






































Microsoft Word - 03bernhardt.doc


Proceedings of the International Commission on History of Meteorology 1.1 (2004)

3.  Johann Wolfgang von Goethes Beziehungen zu Luke Howard

und sein Wirken auf dem Gebiet der Meteorologie

Karl-Heinz Bernhardt

Leibniz-Sozietät e.V.
Berlin, Germany

English Summary

The great German poet Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) started dealing
with problems of meteorology in 1815, after he had essentially finished his scientific
studies in the fields of geology, mineralogy, botany, comparative anatomy, and theory of
light and colors.  His interest in meteorology was awakened by Luke Howard's (1772-
1864) famous paper on the modifications of clouds (1803).  Goethe took up
enthusiastically this morphological cloud classification scheme which was also used in a
meteorological observation network established after 1821 under Goethe's supervision in
the grand duchy Sachsen-Weimar-Eisenach.  The "simple modifications" stratus,
cumulus, cirrus, and nimbus as defined by Howard were described by Goethe in a poem
written in honor of Howard.  It was published in German as well as in English in
Goethe's journal on natural sciences (1820, 1822), together with an autobiographical
sketch sent by Howard.  Later, a review of Howard's book on the climate of London
appeared in the same journal with special reference to the urban heat island effect
described for the first time by Howard.  Goethe, in his further meteorological studies,
developed ideas of a three layer atmospheric stratification which were based upon careful
cloud observations.  He enlarged and refined Howard's classification, for example by
distinguishing between cumulus clouds with horizontal bases and ragged cumulus
designated as cumulus fractus nowadays.  Goethe was looking for relations between
cloud formation, air pressure, wind direction, precipitation and other weather phenomena.
Unfortunately, he made an abstruse hypothesis concerning the mechanism of pressure
variations.  Therefore, Goethe's meteorological studies were ignored widely by
meteorologists, but some of his ideas in this field are reflected in his poetic work.



Proc. ICHM 1.1 (2004) 29

Einleitung

Atmosphärische Phänomene - so Himmelsanblick und Wolkengestalt, Gewitter,
Sturm und Regen - nehmen im dichterischen Werk Johann Wolfgang von Goethes (1749-
1832) von Anbeginn einen bedeutenden Platz ein. Meteorologische Erscheinungen, wie
Morgen- und Abendröte, Dunst und Nebelstreifen helfen in seiner Lyrik, Naturstimmung
und Seelenzustand zu charakterisieren. Bildhafte, eindringliche Wolkenschilderungen
sind in Goethes Prosaschriften, Briefen und Reisebeschreibungen enthalten.

Der Dichter selbst war sehr empfänglich für Sinneseindrücke aus der
atmosphärischen Umwelt und nach eigenen Zeugnissen auch hochgradig wetterfühlig.
Ungeachtet aber all dieser lebenslangen psychosomatischen, mentalen und künstlerisch-
produktiven Beziehungen zu den atmosphärischen Phänomenen hat sich Goethe der
Meteorologie als Wissenschaft systematisch erst jenseits des 65. Lebensjahres
zugewandt. Dies geschah zu einer Zeit, als er seine umfangreichen Studien auf anderen
Gebieten der Naturwissenschaft - Geologie und Mineralogie, Botanik, vergleichende
Anatomie, Chemie, Farbenlehre und Optik - im wesentlichen abgeschlossen hatte.

Allerdings muß auf eine Stichwortsammlung Goethes aus den Jahren 1805-1806
für Physikalische Vorträge in der Mittwochsgesellschaft verwiesen werden, in der unter 6
Problemkomplexen das Stichwort Luft mit Notizen wie Elastische Flüssigkeit,
Dichtigkeit, Schwere, Anziehung, Veränderung der Witterung, Betrachtung des
Barometers ausführlich umrissen wird, die Höhe der atmosphärischen Luft auf 8 geogr.
Meilen gerechnet wird und unter Verweis auf Torricelli und v. Guericke
Demonstrationsexperimente skizziert sind.1 Auch finden sich bereits Hinweise auf die
später ausgebaute abstruse Vorstellung von Schwankungen der Erdanziehung als Ursache
der Luftdruckschwankungen, die Goethes Ideen zur Meteorologie insgesamt unter den
Fachgelehrten so nachhaltig diskreditieren sollten. ("Ungleiche Anziehung der Erde nicht
bemerkt/ Weil man keine feinen Kriterien hatte. Luft hierzu das Geschickteste”.)2

Entscheidender Ausgangspunkt für Goethes bis zum Lebensende fortgesetzte
Beschäftigung mit der Meteorologie aber war die Bekanntschaft mit Howards Schrift On
the Modifications of Clouds...3, die im Jahre 1803 in den Nummern 62, 64 und 65 von
Tilloch's Philosophical Magazine erschienen war und die Grundlage der heutigen
internationalen Wolkenklassifikation bildet.    

Goethes Beziehungen zu Luke Howard

Die Beziehungen von Goethe zum Werk und zur Person des englischen
Apothekers, Chemikers und Meteorologie-Autodidakten Luke Howard (1772-1864)
können nach Äußerungen in Goethes Schriften zur Meteorologie sowie an Hand von
Briefstellen, Tagebuchaufzeichnungen und Bemerkungen in seinen Tages- und
Jahresheften rekonstruiert werden.

