Focus 2002.tif 72 Focus Oll German S tucb"es UllftTrt«bung. Osto: Universitiilsverlag, 1965. Schiller, Friednch. W(roU. Nanonalausgabe. ßde. 28 und 29. Weimar: I-Iermann Böhlaus Nachfolger, 1969-77. Schillers absolute E thik : Eine Deutung der Max und Thekla-Handlung Daniel Balestrini heklas Ausruf üherdas Schicksal "desSchönen auf der Erde« (\v.r. 4.12.3180)1 am Sch luß ihres le tzten Monologs zu verstehen, ist für das Begreifen von Friedrich Schillers Walleustcin-Trilogie als ei.ne DaJ:stel­ lung von fdealgestahen in einer rea litätsbezogenen Umgebung konstitutiv. Deml die Max und T hekla-Handlung, deeen Aussage dieser Ausruf zu­ sanunen faßt - weil Max' lUld Thekh s Handeln und Sterben gemäß ihrer absoluten Ethik \llescnsriige des Schönen in der Dramentnlogie slIId (Köhnke 112) -. bildet durch Max' und Theklas Idealistische Weltanschau­ ung und ihr sich daraus ergebendes Schicksal den Kontrast zur ansonsten realitatsbezogenen2 Charakterdar:stcllung im Drama (Reinhatdt 399). So­ mit stell t die Trilogie nicht bloß "schlicht nachahmende Kunst" (Düsing, .,Die Aneignung« 12) dar, gegen welche Schiller sich wen del.' Um Theklas Ausn lf LInd damit diese Auslegung der Trilogie nachzuvollziehen, muß man die Ethik von - in erster Linie - Max Piccolomini und - in zwclIer Linie - Thekla verstehen.· Für M v; lUld Thekla bedeutet .,das Los des Schönen auf der Erde" sowohl das auf einander Verzichten als auch das sich für den Tod Entscheiden um einer abso luten E thik wiHen.s Diese Bchauprung läßt sich sowo hl lind hauprsächlich wcrkimm.,'tncilt anhand der MOl:< lU1d T hekla-I-Iandlung als auch mittels Schillers Ober die iistheliJthe Erziehllng tk.J Me1Uchm in tlmr lVihe von Briifm nachvollziehen. Eine werkimmanente Un tersuchung des Stückes erweist sich als geeignet für eine D eurung. welche die Tdealgestalten Max und Thekla in den VordergrWld stellt, weil sie die Unabhängtgkcit des Kunstwerks Sdlll­ lers von der Realität respektiere. E ine Analyse des Dramas im J-l inblick auf jedweden sozial-politisd len Aspekt krulO d mchall5 Lttercs"'a ntes über Schil ­ ler se1bsl und die damalige und heutige Gesellschaft zu Tage bringen, doch wird dadurch das Drama in den Hintergrund gedrängt, indem E[keonffiIS­ se über das Kunstwerk selbs t eher nun Zwecke eines Anliegens außcrhalb des Dramas vorgestell t werden. leh bin der Ansicht, daß diese auf dem Vo[handensem von fdealgestah en bewhende Deutung sich auf zweierlei 74 FOCl/S on Germ an Studies Weise auch noch im Jahr 2002 als der Germanistik und der im deutschsprachigen Raum Theater besuchenden Öffent1ich.kei~ dienlidl. erweist Erstens spricht ruf die Akrualität dieser Deutung, daß nur diese {I,ie oben erwähnte Schillersehe Kunstauffassuog in den Mittelpunkt s tellt' Düslngs Stellungnalune zum Unterschied zwischen Schillers Kunst und tUlsercr Weh zeigt die Notwendigkeit, Sdlillers dramatisches Werk erneut unter bewußter ß eadmlOg seiner Kunstauffassung zu untersuchen: "KW1Sl schafft keinen Schein, den man für Wirklichkeit halten soll, keine Illusion, keine virtueUe Realität, wie die Spiele des Internet, die dazu führen, daß die Trcnnungslinie :.:;wisdlcn K unst und W irkUdlkeit in Vergessenheit gerät und der Mensch rucht mehr weiß, in welcher Dimension er existier t" (Düsing, "Die Aneignung" 12). Diese Auslegung soll dem Verständnis von Schillers Ästhetik in einer Zeit dienen, in der die Fähigkeit, Kunst und Realität auseinanderzuhahen. vcrlorenzugehen droht, und sie versteht sidl weiterhin als ein Beitrag zum " return of beauty as a legitimate subjcct fo r analysis and appreciation« (Delbanco 14). Max' «bsoMe Ethik Daß Max einer absolUlen Ethik gehorch t, läßt sich anhand seiner Aussa­ gen und Taten sowohl in "Piccolomini" als auch in "Wallensteins Tod" begründen. In den Zwiegesprächen mit Gratin Terzky, Octavio Piccolo­ mini und Wallenstein wird Max' absolute Ethik dank deren relativer Ethik deutlich. Zum ersten Mal beweist Max seine absolute Ethik, als er Wallen­ stein erklärt, daß ihm der Tciwnphzug, den Wallenstein für ihn veranstal­ tet, lediglich wie eine Formalität vorkommt (p. 2.4.763-74).6 Diese Offenheit wirkt außergewöhnlich, besonders in Angetracht der Tatsache, daß Max und T hekla zur Zeit dieser E rklärung schon in einander verliebt sind, und er plant, \VallensceinsToduer zu heiGlcell- Trotzdem Mn auf WalJensteins Gunst hinsidltlidl seiner Beziehung zu Thekla angewiesen ist, konfrontiert er ihn. Eine relative Ehtik hätte Max wohl eher zum Schweigen bewogen. Der Dialog zwischen Max und der GciEin TerL:ky erläutert wciter die Art und Herkunft von Max' absoluter Ethik, zumaJ der Pragmatismus der Grä6n9 zu Max' Idealismus einen Gegensatz bildet . 1m Laufe des Wechselgespräches verrät Max mehr über seine Ethik, indem er beim Be­ schreiben seines Gemiitszusrands sein Jnteressean drei Absoluten erwähnt: Gon, Liebe und eine absolute Erfahrung. Max ist das Kciegslager bedeu­ tUflgslos geworden, und die Zielsetzung der Kriegswelt gilt für ihn nidu Schillers absolute E thik 75 melu (l~ 3.3.1433---47). Statt dessen ist Max flir .. Andacht:' u~d " Liebe« empfinglich geworden: " und jetzt auf einmal / Ward nur dle ~da:h[ klar, so wie die Liebe« (l~ 3.3. 1469-70). Wenn Illan Andacht als elfle S~­ mung, bei der man an ein vollkommenes, perfektes Wesen denkt, un~ LIebe als eine nicht materielle, nicht kö'llerhche. sondern geistige Verblfldung zweier Personen bercadltet, dann wird deutlich, daß Max nadl absoluten Dingen trachtet. Daß Max eine absolute Erfahrung - d.h. eine perfekte, in sich geschlossene Situation, in dcr I!r von allen irdischen EUlschcinkungen sich befreit fuhlt- auf dcmJagd schloß zwischen Pilsen und Nepomuk, als er und T hekla sich zum erste.n Mal ihre Liebe gcstehen und einander küssen, erhhrr~ ergibt sich aus seiner ß eschreibungdieser Szene (l'. 3.3.1485-1510). So betont ee zum Einen die Zeiclosigkeit, die er bei Thekla empfindet (P. 3.3.1476-84). Daß dies ein Merkmal von Absolutheit ist, bezeugen zwei­ erlei Argumente: Zeidosigkeit ist nicht nur cin gängiges ~ymool für .das über die irdische ExistC1lZ 11 inausgehendc, sondern auch eUl konstlh.ltlvec Bestandteil des inhiircntcn, unverä.nderlichen \Vesens eines Menschen gemaß Schillers Vorstellung diesbezüglich in der .ASfhelischtn Eq/ehJlng. 10 Zum Anderen wird die Absolutheic dIeser Slttlatton dadurch betont, daß Max und Thekla sidl in einem Erker befinden. Der Erker bedeutet sowoW räumlich e Erhöhung dem Bod enniveau gegenüber als auch raunliiche Ausgeschiedenheil (Koepf 154-55). . . Besonders hilfreich beim Belegen von Max' absoluter Edllk 1st seine EinschätzUng von Wallensteins Charakter. D ie Eigenschaften, die er Wallenstein zuschreibt, sind fü r ein e absolute E thik konstimtiv: "er ist waluhaft, / Ist unverstell t und haßt die krummen Wege'~ (1). 3.5.1700--01). Daß Max hier eher SCU1C eigene Ethik als die Wallensteins beschreibt, erkennt T hekla unmittelbar: " Das bist du!" (p. 3.5.1702). Besonders dritte \'on Max erwähnte Eigenscha ft - das I lassen der " knammen \Vege. 3.5. 1720). Sie beteuert Max gegenüber, un Gegensatz zu der Versdllossenheit, welche " die Sitte« (p. 3.5.1726) von ihr focdere, finde er in ihr die "Wahrheit« (p. 3.5. l 727) über ihre Liebe, weil ihre gemeinsame Liebe vom Himmel komme (I~ 3.5.173~) . Sie bezeugt ilue Nähe zu einer absoluten Ethik an dieser Stelle dadurch, daß sie sich uicht au f andere Mcnsdlen, sondern auf die AUlOritäten ,,\Vahrhcn" und GOtt (1'. 3.5.1727 und 1734; " Himmel" als metonymischer Verweis all f Go tt) beruft, d.h. daß sie auf zwei Begriffe verweist, die in Verbindung mit Absoi li theitsa.n sprüdl{~n stehen. Dagegen aber bezeugt Theklas Benehmen inl folgenden Aufuitt (I). 3.6.) ilU"en Wankelmut hinsichtlich ilU"es Festhaltens an einer absahnen Ethik. Der Auftri tt stell t in verkleinerter Fo (m den Konflikt zwischen "Pflicht" und "Neigung« (A.E.4.L 14,,29) dar, der ein konstitutives Ele­ ment der Mal: und Thekla-I-landhUlg bildet. Mal: und Thekla wollen bei einander bleiben, aber Graf Te[""'~ky und Wallenstein bestehen darau f daß Max unverLlJglich zu ihnen kommt. 