Georgian Scientists/ . 6 N 3, 2024 444 Georgian Scientists Vol. 6 Issue 4, 2024 https://doi.org/10.52340/gs.2024.06.04.42 Wortbildung im universitären DaF-Unterricht – eine wichtige Ebene zwischen Wortschatz und Grammatik Irina Kruashvili Assoziierte Professorin, Dr. Staatliche Universität Suchumi, irinakruashvili@gmail.com Abstrakt Die Wortbildung gehört zu den produktivsten und kreativsten Bereichen der deutschen Sprache. Als eine zentrale Ebene zwischen Wortschatz und Grammatik spielt sie eine wesentliche Rolle beim Erwerb des DaF, da sie den Lernenden ermöglicht, Einsicht in die Struktur und Bedeutung von Wörtern zu gewinnen. Ziel des Beitrags ist es, aufzuzeigen, wie die Gesetzmäßigkeiten der Wortbildung im universitären DaF-Unterricht vermittelt werden können, sodass sie für die Studierenden leicht verständlich, einprägsam und hilfreich im Fremdsprachenlernprozess sind. Dabei werden insbesondere Komposita und Derivate betrachtet. Da Wortbildungskenntnisse für die Erschließung unbekannter Lexik von Bedeutung sind, können sie im Rezeptionsprozess von Texten eine wichtige Rolle spielen. In diesem Zusammenhang sollte den Studierenden vermittelt werden, wie sie Komposita identifizieren und die Unmittelbaren Konstituenten (UK) bestimmen können. Eine Analyse nach UK zeigt die strukturellen, semantischen und funktionalen Merkmale der Komposita am deutlichsten. Dabei werden verschiedene Formativstrukturen unterschieden. UK können Simplizia oder Suffix-/Präfixderivate sein. Semantisch betrachtet lässt sich in Komposita eine Vielzahl von Wortbildungsbedeutungen erkennen, wie etwa lokale, temporale, kausale, finale und weitere Bedeutungen. Für Derivate stützen wir uns auf die inhaltsbezogene Wortbildungslehre von Weisgerber, der davon ausgeht, dass Ableitungssilben spezifische Funktionen übernehmen, sich mit dem Inhalt des Grundwortes verbinden und diesen in bestimmter Weise modifizieren. Ein und dasselbe Affix kann dabei mehrere Bedeutungen tragen. Um den Studierenden die Anwendung von Wortbildungskenntnissen in der Textrezeption zu ermöglichen, sollten diese durch gezielte Wortbildungsübungen gefestigt werden. Mögliche Übungstypen umfassen das Bilden von Komposita, das Identifizieren der UK, das Analysieren der Beziehungen zwischen ihnen, das Erklären von komplexen Wortbedeutungen durch Paraphrase sowie das Ableiten von Wörtern durch Suffixe oder Präfixe und das Untersuchen der Funktionen von Affixen. Georgian Scientists/ . 6 N 3, 2024 445 In vielen DaF-Lehrwerken wird die Wortbildung jedoch nicht in ausreichendem Maße behandelt, sodass der vorgeschlagene Ansatz als innovativ angesehen werden kann. Auch Wörterbücher bieten oft nicht genügend Informationen zu Wortbildungen, da nicht alle lexikalischen Einheiten erfasst werden. Daher ist es für die Studierenden von großer Bedeutung, grundlegende Wortbildungskenntnisse zu besitzen, um die Bedeutung von Wörtern zu erschließen. Im elektronischen Wörterbuch wird die Wortbildung jedoch detaillierter dargestellt. Unser Ansatz berücksichtigt auch Wortspiele aus unterschiedlichen Textsorten. Solche Wortspiele können den Studierenden nicht nur dabei helfen, neue Wortbildungsprodukte zu verstehen, sondern sie auch zur kreativen Wortproduktion anregen, wodurch ihre sprachliche Kreativität gefördert wird. Schlüsselwörter: Wortbildung, Komposition, Derivation, DaF-Unterricht. Einleitung Die Wortbildung gehört zu den produktivsten und kreativsten Bereichen der deutschen Sprache und stellt eine zentrale Schnittstelle zwischen Wortschatz und Grammatik dar. Sie spielt eine wesentliche Rolle im Erwerb des Deutschen als Fremdsprache (DaF), da sie den Lernenden ermöglicht, sowohl die Struktur als auch die Bedeutung von Wörtern zu verstehen. Besonders im universitären DaF-Unterricht ist es von Bedeutung, die Gesetzmäßigkeiten der Wortbildung systematisch zu vermitteln, um den Studierenden ein tiefes Verständnis für die Funktionsweise der deutschen Sprache zu ermöglichen. Dieser Aufsatz untersucht, wie die Prinzipien der Wortbildung – insbesondere Komposita und Derivate – im DaF-Unterricht effektiv vermittelt werden können, um die Sprachkompetenz der Lernenden zu fördern und ihre Fähigkeiten im Umgang mit unbekannter Lexik zu stärken. 1. Die Bedeutung der Wortbildung im universitären DaF-Unterricht Die Wortbildung als Instrument zur Erweiterung des Wortschatzes ist durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst: 1) Die Schaffung neuer lexikalischer Einheiten gemäß den in der jeweiligen Sprache etablierten Mustern; 2) Ein signifikanter Zufluss von Lehnwörtern, insbesondere aus der Fachterminologie; 3) Der Einfluss des Verdichtungsprozesses, der sich in der Bildung semantisch vielschichtiger, zusammengesetzter sprachlicher Einheiten manifestiert. Häufig finden sich in der Sprachverwendung Wortbildungskonstruktionen, deren semantische Explikation eine ausführliche Erörterung erfordert. Die Wortbildung ist ein wesentlicher Bestandteil des Wortschatzes und der Grammatik einer Sprache. Sie ermöglicht es, neue Wörter zu generieren und bestehende Lexeme auf unterschiedliche Weisen zu modifizieren. Im Kontext des DaF-Unterrichts spielt sie eine besonders wichtige Rolle, da sie den Lernenden nicht nur hilft, die Struktur und Bedeutung von Wörtern zu erkennen, sondern auch ihre Fähigkeit zur Wortschatzanalyse und Textrezeption stärkt. Die Wortbildung bietet somit einen wichtigen Zugang zu den grammatikalischen Regeln der Sprache, indem sie die Interaktion zwischen Wortstamm, Affixen und grammatischen Kategorien verdeutlicht. Georgian Scientists/ . 