Goethe, seit dem Jahre 1776 in hohen Weimarischen Staatsdiensten und seit 1815
Staatsminister im Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach, war unter anderem
gemeinsam mit Christian Gottlob Voigt (1743-1819) für die unmittelbaren Anstalten für
Wissenschaft und Kunst in Weimar und Jena zuständig. Im Dezember 1815 machte ihn
Großherzog Carl August, der "einen eigenen Apparat zur Meteorologie auf dem Rücken



Goethes Beziehungen zu Luke Howard 30

des Ettersberges errichten" ließ4, auf einen Aufsatz über die Howardsche
Wolkeneinteilung  in Gilberts Annalen der Physik5 aufmerksam.

Vom 17. Dezember 1817 - also zwei Jahre nach der ersten Bekanntschaft mit der
Wolkenklassifikation - datiert unter der Überschrift Camarupa eine handschriftliche
"Darstellung der Howardischen Lehre...durch Gilberts Annalen veranlaßt" und mit der
Bemerkung versehen, "es wäre zu wünschen, daß man das Original auch nunmehr zu
besserer Einsicht erhielte".6 Wann sich dieser Wunsch Goethes erfüllte, läßt sich exakt
nicht aufklären. Fest steht aber, daß Goethe ebenfalls im Dezember 1817 eine
"Instrucktion für den Meteorologen des Ettersberg", d. h. eine Beobachtungsanleitung für
das geplante Stationsnetz im Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach ausarbeitete,
von der bisher erst eine erweiterte Fassung aus dem Jahre 1821 (fälschlich auf 1817
datiert) veröffentlicht ist.7

Die Instruktion von 1821 enthält eine ausführliche Beschreibung von Howards
Wolkenformen in der von Goethe bereits modifizierten Terminologie und Reihenfolge
Stratus, Strato-cumulus, Cumulus, Cirro-cumulus, Cirrus, Strato-cirrus, Nimbus. Wie
auch die als Beispiel einer Anwendung dieser Instruction beigefügte Tabelle
meteorologischer Beobachtungen an der Sternwarte Jena vom September 1821 ausweist,
sollten bei den dreimal täglich durchzuführenden Wetterbeobachtungen die auftretenden
Wolkenarten entsprechend dieser Klassifikation festgehalten werden.
 Das unter Goethes ministerieller Verantwortung errichtete Netz von 9
meteorologischen Beobachtungsstationen, das im wesentlichen in den Jahren 1821-1831
in Betrieb war, dürfte damit eines der ersten in der Welt gewesen sein, in welchem
regelmäßig Wolkenbeobachtungen nach der Howardschen Klassifikation angestellt
wurden.

In der Zwischenzeit hatte Goethe 1820 in Heft 3 des ersten Bandes seiner
Zeitschrift Zur Naturwissenschaft überhaupt eine erläuternde Schrift über die
Wolkengestalt nach Howard veröffentlicht, die auch ein im April/Mai des gleichen Jahres
auf einer Reise nach Karlsbad geführtes Beobachtungstagebuch (Wolkendiarium) mit
Nachbemerkungen sowie ein Gedicht zu Howards Ehrengedächtnis enthielt.8 Beigefügt
war die Darstellung einiger Wolkenformen in einem Kupferstich von L. Heß.9

Noch im gleichen Jahr erhielt J. C. Hüttner (1766-1847), Schriftsteller und
Briefpartner Goethes in London, diesen Aufsatz und das "herrliche Gedicht". In einem
Brief vom 23. Februar 1821 erbat er dazu von Goethe einige weiterführende
Erläuterungen für ein größeres Publikum und teilte gleichzeitig mit, eine Übersetzung des
Gedichtes, "von einem geschickten Linguisten Bowring verfertiget", in Händen zu
haben.10

Mit einem Antwortbrief vom 4. April 1821 hat Goethe "einen Versuch gemacht,
wie das Vermißte allenfalls nachgebracht werden könnte”.11 Offensichtlich handelte es
sich um die erweiterte Version, in der das Ehrengedächtnis zusammen mit einer weiteren
Würdigung des Howardschen Werkes ein Jahr später in Heft 4 des ersten Bandes der
Zeitschrift Zur Naturwissenschaft überhaupt erschien.12 Die an dieser Stelle ebenfalls
abgedruckte englische Übersetzung des Gedichtes war bereits 1821 im London Magazine
publiziert worden. Die ersten drei Strophen der erweiterten Fassung wurden nach dem
Zeugnis Hüttners von dem Faust-Übersetzer G. Soane (1790-1860) ins Englische
übertragen.13



Proc. ICHM 1.1 (2004) 31

Goethe jedenfalls fand in einem Dankschreiben an Hüttner vom 25. September
1821, worin er den Eingang der Übersetzungen (Sendungen aus London vom 5. Juni und
3. Juli) bestätigte, "die drey ersten Strophen...ganz vollkommen verstanden und
ausgedruckt”. Jedoch: "bey den vier letzteren mag wohl einiges Abweichen vom Texte
sich daher schreiben, daß der Übersetzer, um gewissen schwierigen und dunkeln Stellen
des Originals aus dem Wege zu gehen, einige unsichere Tritte gethan, wodurch die
Klarheit des Ganzen etwas gefährdet ist”.14 Die vier letzten Strophen des Gedichtes zu
Howards Ehrengedächtnis sind im Anhang zum vorliegenden Beitrag in deutscher und
englischer Fassung wiedergegeben.15

In dem erwähnten Brief vom 25. September an Hüttner bat Goethe schließlich,
ihm von dem "noch lebenden, gefeyerten Meteorologen einige Kenntniß, Nachricht über
seine näheren Verhältnisse zu geben...".16 - eine Bitte ganz im Sinne der in anderem
Zusammenhang formulierten Maxime Goethes, wonach die Geschichte der Wissenschaft
die Wissenschaft selbst, die Geschichte des Individuums das Individuum ist.17