14 Theklas mangelndes Verständms fü r diese Pflicht, welche Max seine Stellung als Oberst in Wallensteins Lager auferlegt, zeigt bei ihr in diesem Moment einen Hang zur [elativen Elhik. Nach vocübergehe ndcm "sdlwermut"ig lemJ [P]rälud ierco" (P. 3.6.Regiea nweisung nach 1756) erwecken Thekla s Aussagen in de( Auseinandersetzwlg mit der Grä fin über das Schicksal dec Frau erneut den Eindruck, daß sie einecabsoluten Edllk mindestens zu gehorchen versuchen will. Wenn die G räfin behauptet, das Her~ und das Schicksal seien zwei von einander unabhängige Begriffe (p. 3.8.l839: " Dein Her~, mein liebes Kind, und nicht das Schicksa l'j, besteht T hekla auf ihrer Autono mie: .. Der Zug des I Jcr:zens ist des Schicksals Stimme" (l~ 3.8. 18+0). Fuc sie ergibt sid l das Schicksal aus dem Indjviduum. Obscho n ThekJa im Anschluß an diese Aussage ih ce H ö rigkei t gegenüber Max verdeu tlicht (P. 3.8.'\ 84 1- 44), betont sie ihre Autono n:ue wenig später zum zweiten Mal (P. 3.8. 1850- 53). T hekhs Autonomie liegt dann, daß sie lhrem eigenen .,1·lerLen" (p. 3.8.1840) und ,,\'il illen« (p. 3.8. 1851) gemäß selbst entscheidet, weOl sie gehordlen will. Zu den schon erwähnten FundamellIen von T heklas absoluter 80 Focm ON GerrntiUl Studies Ethik - Wahrheit und Gott - kommen noch zwei weitere - " Pflicht« und "Ehre« -an der Stelle hinzu, an der Thekla der Gräfin erklärt, daß "Pflich t und Eh re" Max: an den Kaiser bi nden (W.T. 3.2. 13 13- 14). Das Aufrechterhalten von P flicht und das wahre Verdienen von Ehre (im Sinne. von .,innere[m] Wen« oder "Sittlichkeit" [Wahrig]) weisen auf jemanden hin, der gemäß absoluter E thik handelt. Schließlich flUh auf, daß der Unterschied zwischen Thekhs Idealismus tUld dem Pragmatismus der Gräfin - wie auch der oben behandelte Gegensal:zzwischeo t-.1ax' Idealismus und dem Pragmatismus der Gräfin - ThekJas absolute. Ethik zusätzlich betont (\'{n: 3.2.1315-17). Dü Apo/moSt der obJolJilen Ethik: Das Vetzichtm l11lJ dar Sterben Der bisher überzeugendste. Beweis für und deshalb d er Beginn der ApotheoseIS VOll Mn' Wld Theklas Gehorsam gegenüber ihrer absoluten Ethik, die auf den Absoluten E hrlichkeit, Gott, Liebe, Pflicht und E hre beruht, findet sich in Max' und 111eklas letztem Dialog. Nachdem Max mindestens so [u t, als ob er an sein er E thik zweifele ('i.v.T. 3.21.2281--84), fragt er Thekla, ob sie ihn noch lieben könne, wenn el: ihrer Liebe halber Wallenstein beistünde (\V.T. 3.21.2303--(9). Der Frage Il'elen jedoch zwei Auflagen entgegen: T hekla dürfe nur einen Unschul digen lieben (WT. 3.21.2306-07), und bliebe Max Wallenstein treu, würden ihm die Furien den Kaiservernt und Vatermord gewiß heimzahlen (\'V.T. 3.2 1.2317-24 und 2329-35). Daher scheintMax' Fmge an T hek1a trOtz vorübergehenden Schwankens eher eine rhetorische Frage zum nochmaligen Bestatigen ihrer gemeinsamen Ethik als eine emsle AbwRgung zweier Möglichkeiten zu sein (Köhnke 110). E rwarrungsgenläß kommen ThekJa lind Max gemeinsa.m zu dem Sch luß, daß Max weggehen muß, und daß sie damit au f einander verzichten müssen, um seiner (und ihrer) absoluten Ethik treu zu bleiben (WT. 3.21.2337-39 und 2347). Thekla stützt die Entscheidung auf vier Gründe: lieber die Pflicht erfüUen und dadurch den •• FnedenC< der Seele bewahren, als das faJsdle Verhalten bereuen (\V,T. 3.2 1.2339-46); Treue zueinander entsteht durch Selbsttteue (\'V.T. 3.21.2348); die Hoheit des eigenen He("t!:ens gegenüber dem von Außen herantretenden Schicksal ist zu bewahren (\VT. 3.21.2349); lind dennoch ist das Tun gemäß den Diktaten eines von Gott gesandten Sd ucksals zu begründen (\'V,T. 3.21.23jS- 58). D as Wichtigste :J.ber an dieser Stelle iIn H inblick auf Max' und T heklas Ethik ist die bloße Tatsache, daß sie sich freiwilligwegen ihrer Überzeugung. Schillers absolute Ethik 8 1 daß es im Leben absolute "Spic1regeirl" gibt, dafür entscheiden. auf ihr irdisches Zusamm ensein zu verachten. Sie ziehen somit d ie Konsequenz ihrer absoluten Ethik. Nach dieser m onumen talen Entscheidung, Max zum Erfü llen seiner Pflielll aufzufordern. bleibt kein Zwei fel erscheint, daß Thekla bis zuletzt versucht, gemäß einer absoluten Edlik zu handeln. Schließ!Jch Ist die Begriindung ihres Todeswunselles ein letztes Zeichen dafür. Sie ~lil1llt sich. daß Mn' Soldaten - die .,rohen Herzen« (\V.