6 N 3, 2024 446 Im DaF-Unterricht wird häufig übersehen, wie tiefgehend und umfassend die Wortbildung das Verständnis einer Fremdsprache beeinflusst. Ein gezieltes Verständnis der Wortbildungsgesetzmäßigkeiten fördert nicht nur die passive Sprachkompetenz (z. B. das Verstehen von Texten), sondern auch die aktive Sprachproduktion, da Lernende mit den Mitteln ausgestattet werden, um neue Wörter zu bilden und unbekannte Lexeme zu entschlüsseln. Das Ziel des Unterrichts sollte daher nicht nur die Kenntnis isolierter Vokabeln, sondern ein Verständnis für die strukturierte Generierung von Wörtern und deren Bedeutungen sein. Wortbildungstypen stellen eine fundamentale Basis für die Analyse und Produktion von Wortbildungskonstruktionen im DaF-Unterricht dar. Die Erschließung unbekannter Lexik sowie die präzise Darstellung komplexer Inhalte erfordern die gezielte Ausbildung und das Erreichen von Wortbildungskompetenz. Diese bildet einen wesentlichen Bestandteil des lexikalischen Wissens. Im Rahmen der Unterrichtsgestaltung werden verschiedene Phasen zur Förderung dieser Kompetenzen durchgeführt, wobei jeweils spezifische rezeptive, reproduktive, produktive und kreative Fähigkeiten im Vordergrund stehen (Gärtner, 2012, S. 501). Die rezeptive Phase zielt darauf ab, dass die Lernenden die Fähigkeit entwickeln, Wortbildungsprodukte sowohl semantisch als auch strukturell zu analysieren und zu erschließen. In der reproduktiven Phase liegt der Schwerpunkt auf der Anwendung bereits bekannter Wortbildungsprodukte. Die produktive Phase fördert die Fähigkeit der Lernenden, eigene Wortbildungsprodukte zu generieren, indem sie auf ein vorhandenes Typenspektrum zurückgreifen. Die höchste Kompetenzstufe wird in der kreativen Phase erreicht, in der die Lernenden in der Lage sind, neue Wortbildungsprodukte zu erschaffen, die in ihrer Ausprägung spezifische Merkmale wie Kontextabhängigkeit, Sprachspiel und Kreativität aufweisen (Gärtner, 2012, S. 501). 2. Komposita im universitären DaF-Unterricht Ein zentrales Element der Wortbildung stellen Komposita dar, also Zusammensetzungen aus mehreren lexikalischen Einheiten, die eine neue, eigenständige Bedeutung erzeugen. Die Analyse von Komposita ist im DaF-Unterricht von besonderer Bedeutung, da sie den Lernenden ermöglicht, die komplexen semantischen und syntaktischen Beziehungen innerhalb eines zusammengesetzten Wortes zu erkennen. Im Unterricht wird das Problem der Identifikation von Komposita behandelt, wobei sowohl die formalen als auch die semantischen Unterschiede zwischen dem Kompositum und der syntaktischen Wortgruppe charakterisiert werden. Ein wichtiger didaktischer Ansatz zur Vermittlung von Komposita im DaF-Unterricht ist die Analyse der unmittelbaren Konstituenten (UK). Diese Methode ermöglicht es, die Struktur eines Kompositums systematisch zu zerlegen und die Beziehungen zwischen den einzelnen Bestandteilen zu erkennen. Die unmittelbaren Konstituenten eines Kompositums sind die Bestandteile, in die ein Wort zerlegt werden kann. Diese Zerlegung erfolgt in der Regel nach semantischen Kriterien. Zum Beispiel können Komposita wie „hochwissenschaftlich“ in die unmittelbaren Konstituenten „hoch“ und „wissenschaftlich“ unterteilt werden. In vielen Fällen zeigt sich, dass ein Kompositum auf verschiedenen Ebenen interpretiert werden kann, was zu unterschiedlichen Deutungsmöglichkeiten führen kann. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Wort „drogensüchtig“, das sowohl als Verbindung von „Drogensucht“ + „-ig“ (Derivationsmodell) als auch von „Drogen“ + „süchtig“ (Kompositionsmodell) Georgian Scientists/ . 6 N 3, 2024 447 verstanden werden kann. Diese Mehrdeutigkeit verdeutlicht, dass unterschiedliche Wortbildungsmodelle zu einem ähnlichen oder identischen Endprodukt führen können. Die hierarchische Struktur von Komposita ist in der Regel binär, wobei die beiden Konstituenten – abgesehen von Kopulativkomposita – nicht gleichrangig sind, sondern in einem Determinationsverhältnis zueinander stehen. Das bedeutet, dass die Semantik des gesamten Kompositums häufig durch das erste Glied (Determinans) und das zweite Glied (Determinatum) bestimmt wird. Die linke Konstituente bestimmt die rechte Konstituente näher und determiniert sie. Ein Beispiel für ein solches Determinationsverhältnis ist das Wort „Fußball“, bei dem „Fuß“ die Körperlichkeit bezeichnet und „Ball“ das Sportgerät, mit dem gespielt wird. Die semantische Struktur des Kompositums „Fußball“ lässt sich demnach als „Ball, der mit dem Fuß gespielt wird“ beschreiben. Diese Analyse verdeutlicht die funktionale Rolle der Konstituenten in der kreativen Bildung neuer Bedeutungen, die charakteristisch für Komposita ist. Bei der Analyse von Komposita im DaF-Unterricht sollten nicht nur die grammatischen Kategorien (z. B. Substantiv + Substantiv), sondern auch die semantischen und funktionalen Merkmale der Konstituenten berücksichtigt werden. Auf diese Weise wird ein tieferes Verständnis für die Struktur und Bedeutung von Komposita vermittelt, was sowohl für die Sprachproduktion als auch für das Sprachverständnis von Lernenden von großer Bedeutung ist. Die Fähigkeit, Komposita zu analysieren, fördert nicht nur das Verständnis der Sprachstruktur, sondern erleichtert auch die Erschließung unbekannter Lexeme. Wenn Studierende in der Lage sind, die Konstituenten eines Kompositums zu identifizieren, können sie die Bedeutung neuer Wörter auch dann erschließen, wenn sie diesen zuvor noch nicht begegnet sind. In Texten begegnet man Komposita mit unterschiedlichen Formativstrukturen (Vgl. Fleischer/Barz, 2012, S. 136): Beide unmittelbaren Konstituenten sind Simplizia (z. B. Handtuch) Die erste Konstituente ist selbst ein Kompositum (z. B. Geburtstagskind) Beide Konstituenten sind Suffixderivate (z. B. Entwicklungsmöglichkeit) Eine der Konstituenten ist ein Suffixderivat, die andere ein Simplex oder Kompositum (z. B. Freundschaftskuss, Lastwagenfahrer) Eine der Konstituenten ist ein Präfixwort (z. B. Unrechtsstaat, Heiratsurkunde) Beide Konstituenten enthalten Fremdelemente (z. B. Systemanalytiker) Eine der unmittelbaren Konstituenten ist ein Affixoid (z. B. Riesenhunger). Ein weiteres wichtiges didaktisches Ziel besteht darin, den Lernenden die verschiedenen semantischen Typen von Komposita näherzubringen. Komposita zeichnen sich durch einen geringeren Grad der semantischen Präzision in den Beziehungen zwischen den einzelnen Konstituenten aus. Ein und dasselbe Strukturmodell einer Wortgruppe kann durch verschiedene semantische Beziehungen charakterisiert werden, was jedoch bei Komposita nicht in gleicher Weise möglich ist. Das Strukturmodell eines Kompositums kann in der Regel mehrere semantische Varianten aufweisen, wobei jede semantische Beziehung der unmittelbaren Konstituenten nur durch eine Transformation in eine Wortgruppe oder einen Satz explizit ausgedrückt werden kann, wie etwa publikationsreif – reif für die Publikation, besichtigungsreif – reif zur Besichtigung. Georgian Scientists/ . 