Dank der - offenbar nicht ganz unschwierigen - Vermittlung durch Hüttner sandte
Howard im Februar 1822 neben einem autobiographischen Abriß auch die beiden Bände
des Climate of London (1818, 1820), die ihm die Mitgliedschaft in der Royal Society
eingebracht hatten, an Goethe. Dieser informierte die Leser seiner Reihe Z u r
Morphologie (Band 1, Heft 4) über den Eingang des biographischen Aufsatzes (Howard
to Goethe. A biographical sketch.)18 und veröffentlichte ihn, ins Deutsche übersetzt, 1823
im Band 2, Heft 1 Zur Naturwissenschaft überhaupt.19 Im gleichen Heft erschien eine
von Goethe veranlaßte Rezension des Climate of London aus der Feder von J. F. Posselt
(1764-1823), dem Direktor der Sternwarte zu Jena.20

Goethe dankte Hüttner mehrfach brieflich für seine Bemühungen, ließ
Danksagung und Grüße an Howard übermitteln und bekundete die Absicht, ihm selbst zu
schreiben bzw. "auf irgend eine schickliche Weise zu seiner Zufriedenheit einiges
beyzutragen”.21 Jedoch finden sich in Goethes veröffentlichten Briefen zwar auch
weiterhin zahlreiche Hinweise auf Howard, aber kein Brief an Howard selbst.

Rezeption und Modifikation
der Howardschen Wolkeneinteilung durch Goethe

Die Wolkenklassifikation Howards steht in der Entwicklungslinie
morphologischer, d. h. auf äußeren Kennzeichen beruhender Klassifikationen von
Naturobjekten, wie des Systema naturae Linnés (1735) oder der Klassifikation der
Mineralien (1774)22 durch Goethes Zeitgenossen und Freund Abraham Gottlob Werner
(1749-1817). Howard teilte die Wolken nach ihrer äußeren Gestalt in die bis heute
gängigen Grundformen (simple modifications) Cirrus, Cumulus und Stratus ein, denen er
die intermediate modifications Cirro-cumulus und Cirro-stratus sowie die compound
modifications Cumulo-stratus und Cumulo-cirro-stratus oder Nimbus hinzufügte.

Goethe, in seiner Naturbetrachtung immer vorrangig auf das dem Sinne der Augen
Erfaßliche fixiert, griff die Howardsche Wolkenklassifikation enthusiastisch auf,
eröffnete sie ihm doch einen seiner Neigung und Lebensweise angemessenen Zugang zur
Witterungskunde, den er über Zahlen und Zeichen nicht hatte finden können, wie er in
der Wolkengestalt nach Howard ausführte.23 Konsequenterweise verwendete er die
Howardschen Wolkenbezeichnungen bis ans Lebensende in Briefen und persönlichen



Goethes Beziehungen zu Luke Howard 32

Aufzeichnungen, begnügte sich aber hier und besonders in seinen meteorologischen
Schriften keineswegs mit einer bloßen Übernahme der Howardschen Terminologie.

Vor allem war es Goethes Anliegen, "alle Naturphänomene in einer gewissen
Folge der Entwickelung zu betrachten und die Übergänge vor- und rückwärts
aufmerksam zu begleiten”.24

In diesem Sinne beschreiben die Wolken-Strophen des Gedichtes Howards
Ehrengedächtnis (s. Anhang) gewissermaßen eine Metamorphose der Wolken vom
Aufsteigen des Wassers in der Atmosphäre bis zum Ausregnen, zugleich Steigerung und
Polarität - nach Goethe die großen Triebräder aller Natur25 - als zentrale Kategorien in
Goethes Naturphilosophie widerspiegelnd.

In der gleichen Reihenfolge wie in dem Gedicht werden die Wolkenformen -
allerdings unter Hinzufügung der Zwischenformen - auch in den bereits zitierten Texten
Camarupa (1817),  Wolkengestalt nach Howard (1820) und in der
Beobachtungsinstruktion (1821) abgehandelt: Stratus - Strato-cumulus - Cumulus - Cirro-
cumulus - Cirrus - Strato-cirrus - Nimbus. Diese Reihenfolge entspricht nach Goethes
Vorstellungen zugleich einer Höhengliederung, über die er sich teilweise detailliert
äußerte.

Hatte Howard den Stratus als "a widely extented, continous, horizontal sheet,
increasing from below" definiert und ausgeführt: "It is the lowest of clouds, since its
inferior surface commonly rests on the earth or water"26, so schrieb Goethe über den
Stratus: "Von dem Nebelstreif an, der sich vom Sumpf oder feuchten Wiesen erhebt,... bis
zu den Streifen und Schichten welche teils die Seiten der Berge, teils ihre Gipfel
bedecken, kann alles mit diesem Namen bezeichnet werden”. 27

Goethe faßte also, ganz im Sinne der späteren Entwicklung der von Howard
begründeten Wolkenklassifikation, den Begriff des Stratus weiter als Howard selbst,
dessen Beschreibung sich in erster Linie auf die sehr niedrig gelegenen bzw. sogar als
Hochnebel der Erdoberfläche aufliegenden Schichtwolken bezog. Howards bildliche
Darstellung des Stratus (Plate VI, c)28 zeigt einen Talnebel, aus dem ein baumbestandener
Hügel herausragt, während Goethe auf dem im Abschnitt 2 erwähnten Kupferstich als
Stratus eine Wolkenbank an einem Berghang darstellen lassen hat.