· l~ 4.12.3160) - Ihn I~ den Tod begleitet haben, wäheend sie noch lebt (\V.T. 4 .12.3 15S---6O). ? amlt füh lt sie siell dazu verpflielw::t. wenn auch verspätet. Max cbenfaJls Ul den Tod zu folgen lind ihn d adurch zu ehren. Außerdem glaubt Sie, daß es Ihr und Max' Schicksal sei, einander zu lieben und sowohl damr als auch wegen des gegenseitigen Verrats ihrer Väter zu sterben. Dies läßt sich sowohl anhand ihres Sch lußrufes am Ende ihres letztcn Monologs (\Vf. 4.12.3·177- 80) als auch anhand ihrer Erllheren Aussage:rum Schicksal (WT. 3.21.2355- 59) zeigen. Oie E[klätung von T heklas Todesentscheid ung gemäß Ihrer absoluten Ethik ist jedoch nicht olUle Probleme O bwo hl T hekla ihre Entscheidung für den Tod gemäß ihrer absoluten Ethik trifft, verstößt s.le durch MißachUlIlg ih rer Tochterpflicht ihrer MUller gegenüber (\V. r. 4.1 1.3124-28) gleichzeitig dagegen. Denn durch Ihre Flucht zu Mal{' Grabstätte verläßt sie ihre Mutter, läßt sie in der Not im Stich. I-lier Sieht siell T hekla Ln einen tragischen Konflikt getrieben. der sie entwedcr zu dem Verrat an de m Geliebten oder der MuHet zwmgt. ihr also das konsequente Festhahen an der absoluten E th ik mch t erlaubt Daß Max sich den Tod wünscht (\v'T. 2.23.2397- 98 und 2-127) und diesen Wunsch verwirklich t (\VT. 4.9.291 S---18 und .. t 10.), ergibl sich zwangsläu fig aus den Umstanden und seiner absohnen E thik: .wegen ihr kann er d en Kaiser nicht veua(CIl, und er ist des Todeskampfes !In Namen des Kaisers gegen Wallenstein, den er wie einen Vater zu lieben nie auOlört (\VT. 3.23.2386-88), rUcht &hig. Nachdem er scho n auf .seinen ird,sc~len Anspruch au f ThekJa verzielllet, vollendet lind besteht er die Prufung seiner absolutcn E thik durch seine.n frei gewählten Tod.16 Um dieser Auslegung Nachdruck zu verleihen, läßt Schiller die rragischerwe,se zu spät sich geisug besinnende Figur Wallensreins17 über Ma.' und seinen Tod äußern: "Er ist der GIÜcklidlc. Er hat vollendet [ ... 1.0 ihm ist woh!!" (\,(~T. 5.3.3421 und 3429). Somit gelingt es Schiller mit Max - deutlicher als mit Thekla - eine abso lute Ethi k darzus tell en , d ie einen fü r sei ne Kunstauffassung 82 Focus on Gum :ZD Studies konstirutiven Kontrapost zu den aUgegenwänigen Charakteristika der ~,bloße[n} Wah dleit" (Sduller an H tunboldr, 2 1.3. 1796), welche die anderen Personen beseelen, bildet. johonntJ-Gulenbt'l-Unit'trsilät, Mni"Z Anmerkungen ! WT. = "WaIlenstcms Tod" aus der Reclamausgabc WtJiknIJa" {j 1 \Vtehngan dieser Stelle ist der Umendued zwischen "rea]üitsbezogen" und bloß •. realitatsWiderspiegelnd·'. Mit "realitatsbezogen" memt der VerfUsee das Aufnehmen von menschlichen Charakteristika (zoB. Gier, I laß, Selbstsucht, Heuchelo) in die Handlung und n icht das cmfadlC Wiedergeben der Rt:a1ität (wie z..ß beim F'otorealisffiUs). Schiller hat mit Wo/kIlIttill versucht. Personen mit reahtätsbezogenen Charaktenstika daausteUen (!\lax und '11ekla als Idealgestalten bilden Ausnahmen "on dieser RegeL), doch von seiner geschichtlichen Vorlage befreite er sich (W Hinderee Ln SautermelSter 14:952 und Borchmeyer 408-09). J Im Schlußvers des Prologs h6ßt es: ,Ja d2nkel ihn [d~ .Muse1, daß sie das düstre Bild I Der Wahrheit in das heitre Reich de~ Kunst I hmube.rsplelt ... I Ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst" (prolog zu ,,\Vallensteins Lager" in Redarns WoikIlIUill/6). S. Düsing. "Die Aneignung ... " 12. • Obwohl Thekla hel ihrem letzten Aus~uf nur von M.ax spncht (IP.T 4.12.3177-80), und obwohl Max durch seme Konflikte sowohl mIt seinem Vater Octavio als auch mit sdnem leitbild \Vallenstein dem f..'linelpunkt des Dramas nähe~ steht, ist Thelda. aud, ein Bild des Schönen in dem Drama.. So ist Thekla e~ nicht als ein bloßes "Sprachroh~ emes zum Postulat reduzlenen Gottes" (Köhnke 110- 11) zu betr3chten. \Vie Max kämpft auch Thekla wegen ihres Idealismus um 50 mehr mit ihrer Umwelt (ßerghahn, ",Doch eine Sprache .. :" 25-32). Wie dle Untersuchung zu Theklas abso lute.