6 N 3, 2024 448 Viele Sprachwissenschaftler, darunter Wilmanns (1899) und Paul (1920), betonen, dass die semantischen Beziehungen zwischen den Bestandteilen eines Kompositums deutlich komplexer sind als die zwischen Attribut und Substantiv. Trotz unterschiedlicher Auffassungen lassen sich bei Komposita jedoch im Allgemeinen mehrere Wortbildungsbedeutungen unterscheiden. Komposita tragen oft komplexe Bedeutungsschichten, die durch die unmittelbaren Konstituenten festgelegt werden. Zu den häufigsten semantischen Typen gehören: Lokale Wortbildungsbedeutung: z. B. Haustür – die Tür eines Hauses Temporale Wortbildungsbedeutung: z. B. Wochenende – das Ende einer Woche Kausale Wortbildungsbedeutung: z. B. Schmerzensschrei – Schrei aufgrund von Schmerzen Finale Wortbildungsbedeutung: z. B. Schreibblock – ein Block zum Schreiben Ornative Wortbildungsbedeutung: z. B. Deckelvase – Vase mit Deckel Materiale Wortbildungsbedeutung: z. B. Lederjacke – Jacke aus Leder Komparative Wortbildungsbedeutung: z. B. Beifallssturm – ein stürmischer Beifall. Neben diesen grundlegenden semantischen Typen gibt es noch viele weitere Komposita, die unterschiedliche Beziehungen und Bedeutungen ausdrücken können. Sie lassen sich jedoch oft nicht genau in eine der genannten Kategorien einordnen. Diese semantischen Typen zeigen, wie Komposita die Bedeutungen ihrer Konstituenten kombinieren, um neue, spezifische Bedeutungen zu erzeugen. Jedes Kompositum steht für eine spezielle Beziehung, die durch die Verbindung von zwei Wörtern entstehen kann. Die Transformationen verdeutlichen die Vielfalt der Bedeutungsnuancen, die durch Komposita im Deutschen ausgedrückt werden können. Ein gezieltes Training der semantischen Variabilität von Komposita trägt dazu bei, dass die Lernenden auch komplexe, fachsprachliche oder literarische Texte leichter verstehen können, da sie die zugrunde liegenden Wortbildungsgesetzmäßigkeiten erkennen. 3. Derivate im universitären DaF-Unterricht Neben den Komposita spielen auch die Derivate – also Wörter, die durch das Hinzufügen von Affixen gebildet werden – eine entscheidende Rolle im DaF-Unterricht. Derivate erweitern den Wortschatz und ermöglichen eine grammatikalische Modifikation und Semantikanpassung von Grundwörtern. Besonders prägend für die Vermittlung von Derivaten im DaF-Unterricht sind die Affixe - Präfixe und Suffixe - die eine Vielzahl von Bedeutungen und grammatischen Funktionen übernehmen. Die semantische Funktion von Affixen ist ein zentrales Thema in der inhaltsbezogenen Wortbildungslehre. Laut der inhaltsbezogenen Wortbildungslehre verändern Affixe die Bedeutung eines Wortes, indem sie eine spezifische semantische Modifikation des Grundwortes vornehmen. Zum Beispiel kann das Suffix -er entweder eine Person bezeichnen, die eine bestimmte Tätigkeit ausführt, wie in Lehrer („Person, die lehrt“), oder ein Werkzeug, das für diese Tätigkeit verwendet wird, wie in Bohrer („Werkzeug zum Bohren“). Präfixe wie un- verändern hingegen den semantischen Inhalt eines Wortes, etwa unfreundlich („nicht freundlich“). Die theoretische Grundlage für semantische Wortbildungskategorien basiert auf den Konzepten von L. Weisgerber (1971, S. 218), der in seinen Arbeiten behauptet, dass innerhalb einer Wortart Georgian Scientists/ . 6 N 3, 2024 449 unterschiedliche „Wortnischen“ entstehen können. Diese Nischen sind semantisch zusammenhängende Gruppen von Ableitungen, die formal gleich gebildet werden, jedoch unterschiedliche Bedeutungsnuancen aufweisen. Die Wortnischen bilden zusammen sogenannte „Wortstände“ (Weisgerber, 1971, S. 223), die als systematische Zusammenfassung von Ableitungen mit verwandten inhaltlichen Schwerpunkten dienen. Ein „Wortstand“ ist demnach eine organisierte Zusammenstellung von Wortnischen, die durch ähnliche inhaltliche Merkmale miteinander verbunden sind, jedoch durch verschiedene Ableitungsmittel realisiert werden können. Innerhalb einer Wortnische sind die Ableitungen weiter in Untergruppen unterteilt, die als „Segmente“ bezeichnet werden. Diese Segmente können sowohl spezifische als auch allgemeine Bedeutungsaspekte ausdrücken. Weisgerber geht davon aus, dass die Ableitungsmittel (wie Suffixe oder Präfixe) nicht nur formale, sondern auch semantische Funktionen haben. Sie verbinden sich mit dem Inhalt des Grundwortes und verändern dessen Bedeutung in einer spezifischen Weise. Dabei ist die inhaltliche Bestimmung der Ableitungen jedoch komplexer als eine bloße Zuordnung zu einem bestimmten Suffix oder Präfix. In vielen Fällen zeigt sich, dass Ableitungsmittel in unterschiedlichen Wortnischen verwendet werden, die jeweils eigene semantische Fokussierungen haben, und dass die gleichen Ableitungsmittel in verschiedenen Kontexten unterschiedliche semantische Bedeutungen hervorrufen können. Weisgerber betont, dass die Systematisierung der Wortbildung nicht auf der Annahme beruhen darf, dass jedes Suffix oder Präfix eine festgelegte semantische Bedeutung trägt. Stattdessen ist es notwendig, die Wortbildung als ein Zusammenspiel unterschiedlicher Nischen zu verstehen, in denen sich ähnliche inhaltliche Themen durch verschiedene Ableitungsmittel manifestieren. Das Konzept des „Wortstandes“ ermöglicht eine präzisere und differenzierte semantische Klassifikation von Derivaten, die durch die gegenseitige Wechselwirkung der Nischen und deren Segmente entstehen. Folglich stellt der „Wortstand“ eine systematische und semantisch fundierte Kategorie zur Gliederung der Wortbildung dar. Er fungiert als übergeordneter Begriff für die semantische Klassifizierung von Ableitungen und zeigt die Vielfalt semantischer Nuancen innerhalb der Wortbildung auf, ohne eine einfache 1:1-Entsprechung zwischen Form und Inhalt zu postulieren. Im DaF-Unterricht werden Suffixderivate, Präfixderivate und kombinatorische Derivate getrennt charakterisiert. Den größten Beitrag zur Suffixderivation leisten die drei adjektivischen Hauptsuffixe -ig, -isch und -lich, die äußerst produktiv sind und deren Ableitungen in die Hunderte gehen. Diese Suffixe werden auch als „Allerweltsuffixe“ bezeichnet, da sie an einer Vielzahl von Basiswörtern vorkommen und in nahezu allen Bildungsmustern vielfältig verwendet werden. Alle möglichen Derivate eines Suffixes oder Präfixes werden in die entsprechende Wortnische eingeordnet und in Segmente unterteilt, was eine wesentliche Voraussetzung für ihre weitere Klassifizierung darstellt. Zur Veranschaulichung der Tatsache, dass ein und dasselbe Affix mehrere Bedeutungen aufweisen kann, sei hier ein Beispiel aus der -lich-Nische angeführt, die aus den folgenden Bedeutungssegmenten besteht: 1) Komparativ (freundlich, feindlich), 2) Ornativ (leidenschaftlich, schmerzlich), 3) Temporal (täglich, wöchentlich), 4) Möglichkeit (erträglich, begreiflich), 5) Georgian Scientists/ . 