Für Goethes Auffassung des Stratus spielten offensichtlich seine
Beobachtungserfahrungen in den Schweizer Alpen eine Rolle, auf die er sich explizit
bezog. Dies gilt auch für seine Bemerkung über den Stratus, die "horizontalgelagerten
Wolken" könnten "diese Form nur bis auf eine gewisse atmosphärische Höhe behalten",
die er zu "nicht über 1200 Toisen,..., höchstens bis an unsere Schneelinie",29 d. h. ca.
2400 m schätzte, was den tatsächlichen Verhältnissen ziemlich nahekommt.

Gewichtiger als dieser Auffassungsunterschied ist Goethes Einführung des
Stratocumulus in die Howardsche Terminologie zu werten. Howard hatte den Cumulo-
stratus beschrieben als "the cirro-stratus blended with the cumulus, and either appearing
intermixed with the heaps of the latter or superadding a wide-spread structure to its
base”. Zumindest der erste Teil dieser Beschreibung bezieht sich eindeutig auf die heute
als Cumulonimbus bezeichnete Gattung. Das wird auch aus einer anderen Passage zum
Cumulo-stratus bei Howard deutlich: "When the cumulus increases rapidly, a cirro-
stratus is frequently seen to form around its summit... In either case a large lofty dense
cloud is formed, which may compared to a mushroom....". Plate VII, c, c zu Howards
Aufsatz30 bestätigt diese Auffassung.



Proc. ICHM 1.1 (2004) 33

Auch in den zeitgenössischen meteorologischen Lehrbüchern von Heinrich
Wilhem Brandes (1777-1834)31 und Ludwig Friedrich Kämtz (1801-1867)32 wird der
Cumulo-stratus noch als "gethürmte Haufenwolke" geführt. Demgegenüber hat Goethe
nicht nur - offenbar als erster Autor - die Bezeichnung Stratocumulus eingeführt, sondern
auch diese häufig auftretende Wolkengattung im heutigen Sinne beschrieben und in dem
weiter oben erwähnten Kupferstich darstellen lassen.

In Camarupa beschreibt Goethe die Entwicklung des Stratocumulus aus dem
Stratus:" Wir sehen daher unterwärts die Wolke noch streifen- und schichtenweise
horizontal schweben, aufwärts aber entwickeln sich gedrängte, geballte Massen in
vertikaler Richtung nach der Höhe. Stratocumulus heißt diese Erscheinung,..., wenn
nämlich beide Wolkenbestimmungen, der schon abgehandelte Stratus und der folgende
Cumulus, noch zusammenhängen und keine Absonderung zwischen ihnen stattfindet”.33

Bislang wird in den Darstellungen zur Geschichte der Wolkenklassifikation der
eigenständige Beitrag Goethes ignoriert und die Einführung der Gattung Stratocumulus
Kämtz zugeschrieben und auf 1840 oder 1845 datiert. Es erscheint aber nicht
ausgeschlossen, daß Kämtz dazu sogar durch die Kenntnis der Goetheschen Schriften
angeregt worden ist, erwähnte er doch im ersten Band seines Lehrbuchs die ebenfalls von
Goethe vorgeschlagene Wolkenform Paries (die Wand),34 die sich allerdings zu Recht
nicht eingebürgert hat.

Wolkenklassifikation und Schichtenbau der Atmosphäre

Wie wir bereits gesehen haben, spielte in der Rezeption der Howardschen
Wolkeneinteilung durch Goethe die Höhengliederung des Wolkenreiches eine besondere
Rolle. Im weiteren gewann Goethe aus Wolkenbeobachtungen einen Ansatz zur
empirischen Begründung eines Schichtenbaus der Atmosphäre, wie er in spekulativer
Weise schon seit der Meteorologie des Aristoteles postuliert worden war.

In diesem Sinne meinte Goethe im Versuch einer Witterungslehre, der 1825
fertiggestellt, zu seinen Lebzeiten aber nicht mehr veröffentlicht wurde: "Der
aufmerksame Beobachter der Witterungsbegebenheiten wird von vielen Seiten her auf
den Gedanken getrieben: die den Erdball umgebende Atmosphäre nehme nicht nur, wie
das Barometer ausweist, von der Meeresfläche aufwärts an Dichtigkeit, Schwere,
Elasticität in stetiger Folge nach und nach ab, hinunterwärts aber zu, sondern es seien
eben in diesem atmosphärischen Raume gewisse geheime, concentrische Kreise
abgeschlossen, die sich, als besonders geeigenschaftet, gelegentlich manifestiren....
Dergleichen atmosphärische Kreise lassen sich auch aus der Wolkengestaltung
vermuthen; sehr selten wird ein Cumulus bei uns an seinem untern Rande geballt oder in
einiger Auszackung gebildet erscheinen, vielmehr legt er sich gewöhnlich flach und ruht
mit einer stratusähnlichen Basis gleichsam auf einem fremdartigen schwereren Elemente,
das ihn zu einer horizontalen Gestaltung nöthigt; so wie umgekehrt in einer gewissen
Höhe, etwa  zwei tausend Fuß über der Meeresfläche, der Cumulus unten wie oben
ausgezackt ist”.35   

Bemerkenswert ist der Hinweis auf den unten wie oben ausgezackten Cumulus,
den Cumulus fractus der heutigen internationalen Wolkenklassifikation, als fracto-
cumulus erst im Jahre 1863 von Poey beschrieben,36 den Goethe dem Cumulus mit
horizontaler Unterseite gegenüberstellt. Die Angabe von 2000 Fuß - rund 600 m - als



Goethes Beziehungen zu Luke Howard 34

ungefähre Höhengrenze, die beide Cumulusformen voneinander trennt, ist mit modernen
Wolkenhöhenstatistiken durchaus vereinbar und wirft die Frage nach der Herkunft von
Goethes Wolkenhöhenangaben auf.