~ Euuk zeigen wi~d, ist auch Loups BeschreIbung von Theklas Ch:lrakter nicht ooechtigt (Loup 184). $ Eine absolute Euuk richtet SIch nach unveränderltchen, eindeutigen Ideen, d.h. nach Richtlmien, die unter allen Umständen gleich bleiben. Das G~ntelllSt eme relaove Ethik.. , Interesse an SchIUers dr.unanschem Wer\: bleibt rege. Zur Zeit (Frühling 2002) werden allein im Rheln~Main-Gebiet drei Stücke, zwei in Maim: und eines m Frankfurt, aufgefiihrt. 1 Sautermeister erklärt zu de~ gegenwarugen Forschung 1991 : "Die Pngestellungc:n der älte~en Porschung. ob »T ~rJie dtr NVIlui~( (B. v. Wiese, C Heselhaus) oder »GeschlchtsdramalC (W. D1ithey), ob Tragöd ie des machtbesessenen Realisten (G. Pricke, K. May) oder Darstellung der Läuterung zum Idealisten (H Schneider), sUld auch in den n~en Untersuchungen zur Schjllers absolute Etluk 83 Trilog.e weiterhIn gegenwärtig (\v. Mulle.r~Seidel, \'CI. 'Wittkowsk~'" (SautermelSte~ 14:9S2). S. auch 130rchmcyer 408-09. . • p = Die Plccok>mmi" aus der Reclamausgabc: Wu/klljfall I • d t Die Gräfin setzt Max unter Zugcovang zu Ihrem eigenen Nutzen, 111 em sie m ihm den Emdruck erweckt, daß Sie - wenn er bereIt sei, Ihr "Folgsamkeit'· (I~ 3.3.1423) zu zeigen _ ihm mit der Ve~mählung mit TheklJ. hulfe (p.3.3. 1 .. 421- 25). Siewillabe~nurbewerkstelligen, d;ill Max den Etd an \'\IallensteUl ohne Zögem unterschreibt (P. 3.21402-(5). . ,0 [m elften Brief der AJlhtlu,ht" Erzitbllllf, nennt Sc.hlller das mharcntc, unvennderliche \'Clesen eU\es to.tenschen "Person'· (A.E. I I . 1: 43, 16). Fur Schiller . d ~n'ff Person" In dIesem Kontext das Absolute IIn Menschen. Schillers Ist er ....... 6 " . ' Auffilssung von Zeitgebundenheu und Zeitloslgwt dlesbezugltch findet man deutl ich im vienen Absatz des elften Briefes und Im sechsten, dem letzten, Absatz des zwölften Briefes. Ztcatmuster. Brief. Absatz: Selle(n), Zelle(n). . . • 11 Oteser Duahsmus _ zwischen dem, was man begehrt (tlle~ die "Sinne 1, d d was sich außerhalb der n....>eroen behaupten, d.h . remhalten, muß, un em, ' ''"'""6' • r ' •• .• die Seele" _ welchen M:uc in dieser Passage sduldert, weISt au eitlen nlllTIenuIU' " , f ähnlichen Dualismus 11In, welcher Schillers Arthtlmbe Erz;ehllf« prägt: der Kamp, de~ sowohl auf der E.bene des Indrvlduums als auch auf der der Gesellschaft 7;WIschen "slnnhc.helm]" (AB. 12. 1:47, 1) Trieb und "Fo~tneb" (A.E. 12.4:48,17) stattfindet. Der "sinnhche Trieb" ist der Drang nach SlIlnes ~ und emotionalen Empfindungen (A E. 12.1 und 2: 46,28-47,25) und der "Formtneb" ist der Drang ,,auf \~lahrhClt und auf Recht" (A.!:!. 12.4: 48,33). Max' absolule Ethik ~ltspncht dem Pormtrieb. Wallensteins relatlve Ethik enlSpncht dem Slßnltchen rneb. Auf diesem Dualismus ruhen weitgehend die fo lgenden AuselnanderserZ\ingen ZWIschen Max und Wallenstetn in "Wallensrems 10<1". 11 D.h. das Betrachten und Behandeln des alltäglichen Lehens nicht bloß nach den DIktaten der Notwendigkeit des Moments (z.B.: Man hat Hunger, man nimm t das Essen d es N achbarn), sonde r n nach den Diktaten ewer gemeinwohlsoftenden Vernunft (A.E. 23.6, 2. und 3. Sau: 92,.31-93,8) (zJl: Man hat I lunger, man fragt den Nachbarn, ob er übnges Essen habe). 13 -n,eklas Bewußtsein de~ Realität und zugleich M:l:<' schwärmenschcs Bild seiner Kontrahenten kommen vor allem Im Rinften Auftritt des dnnen Aufzuges der "PIccolomim" vor (z.1l I~ 3.5.1 684-86 und 1690-92). Zu Thekla diesbeWgUch s. Berghahn, ",Doch eine Sprache ...... 28. &1 überlegungen zu M;u.:' und Theklas jeweIliger Ethik Ist es sinnvoll, ihre jewelltge E1Ilschälzung der Realität zu beobKhten, denn nur dann, wenn man sich der Reahtät bewußt 1St, kann ein Gegensatz zwischen der eIgenen Ethik und dem, was dIe Umstande von einem fordern, entstehen. Dlese~ Fall tnlt fiir ~-lax und 11,ckb Ln ,,\VaJlenste~ns Tod" ein. Im dritten Auftug der "PIccolomini" scheLnt Max jedoch durch s~tne optimlSoschen Einschätzungen anderer vo~ de~ entscheidenden Anwendung selller Ethik noch verschont zu bleiben. 