FOCUS ON GERMAN STUDIES 16 73 Transgressionen nach Steinhof. Zu Thomas Bernhards Erzählung Gehen im Kontext der psychiatrischen Anstalt "Am Steinhof". TILL GREITE ritik am humanwissenschaftlichen Wissen, genauer am modernen medizinischen Wissen lässt sich als roter Faden Thomas Bernhards Schreiben herausarbeiten. Im Zusammenhang mit dem „Phänomen der Krankheit― ist auf diesen Wissenskomplex hingewiesen worden1 (Kohlhage, Die Verstörung 15). Es wäre jedoch systematisch eine Linie nachzuzeichnen, die ihren Ausgangspunkt in der Kritik der vielen Bernhardschen Ärzte und Patienten an der zeitgenössischen „ärztlichen Wissenschaft―2 (25) nehmen könnte - wie exemplarisch in seinem ersten Roman Frost3 (1963) oder dem letzten Stück Heldenplatz (1988). In dem Stück formuliert sich neben kalkulierter Polemik gegen österreichische Erinnerungspolitik auch dezidierte Kritik an den psychiatrischen Praktiken „Am Steinhof―: Ort der berühmten gleichnamigen Wiener Pflege- und Heilanstalt. In dieser Kritik liegt eine thematische Parallele der Bernhardschen Texte zu den Untersuchungen Michel Foucaults, die bisher in der Bernhard-Forschung nur am Rande Erwähnung fanden. Stefan Rieger etwa beschäftigte sich in dem Aufsatz Gehen. Eine Verfehlung4 mit dem physiologischen Wissen in dieser Erzählung. Gehen als Gegenstand physiologischer Anthropologie konstituiert nach Rieger ein Wissen, welches den (gehenden) Menschen als Wissensobjekt über „Dispositive physiologischer Datenerhebung― (35) erst produziert und sich dergestalt als „empirisch-transzendentale Dublette― (Foucault, Die Ordnung der Dinge 384) in einen Selbstbezug setzt, den Foucault als maßgeblich für die Episteme der Moderne bezeichnet hat. Selbst- und Fremdbeobachtung als humanwissenschaftliche Operationen erweisen sich in Gehen jedoch als äußerst prekär, wenn nicht aporetisch, was es nachzuweisen gälte. Auf ein direkt angrenzendes Untersuchungsfeld verwies Hans Höller 2002 in knapper Überblicksdarstellung, ausgehend von der Schlussreflexion des Famulanten in Frost, was die Eckpunkte meines nun vorzuschlagenden Themas andeuten soll: „Dieser ungewöhnliche wissenschaftskritische Diskurs [Bernhards], der die institutionalisierte Macht der K 74 TRANSGRESSIONEN NACH STEINHOF Medizin dem Kranken gegenüber thematisiert, ist für die Literatur der sechziger Jahre etwas Neues und korrespondiert am ehesten mit den damals erscheinenden Büchern Michel Foucaults („Bernhards Wissenschaft― 22).―5 Dieser Spur ist nachzugehen. Denn Foucault setzte sich - zeitlich parallel zum Schreiben Bernhards - immer wieder mit dem Status des humanwissenschaftlichen Wissens modernen Typus‘ auseinander - von der ersten Schrift Psychologie und Geisteskrankheit6 (132) bis zu seinem späteren genealogischen Unternehmen in Überwachen und Strafen7 unter machtanalytischem Aspekt. Sinnfällig wurde diese Kritik in der Schlussbetrachtung seiner Archäologie der Humanwissenschaften: Innerhalb eines „Trieders des Wissens― (Ordnung der Dinge 413) befinden sich die Humanwissenschaften in paradoxaler Lage, im leeren Raum der interstices, welche die neuen Empirizitäten Leben, Arbeit und Sprache hinterlassen haben. Den Humanwissenschaften bleibt nichts, als sich in eine parasitäre Beziehung zu den Größen des Trieders zu begeben und sich gerade dadurch in einer erkenntnistheoretischen Instabilität8 (Visker, Foucault 48) zu installieren, die sie unmittelbar ihrer Wissenschaftlichkeit beraubt: Daher ist der Status der „Humanwissenschaften― bei Foucault immer durch Anführungszeichen markiert. In unmittelbarer zeitlicher Nähe zur Ordnung der Dinge zieht auch Bernhard in Texten wie Ungenach oder Watten9 (beide 1968), doch am deutlichsten in Gehen (1971) den Status „sogenannter Wissenschaft― (75) samt ihrer Wissensproduktion in Zweifel. Ein Herkunftskomplex: die Psychiatrie „Am Steinhof― als Dispositiv An dieser Stelle möchte ich, ausgehend von Gehen, einen Ort10 als Klammer für die zu tätigende Auseinandersetzung mit Wissensformen und Wissensgrenzen gebrauchen, der immer wieder prominent in Bernhards Texten11 in Erscheinung tritt: die 1907 erbaute, ehemalige12 psychiatrische Heil- und Pflegeanstalt „Am Steinhof― als Brennpunkt humanwissenschaftlichen Wissens wie als Ort von Pflege- und Disziplinierungsmaßnahmen. Bernhard als – wie sich aus Patientenperspektive sagen ließe – Experte für Internierung kannte die Klinik „Am Steinhof― von seinem Spitalaufenthalt auf dem Wilhelminenberg, wo er sich 1967 nach Entfernung eines FOCUS ON GERMAN STUDIES 16 75 Lungentumors aufhielt. Die Spitalanlage, am