Immerhin bemerkte Kämtz im Lehrbuch der Meteorologie noch im Jahre 1831
über die Wolkenhöhen, es gäbe "keinen einzigen Gegenstand der ganzen Meteorologie,
vielleicht der ganzen Naturlehre, über welchen wir so wenig numerische Resultate
besitzen”.37 Aus einer späteren Eintragung Goethes in eine bildliche Darstellung, die er
nach einer Mitteilung Alexander von Humboldts (1769-1859) zu einer Geographie der
Pflanzen, nebst einem Naturgemälde der Tropenländer im Jahre 1807 angefertigt hatte,
erhellen die Vorstellungen des Dichters über Wolkenhöhen: Bis zu 1200 Toisen (ca. 2400
m) für den Stratus, 1200 - 2200 Toisen (ca. 2400 - 4400 m) für den Cumulus, 2200 -
3500 Toisen (ca. 4400 - 7000 m) für den Cirrus, während ein abregnender Nimbus in
einer Schicht von 450 bis 1000 Toisen (ca. 900 - 2000 m) plaziert ist.38

Vermutlich gehen diese Höhenangaben auf Wolkenbeobachtungen Goethes in
Gebirgsgegenden zurück, so auf seinen Schweizer- und Italienreisen und auf den Fahrten
in die Böhmischen Bäder. Allerdings schreibt Kämtz, daß der bereits erwähnte Posselt
häufiger Gesprächs- und Korrespondenzpartner Goethes, zahlreiche
Wolkenhöhenbestimmungen nach der von Jacob Bernoulli (1654-1705) vorgeschlagenen
Dämmerungsmethode vorgenommen habe.39 Ob Messungen dieser Art Goethe bekannt
waren, ist bislang ungeklärt.

Wie dem auch sei, Goethe bemerkte, "daß die verschiedenen atmosphärischen
Etagen auf Wasserbildung und Verneinung, auf Wolkengestaltung, auf das Niedergehen
derselben als Regen oder ihre Auflösung zu Schäfchen, einen verschiedenen Bezug
haben”.40 Die Zuordnung des - in moderner Terminologie - hydrologischen Zyklus in der
Atmosphäre zu den Wolkenetagen hatte er bereits in seiner Schrift aus dem Jahre 1820
vorgenommen, in der er "in Übereinstimmung mit Männern, welche die Sache bisher
bearbeitet”, die Existenz von drei "Luft-Regionen, die obere, mittlere und untere,
welcher man die vierte, die unterste, noch hinzufügen kann", annahm.

In die obere Region, die sich durch Trockenheit manifestiere, gehörten alle
Cirrusarten; "die mittlere Region ist die des Cumulus", in der der "Conflict" zwischen
oberer und unterer Luftregion bzw. der Erde bereitet werde, während der Stratus wie der
ausregnende Nimbus der unteren Schicht angehören, "welche die dichteste Feuchtigkeit
an sich zu ziehen und in fühlbaren Tropfen darzustellen geneigt ist”.

Aus der Naturbeobachtung, dem Studium von Wolkengestalt und
Wolkenentwicklung also schloß Goethe auf eine feuchte, zu Schichtwolkenbildung,
Nebel und Niederschlagsausfall neigende untere und eine trockene, zum Zerfasern und
Zerfließen der Wolken tendierende obere Atmosphäre. Die in der Zwischenschicht
angeordneten Haufenwolken widerspiegeln in ihrer Entwicklung den Kampf, den
Conflict zwischen oberer und unterer Luftregion, der für Goethe Ausdruck
naturimmanenter Polarität gewesen sein dürfte: "Gewinnt nun die obere Region...die
Oberhand, so werden diese geballten Massen an ihrem obern Saum aufgelöst,
aufgezupft; sie ziehen sich flockenweise in die Höhe und erscheinen als Cirrus und
verschwinden zuletzt...Überwindet nun aber die untere Region..., so senkt sich die
horizontale Basis des Cumulus nieder, die Wolke dehnt sich zum Stratus...und stürzt
endlich im Regen zu Boden, welche Erscheinung zusammen Nimbus genannt wird”.41



Proc. ICHM 1.1 (2004) 35

Als sorgfältigem Beobachter konnte Goethe die Veränderlichkeit der
Wolkenhöhen nach Ort und Zeit nicht verborgen bleiben, wobei er als Einflußfaktoren
Jahreszeit, Polhöhe (d. h. geographische Breite) und Bergeshöhe explizit anführte, ohne
dabei zu übersehen, daß aber "im Ganzen...diese Wolkengestalten immer stufenweise
übereinander" angeordnet bleiben, der an Hand der Wolkenstockwerke erschlossene
Schichtenbau der Atmosphäre also ungeachtet der Höhenänderung der einzelnen
Schichten in seinen Grundzügen unveränderlich ist.42

Luftdruck, Temperatur und Wind in Goethes Witterungslehre

Wie Goethes Wolkendiarium aus dem Jahre 1820 und zahlreiche weitere
Tagebuchnotizen und Reiseberichte zeigen, verfolgte er aufmerksam das
Wettergeschehen und suchte es vom Standpunkt seiner Vorstellungen über die
Luftregionen und deren Conflicte zu interpretieren. Dabei galten ihm - durchaus im Sinne
der zeitgenössischen Meteorologie - Luftströmung und Luftdruck als bestimmende
Elemente.