84 rocu.r on GerOJflIJ Srudies .. D as Schiller'sehe Begriffipaar aus der AltixliJdwt Ertllhll.org eignet sich hier zur Anwendung. weil diesem Auftntt eane dramatische Umsetzung des Gedankens,. welchen Schiller Ln der AsllNJisdun E''f:febll'l!, emwickclt, innewohnt. Schiller beschreibt dieses Gegensatzpaar fo lgendermaßen: Der Mensch mtisse eine Obereinsommung semer "Neigung" (im weiteren Verlauf des Absatzes In "Tneb ... " umbenannt; A.E. 4.1:15,4) ffill seLner "Pflich(' (un weiteren Verlauf des Absatzes in "Vernunft" umbenannt; A.E. 4.1:5,5) erlielen, bevor dIe GeseUschaft sich weiter entwickeln könne. Densdben Konflikt versuchen Max und Thekla vergebens zu lösen. IS .. Aporheose" mcht im griechischen Sin ne einer "Vergöttlichung" (\Vahrig) "eines Sterblichen" (Reske 22), sondern "im Sinne einer allgemeinen Verherrlichung und Verklärung" (lkske 22) 16 Bei der E.rkhrung \"on Max' Tod gibt es auch andere. mLt der oben angdUhrtcn lnrerpretation verwandte Ansiae: I.l\bn könnte hu~r den Einwand erheben, dIe Tatsache, daß Max für seinen Tod sorge. sei em Zt;ichen dafür, daß er den ~'Iul verliere, seiner absoluten EthIk zu folgen, nachdem \VaIlenstein ihn verstoßen habe (w.T. 3.23.2378). Indem er sich bewußt in eine hoffnungslose Sch12cht schicke, begehe er dabei Selbstmord und - geschweige denn~ daß Selbsanord unmoralisch sei - erfiille damit seme Pflicht dem Kaiser gegenüber nicht, denn Selbsonord gelte als Kriegsdienstverweigerung. Betrachtet im größeren Zusammenhang des Dramas hält }edoch dieser Verfasser diese Auslegung für l-l:wspalte«:l. Aussch1aggebender isr. wB Max - wie auch Thekb. - gbubt, daß sem Sterben dIe zwangsläufige Wirkung eines "F1uch res] des Himmels" (\'IZT. 3.21.2355 und 2.23.2424-25) ISI. 2. Weimar versteht Max' Entscheidung für den Tod in der hoffnungslosen Schlacht als die einzige Möglichkeit, "sich selbst und allen anderen wenigstens nidJ/llntnu zu werden" (Weimar 112). 3. Harnson sieht In Max' Tod mcht das Bestehen einer Priifung seiner Ethik, sondern em Symbol des unausweichlichen Untergangs jedes Menschen (Harrison I SS). I larrisons Erklärung stimmt mit der Tatsache überel1l, daß Max und ThekJa, obwohl sie Idealgestalten sind, Menschen und keine überirdischen Mächte sind. Ilarrisons Argument schließt die im HaupttClt."t befindliche " Priifungs"-ErkUrung jedoch nicht aus, sondern läßt Sich damit produktiv versöhnen; 1\·lax' gewählter Tod ist ein Sieg seiner Ethik über sein eIgenes irdisches Verderben und zugleich eine Mahnung an die Umwelt, die Ihn in den 100 tneb. 17 "Sich geisngbesinnende Figur Wallensteins" p:illt hier aus dem Grund, daß Wallenstein 3m Ende der Tnlogie seille \'(/eltanschauung neu zu uberlegen begmnt; aber er macht keme Anstalten :rur Versöhnung mit dem KaIser. Schillers absolute Ethik 85 Literarurverzeidutis Primärliteratur: Schiller Friedrich. Schil1m IPerke.· NatlO!ldamp 8: l17alitlUle.m. Hg. Jürgen • Petersen und Hermann Schneider. WeifTW'; Goethe- und SchIller- Archiv, 1949. _. Ober die iiJlhetium Er{jwllng dti MenIChen in einer Reihe 0011 Brieftn. Stuttgart: Reclam, 2000. ___ • WaJilllJttin I: Ein dramaJiHhts Gttfoot WaUlII1lallJ Lger. Ole Piaolonn/U. Stungart Reclam, 1999. ___ . IValltllltdll 11: Ein dramatiuhu Gedicht: WaDtlli/anl Tod. Stuttgart; Rcclalll, 19%. SekundarlIteratur. Bergbahn, Klaus.",Doch eine Sprache braucht das l ien:': Beobachtungen zu den Liebesdi:alogen in Schillers W.lUenstem". M onaJJhefle: Fiir Dellut/xlI Vn/mimt, DtIIIJfhe SptudK lind Litemtllr64 (1972) : 2S-32. . Dü Bibel- Ahn lind Neuu TeJ/ameJIl: Einhti/Jiibme~"g. FreIburg. Basel und Wien: Herder, 1980. ßorchmeyer,Dieler. Weimarer KJauik: Ponrail eiller EfKJehe: SwJitllbuw dir LiUrolIl1aUJtMtht(L Wemhelm: Amenaum, 1 99~. Casslrer, Ernst. "Die I\ lethodlk des Idealismus In SchIllers philosophlschen Schriften". l tkt IIlIdGufIJiJ. Iledm: B. QuSlrer, 1921. 77-10S. Delbanco, Andrew. "The Dedine and Fall of utcrature". The New t orAl Re/lew of Bookr 46. 