilden der Welt bereits hJlflos ausgeliefert ist Letzte Lau lerung: Dos abtnltllerlic'" Herz 5 Soviel ist gewiß, daß eine Art des Bewußtseins, die nur während des Lebens, und auch h.ier höchstens zur llälfte semer Zeit, von G ultigkeit ist und an der sowohl der Schlafend~ wie das Kmd, auch Berauschte, Dichter und Liebende keinen Anteil haben, nur sehr bedingte Werte zu SCCleJl vermag. Es gleicht dem Freunde in der Not, und je fester wir uns darauf \·erlassen, desto schul2loser ste he n wir da . Daher besitzen Kata su ophen Innerhalb der Z ivilisation etwaS so unendlich Bedruckendes, Weil hic.r aUe tieferen Q uellen der Hilfe verschütte' Sind. In demselben Maße,1Il dem wir uns gegenseitig gegen äußere Unbilden zu VCl"SIChC01 suchen _ und dies Ist eine der höchsten Bcstrebungcn dlcser Zeit - in demselben Maße, in dem wir unsere Bezichungen in juristische Verhähnisse auflösen und dem Individuum Ellbogenfceiheit geben, schneiden wir uns von den Gemeinscha ften ab, in denen wir uns entscheidend zu Hilfe ko nunen kÖnncn. So lebt d er Einzelne inmitten der Millionenstädte der Zeit in einer eisigen Isolation. So aber audl bereitet Sich dIe Srunde der Rattenianger \'or, der großen Zauberer, denen die alten furchtbaren Melodien uberhefert smd. (AH 129) Gerade diese Schlußfolgerung ist atemberaubend hellslChug Das sozal venonte IndIViduum, das die Geborgenheit der Waffenbruderschaft und der heIdnischen KultgemelOschaft rucht nur ruclu mehr besu:zt, sondern nie erfahren hat, is t eine leichte Beute für solche Ideologen, dlc anders als Jünger nicht die Heran beFreiell, sondern besitzen wollen: die Fcmde des kosmischen Walrens, anmaßende Kretins, kua: Leule wie 11.itle[, dem Jünger mit in niger Verach tung zugel:an war und enrsprcchend dcr o bcl l genannten Diagnose zynisch Beifall zoll [e~ dessen "Genie sei es gewcscn, erkamH Zll haben, daß das zwanzigste Jaluhundert das Jahrhundert der Kulte sei - was erkläre, warum Menschen von rationaler ImelilgellZ ruchl imstande gewesen seien, ihn zu verstehen oder ihn aulZuhalten" (Ch:uwm 331). Jüngers Versuch, die modernc Jugend, also clgenthcll seine eigene Gencratio n, zu reu en, ist eUle ko mpro mißlose IJredlgt "herOIsche Ir) Weltansch2.uung" (AH 139), d ie den Kult meht ausblendet. sondern sich selbst einen k01lSttuien.ln semem Zentrum steht der frelwllLge Opfcnod, die Z ugartgsbedtngung ,sr Tapferkeit und die Gbubensvotausserwng se lbstverstandhch kmdliche Naivität. Nur dlcsc NaWlt3' kann starkste Erfahmngen des Schreckcns~ des Grauens, des Schocks, dee toralen 6 FoCUJ '" Germ:.Ill Studies Überraschung überhaupt machen, sie ganz in sich aufnehmen, ,'Orurteils&ei bettadtteß. Schon in dieser Kontemplacion liegt ein religiöser Aspekt: .. (D]as Dasein des Ersnun lichen Ist Zeichen e iner Macht, di e, obgleich verehrungswürdig,gefahrvoll sein kann" (Eliade 38). Das gilt natüdich für die Nachtszenen des AbtnlllitTlirmn Herzelf, Ul denen dem Grauen mit Ehrfurcht begegnet wicd_ And ers als ein einfach naiv religiöser Mensch sucht da s abenteuerliche Her" jedoch die Ge fahr - in der Gt: fahr wird im Kopf der eben noch betrachtenden, abwartenden, gebannten Person ein en tscheidender