So bemerkte er bereits in der Wolkengestalt nach Howard "den Hauptpunkt, daß
der Sieg der oberen Region, die Herrschaft der Trocknis, durch den Ostwind und dem
ihm zugetheilten Nordwind, der Sieg der untern Region, der sich auf die Erde
beziehenden Feuchte, durch den West- und den ihm verbündeten Südwind angedeutet,
begleitet und bewirkt werde”.43 Und in bezug auf den Luftdruck postulierte er, daß die
Herrschaft der obern Region durch die "größte Barometerhöhe offenbart" werde, wobei
wir uns eines schönen, beständigen Wetters erfreuen, und "der Himmel ist klar, in
gewissen Weltgegenden ganz wolkenlos und hochblau”.44 Die Himmelsfarbe als
Indikator für die in der Luft enthaltenen Dünste spielt in Goethes meteorologischen
Schriften, von Camarupa bis zum Versuch einer Witterungslehre, durchgängig eine
Rolle. In der im zweiten Abschnitt erwähnten Beobachtungsanleitung für das
Stationsnetz im Großherzogtum Sachsen-Weimar -Eisenach wurde auch die Bestimmung
der Himmelsfarbe mittels des Cyanometers vorgeschrieben.45

Hatte Goethe im Vorwort zur Wolkengestalt nach Howard noch von seinem
Bestreben berichtet, "die Bezüge der atmosphärischen und irdischen Erscheinungen mit
Barometer und Thermometer in Einklang zu setzen",46 so suchte er später vor allem die
Entwicklung der Wolkengestalt mit dem Luftdruckverlauf zu parallelisiren. Das
entsprach dem im Versuch einer Witterungslehre eingenommenen Standpunkt, den
"Barometerstand als Hauptphänomen, als Grund aller Wetterbetrachtungen"
anzusehen.47

War diese Betrachtungsweise mit dem Stand der Meteorologie jener Zeit
durchaus vereinbar, so war Goethes Erklärung der Luftdruckschwankungen aus
Schwankungen der Schwerkraft von vornherein abwegig. Dies folgt allein aus der
elementaren Überlegung, daß Schwankungen der Erdanziehung, wenn es sie gäbe, in
gleichem Maße das Gewicht der atmosphärischen Luft wie das Gewicht der
Flüssigkeitssäule im Quecksilberbarometer verändern müßten, so daß durch Änderungen
der Schwerkraft verursachte Luftdruckschwankungen mittels des Quecksilberbarometers,
auf das sich Goethe allein bezog, gar nicht nachweisbar wären.

Goethe wurde zu seiner Hypothese einer pulsierenden Schwerkraft offenbar durch
fehlinterpretierte Beobachtungen von Wolkenbewegungen im Gebirge (1786) angeregt.48



Goethes Beziehungen zu Luke Howard 36

Später hat er diese Vorstellungen, wie bereits in Abschnitt 1 erwähnt, in den Notizen für
seine physikalischen Vorträge in der Mittwochsgesellschaft (1805/06) umrissen und im
ersten Heft des zweiten Bandes Zur Naturwissenschaft überhaupt (1823) publiziert.49 Die
ausführliche Darstellung im Versuch einer Witterungslehre aus dem Jahr 1825 wurde
erst posthum der Öffentlichkeit zugänglich. 50

Bei der systematischen Beschäftigung mit der Hypothese von der tellurischen
Ursache der Luftdruckschwankungen, die nach Gesprächsnotizen, Eintragungen in den
Tages- und Jahresheften und zahlreichen Briefstellen in der zweiten Hälfte des Jahre
1822 einsetzte, spielte die Ähnlichkeit des Luftdruckverlaufs über größeren Gebieten eine
wichtige Rolle. Aus diesem Grunde bemühte sich Goethe sehr um die Beschaffung
gleichzeitiger Barometerbeobachtungen an weit voneinander entfernten Stationen. Wenn
auch seine Hypothese ihren Ursprung in spekulativer ganzheitlicher Naturauffassung
haben mochte und er sie später als Ausdruck des naturphilosophischen Prinzips der
Polarität interpretierte, so suchte Goethe in bezug auf die Vorstellung vom tellurischen
Ursprung der Luftdruckschwankungen intensiv nach einer Bestätigung durch
Beobachtungen, also mit den Hilfsmitteln der empirischen Naturforschung. Daß er so
eine physikalisch unhaltbare Annahme zu stützen suchte, ist um so bedauerlicher, als
Goethe, anders als in anderen Naturwissenschaften, auf dem Gebiet der Meteorologie die
Notwendigkeit exakter Messungen über die bloße Sinneswahrnehmung hinaus
akzeptierte und mit dem Luftdruck ein Element in den Mittelpunkt seiner
Witterungslehre stellte, das nur durch physikalische Messungen ermittelt werden kann!

Allerdings hat Goethe seine Hypothese vom Ursprung der
Luftdruckschwankungen mit gewisser Zurückhaltung formuliert, an einigen Stellen auch
als vorläufig betrachtet und sie insbesondere öffentlich nicht mit der gleichen
Entschiedenheit vertreten wie beispielsweise seine Vorstellungen zur Farbenlehre oder
die einseitige Parteinahme für den Neptunismus. Desungeachtet hat die unselige
Vorstellung einer pulsierenden Schwerkraft als Ursache der Luftdruckschwankungen die
Rezeption der Goetheschen Schriften zur Meteorologie durch die Fachvertreter weithin
behindert und bis zu ungerechtfertigt pauschaler Ablehnung geführt.