Stadtrand von Wien gelegen, ist räumlich Teil desselben Klinikkomplexes, zu dem auch die psychiatrische Klinik „Am Steinhof― gehörte, in die zeitgleich sein Freund Paul und Neffe Ludwig Wittgensteins eingewiesen wurde. Mit der Österreicherin Gitta Honegger ist hierbei anzumerken, dass dieser periphere Ort „Steinhof― als Wort im Wiener Sprachgebrauch metonymisch für Irrsinn verwendet wird, so gewissermaßen als Chiffre eine Stelle markiert, wo die vernünftige Rede an ein Ende gelangt (31). Neben der tropologischen markiert der Steinhof zudem eine topologische Stelle im Stadtraum, die ich mit Foucault wie folgt beschreiben möchte: Als realen und historischen Ort bezeichne ich Steinhof als eine Heterotopie, die die Funktion erfüllte, deviantes Verhalten zu neutralisieren bzw. zu absorbieren, im engeren Sinne also als eine Abweichungsheterotopie: „[D]ie Orte, welche die Gesellschaft an ihren Rändern unterhält, an den leeren Stränden, die sie umgeben, sind eher für Menschen gedacht, die sich im Hinblick auf den Durchschnitt oder die geforderte Norm abweichend verhalten. Man denke an Sanatorien, an psychiatrische Anstalten und sicher auch an Gefängnisse (Hetertopien 12).― Um jenen Orten, die bis in die Gegenwart verweisen, gedanklich auf die Schliche zu kommen, gilt es, methodisch eine Genealogie der Orte, eine Analyse ihrer Herkunft13 voranzustellen; eine Analyse jener Orte, wo sich Körper und Geschichte miteinander verschränken. An diesem Kreuzungspunkt lagern sich nach Foucault heterotopische Orte wie etwa Psychiatrien an. Dort, wo sich kulturelle Praktiken historisch in Stein verhärtet haben und auf tatsächliche Körper abstrahlen: wie auf die Bernhardschen Patienten. Über die disziplinäre Ordnung dieser Orte weiß der Autor Bernhard in eigener Sache etwas zu berichten, wenn es etwa über Lungenheilanstalten heißt, sie wären von Ärzten mit „strengem militärischen Gehabe― im Stile einer „Strafanstalt― (Kälte 21) geführt. Es liegt daher nahe, die pavillonartige Architektur sowie die pyramidale Überwachung (Pflegeperson - professionelle Pfleger - Ärzte) des Steinhofs mit Foucault als Pavillon-Panoptismus14 zu bezeichnen, was für diese Wiener Psychiatrie als eine „verspätete Institution― (Schwediauer, Alltag im Steinhof 16) nachzuweisen wäre15 . 76 TRANSGRESSIONEN NACH STEINHOF Um aber neben den nicht-diskursiven, architektonischen Elementen auch die diskursiven Elemente, zu denen neben Bernhards Prosa auch Verwaltungsschriften wie das „Statut― des Steinhofs, Memoranden oder juristische Anhaltungsverfahren gehören würden, in den Blick zu bekommen, schlage ich vor, den ganzen Komplex „Steinhof― als ein Dispositiv16 zu begreifen. Dies ließe sich zusammenfassend: 1) als ein Netz aus Diskursen, Institutionen, Gebäuden, Gesetzen, polizeilichen Maßnahmen begreifen, welches 2) eine konkrete strategische Funktion erfüllt und 3) aus einer Verschränkung von Macht- und Wissensverhältnissen hervorgeht, die im Falle des Steinhofs direkt auf das Verhältnis Arzt-Patient einwirken. Im engeren Bernhardschen Sinne definiere ich dieses Psychiatrie- Dispositiv als einen unsere Existenz prägenden Raum, als einen Ort unter möglichen „Herkunftskomplexen― (Bernhard, Auslöschung 201), die mitgeschaffen haben, an dem, was man ist: Wie den Paul Wittgenstein immer wieder letzten Endes die Irrenärzte ruiniert (...), so haben mich immer wieder die Lungenärzte ruiniert (...), wie ihn letzten Endes die Irrenhäuser geprägt haben, wie ich sagen muß, haben mich die Lungenkrankenhäuser geprägt, wie ich denke, wie ihn über lange Strecken seines Lebens die Verrückten erzogen, haben mich die Lungenkranken erzogen. (Wittgensteins Neffe 34) Diese Orte sind den Individuen immer vorgängig, sie schaffen Möglichkeitsbedingung ihrer Existenz und sind damit bis in ihre Handlungsweisen eingeschrieben. Steinhof wäre somit als ein spezifischer k. u. k.-Herkunftskomplex zu bezeichnen, was an Gehen sowie mit Hilfe von Wittgensteins Neffe nachzuweisen wäre. Die beiden Erzählungen können als zeitlicher Rahmen dienen, da mit Gehen um 1970 und Wittgensteins Neffe um 1980 zwei Modernisierungsschwellen der Psychiatrie gesetzt sind, zwischen denen Spielformen der antipsychiatrischen Kritik auch den Steinhof erreichen und sich im Reformvorhaben des Zielplans für die psychiatrische und psychosoziale Versorgung in Wien (Gabriel, 100 Jahre Gesundheitsstandort Baumgarnter Höhe 289-307) 1979 niederschlagen - zugleich Todesjahr von Paul Wittgenstein, dessen letzte Einweisung davon unberührt blieb.17 Damit reagierte die Anstalt auf den allgemeinen