17 (4. November 1999); 32--38. Z,tlwnach ; 16 DrN-A4-Selten. Dlising. Wolfgang. 8t&riJli"!iJler Z!4 dm theorrlUrhen S,hriftell . . t-.-lünchen: e l lanser, 1%9. ( = Begleitband zu Pnedrich Sc!lIl1er. SamtlJrhe l17erkt 5; Etzi1hiJIlIgtll: TblortIiJ,1x SdJrijull. Hg. Gerhacd Fncke und Ilerbert G. Gopfert.. München: e llanser, 1959.). ___ . " Die Anelgnung des Fremdcn". Programmheft .zu Die ßrtJllt WII. M"J1M (Spielzeit 2001/2002). l lg. Staatstheater Matnz GmbH. MaUll;: Lindner O HG, 2002. 12-13. Ftnd12Y, George G. "Love, Lover, Lovely, Belo,·ed". Dia:.0lfary t!f tbe B1hk. I ig. James Hasongs et al. New York: Scnbner's, 1954. Tht HotY ßib/t: Contoinin& lhe O/d and Nell l T"tamell/J in/he KlIIgjameJ VttJIOIl. Nashville, Carnden und New Yo rk: Nelson, 1977. Köhnke, Klaus. "Max PICcolomIllI und die Eth Ik des Henens". Ada Gmna!lffl1 11 (1979): 97-11 2. Ko'pf I J. ßi/dwoltmu(h der Arrhiuk.llI1'. Stuttgart: Kröner, 1999. , f ~ " Kord, Susanne "Perfomillg Genders; Three Pbys o n the Powcr 0 '\ omen . MOllaIJhtjte 86 (1994) : 9S-11S. 86 Focus on German Studies Loup, Kurt. Schtinheit u71d Freiheit: Friedrich Schiller Il71d das Diimldorjer S cbauspielhaus Dumont-Lindema7171. Dusseldorf: Stern, 1959. Mann, MichaeL "Zur Charaktero logie in Schillers Wallenstein". EirphOri071: Zeitschrijiflir Literaturgeschichte 63 (1969) : 329-39. Petsch, Robert. Freiheit u71d Notwendigkeit in Schillerr Dranle71. G oethe- und SchillerstucUen 1. MUnchen: c.H. Beck, 1905. 140-208. Pieper, Heike. S chillm Projekt eints ,meJIschlichen Mensehen ': Eine Interpretation der Briefe iiber die listhetische Erziehung des MeJlschen von Friedn'ch Schiller. Lage: Jacobs, 1997. Reinhardt, Hartmut. "Wallenstein". Schtller-Handbuch. Hg. Helmut Koopmann_ Stuttgart: A. Kroner, 1998. 395-414. Reske, Hans-Friedrich. "Apotheose". Metzler-Literatur-Lexik on: Begriffe ufld Definitionen. Hg. Gunther und Irmgard Schweikle. Stuttgart Metzler, 1990. Rothmann, Kurt. Erlduterunge71 l171d Dokume71te: Friedrich Schiller: Wallens tein. Stuttgart: Reclam, 1999. Sautermeister, Gert. "Schiller: Wallenstein". Kindiers Neues Literaturlexikon. Hg. Walter Jens. Munchen: Kindler, 1991 . 14:950- 53. Storz, Gerhard. " Zum Verstandnis des Werkes". Friedrich Schiller. Wallenstezns Lager: Die PiccohlJlini: Walle71steins Tod: Dokumente. Rowohlts K1assiker der Literatur und der Wissenschaft 84/85; Deutsche Literatur 7. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1967. Wahrig, Gerhard. Deutsches Warter-buch. Gutersloh 1997. Weimar, Klaus. "Die Begriindung der Normalitit. Zu Schillers Wallenstein." Zeitschriflfiir deutsche Phihlogie 109 (1990 Sonderheft) : 99-116. Wieder die Alte? Claire Dubois zwischen Illusion und Wirklichkeie Sabine Sievern Sieh dich um bei deinen Berufsgenossinnen - wie viele von ihnen haben ein dem deinen mehr oder minder ahnliches Schicksal rucht gehabt? Wie viele haben ein schlimroeres erfahren?2 O n ihrer Novelle "Wieder die Alte" (1886) zeichnet Marie von Ebner­ Eschenbach das Gesellschaftsbild einer Wiener Vorstadt und das Schick sal einer aspirierenden Hauslehrerin des 19. Jahrhunderts. Die aus dem Adel stammende Ebner-Eschenbach, die von Toegel als "feinfuhlige Beobachterin der Menschen" bezeichnet wird (Mane, 59), verarbeitet in der Darstellung insbesondere ihre Einsicht in die Oberschicht, an der sie in ihren Werken, wie auch in diesem Fall, oftmals Kritik atillert. Diese Verarbeitung von Beobachtungen zeigt sich in "Wieder die Alte," in der die Welt der Oberschicht, das heiBt der wohlhabenden Aristokratic und dem wohlhabenden Grof3burgertum, mit der der Unterschicht, das heillt dem Bfugertum, kontrastiert und die damalige gesellschafthche Situation mit klaren StandesWlterschieden dargestellt wird.3 Bei nwerer Betrachtung Usst sich feststellen, dass das Leben in der Oberschicht gekennzeichnet ist durch Illusion und Realitatsfeme, ruer am Beispiel der Familie Meiberg und Arnold Bretfelds, wahrend in der Unterscrucht eine durch Existenzangst hervorgerufene Realitatsnahe Wld Bodenstandigkeit vorherrscht, fur welche hier exemplarisch die verarmte, ad elige Baronin Karoline Reich steht In dieser Konstellation der Charaktere nimmt die Hauslehrerin Claire Dubois, die E bner-Eschenbach in den Mittelpunkt der Handlung positioniert, eine Sonderstellung em. Als Tochter eines franzosischen Tanzmeisterpaares Wld somit Mitglied der Unterschicht verkehrt sie auf Grund ihrer Arbeit als Hauslehrenn mit der Oberschicht Wld bewegt sicll, wie Brokoph-Mauch es ausdruckt, "in zwei Welten [ . .. ] der eigenen armseligen, muhevollen und der fremden, luxuriosen" (66). 