6 N 3, 2024 450 Notwendigkeit (beachtlich, bedauerlich), 6) Diminutiv (ärmlich, dümmlich), 7) Neigung (kleinlich, reinlich). Manchmal treten semantische Differenzierungen bei gleicher Basis auf, was am Beispiel der Suffixe -ig und -lich veranschaulicht werden kann (vgl. Kruashvili, 2022, S. 11): Geschäftiges Treiben – eine geschäftliche Vereinbarung, Heimische Bevölkerung – heimliches Treffen, Gläubiger Mensch – das ist kaum glaublich, Tätige Hilfe – tätliche Auseinandersetzungen, Zeitig aufstehen – zeitlicher Ablauf. Für DaF-Lernende sind Präfixderivate und kombinatorische Derivate ebenfalls von Bedeutung. Die nominative Funktion der Präfixbildungen besteht in der Modifikation bereits vorhandener Wörter. Die wichtigsten heimischen Präfixe im nominalen Bereich sind erz-, miss-, un-, ur-. Jedes dieser Präfixe besitzt eine mehr oder weniger ausgeprägte eigenständige Bedeutung und drückt entweder Verstärkung oder Negation aus. Fremdpräfixe, die aus lateinischen oder griechischen Präpositionen bzw. Adverbien stammen, sind in mehreren europäischen Nachbarsprachen verbreitet und haben einen großen Anteil an der Bildung von Internationalismen. Man unterscheidet vier Bedeutungsgruppen: Negation, Verstärkung, Positionsangabe und Orientierung. Letztere wird in zwei Untergruppen unterteilt: Die eine drückt die Einordnung in einen räumlichen, die andere in einen zeitlichen Rahmen aus. Kombinatorische Derivate stellen ein Modell dar, bei dem beide Wortbildungsmorpheme – Präfix und Suffix – gleichzeitig als Zirkumfix fungieren. Präfix und Suffix, die einzeln nicht wortfähig sind, bilden zusammen eine trennbare Komponente, die mit einer anderen, wortfähigen Komponente kombiniert wird, z. B. unwiederbringlich. Nischen mit gleichen Segmenten tragen zum Aufbau der entsprechenden Wortstände bei. Als Beispiel sei der ornative Wortstand angeführt: 1) -lich: leidenschaftlich, schmerzlich; 2) -ig: narbig, waldig; 3) -isch: neidisch, spöttisch; 4) -haft: fehlerhaft, fieberhaft; 5) -sam: bedeutsam, gewaltsam; 6) -abel/-ibel: komfortabel, räsonabel; 7) -ant/-ent: arrogant, intelligent, 8) -ar/-är: lakunär, illusionär; 9) -os/-ös: muskulös, porös; 10) -iv: effektiv, aggressiv; 11) -ge-/be- ... -t: genarbt, bebrilltlich. Diese semantische Variabilität der Affixe bietet einen wichtigen Ansatzpunkt für den DaF- Unterricht. Lernende sollten nicht nur in der Lage sein, Affixe zu erkennen, sondern auch ihre semantischen und syntaktischen Funktionen im Wortbildungsprozess zu verstehen. Dies fördert das tiefere Verständnis der Wortbildung und der sprachlichen Strukturen insgesamt. 4. Wortbildungsübungen im universitären DaF-Unterricht Mit der Erweiterung des deutschen Wortschatzes wächst der Stellenwert von Wortschatzübungen im Fremdsprachenunterricht. Sprachliche Übungen sind ein wesentlicher Bestandteil des Fremdsprachenlernprozesses, da sie unterschiedliche Ziele verfolgen können. Einerseits tragen sie zum Erhalt und zur Festigung sprachlicher Einheiten bei, andererseits fördern sie die Automatisierung sprachlicher Routinen, was unmittelbar mit dem Erwerb spezifischer Fertigkeiten und kommunikativer Kompetenzen verknüpft ist. Diese Thematik wird in der Fachliteratur von verschiedenen Sprachwissenschaftlern wie Lewandowski (1991), Kieweg (2010), Neveling (2004, 2020), Targo ska/Jakosz (2024) und anderen behandelt. Nach Targo ska (2012b, S. 63) ist das Georgian Scientists/ . 6 N 3, 2024 451 übergeordnete Ziel aller Übungstypen „das Erreichen der fremdsprachlichen Kommunikations- und Handlungsfähigkeit“. Beile (2009) beschreibt, dass „eine jede Übung einen kleinen Schritt, und eine jede Übungssequenz eine Teilstrecke auf diesem langen und komplexen Weg zur fremdsprachlichen Reife“ darstellt. Da Wortschatzkenntnisse eine zentrale Rolle bei der Entwicklung der Sprachfertigkeiten spielen, kommen insbesondere Wortschatzübungen – und hier speziell Wortbildungsübungen – eine herausragende Bedeutung zu. Wortbildungsübungen nehmen eine zentrale Stellung ein, da sie das Wissen und die Fähigkeiten vermitteln, die die Selbstständigkeit der Lernenden fördern. Durch Kenntnisse in der Wortbildung sind die Lernenden in der Lage, unbekannten Wortschatz eigenständig aus dem Kontext zu erschließen, ihn gegebenenfalls im Wörterbuch nachzuschlagen und neue Wortbildungen zu generieren. Es ist hervorzuheben, dass Wortbildungsübungen die Freude der Lernenden am Spiel anregen können (Mogge, 1982, S. 21; Saxer, 1991, S. 57). Übungen, die darauf abzielen, Umschreibungen durch Komposita zu ersetzen, erweisen sich laut Rössler (1989, S. 109) als bedeutsam und motivierend. Für die Vertiefung und Festigung der Wortbildungskenntnisse sind gezielte Übungstypen erforderlich. Zu den effektivsten Übungsmöglichkeiten gehören die folgenden Ansätze: Analyse der Struktur von Komposita und Erkennen von Zusammenhängen im Aufbau. Dieser Übungstyp fördert das Verständnis für die innere Struktur von zusammengesetzten Wörtern. Lernende sollen die Bestandteile eines Kompositums (z. B. Hausaufgabe, Wasserkocher) identifizieren und die syntagmatischen Beziehungen zwischen diesen Teilen nachvollziehen. Dies hilft, die Prinzipien der Wortbildung zu verinnerlichen und Wortstrukturen als logische Einheiten zu erkennen. Bildung zusammengesetzter Wörter. Hier geht es darum, den Lernenden die Fähigkeit zu vermitteln, neue zusammengesetzte Wörter eigenständig zu bilden. Dies fördert das kreative und flexible Denken hinsichtlich der Wortbildung und stärkt die Fähigkeit, sich