Befund einer Krise disziplinärer Verwahrungsorte18. Allgemein lässt sich der Plan in Prozesse der Entpsychiatrisierung (Foucault, Macht der Psychiatrie 498) FOCUS ON GERMAN STUDIES 16 77 einordnen: Verlagerungen der Kompetenzen an Instanzen außerhalb der Institution. Antipsychiatrische Kritik der Zeit um 1970 stellte dem entgegen die eigentlichen Machtbeziehungen19 ins Zentrum der Kritik bzw. versuchte den Raum der Anstalt systematisch von Innen zu destruieren.20 Dieser Kritik verwandt21, berichtet in Gehen die Figur Oehler als Zeuge und teilnehmender Beobachter22 des Verrücktwerdens seines Freundes Karrer über die an ihm durchgeführte Fremdanamnese23: Scherrer notiert in der sogenannten, unter den psychiatrischen Ärzten üblichen Kurzschrift, was ich sage. Und ich komme mir entsetzlich vor in dem Gedanken, sagt Oehler, dass ich hier in Pavillon VI vor Scherrer sitze und Angaben über Karrer mache, während Karrer in Pavillon VII interniert ist, wir sagen interniert, weil wir eingesperrt oder wie ein Vieh eingesperrt nicht sagen wollen, sagt Oehler. (Bernhard Gehen 63) Neben dem internierenden Charakter des architektonischen Ensembles ist die Funktion der Schrift hervorzuheben. Die Kurzschrift ist eine psychiatrische Technik, die auf Emil Kraepelin24 zurückgeht, mit Hilfe derer über den „nicht krankheitseinsichtigen― (Schwediauer, Alltag im Steinhof 90) Patienten Karrer eine Krankengeschichte samt Symptomen produziert wird, die diesen in ein Überwachungs-Schrift- System25 einflechten. Gegen diese Einschließung durch die Schrift scheint sich der Bernhardsche discours als Erzählrede und Vorgang des Erzählens, genauer als „Diskurs über den Nichtdiskurs― (Foucault, Das Denken des Außen 216) in Opposition zu einer histoire (als Geschichte der Erzählung) mittels verschiedenste Strategien zu erwehren.26 Daher möchte ich die These vertreten, dass Bernhard – wie Foucault – die binären Gegensätze von Innen / Außen, Eingesperrtsein / Hinauskommen, demnach „die Billigkeit der Begriffe von Innen und Außen, also von innerhalb der Irrenhäuser und außerhalb der Irrenhäuser― (Gehen 25) zu überwinden versucht. Die Verflechtung des Asyls mit einem Apparat städtischer Verwaltung lässt den Irren im Sinne von Fremd- und Selbstgefährdung eher als öffentliche Gefahr27, denn als familienpolitisches Problem hervortreten.28 Daher erscheint es plausibel, dass im städtischen Raum „jeder Augenblick die Grenzüberschreitung nach Steinhof sein kann― (ebd.). 78 TRANSGRESSIONEN NACH STEINHOF Vom Bernhardschen Gehen als discours Der Fluchtpunkt von Bernhards Poetik der Intensität29 liegt – so meine Vermutung – in einer Geste der Überschreitung eines räumlich ambulanten Denkens, welches sich gegen jegliche Formen stationären Wissens richtet. Diese Bewegung, respektive dieser Gedanken-Gang, ist in keinem Wort so eng geführt wie in der unbegrenzten Verlaufs- form des Verbs gehen der gleichnamigen Erzäh- lung, die – so die These – latent nahezu alle Optionen des Bernhard- schen Figurenkosmos umfasst. Hierin zeigt sich Bernhard als großer Repetitor.30 Wie Foucault sagt, verteilen die deutschen Prä- und Suffixbildungen (besser als im Französischen) das Spiel von Abwesenheit, Abweichung und Wiederholung um den bedeutungstragenden Kern der Wörter.31 So ließen sich um das Sprachspiel gehen herum – gleich den verschiedenen Seiten eines Würfels32 – die pragmatischen Wortvariationen entlang existentieller Handlungsoptionen der „Akteure― wie folgt strukturieren: Auf der Rückseite müsste stehenbleiben zu lesen sein – als Option des Ausstiegs. Anhand dieses Würfels aber lässt sich ein kontingenter Möglichkeitsraum eröffnen, den sich Bernhards Figuren denkend ergehen, dem sie im ähnlichen Maße wie Valérys Monsieur Teste (80) ausgeliefert sind. Dabei rekurriert die Verschränkung von Denken und Gehen auf antike Topoi. Sie verweist zentral auf Peripatos (gr. Wandelhalle, Spaziergang), jene von Aristoteles gegründete Schule, deren Name sich darauf zurückführt, dass die Angehörigen dieser philosophischen Schule beim Philosophieren bzw. Sprechen umherwandelten.33 Der Name der Schule und der daher kommende antike Topos peripatein, des mit Auf- und Abgehen verbundenen philosophischen Disputs, leitet sich also von einem architektonischen Raum ab. Zu diesem Begriff analog bezeichnet das lateinische discurrere34 u. a. ein Hin- und Herlaufen. Die Technik des mündlichen Disputierens scheint insofern historisch eng mit dem Akt des Gehens FOCUS ON GERMAN STUDIES 16 79 verwoben und findet sich, in von Ellipsen dominierter Form, in Gehen