So erklärte Ertel 1953 Goethes Hypothese allein aus dem Geist der deutschen
spekulativen Naturphilosophie entsprungen und den Versuch einer Witterungslehre zu
einer "Dichtung ohne Wahrheit".51 Schon 1932 hatte Ficker behauptet, Goethe habe "vom
Wesen des Luftdrucks keine genaue Vorstellung gehabt"52 und in seinem System alle
Temperaturvorgänge vernachlässigt. Beide Behauptungen sind nach einem Studium der
Schriften Goethes nicht aufrechtzuerhalten.

Zur Rolle der Temperaturunterschiede sei speziell auf die aus Goethes Nachlaß
veröffentlichte Notiz Zur Winderzeugung vom 20. Oktober 1829 verwiesen,53 in der
eingangs festgestellt wird, daß "speziell erwärmte Gegenden...Luftzug" hervorbringen,
"wodurch die Richtung des Rauches und der Windfahnen unregelmäßig verändert
werden”. Nach einem Hinweis auf den Luftzug im erwärmten Marienbader Tal - nach
heutigem Verständnis eine lokale thermische Zirkulation! - bemerkt Goethe, daß "weiter
hinab...die nach und nach erwärmte Stadt einen Luftzug" verursacht.

Offenkundig haben wir hier eine frühe, nur aus der Beobachtung der Rauchfahnen
abgeleitete Beschreibung einer lokalen Luftzirkulation über einem Stadtgebiet vor uns:
"Dergleichen wird hauptsächlich bei völlig klarem Himmel und ungestörter
Sonnenwirkung bemerkt", stellt der Dichter völlig zutreffend fest!



Proc. ICHM 1.1 (2004) 37

Im Kontext unseres Vortragsthemas ist anzumerken, daß Luke Howards Climate
of London, dessen Rezension durch Posselt Goethe veranlaßt hat (vgl. Abschnitt 2), heute
als frühestes Beispiel für den Nachweis einer städtischen Wärmeinsel durch
systematische Temperaturmessungen gilt: "But the temperature of the city is not to be
considered as that of the climate; it partakes too much of an artificial warmth, induced by
its structure, by a crowed population and the consumption of great quantities of fuel",
hatte Howard im zweiten Band seines Werkes (1820) bemerkt, zitiert nach Chandler, der
Howard als "pioneer of urban climate studies" würdigte 54. Man darf wohl annehmen, daß
Goethe diesen auch in der Posseltschen Rezension hervorgehobenen Wärmeinseleffekt
eines Stadtgebietes gekannt hat.

Meteorologie in Goethes poetischem Werk

Auswirkungen von Goethes eigenständiger Rezeption der Howardschen
Wolkeneinteilung und seiner daran anknüpfenden Ideen zum Schichtenbau der
Atmosphäre scheinen explizit nicht nachweisbar. Im Zusammenhang mit der Hypothese
vom Ursprung der Luftdruckschwankungen in Pulsationen der Erdschwere verfielen
Goethes meteorolgische Schriften vielfach einer ungerechtfertigt pauschalen Ablehnung
seitens der Fachgelehrten.

Unübersehbar sind demgegenüber die Spuren, die Goethes naturwissenschaftliche
Studien zur Meteorologie in seinem dichterischen Spätwerk hinterlassen haben. So sind
in der Hochgebirgsszene zu Beginn des vierten Aktes von Faust, Der Tragödie zweiter
Teil deutlich Elemente der Goetheschen Wolken- und Witterungslehre verarbeitet, wie
schon Lohmeyer55 und Schöne56  im einzelnen ausgeführt haben. In der abschließenden
Bergschluchtenszene des fünften Aktes endlich repräsentieren Pater profundus (tiefe
Region), Pater Seraphicus (mittlere Region) und die Engel (schwebend in der höhern
Atmosphäre, Faustens Unsterbliches tragend) eine Gliederung der Himmelswelt völlig
analog den von Goethe postulierten drei Luftregionen. In einer neueren Goethe-Ausgabe
wird dies in den Erläuterungen zu Faust II an Hand des Kupferstiches von L. Heß aus der
Wolkengestalt nach Howard anschaulich verdeutlicht.57   

Wegen weiterer Bezüge auf meteorologische Phänomene in Goethes Alterslyrik,
so im Umfeld der späten Karlsbader Reisen (1823), der Marienbader Elegie (1823) und
der Dornburger Gedichte (1828) muß auf eine im Druck befindliche Arbeit des
Verfassers58 verwiesen werden. Hier sei nur festgehalten, daß bei der Erwähnung
meteorologischer Erscheinungen im Verlaufe des künstlerischen Schaffensprozesses
Goethes zur bloßen, wenn auch meisterhaften poetischen Beschreibung mehr und mehr
naturwissenschaftliche Überlegungen im Sinne seiner Wolken- und Witterungslehre
hinzutreten. Auch dieses Detail bestätigt die von Dietze59 nachdrücklich verfochtene
These vom unzertrennlichen künstlerischen und wissenschaftlichen Schöpfertum des
großen deutschen Dichters.