neue Begriffe aus bekannten Bestandteilen zu erschließen (z. B. Handtasche aus Hand + Tasche). Graphische Anordnung der Wörter einer Wortfamilie, um die Wortbildung transparenter zu machen. Durch visuelle Darstellungen, wie z. B. Wortbäume oder Diagramme, wird die Verwandtschaft von Wörtern innerhalb einer Wortfamilie verdeutlicht. Diese Methode erleichtert das Verständnis für die morphologische Struktur und hilft, die systematischen Beziehungen zwischen den einzelnen Wortformen zu erkennen (z. B. sehen sichtbar, Sicht, gesehen). Verwendung von Paraphrasen zur Bedeutungsanalyse und Definition von Begriffen. In dieser Übung werden die Lernenden dazu angeregt, die Bedeutung eines Wortes durch eine sprachliche Umschreibung (Paraphrase) zu erfassen. Alternativ können sie auch ein Wort anhand einer gegebenen Paraphrase erschließen. Diese Methode fördert nicht nur das Verständnis der Wortbedeutung, sondern schult auch die Fähigkeit, Wörter in unterschiedlichen Kontexten zu interpretieren (z. B. Handschuh - „ein Kleidungsstück, das die Hand schützt und die Finger bedeckt“). Ableitung von Wörtern durch Suffixe und Präfixe. Lernende üben, wie man durch das Hinzufügen von Präfixen oder Suffixen neue Wörter bildet. Dies fördert das Verständnis der Georgian Scientists/ . 6 N 3, 2024 452 morphologischen Prozesse, die zur Wortbildung führen, und hilft, die Bedeutung und Funktion der einzelnen Affixe zu erkennen (z. B. un- in unbekannt oder -heit in Freiheit). Untersuchung der Bedeutung und Funktion verschiedener Wortbildungsmorpheme (Präfixe, Suffixe). In dieser Übung liegt der Fokus auf der Analyse der einzelnen Morpheme, insbesondere der Präfixe und Suffixe, die in der Wortbildung eine Rolle spielen. Lernende untersuchen, wie diese Morpheme die Bedeutung eines Wortes verändern und welche Rolle sie im Prozess der Wortschöpfung spielen (z. B. -er in Lehrer als Hinweis auf eine Person, die handelt). Ableitung einer bestimmten Wortart, z. B. Substantive aus Adjektiven und Verben sowie Adjektive aus Substantiven und Verben. Diese Übung fördert das Verständnis für die Umwandlung von Wortarten. Lernende üben, aus Verben Substantive oder Adjektive zu bilden und umgekehrt. Hierbei wird besonders auf die morphologischen Strukturen und die damit verbundenen Bedeutungsverschiebungen geachtet (z. B. laufen Läufer, schnell Schnelligkeit). Wortbildungskenntnisse sind besonders relevant für die Textrezeption (vgl. Storch, 1999, S. 93), da sie den Lernenden ermöglichen, unbekannte Wörter zu entschlüsseln und deren Bedeutung zu ermitteln. Da insbesondere Fachtexte häufig eine hohe Dichte an Komposita und Derivaten aufweisen, ist es für Studierende von entscheidender Bedeutung, in der Lage zu sein, diese Wortbildungsprozesse zu erkennen. Die Wortbildung hilft den Lernenden, linguistische Muster zu identifizieren und die Bedeutung von Wörtern im Kontext zu erschließen. Auch Mogge (1982, S. 22) hält es für wichtig, dass die Wortbildungen überhaupt im richtigen Kontext präsentiert werden. 5. Wortbildungsspiele bzw. Wortspiele im universitären DaF-Unterricht Die Integration von Wortbildungsspielen bzw. Wortspielen in den universitären DaF-Unterricht stellt einen innovativen und effektiven Ansatz dar, um sowohl die sprachliche Kreativität als auch das sprachliche Verständnis der Studierenden zu fördern. Insbesondere im Bereich der Wortbildung können diese spielerischen Elemente den Lernprozess bereichern, indem sie den Studierenden ermöglichen, sich auf einer spielerischen Ebene mit der deutschen Sprache auseinanderzusetzen. Nach Metzler-Lexikon Sprache (Glück/Rödel, 2016, S. 776) ist das Wortspiel eine „Bezeichnung für den witzigen, geistreichen, sarkastischen, aber auch kalauernden Umgang mit homophonen, homonymen, homographen Wörtern oder Ausdrücken.“ Dabei zielen Wortspiele auf Mehrdeutigkeiten, Wortklängen oder Wortbedeutungen ab. Wortspiele im universitären DaF- Unterricht bieten eine ausgezeichnete Möglichkeit, nicht nur den Wortschatz und die Grammatik zu vertiefen, sondern auch das kreative und humorvolle Spiel mit Sprache zu fördern. Sie helfen den Studierenden, die Bedeutung und den Kontext von Wörtern zu verstehen, und sie bieten einen spielerischen Zugang zu den vielfältigen Möglichkeiten der deutschen Sprache. Durch den Umgang mit Homophonen, Homonymen, Homographen sowie Kalauer können Studierende auf unterhaltsame Weise lernen, wie Sprache in verschiedenen Kontexten funktioniert und wie Bedeutung durch Klang, Schreibweise oder auch Doppeldeutigkeit beeinflusst wird. Georgian Scientists/ . 6 N 3, 2024 453 Die Förderung von sprachlicher Kreativität ist ein zentraler Aspekt der Wortbildungsspiele im DaF-Unterricht. Die kreative Auseinandersetzung mit der Sprache trägt dazu bei, dass die Studierenden ein tieferes Verständnis für die Struktur und die Funktionsweise der Sprache entwickeln. Indem sie neue Wörter erfinden oder bestehende Wörter in neuen Kontexten anwenden, lernen sie, die sprachlichen Möglichkeiten der deutschen Sprache zu erweitern und zu reflektieren. In diesem Kontext ist die Produktion neuer Wörter nicht nur eine technische Übung, sondern auch eine Möglichkeit, kulturelle und soziale Konzepte in der Sprache zu erfassen und auszudrücken. Wortbildungsspiele ermutigen die Studierenden, ihre sprachlichen Ideen auf unkonventionelle Weise zu formulieren und dabei neue Perspektiven auf die Sprache zu entwickeln. Dies fördert nicht nur die sprachliche Kreativität, sondern auch das kritische Denken und die Fähigkeit, Sprache in unterschiedlichen Kontexten zu verwenden (vgl. Gerhards, 2014, S. 215). Wortbildungsspiele finden sich in verschiedenen Textsorten. Nach Poethe (2002, S. 30) treten in journalistischen Textsorten wie Kommentaren, Rezensionen, Essays und Feuilletons wortspielerische Formen häufig auf. Auch in sachlicheren Texten wie Nachrichten können Wortspiele eine besondere Rolle spielen. Ein Beispiel hierfür ist der Ausdruck: In der Sektbranche herrscht Sektlaune oder Geschäfte bei Florena Cosmetics florieren (ebd.). Im Folgenden werden einige konkrete Beispiele für solche Wortspiele und deren Einsatzmöglichkeiten im universitären DaF-Unterricht vorgestellt. Ein häufiges Wortspiel im Deutschen