wieder. Deshalb schlagen ich vor, an dieser Stelle den Begriff discours im engeren Sinne fruchtbar zu machen, da der französische Begriff sich direkt auf den Akt des Sprechens, noch vor Sinnerwartungen, zurückführen lässt.35 Schließlich strukturiert sich Gehen zunächst über nichts anderes als verschachtelte Figurenberichte und Inquit-Formeln vertauschbarer Subjektpositionen. Gehen – Denken – Sprechen sind demnach aufs Engste verschaltet und verteilen sich in einem Raum von Differenzen, den die Schrift aus ihrem Abstand36 heraus eröffnet. Daraus entfaltet sich im prozessualen Gehen eine Sprachproblematik, die – mit Foucault gesprochen – ihre Spannung nicht zuletzt aus der Polarisierung von Denken und Sprechen bezieht, wobei jedes Sprechen als „zitiertes― auf ein immer schon begonnenes rekurriert (Bernhard, Gehen 22). Das „Ich spreche― birgt das Risiko, sich in der Grenzenlosigkeit der Sprache aufzulösen, während das „Ich denke― in der Leere einer murmelnden Sprache bis zur Unkenntlichkeit verschwindet. Die Funktion der wissenschaftlichen Diskursbildung wäre es demnach den Risikofaktor „Sprache― auf den Status definierten Wissens zu verknappen37, wohingegen ein literarisches Sprechen dieses Verhältnis gerade dergestalt problematisiert, dass es den discours mit den Rändern einer „reinen Äußerlichkeit― (Foucault, Das Denken des Außen 209) der Sprache selbst konfrontiert: „Das Sein der Sprache ist die sichtbare Auslöschung des Sprechenden― (230). Die Heranführung an ein Außen entleert die einfache Identität der Subjekte, fragmentiert einen diskontinuierlich gewordenen Stadtraum38 und zerlegt die archivarische Erinnerung der Figuren, deren Geschichte (histoire) sich psychiatrischer Rekonstruktion entzieht. Der orientierende Faden scheint nunmehr gerissen: Was bleibt ist ein „tropologischer Raum― (Raymond Roussel 22) ohne Fixpunkt und diskursive Repräsentationsfunktion. Über den topographischen legt sich somit ein tropologischer Raum, der das Gehen immer schon vervielfältigt (in seinen Optionen) und spaltet (in seinen Charakteren), kurz: eine doublure (36) produziert, die nicht zur Orientierungsmatrix dient. Gerade darin liegt aber die Möglichkeit der Figurenrede innerhalb eines antipsychiatrischen Schreibexperiments, das sich durch gezielte Scharmützel dem identitätsstiftenden logos des wissenschaftlichen Diskurses zu entziehen versucht. Die Richtungs- wie Charakteränderung Karrers möchte ich als Intensität bestimmen, die zu einer momentanen Überschreitung von Gewohnheitsschwellen führt. Dabei liegt gerade in der Geh- wie Denkbewegung die Bedingung der Möglichkeit für ein – wie Bernhard 80 TRANSGRESSIONEN NACH STEINHOF in Gehen schreibt – „radikales Ändern der Gewohnheit,― (8) dem auch das Motto der Erzählung verpflichtet ist: „Es ist ein ständiges zwischen allen Möglichkeiten eines menschlichen Kopfes Denken und zwischen allen Möglichkeiten eines menschlichen Hirns Empfinden und zwischen allen Möglichkeiten eines menschlichen Charakters Hinundhergezogenwerden (5)―. Im tropologischen Raum der Bernhardschen Prosa sind es die Stellvertreterorte des Stationären, wo der oben skizzierte Würfel der Möglichkeiten „fällt―. In Gehen vertritt im Stadtraum gewissermaßen ein Laden als Vorbote den Steinhof. Jener rustenschachersche Laden, welcher eine Schwelle (Valery) markiert, die einen „Augenblick der Diskontinuität― heraufbeschwört, wobei jenseits dieses „Instabilitäts- Punktes―, an dem sich die spezifisch idiosynkratische Erregbarkeit (72) der Bernhardschen Figuren kristallisiert, das Stationäre (der Anstalt) beginnt. Benennungseffekte: zur Politik der Oberflächen Bernhards Verfahren sehe ich mustergültig in der Szene im rustenschacherschen Laden vorgeführt, die in der elfmaligen Wiederholung des Wortes schüttere Stellen ihren Höhepunkt findet: daß es sich bei diesen Hosenstoffen ganz offensichtlich um tschechoslowakische Ausschuss- ware handle und er tat, als wolle er tief einatmen und es hatte den Anschein, als gelänge es ihm nicht, worauf er noch etwas sagen wollte, sage ich zu Scherrer, sagt Oehler, aber er, Karrer, hatte keine Luft mehr und er konnte, weil er keine Luft mehr hatte, nicht mehr sagen, was er offensichtlich noch hatte sagen wollen. Diese schütteren Stellen, diese schütteren Stellen, diese schütteren Stellen, diese schütteren Stellen, diese schütteren Stelle immer wieder diese schütteren Stellen [...]. Rustenschacher hatte sofort begriffen, sagt Oehler zu Scherrer und der Neffe Rustenschachers FOCUS ON GERMAN STUDIES 16 81 hat auf meine Veranlassung hin alles veranlaßt, was zu veranlassen gewesen war, sagt Oehler zu Scherrer.