J lebel umgelegt, und sie geht ekstatisch brüllend zum Sturmangriff über.3 Dabei gehl ein abenteuerliches H erz dan n an seine Grenzen, die es bestenfalls noch überschreitet und den " magischen Nullpunkt" erreicht: " Ihn passieren, heißt dee F1anlfT1C eines neuen Lebens ausgeliefert zu sein; ihn passiert zu haben, ein Teil der Flamme zu sein" (AH 96-97). Der Übergang in die Transzendenz vo llzieht sich im Rausch der Verruehrung. und es darf vermute t werden, daß Jünger mit derartigen Konstruk ten einmal mehr versuch t hat. den E rlebnissen des E rsten Weltkriegs einen Sinn zu geben und die Überzeugung aufrechtzuerhalten, daß keiner umsonst gesto rben sei: Der Aspekt ,ener Mateoa1schlachteo, der nur damals so wunderlich schien, dteser glühende Horizont, der die feindbchen Fronten scheinbar li.icken1os zusammenschweißte, kommt mir nun immer sinnvoller vor. Es war ein zerstörerischer Krieg, ein ko nzentrisches Wüten gegen einen geheimen Mittelpunkt, ein Ereignis auf der westlichen O berfläche. Wir haben stramm nihilistisch einige Jahre mit Dynamit gearbeItet und, auf das unscheinbarste Feigenblatt einer eigentlichen Fragestellung verzichtend, das 19. Jahrhundert - uns selbst - in Grund und Boden geschossen ; nur ganz am Ende deuteten sich dunkel Mittel und Männer des 20. an. (AN 113) Mjt dem Nihilismus ist es nunmehr vorbei: das mördensdle Trommelfeuer wird zur lauternden Flamme verklärt und die Gemeinscha ft derjenigen, die sich dieser "letzren Läuterung. der Läuterung der Flamme, bedürftig fühlen". bildet eine verschworene KlJhgemeinschafr, eine anstOkratische " Kameradsdlaft" der " Herzen" (AH 156), furchtloser Krieger, die eine Elite im Geist mlttelahedicher Pseudonttedichkeit bilden. Eine Passage aus dem um 1465 entstandenen biographischen Ritterroman Lt JOJ4>tn«~ Letzte Läuterung: Dm obttlllmr!i(he Herz 7 d e r d as Leben von Jeanne d 'Arcs Ka mp fgefliluten J e:an de Sueil nachzeidlOet, könnt'e auch wortwö rt.lidl im Abtnlmerlüh", l-fu'Ztn stehen - beziehungsweise daraus kolportiert worden sem: Cest joyeuse chose que la guerre ... O n s'en tr'ayme {ant a la guerre. Quant o n voit sa quecelle bonne ct son sang bIen combatre, la larme en vienta I'ueil. n VICnt une dou1ceur au cueur de loyau1te e t de p icie de veoir son amy. qUt si vaillament cJ:posc SOll coq>s p OUf faire e t accomplir le commandemcnt dc nostte createUL Et puis o n se dispose d 'aller mount ou vivre avec luy, e t po ur lllllour ne I'abandonncr point. E n cela vient une di.leclation teile (Iue, gui ne \'a essaiie, il n'est homme qui sceut dire quel bien c'est. Pensez­ \'ous que homme qui face cela craigne la mort? Nenntl; car il est tant recooforte, il est si ravi, qu'il oe seet ou II est. Vr-,uemeOl il n'a paouc de Den. (zit. nach Huizinga 97-98) Jo han Huizinga ko mmentIert diese Stelle durch em en IlI stOrischen ß ogenschlag seht treffend und d emaskiert dIe emo tionsgeladene Prosa der mitteWteruchen Autoren gleich mit: Das könnte ebensoglli em moderner Soldat wIe em Ritter des fünf.tehntenJahrhundcrls gesagt haben . Mit d em nt:lerllchcn Ideal al s solchem hat es ni chts z u sc ha ffen . Es b ring t d e n G e fiihl suntergrund des