basiert auf Homonymen, also Wörtern, die gleich geschrieben und gesprochen werden, aber unterschiedliche Bedeutungen haben. Diese können besonders witzig sein, wenn sie im richtigen Kontext eingesetzt werden. z. B. Er stellte sich unter die Linde, um die Sonne zu linden. Dieses Beispiel nutzt die doppelte Bedeutung von „Linde“ (der Baum) und „linden“ (verwandt mit „lindern“, also „mildern“), was eine humorvolle Assoziation ergibt. Ein weiteres Beispiel bilden Homographen, also Wörter, die gleich geschrieben, aber unterschiedlich ausgesprochen und unterschiedlich in ihrer Bedeutung sind. Diese Art von Wortspiel spielt mit der Mehrdeutigkeit und dem Kontext der Aussprache: Der Löwe ist das Symbol für den Löwenanteil. In diesem Beispiel bezieht sich „Löwe“ einmal auf das Tier und einmal auf einen Anteil, der metaphorisch als „Löwenanteil“ bezeichnet wird. Diese Wortspiele können den Studierenden nicht nur den Humor, sondern auch die Flexibilität der deutschen Sprache näherbringen. Eine besondere Art des Wortspiels ist der Kalauer, bei dem es oft um besonders einfache oder „flache“ Wortspiele geht, die mit einer Doppeldeutigkeit spielen. Solche Wortspiele können im Unterricht eine lockere Atmosphäre schaffen und den Studierenden Spaß an der Sprache vermitteln. Beispiel: Was macht ein Pirat am Computer? – Er drückt die Enter-Taste! (Hier spielt das Wort „Enter“ sowohl auf die Computertaste als auch auf das Handeln des Piraten an, der „enter“ (betreten) könnte.). Diese Art von Wortspiel kann auch als kreative Übung genutzt werden, bei der Studierende aufgefordert werden, selbst einfache Wortspiele zu erfinden oder auf bereits bestehende bekannte Kalauer zu reagieren. Ein anschauliches Beispiel für ein Wortbildungsspiel könnte das Erfinden von neuen, aber plausiblen Wortzusammensetzungen oder Ableitungen sein. Die Studierenden erhalten hierbei eine Wortgrundlage, aus der sie durch verschiedene Wortbildungsprozesse neue Wörter schaffen müssen. Georgian Scientists/ . 6 N 3, 2024 454 Diese Übung stellt nicht nur eine Herausforderung für das Wortverständnis dar, sondern auch für das Verständnis von grammatikalischen Regeln und sprachlichen Strukturen. Ein weiteres Beispiel sind Rätsel oder „Wortpuzzle“, bei denen Studierende Wörter oder Wortstämme kombinieren müssen, um neue Bedeutungen zu erzeugen. Solche Spiele fördern nicht nur die Wortschatzarbeit, sondern auch das syntaktische und morphologische Wissen der Lernenden. Durch das ständige Experimentieren mit Wörtern und deren Bedeutungen wird die Sprachkompetenz in der Praxis trainiert. Wortbildungsspiele bieten eine wertvolle Gelegenheit, das Sprachbewusstsein und die Sprachkompetenz der Studierenden zu stärken. Einerseits können sie dazu beitragen, die Studierenden mit komplexen Wortbildungsprozessen vertraut zu machen. Andererseits fördern sie auf eine unterhaltsame Weise die Reflexion über den Sprachgebrauch. Laut Aebli (2016, S. 52) stimulieren Spiele das kreative Denken und bieten einen sicheren Raum, in dem Fehler gemacht werden dürfen, was die Studierenden dazu ermutigt, neue sprachliche Strukturen auszuprobieren. Aus den vorangegangenen Ausführungen lässt sich schließen, dass Wortbildungsspiele und Wortspiele im DaF-Unterricht mehr als nur ein unterhaltsames Element sind. Sie stellen eine wichtige pädagogische Methode dar, um das Sprachverständnis und die sprachliche Kreativität der Studierenden zu fördern. Durch die spielerische Auseinandersetzung mit der Wortbildung erhalten Studierende nicht nur die Gelegenheit, die sprachlichen Strukturen und Regeln der deutschen Sprache zu vertiefen, sondern auch ihre Fähigkeit zur kreativen Wortproduktion zu entwickeln. Solche Spiele ermöglichen es den Lernenden, sich aktiv mit der Sprache auseinanderzusetzen und die vielfältigen Möglichkeiten der Wortbildung zu entdecken. Insgesamt tragen Wortbildungsspiele entscheidend dazu bei, dass Studierende nicht nur als passive Empfänger der Sprache agieren, sondern zu aktiven und kreativen Produzenten werden. Der universitäre DaF-Unterricht profitiert somit von der Integration dieser Spiele, die sowohl den kognitiven als auch den kreativen Aspekt des Sprachlernens fördern. Die Wortspiele können Studierende dazu anregen, mit sprachlichen Konventionen zu spielen und die Vielschichtigkeit der Sprache zu erleben. 6. Wortbildung in DaF-Lehrwerken Die Wortbildung wird im Bereich DaF oft als sekundär angesehen, insbesondere im Vergleich zu anderen sprachlichen Aspekten wie Grammatik, Wortschatz und Aussprache. Viele Sprachforscher sind sich darin einig, dass die Wortbildung in DaF-Lehrwerken unzureichend behandelt wird (vgl. Bohn/Schreiter, 2000; Lindauer, 2006). Targo ska bemerkt, dass „viele Publikationen zur Fremdsprachendidaktik die Wortbildung unausreichend thematisieren“ (Targo ska, 2012a, S. 762). Die Lernenden sehen sich häufig der Herausforderung gegenüber, dass die in den Lehrbüchern dargestellten Modelle viele Unregelmäßigkeiten der Wortbildung nicht ausreichend widerspiegeln (vgl. Fandrych/Thurmair, 1994). Die Materialien zur Wortbildung in DaF-Lehrwerken sind insgesamt eher begrenzt. Empirische Studien zur Wortbildung im Kontext des Unterrichts existieren zwar, wie beispielsweise die von Targo ska (2013), doch eine umfassendere und detaillierte Untersuchung der Wortbildung in modernen DaF-Lehrwerken steht bislang noch aus. Targo ska (2012a, S. 752) Georgian Scientists/ . 6 N 3, 2024 455 überprüfte die Behandlung der Wortbildung in Handbüchern zur DaF-Didaktik bis zum Jahr 2010. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass das Thema in diesen Publikationen weitgehend oder vollständig fehlt. Mac (2011) führte eine Untersuchung zur Behandlung der Derivation in Lehrwerken durch und stellte dabei fest, dass in den meisten Fällen ausschließlich die Wortarten Nomen, Verb und Adjektiv berücksichtigt werden. Obwohl die untersuchten Werke grundlegende Informationen zu gängigen Affixen bieten und auch Übungen zur impliziten Derivation enthalten, zeigen sich deutliche Unterschiede hinsichtlich der Häufigkeit und Intensität der Wortbildungsübungen. Insgesamt mangelt es den Lehrwerken an einer systematischen Struktur und einer kohärenten Vorgehensweise. In ihrer Schlussfolgerung betonte Mac, dass „die Wortbildung in den meisten Lehrwerken zu wenig (in getrennten Kapiteln, Abschnitten, Übungen) thematisiert wird“ (Mac, 2011, S. 16). Diese Ergebnisse werfen ein weiteres Licht auf die unterschiedlichen Herangehensweisen an die Wortbildung in verschiedenen wissenschaftlichen und didaktischen Werken. Neben dem umfassenden Standardwerk Duden (2016), das die Wortbildung detailliert und präzise behandelt, existieren auch spezifische Grammatiken für den Fremdsprachenunterricht, wie die von Helbig/Buscha (2017). Während das Duden-Werk sehr tiefgehende Einblicke in die Wortbildungsprozesse gibt, findet sich in der Grammatik von Helbig/Buscha keinerlei Behandlung dieses Themas. Auch die Lernergrammatik von Koukidis (2017) geht nur vereinzelt auf die Wortbildung ein und beschränkt sich auf stark vereinfachte Darstellungen, die keine detaillierte Auseinandersetzung mit den verschiedenen Wortbildungsprozessen ermöglichen. Elsen (2019) untersuchte aktuelle Grundstufenlehrwerke im Hinblick auf die Behandlung der Wortbildung. Sie analysierte drei Kurs- und Arbeitsbücher für Erwachsene: Motive, Pluspunkt Deutsch und Schritte International. Dabei standen folgende Fragen im Mittelpunkt: „Wie viel Wortbildung wird erwähnt? Welche Wortbildungsarten werden behandelt bzw. welche Morpheme wann und in welcher Reihenfolge? Gibt es Regeln oder müssen sie selbst erschlossen werden?“ (Elsen, 2019, S. 147). Ihre Ergebnisse zeigen, dass diese Lehrwerke der Wortbildung, vor allem den Komposita, sehr wenig Raum zugestehen. Zwar werden einige Wortbildungsverfahren behandelt, doch diese sind in der Regel unzureichend systematisiert und nicht immer mit den erforderlichen Erklärungen versehen (Elsen, 2019, S. 149). Elsen schlägt daraufhin vor, dass Lehrwerke mehr auf das „Prinzip der Progression“ sowie die „Notwendigkeiten bestimmter Lernergruppen“ eingehen sollten. Trotz des Beitrags der Wortbildung zur Transparenz und Erschließbarkeit des Wortschatzes (Holly, 1986, S. 204) bieten viele Wörterbücher, sowohl gedruckte als auch digitale, oft nur unsystematische Angaben zur Wortbildung. Gedruckte Wörterbücher sind aufgrund von Platzbeschränkungen nicht in der Lage, alle Wortbildungsformen – insbesondere seltene oder komplexe – vollständig abzubilden. Elektronische Wörterbücher wie elexiko, ein Online-Wörterbuch zur deutschen Gegenwartssprache, profitieren hingegen von der fehlenden physischen Begrenzung und ermöglichen eine präzisere und umfassendere Darstellung von Wortbildungsprozessen (Klosa, 2013, S. 176). Online-Wörterbuch bietet ein systematischeres und vollständigeres Bild der Wortbildung, indem es die Beziehungen zwischen Grundwörtern und Ableitungen sowie deren Bedeutungskontexte detaillierter darstellt. Georgian Scientists/ . 6 N 3, 2024 456 Darüber hinaus ermöglicht die digitale Plattform eine dynamische und erweiterbare Struktur, die die Aufnahme von Wortbildungsprodukten nicht nur hinsichtlich ihrer Häufigkeit, sondern auch in Bezug auf ihre semantischen und syntaktischen Eigenschaften umfassend unterstützt. Diese Eigenschaften elektronischer Wörterbücher bieten eine wertvolle Ergänzung zu herkömmlichen, gedruckten Wörterbüchern und eröffnen neue Möglichkeiten zur Untersuchung und Lehre der Wortbildung im Rahmen der lexikalischen Datenbankstruktur. Ein weiterer Vorteil der elektronischen Wörterbücher liegt in der kontinuierlichen Aktualisierung und Erweiterung des Wortschatzes, wodurch auch neue Wortbildungen zeitnah erfasst und in das System integriert werden können. Fazit und Ausblick Die Wortbildung stellt eine unverzichtbare Dimension des DaF-Unterrichts dar, die eng mit der Erweiterung des Wortschatzes und der Beherrschung grammatikalischer Strukturen verbunden ist. Durch die gezielte Vermittlung der Gesetzmäßigkeiten der Wortbildung – insbesondere der Komposita und Derivate – können Studierende ihre Sprachkompetenz auf eine neue Ebene heben. Ein vertieftes Verständnis der Wortbildungsprozesse fördert nicht nur das Leseverständnis und die Textproduktion, sondern trägt auch zur kreativen Sprachverwendung bei. Zukünftige DaF-Lehrwerke und -Methoden sollten daher einen stärkeren Fokus auf die Wortbildung legen, um den Lernenden eine fundierte und praxisorientierte Sprachkompetenz zu vermitteln. Literatur: Aebli, Hans. (2016). Sprachliche Kreativität und Sprachförderung im Unterricht. Stuttgart: Verlag W. Kohlhammer. Beile, Werner. (2009). Üben und Übungsformen. In: Udo O. H. Jung (Hrsg.) Praktische Handreichung für Fremdsprachenlehrer, 74-81. Frankfurt am Main: Peter Lang. Bohn, Rainer/Schreiter, Ina. (2000). Wortschatzarbeit. In: Germanistische Linguistik 155-156, S. 57-98. Elsen, Hilke. (2019). Zum Status der Wortbildung in Lehrwerken für DaF. In: Muttersprache 64. Jahrgang 129. S. 141-157. Fandrych, Christian/Thurmair, Maria. (1994). Ein Interpretationsmodell für Nominalkomposita: linguistische und didaktische Überlegungen. In: DaF 31, S. 34-45. Fleischer, Wolfgang/Barz, Irmhild. (2012). Wortbildung der deutschen Gegenwartssprache. Unter Mitarbeit von Marianne Schröder. 4., völlig neu bearbeitete Auflage. Tübingen: De Gruyter. Gärtner, Angelika. (2012). Wortbildung: Problemfelder im DaF-Unterricht. In: Info Deutsch als Fremdsprache 4. S. 499-513. https://doi.org/10.1515/infodaf-2012-0408 Gerhards, G. (2014). Kreativität im Sprachunterricht: Theorie und Praxis des Wortspiels im DaF- Unterricht. Berlin: De Gruyter. Glück, Helmut/Rödel, Michael (Hg.). (2016). Metzler Lexikon Sprache. 5. Auflage. Stuttgart: J. B. Metzler Verlag. Holly, Werner. (1986). Wortbildung und Wörterbuch. In: Lexicographica 2, S. 195-213. Georgian Scientists/ . 