― (53, 73) Besagte Szene möchte ich kurz anreißen, um zum Fluchtpunkt des Essays zurückzukommen: Sie ließe sich als eine mise en abyme beschreiben. Aus der Heraldik kommend, bezieht sich der Term auf Abbildungen, geprägt auf Wappen, die stets sich selbst enthalten. Abîme bezeichnet eine Kluft, den Riss, der durch das gezeigte Bild geht, das sich selbst enthält und den Betrachter in eine optische Endlosschleife stürzen lässt. Zu Gehen: während also Rustenschacher die Hosen (Dinge) mit „Namenstäfelchen― (Wittgenstein, Philosophische Untersuchungen 20) rüstet bzw. wappnet, genauer: etikettiert, weist der ambulante Geher Karrer auf diese - seines Erachtens - ungenügenden Bezeichnungsvorgänge hin. Rustenschachers Signifikationsvorgang ist gewissermaßen mangelhaft, schütter. Zur Erläuterung dieses Selbstbezuges der Textkonstruktion beziehe ich mich auf Gérard Genette. Mit ihm liegt der Erzählakt, der wie in Gehen eine Erzählung hervorbringt, auf einer ersten Ebene (1), wobei die erzählten Ereignisse auf einer zweiten Raumebene (2) zu verorten wären. Demnach ist der Erzählakt des Rahmens selbst extradiegetisch, wohingegen die Ereignisse, von denen der Erzähler berichtet intradiegetisch sind. Im Falle von Gehen ließen sich vier Strukturebenen unterscheiden: (1) extradiegetisch (Erzählen/Erzählrahmen) (2) intradiegetisch (erzähltes Erzählen des „Ich―) (3) metadiegetisch (erzähltes erzähltes Erzählen Oehlers) (4) metametadiegetisch (erzähltes erzähltes erzähltes Erzählen Karrers)39 Wir befinden uns also bei Karrers Klage über die schütteren Stellen auf einer vierten Erzählebene (4), die angesichts dieser mangelhaften Etikettiervorgänge die Kluft in der Textur (Hosenstoff) hervorhebt und den Abstand zum ersten Erzählen bzw. Sprechen benennt. Durch die refrainhafte Wiederholung dieses konstitutiven Mangels der Sprache bricht Karrer aber mit dem Illusionsraum seines eigenen Sprechens. Sein discours tritt als solcher vor die Augen des Lesers und schließt sich mit dem Erzählen schlechthin kurz, um so dessen topologische Grenze zu markieren: „schüttere― Stellen bzw. Lettern auf weißem Papier.40 In umgekehrter Reihenfolge zur traditionellen mise en abyme wird der Leser nicht nur in den Abgrund des Textes hineingezogen, sondern gleichzeitig an dessen optisch-materiellen 82 TRANSGRESSIONEN NACH STEINHOF Rand der Buchseiten heran- bzw. über diesen hinausgeführt. Hierin zeigt sich Bernhards Poetik der Überschreitung: Vom intradiegetischen Erzählraum wird man in Gehen an die Grenze des Erzählens geführt, wo der extradiegetische Raum beginnt. Die Erzählung selbst bleibt zwangsläufig immer Vorrede zu einer solchen Überschreitung, zeigt deiktisch – wie Karrer mit dem Spazierstock – auf die Stelle ohne sie jedoch textuell einholen oder zur Repräsentation bringen zu können: denn es zeigt, indem es verbirgt (Blanchot, Das Unzerstörbare 59). Eine begriffliche Umetikettierung – wie eben beschrieben und wie sie Karrer an anderer Stelle an den Wiener Klingelschildern irritierte41 – findet zur Zeit der Entstehung von Gehen an dem benannten Herkunftskomplex „Steinhof― statt, weil die „Bezeichnung »Am Steinhof« kaum mehr tragbar erschien , da sie in weiten Kreisen der Bevölkerung noch immer mit den unmenschlichen Ereignissen der Kriegsjahre in Zusammenhang gebracht wird (Gabriel, 100 Jahre Gesundheitsstandort Baumgarnter Höhe 108)― Hierin spricht sich die geschichtliche Verwicklung der Anstalt „Am Steinhof― in die „T4 Aktion― (71) aus, die gezielte Tötung „psychisch Kranker― während der NS-Herrschaft. Hierin liegt der politische Spieleinsatz für Bernhards dezidiertes Interesse an oben dargelegten Benennungseffekten, die in einer Politik der Oberflächen münden. Denn die strategische Umbenennung, die Mitte der 1960er Jahre „Am Steinhof― vorgenommen wurde, änderte nichts an den Diskursen und historischen Praktiken, die durch einen solchen Ort gehen und sich in ihm zu einem historisch formierten Dispositiv verbinden. Somit liegt der Grund für das Verrückwerden Karres auch nicht im rusten- schacherschen Hosenladen, sondern wird dort nur sinnfällig. Der Schlüssel zu diesem Schloss wie zum Verständnis liegt, wie im Bernhardschen Werk allgemein, im Herkunftskomplex, was in Gehen in Exil und Vertreibung Oehlers sinnbildlich wird.42 Damit wäre man wieder am Anfang und bei der programmatischen Handlungsoption „um alles zurückgehen―, die Oehler gegen die zu kurz greifenden Anamnesetechniken des Psychiaters Scherrer ins Felde führt (48; 92-3). In der