reinen Kampfesmutes an Sich zum Ausdruck: da s erschauernde Heraus tre ten au s d em e ngen Egoismus in die Erregung der Lebensgefahr, d ie tiefe Rührung über die Tap ferkeit d es Kanleraden, die Wo llust d er Treue lUld Selbstaufopferung. Diese pnnuttvc askeusdle Gefuhlsweh ist die Basis, auf der das Riuecideal ausgebaut wurde zu einem edlen Silde männlicher VollkommenheIt, der griechischen kalo kagathia nahe venvandt, ein hochgespanntes Streben nach scho nem Leben, die kraftvolle Beseeiungeiner ReIhe von Ja.luhunderren ... lind auch die Maske, hinter der sich eme " leh von Gewinnsuch t Imd Gewalt verbetgen konnte. (Huizinga 98) Vo n hi er ist es nu .. e in Sehrt t t , um wi ed er 10 N letzsches erbarmungslosem Griechenland anzukommen , wo dIe ko"'ka,plhia nach H ordell unterworfener Sklaven verlangt, "um emer ge nngen Anzahl 8 FO<'NS on Germ:m Studies olympischer Menschen die Produktion der Kunstwclt zu ermöglichen" (Nietzsche 767), und .. rueht aufhört[e], aus erzenem Munde solche Worte auszurufen 'dem Sieger gehöft der Besiegte. mit Weib und Kind, Gut und BluL' Die G~ltgiebt das erste Rech t, und es giebt kein Recht, das nicht in seinem Fundamente Anmaßung Usutpauon Gcwalnhat ist" (NielZSChe 770). Entsprechend kann Jünger denn auch ein PreIslied der erobernden Brutalität singen und gleich7..eitig wiederum die zivilisierte Alternative lächerlich machen: Ganz andere Kerle waren da doch die alten arabischen Sklavenhändler. Diese besaßen freilich nicht jene Energie fdlc Henry Monon Sta.nleys, K. B.]. dafür besaßen sie Vitalität. Daher wußten sie auch, W2S Leben heißt in einem Unde, in dem der Übcrßuß des Lebens regiecL Sie waren Nachkommen Sind bads des Seefahrers, reiche lind wtirdige Gestalten in einer magischen Wek Dörfet zu verbrennen, Sklaven zu jagen lwd Köpfe auf den Sand raUen zu lassen - war denn das nicht Ihr gmes Recht? Man hörte von ihnen nur in der ekelhaften Melodie der Puritaner als von Schädlingen, aber war das Besueben, diese heiße und wilde Wiege des Lebens In eine große Fabrik zu verwandeln mit Maschinen, denen man die alJgerneinen Menschenrechte zubilligte und die im übrigen die Bestimmung besaßen, füa&:ig Pfund Gununi im Jahre zu tiefern, nicht tausendmal tcuflischer - oder, noch schlimmer, tausendmal Imgweitiger? (A H 30) Genau \\.zialistischen Ve.:gangenheit im a Ugemeinen und dem Holocaust im besonderen auseinandcrseLZI . Eine weitere Parallele laßt sich un ßenlühen um Authentitizität feststcUen, denn die Drehbücher beider Filme gehen auf die Erfahrungen von Zeitzeugen zurück.1 Wie können zwei Fi lme, die au f den ersten Blick so viele Gemc,osamkclten haben, eine so unterschiedliche Rezeptio n In Deutschland erfahrcn? Es drängt sich die Vermurung auf, daß nicht die Them:uik an sich, sondern die Art und Weise, wie der Film die NS-Zeit präsentiert, über Erfolg oder Mißerfolg beim deutscheIl Publikum entscheidet. Wodurch Steh die Frage ergibt, inwiefenl der H olocaust für die Selbsrwahroehmung der Deutscllcl1 in der Postwende-ÄIa cine Rolle spielt. Die seit Seprember 1998 regierende m t-grüne Koalioon, mit der eine neue Generation von Politikem- die erste olme persönliche Erinnerung