86 Focus on German Studies Loup, Kurt. Schäl/beit u7Id Freiheit: Friedrich S cbiller lI7Id das DiiJselMrjer S cbauspielhaus Dumont·Lilldema7ln. Düsseldorf: Stern, 1959. Mann, Michael. "Zur Charakterologie in Schillers Wallenstein". brphorio7l: Zeitschrift fiir Literaturgeschichte 63 (1969) : 329-39. Petsch, Robert. Freiheit u7ld Notwendigkeit in Schillerr Drame7l. G oethe- und Schillerstudien 1. München: CH. Beck, 1905. 140-208. Pieper, Heike. S chillm Projekt eines ,menschlichen Menschen ': Eine interpretation der Bnefe über die asthetische Erziehung des MeJ/schen von Friedn'ch Schiller. Lage: Jacobs, 1997. Reinhardt, Hartrnut. "Wallenstein". Schiller-Handbuch. Hg. Helmut Koopmann. Stuttgart: A. Kröner, 1998. 39S-414. Reske, Hans-Friedrich. "Apotheose". Metzler-Literatur-Lexikon: Begriffe und Definitionen. Hg. Günther und Irmgard Schweikle. Stuttgart Metzler, 1990. Rothmann, Kurt. Erläuterungen Imd Dokumente: Friedrich Schiller: WaJlenstein. Stuttgart: Reclarrl, 1999. Sautermeister, Gert. "Schiller: Wallenstein". Kindlers Neues Literaturlexikon. Hg. Walter Jens. München: Kindler, 1991 . 14:950- 53. Storz, Gerhard. "Zum Verständnis des Werkes". Friedrich Schiller. Wallel1steins Lager: Die Piccohmini: Wallensteins Tod' Dokumente. Rowohlts Klassiker der Literatur und der Wissenschaft 84/85; Deutsche Literatur 7. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1967. Wahrig, Gerhard. Deutsches Wörterbuch. Gütersloh 1997. Weimar, Klaus. "Die Begründung der Normalität. Zu Schillers WaJlenstein." Zeitschrift für deutsche Phihlogie 109 (1990 Sonderheft) : 99-116. Wieder die Alte? Claire Dübois zwischen Illusion und Wirklichkeit1 Sabine Sievern Sieh dich um bei deinen Berufsgenossinnen - wie viele von ihnen haben ein dem deinen mehr oder minder ähnliches Schicksal nicht gehabt? Wie viele haben ein schlimmeres erfahren?2 O n ihrer Novelle "Wieder die Alte" (1886) zeichnet Marie von Ebner­ Eschenbach das Gesellschaftsbild einer Wiener Vorstadt und das Schicksal einer aspirierenden Hauslehrerin des 19. JahrhlU1derts. Die aus dem Adel stammende Ebner-Eschenbach, die von Toegel als "feinfühlige Beobachterin der Menschen" bezeichnet wird (Marie, 59), verarbeitet in der Darstellung insbesondere ihre Einsicht in die Oberschicht, an der sie in ihren Werken, wie auch in diesem Fall, oftmals Kritik äußert:. Diese Verarbeitung von Beobachtungen zeigt sich in "Wieder die Alte," in der die Welt der Oberschicht, das heißt der wohlhabenden Aristokratie und dem wohlhabenden Großbürgertum, mit der der Unterschicht, das heißt dem Bürgertum, kontrastiert und die damalige gesellschaftliche Situation mit klaren Standesunterschieden dargestellt wird.3 Bei näherer Betrachtung lässt sich feststellen, dass das Leben in der Oberschicht gekennzeichnet ist durch Illusion und Realitätsfeme, hier am Beispiel der Familie Meiberg und Arnold Bretfelds, während in der Unterschicht eine durch Existenzangst hervorgerufene Realitätsnähe und Bodenständigkeit vorherrscht, für welche hier exemplarisch die verarmte, adelige Baronin Karoline Reich steht In dieser Konstellation der Charaktere nimmt die Hauslehrerin Claire Dübois, die E bner-Eschenbach in den Mittelpunkt der Handlung positioniert, eine Sonderstellung ein. Als Tochter eines französischen Tanzmeisterpaares und somit Mitglied der Unterschicht verkehrt sie auf Grund ihrer Arbeit als Hauslehrerin mit der Oberschicht und bewegt sich, wie Brokoph-Mauch es ausdrückt, "in zwei Welten [ ... ] der eigenen armseligen, mühevollen und der fremden, luxuriösen" (66).