Analyse eines derartigen Herkunftskomplexes ist das Dispositiv Steinhof, als eine tief wurzelnde österreichische Institution, aber nicht als Teil der Lösung, sondern dem entgegengesetzt als Teil des Problems zu bezeichnen. Exemplarischer Lösungsschlüssel wäre Steinhof lediglich für ein Unternehmen, das versucht, den Weg zurückzugehen, den Bernhard zu seiner Variante einer „Schrift des Desasters― 43 geführt hat. FOCUS ON GERMAN STUDIES 16 83 Zusammenfassung Ausgehend von einem hetero-topischen Ort namens Steinhof, verstanden als topographisch tatsächlich verortbare Lokalität, versuche ich, das diesem Ort eingeschriebene Dispositiv, jene durch diesen Raum hindurchgehenden Diskurse und architektonischen Ensembles genauer zu bestimmen. Dieser Raum ist definiert als ein lokaler Brennpunkt juristischer, polizeilicher, psychiatrischer sowie administrativer Interventionen. Folglich wären daran anschließend, die historischen Kraftlinien freizulegen, entlang derer sich Bernhards Schreiben positioniert – entlang von Techniken individueller Disziplinierung, welche um 1970 in eine institutionelle Krise geraten und einen historischen Einschnitt markiert, an deren Schwelle sich gesellschaftliche Reformprozesse andeuten. Jenseits einer literarischen Apologie des Wahnsinns als „nackte Erfahrung― (Foucault) – was bei Gehen nahe liegen könnte - ist das Verhältnis von Normalem und Pathologischem bezüglich eines Machtkomplexes namens Steinhof erneut zu bestimmen. Es könnte sich hierbei zeigen, dass die Geste des „so genannten― bei Foucault wie bei Bernhard zur Klärung dienlich ist. Bei Bernhard schreibt sich diese Kritik in einen Raum ein, der sich durch den Abstand schriftlich fixierter Sprache schafft, bei dem ein „Ich spreche― (mit Blanchot) immer schon den Sinn selbst in Zweifel zieht. Mit dem Sinn auch binäre Konstellationen von Normalem und Pathologischem als spezifisch humanwissenschaftliche Normalitätsgrenzen, die es versuchsweise zu hinterfragen gälte, um dergestalt Bernhards Nähe zu Spielformen antipsychiatrischer Kritik aufzuzeigen. Über einen Foucaultschen discours-Begriff, der sich als tatsächliche Rede versteht, möchte ich daher versuchen, den troplo- gischen Raum – vor allen von Gehen - strukturell zu analysieren, in dem selbiger Steinhof an einer Schwelle liegt, welche die Bern-hardschen Figuren laufend kreuzen. Als tropologische Figur markiert der Steinhof gewissermaßen eine Demarkationslinie, die – beim Zurückgehen der Gedanken-Gänge – auf einen Herkunftskomplex hinführt. Zu diesem topologisch-architektonisch verstandenen Her- kunftskomplex möchte ich in Analogie zu Orten wie Salzburg, Ungenach und vor allen Dingen Wolfsegg auch die Wiener Heil- und Pflegeanstalt „Am Steinhof― hinzurechnen, da diese als paradigmatisch gelten kann für die Bernhardsche Variante einer Abarbeitung am morbus austriacus44. Humboldt Universität Berlin 84 TRANSGRESSIONEN NACH STEINHOF Anmerkungen 1 Erstmalig 1987 in der Studie der Medizinhistorikerin Monika Kohlhage. Sie verweist auf Bernhards Nähe zu Positionen der Antipsychiatriebewegung, die für eine Relativierung der Pathologiebegriffe plädierten. 2 So distanziert sich der Landarzt der Verstörung von seinen Kollegen, die, von der Universität entlassen, dem „Familiär- und Ordinationsstumpfsinn― direkt anheim fielen. 3 Der Icherzähler, seines Zeichens Medizinstudent, skizziert die Vorgehensweise einer handwerklich-mechanischen Chirurgie, die sich auf „Aufschneiden und Zunähen― reduziert. Er merkt jedoch an und weist so auf die sprachlich-diskursiven Verfasstheit der Medizin hin: „Eine Famulatur muss auch mit außerfleischlichen Tatsachen und Möglichkeiten rechnen― (7). 4 Bezüglich Riegers Auseinandersetzung mit Bernhards Wissen im Sinne einer Geschichte der Humanwissenschaften vgl. Rieger. „Ohrenzucht und Hörgymnastik. Zu Thomas Bernhards Roman Das Kalkwerk―. Hier werden Elemente der Ohrenheilkunde Victor Urbantschitsch‘ kritisch beleuchtet. 5 Höller verweist hier nur andeutungsweise auf Foucaults Untersuchungen in Wahnsinn und Gesellschaft (1961) sowie der Ordnung der Dinge (1966). 6 In Übersetzung liegt zwar nur eine überarbeitete Fassung von Foucaults Dissertation vor, aber auch hier sind die „Psychologen― in Anführungszeichen gesetzt. 7 „Die Geburt der Wissenschaften vom Menschen hat sich wohl in jenen ruhmlosen Archiven zugetragen, in denen das moderne System der Zwänge gegen die Körper, die Gesten, die Verhaltensweisen erarbeitet worden ist.― Michel Foucault. Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses. (Frankfurt: Suhrkamp, 1994) 283. 