6 N 3, 2024 457 Kieweg, Werner. (2010). Übungsformen. In: Wolfgang Hallet und Frank G. Königs (Hrsg.) Handbuch Fremdsprachendidaktik, 182-186. Seelze-Velber: Kallmeyer. Klosa, Annette. (2013). Wortbildung in elexiko: Gegenwart und Zukunft. In: Klosa, Annette (Hrsg.): Wortbildung im elektronischen Wörterbuch. Studien zur deutschen Sprache 63. Tübingen: Narr. S. 175-196. Kruashvili, Irina. (2022). Possibility and Necessity in German Derivatives. Scientific Journal West East. Vol. 8, N1. pp. 9-18. https://doi.org/10.33739/2587-5434-2022-8-1-9-18 Lewandowski, Theodor. (1991). Deutsch als Zweit- und Zielsprache. Handbuch zur Sprachförderung. Trier: Wissenschaftlicher Verlag. Lindauer, Thomas. (2006). Wortbildung. In: Praxis Deutsch 201 (1), S. 6-15. Mac, Agnieszka. (2011). Zur Rolle der Wortbildung in ausgewählten DaF-Lehrwerken am Beispiel der Derivation. In: Zielsprache Deutsch 38 (1), S. 3-21. Mogge, Bernhard. (1982). Von den Schwierigkeiten des Ausländers mit der deutschen Wortbildung. In: Zielsprache Deutsch 2, S. 19-23. Neveling, Christiane. (2004). Wörterlernen mit Wörternetzen. Eine Untersuchung zu Wörternetzen als Lernstrategie und als Forschungsverfahren. Tübingen: Narr. Neveling, Christiane. (2020). Wortschatzarbeit. In: Wolfgang Hallet, Frank G. Königs, Hélène Martinez (Hrsg.): Handbuch Methoden im Fremdsprachenunterricht. Hannover: Klett Kallmeyer. Paul, Hermann. (1920). Deutsche Grammatik. Bd. 5, Teil 4. Wortbildungslehre. Halle (Saale): Max Niemeyer. Poethe, Hannelore. (2002). Wort(bildungs)spiele. In: Irmhild Barz, Ulla Fix, Gotthard Lerchner (Hrsg.): Das Wort in Text und Wörterbuch. Stuttgart/Leipzig: Verlag der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig. S. 23-40. Rössler, Helmut. (1989). Übungstypen und Motivation im Bereich der textbezogenen Wortschatzvermittlung. In: Jahrbuch Deutsch als Fremdsprache 14, S. 92-119. Saxer, Robert. (1991). Wortbildung im Sprachunterricht. In: Informationen Deutsch als Fremdsprache 18 (1), S. 55-62. Storch, Günther. (1999). Deutsch als Fremdsprache - Eine Didaktik. Theoretische Grundlagen und praktische Unterrichtsgestaltung. München: Wilhelm Fink Verlag. Targo ska, Joanna. (2012a). Wozu brauchen Fremdsprachenlernende Wortbildungskenntnisse? Theoretische Überlegungen zu möglichen Einsatzbereichen der Wortbildung im Fremdsprachenunterricht. In: Studia Niemcoznawcze/Studien zur Deutschkunde 49, S. 751-765. Targo ska, Joanna. (2012b). Wortbildungsübungen aus der Sicht der Fremdsprachendidaktik und der DaF-Lernenden.In: Linguistica Silesiana 33. Olsztyn. Targo ska, Joanna. (2013). Wortbildung und Wortbildungsübungen als Forschungsgegenstand der Fremdsprachenlehr- und Lernforschung. In: Acta Neophilologica XV (I). Olsztyn. https://czasopisma.uwm.edu.pl/index.php/an/article/view/861/704 Targo ska, Joanna/Jakosz, Mariusz (Hg.). (2024). Wendepunkte in der Fremdsprachenlehr- und -lernforschung. Teil 2. Brill: V&R unipress. Georgian Scientists/ . 6 N 3, 2024 458 Weisgerber, Leo. (1971). Grundzüge der inhaltbezogenen Grammatik. Düsseldorf: Pädagogischer Verlag Schwann. Wilmanns, Wilhelm. (1899). Deutsche Grammatik. Gotisch, Alt-, Mittel- und Neuhochdeutsch. 2. Abteilung. Wortbildung. 2. Aufl. Straßburg: Hansebooks. Lehrmaterialien: Duden (2016). Die Grammatik. Bd. 9., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Berlin. Helbig, Gerhard/Buscha, Joachim. (2017). Deutsche Grammatik. Ein Handbuch für den Ausländerunterricht. Stuttgart: Ernst Klett Sprachen. Koukidis, Spiros. (2017). Die große deutsche Lernergrammatik. Athen: Praxis Spezialverlag DaF. Word Formation in University-Level German Language Instruction – An Essential Interface Between Vocabulary and Grammar Irina Kruashvili Associate Professor, Dr. Sokhumi State University, irinakruashvili@gmail.com Abstra t Word formation is one of the most productive and creative areas of the German language. As a central level between vocabulary and grammar, it plays an essential role in the acquisition of German as a foreign language, as it enables learners to gain insight into the structure and meaning of words. The aim of this paper is to demonstrate how the principles of word formation can be taught in university-level DaF (German as a Foreign Language) lessons, so that they are accessible, memorable, and useful in the language learning process. The focus is particularly on compounds and derivatives. As knowledge of word formation is crucial for the comprehension of unfamiliar vocabulary, it can play an important role in the process of text reception. In this context, students should be taught how to identify compounds and determine their Immediate Constituents (ICs). An analysis based on ICs most clearly reveals the structural, semantic, and functional features of compounds. Various morphological structures are identified, such as ICs being simple forms or suffix-/prefix-derived forms. From a semantic perspective, compounds can display a wide range of word formation meanings, including local, temporal, causal, final, and other meanings. For derivatives, we rely on the content-based word formation theory of Weisgerber, who posits that derivational morphemes assume specific functions, connect with the content of the base word, and modify it in a particular way. The same affix can thus convey multiple meanings. To enable students to apply their knowledge of word formation in text reception, it should be reinforced through targeted word formation exercises. Possible exercise types include forming compounds, identifying ICs, analyzing the relationships between them, explaining complex word meanings through paraphrasing, deriving words through suffixes or prefixes, and examining the functions of affixes. Georgian Scientists/ . 6 N 3, 2024 459 However, in many German (DaF) textbooks, word formation is not sufficiently addressed, making the proposed approach potentially innovative. Additionally, dictionaries often lack comprehensive information on word formation, as not all lexical units are included. Therefore, it is crucial for students to possess fundamental knowledge of word formation in order to deduce the meaning of words. However, in electronic dictionaries, word formation is presented in greater detail. Our approach also takes into account wordplay from various text types. Such wordplay can not only help students understand new word formation products but also stimulate creative word production, thereby fostering their linguistic creativity. KeyWords: Word formation, compounding, derivation, German as a Foreign Language instruction or teaching. - , , , irinakruashvili@gmail.com . , , , . , , , . , . , . , . , . , , , . . , , , , , . . , Georgian Scientists/ . 6 N 3, 2024 460 , . . , , . , , , , , , , . . . , . , . , . , , . . , , , . : , , , .