8 Zur instabilen Lage der Humanwissenschaften im Trieder des Wissens siehe Rudi Visker, der eine Kritik an der Kritik der Humanwissenschaften durchführt, in dem er den konstitutiven Status der Anführungszeichen bei Foucault analysiert. 9 Dem Verfahren Roussels ähnlich, entwickelt sich das Dilemma des morphiumabhängigen Arztes und Protagonisten der Geschichte, den die Ärztekammer vom Dienst suspendiert hatte, zwischen den Quasi-Homonymen „Watten gehen― (einem Kartenspiel) und „ununterbrochenem Warten―. 10 Siehe Bildanhang am Ende des Artikels. 11 Eine entscheidende Funktion nimmt die Anstalt „Am Steinhof― in chronologischer Reihenfolge in der Erzählung Gehen (1971) sowie der autobiographischen Erzählung Wittgensteins Neffe (1982) und in den Stücken Ritter, Dene, Voss (1984) und Heldenplatz (1988) ein. 12 Zu den jüngsten Umstrukturierungen im Wiener Gesundheitswesen: Eberhard Gabriel. 100 Jahre Gesundheitsstandort Baumgartner Höhe. Mit einem Beitrag von Sophie Ledebur. (Wien: Facultas, 2007) 129. 13 Michel Foucault. „Nietzsche, die Genealogie, die Historie―. Michel Foucault. Von der Subversion des Wissens. Walter Seitter Hrsg. (Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1996) 7. 14 Die architektonische Anordnung geht auf Esquirol und das 19. Jahrhundert zurück und entspricht der Bauweise des Steinhofs: Michel Foucault. Die Macht der Psychiatrie. (Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 2005)154-5. 15 Tatsächlich konstatiert Karl Schwediauer in seiner sozialwissenschaftlichen Studie über den Steinhof für den Donauraum eine „Verspätung― im psychiatrischen Bereich. Auf diese Arbeit stütze ich mich bezüglich der psychiatrischen Praktiken am Steinhof. FOCUS ON GERMAN STUDIES 16 85 16 Zur Definition des Begriffs: Michel Foucault. Dits et Ecrits. Bd. III. (Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 2003) 392-395. Giorgio Agamben. Was ist ein Dispositiv? (Zürich: Diaphanes, 2008) 9. 17 Zur psychiatrischen Krankengeschichte Paul Wittgenstein lassen sich einige Hinweise in folgendem Sammelband finden. Geboren 1907 datiert seine erste Einweisung von 1927, wobei sein Vater versuchte ein Kuratelverfahren anzustrengen. Zeitweilig sogar in Frankreich interniert, datiert seine letzte Einweisung von 1979; demnach spiegelt sich in seinem Leben ein halbes Jahrhundert Psychiatriegeschichte. Siehe Camillo Schaefer, Hrsg. Paul Wittgenstein. Hommage. (Wien: Novum, 1980) 18 Zu diesem Befund : Gilles Deleuze Unterhandlungen (Frankfurt a.M.: Suhrkamp) 254-62. 19 Cooper denkt an Macht unter dem Aspekt der Gewalt, was auf Foucaults Kritik stößt. David Cooper. Psychiatrie und Anti-Psychiatrie. (Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1971) 27. 20 Franco Basaglia. „Die Institutionen der Gewalt.― Die negierte Institution oder die Gemeinschaft der Ausgeschlossenen. Ein Experiment der psychiatrischen Klinik in Görz. Hrsg. Franco Basaglia. (Frankfurt a. M. 1971 S. 159) 21 Zu Bernhard und der Antipsychiatrie siehe: Geoffrey C. Howes. „Antipsychiatrie bei Thomas Bernhard?― und Renate Langer. „Bilder aus dem beschädigten Leben.― Hrsg. Alexander Honold und Markus Joch. Thomas Bernhard. Die Zurichtung des Menschen. (Würzburg : Königshausen und Neumann, 1999) 147-54, 175-87. 22 Der Begriff ist für eine Analyse der Erzählinstanzen sowie zur Wissensgenerierung über die Psychiatrie relevant: Peter Kahrs. Thomas Bernhards frühe Erzählungen. Würzburg: Königshausen und Neumann, 2000) 166. Sowie zur verdeckten teilnehmenden Beobachtung in Steinhof: Eberhard Gabriel. 100 Jahre Gesundheitsstandort Baumgarnter Höhe. Wien: Facultas, 2007) 117f. 23 Eine in Steinhof übliche Technik zur Produktion von Krankengeschichten. Ergänzende Verfahren wären die Visite oder die so genannte Gerichtskommission als Teil des Anhalteverfahrens: Karl Schwediauer. Alltag in Steinhof. Leben in einer psychiatrischen Großanstalt. (Wien: Böhlau, 1984) 34f. 24 Zu Emil Kraepelins Bedeutung für die Psychiatriegeschichte siehe auch: Edward Shorter. Geschichte der Psychiatrie. (Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 2003) 156f. 25 Michel Foucault. Die Macht der Psychiatrie. (Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 2005) 90. 26 Zur Differenz von discours und histoire: Arne Klawitter und Michael Ostheimer. Literaturtheorie. Ansätze und Anwendungen. Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht, 2008) 162. 27 Hierzu auch die Schlussszene aus Wittgensteins Neffe, vor seiner letzten Einweisung: Thomas Bernhard Wittgensteins Neffe. (Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1987) S. 163-4. 28 Foucault grenzt sich von der Statik der Asiles ab, wie sie bei Erving Goffman gedacht wurden: Michel Foucault. Die Macht der Psychiatrie. (Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 2005) 34, 527. Zum Familialismus siehe: Gilles Deleuze und Félix Guattari. Anti- Ödipus. (Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1977) 119f. 29 Dass es bei Bernhard mehr um Effekte als um einen erzählten plot oder Wahrheiten geht, darauf hatte bereits Wendelin Schmidt-Dengler hingewiesen; vielleicht ließe sich mit dem Begriff der „Intensität― in diese Richtung weiterdenken, denn „stets ist es eine Intensität, durch die uns das Denken zustößt.― Gilles Deleuze. Differenz und Wiederholung. (München: Fink, 2007) 188. 30 Eigentlich ein Begriff, den Deleuze von den Werken Charles Péguy und Raymond Roussels her denkt: Gilles Deleuze. Differenz und Wiederholung. (München: Fink, 2007) 40f. 31 Michel Foucault. Das Nein des Vaters. Hrsg. Daniel Defert. (Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 2003) 40. 32 Zur Metapher des Würfel: Ludwig Wittgenstein. Philosophische Untersuchungen. § 139. (Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 2003) 91f. 86 TRANSGRESSIONEN NACH STEINHOF 33 Vgl. Wulff D. Rehfus Hrsg. Handwörterbuch Philosophie. (Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht, 2003) 524. 34 Vgl. Hans Schulz und Otto Basler. Deutsches Fremdwörterbuch. (Berlin: De Gruyter, 1999) 669f. 35 Vgl. Ulrich J. Scheider. „Philosophische Archäologie und Archäologie der Philosophie: Kant und Foucault.― Hrsg. Knut Ebeling und Stefan Altekamp. Die Aktualität des Archäologischen. (Frankfurt. a. M.: Suhrkamp, 2004) 94. 36 Vgl. Maurice Blanchot. Das Unzerstörbare. Ein unendliches Gespräch über Sprache, Literatur und Existenz. (München: Hanser 1991) 147. 37 Zu den Verknappungs- und Ausschließungssystemen des Diskurses: Michel Foucault. Die Ordnung des Diskurses. (Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2007) 11, 34. 38 Inkohärenz scheint für den Bernhardschen Stadtraum als geradezu stilprägendes Element gelten zu können, weshalb etwaige Rekonstruktionsversuche des Stadtraumes Wien aus dem Prosastück wie im Aufsatz von Winterstein meines Erachtens am Ziel vorbeigehen: Stefan Winterstein. „Reduktionen, Leerstellen, Widersprüche.― Hrsg. Martin Huber u.a. Thomas Bernhard Jahrbuch 2004. (Wien: Böhlau, 2005) 31- 54. Entgegen dieses Kartierungsversuchs sei eher ein Vergleich zu psychogeographischen Parcoursformen Guy Debords zu versuchen. „The Naked City,― Guy Debord. 15 Juli 2008 39 Basierend auf einer Musterdarstellung. Vgl. Matias Martinez und Michael Scheffel. Einführung in die Erzähltheorie. (München: Fink, 2003) 76. 40 Hier wäre ein Bezug zum Verfahren Raymond Roussels herauszuarbeiten, welches sich in dem Satz verdichtet: „les lettres du blanc sur les bandes du vieux p/billard.― Vgl.: Raymond Roussel. „Parmis les Noirs.― Comment j’ai écrit certains de mes livres. (Paris: Lemerre, 1935) 225f. 41 „Wohin sind alle diese Menschen, die mit diesen Namen zusammenhängen, die mir vertraut sind und die ich an keiner dieser Türen mehr finden kann, hingekommen?― Thomas Bernhard. Gehen. (Frankfurt. a. M.: Suhrkamp, 1971) 84. 42 Die Exilgeschichte Oehlers galt bisher als „blinder Fleck― in der Forschung: Hans Höller und Manfred Mittermayer Hrsg. Thomas Bernhard. Erzählungen II. (Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 2006) 263. Hierzu folgendes Zitat: „Wie sie deine Mutter zusammengeschlagen haben und wie sie deinen Vater zusammengeschlagen haben, sagt Karrer, sagt Oehler.― Thomas Bernhard. Gehen. (Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1971) 96. 43 In Anspielung auf Blachots Buch zur Shoah.Maurice Blanchot. Schrift des Desasters. (München: Fink, 2005) 44 Jean Améry. „Morbus Austriacus. Bemerkungen zu Thomas Bernhards Die Ursache und Korrektur.― Hans Höller Hrsg. Jean Améry. Aufsätze zur Literatur und zum Film. (Stuttgart: Klett-Cotta, 2003) 129-37. FOCUS ON GERMAN STUDIES 16 87 Quellenverzeichnis Agamben, Giorgio. Was ist ein Dispositiv? Zürich: Diaphanes, 2008. Améry, Jean. Aufsätze zur Literatur und zum Film. Hans Höller, Hrsg. Stuttgart: Klett-Cotta, 2003. Basaglia, Franco, Hrsg. Die negierte Institution oder die Gemeinschaft der Ausgeschlossenen. Ein Experiment der psychiatrischen Klinik in Görz. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1971. Bernhard, Thomas. Frost. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1972. ——. 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