Goethes Beziehungen zu Luke Howard 38

Anhang

Auszug aus Goethes Gedicht Howards Ehrengedächt Excerpt from Goethe's poem In Honour of Howard

Stratus

Wenn von dem stillen Wasserspiegel-Plan
Ein Nebel hebt den flachen Teppich an,
Der Mond, dem Wallen des Erscheins vereint,
Als ein Gespenst Gespenster bildend scheint
Dann sind wir alle, das gestehn wir nur,
Erquickt', erfreute Kinder, o Natur!

Dann hebt sich's wohl am Berge, sammlend breit
An Streife Streifen, so umdüstert's weit
Die Mittelhöhe, beidem gleich geneigt,
Ob's fallend wässert, oder luftig steigt.

Stratus

When o'er the silent bosom of the sea
The cold mist hangs like a strech'd canopy;
And the moon, mingling there her shadowy beams,
A spirit, fashioning other spirits seems;
We feel, in moments pure and bright as this,
The joy of innocence, the thrill of bliss.

Then towering up the darkening moutain's side,
And spreading as it rolls its curtains wide,
It mantles round the mid-way height, and there
It sinks in water-drops, or soars in air.

Cumulus

Und wenn darauf zu höhrer Atmosphäre
Der tüchtige Gehalt berufen wäre
Steht Wolke hoch, zum herrlichsten geballt,
Verkündet, festgebildet, Machtgewalt,
Und was ihr fürchtet und wohl auch erlebt
Wie's oben drohet, so es unten bebt.

Cumulus

Still soaring, as if some celestial call
Impell'd it to yon heaven's sublimest hall;
High as the clouds, in pomp and power arrayed,
Enshrined in strength, in majesty displayed;
All the soul's secret thoughts it seems to move,
Beneath it trembles, while it frowns above.

Cirrus

Doch immer höher steigt der edle Drang!
Erlösung ist ein himmlisch leichter Zwang.
Ein Aufgehäuftes, flockig löst sich's auf,
Wie Schäflein tripplend, leichtgekämmt zu Hauf.
So fließt zuletzt was unten leicht entstand
Dem Vater oben still in Schoß und Hand.

Cirrus

And higher, higher yet the vapours roll:
Triumph is the noblest impulse of the soul!
Then like a lamb whose silvery robes are shed,
The fleecy piles dissolv'd in dew-drops spread;
Or gently wafted to the realms of rest,
Find a sweet welcome in T h e  F a t h e r 's  breast.

Nimbus

Nun laßt auch niederwärts, durch Erdgewalt
Herabgezogen was sich hoch geballt,
In Donnerwettern wütend sich ergehn,
Heerscharen gleich entrollen und verwehn!-
Der Erde tätig-leidendes Geschick!-
Doch mit dem Bilde hebet euren Blick:
Die Rede geht herab, denn sie beschreibt,
Der Geist will aufwärts, wo er ewig bleibt.

Nimbus

Now downwards by the world's attraction driven,
That tends to earth, which had upris'n to heaven;
Threat'ning in the mad thunder-cloud, as when
Fierce legions clash, and vanish from the plain;
Sad destiny of the troubled world! but see,
The mist is now dispersing gloriously:
And language fails us in its vain endeavour -
The spirit mounts above, and lives for ever.



Proc. ICHM 1.1 (2004) 39

Endnotes

1 Goethe, Die Schriften zur Naturwissenschaft, Vollständige mit Erläuterungen
versehene Ausgabe im Auftrage der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina
(Leopoldina-Ausgabe), I. Abteilung, Texte Band 11, Weimar, Hermann Böhlaus
Nachfolger, 1970, S. 74-79.

2 Goethe, Leopoldina-Ausgabe, op. cit., I/11, 1970, S. 74-75.
3 Luke Howard, On the Modifications of Clouds, and on the Principles of their

Production, Suspension, and Destruction (1803). In: Gustav Hellmann, Neudrucke von
Schriften und Karten über Meteorologie und Erdmagnetismus, No. 3, Berlin, 1884, S. 3-
32.

4 Goethe, Leopoldina-Ausgabe, op. cit., I/8, 1962, S. 73.
5 Ludwig Gilbert, "Versuch einer Naturgeschichte und Physik der Wolken, von

Luke Howard, Esq., zu Plaistow bei London; frei bearbeitet von L. Gilbert", Annalen der
Physik, 51 (neue Folge 21) (1815), 9: 1-48.

6 Goethe, Leopoldina-Ausgabe, op. cit., I/11, 1970, S. 194-199.
7 Goethes Werke, herausgegeben im Auftrage der Großherzogin Sophie von

Sachsen (Weimarer Ausgabe), Abtheilung II, Band 12, Weimar, Hermann Böhlaus
Nachfolger, 1896, S. 203-226. Zur Frage der Datierung vergleiche man auch: Gisela
Nickel, "Neues von 'Camarupa'. Zu Goethes frühen meteorologischen Arbeiten", Goethe-
Jahrbuch, 117 (2000): 118-125, S. 119-120.

8 Goethe, Leopoldina-Ausgabe, op. cit., I/8, 1962, S. 73-93.
9 Ibid., nach S. 80.
10 Goethes Werke, Weimarer Ausgabe, op. cit., IV/34, 1905, S. 366.
11 Ibid., IV/34, 1905, S. 182.
12 Ibid., I/8, 1962, S. 233-240.
13 Ibid., IV/35, 1906, S. 339.
14 Ibid., IV/35, 1906, S. 109.
15 Goethe, Leopoldina-Ausgabe, op. cit., I/8, 1962, S. 234-237.
16 Goethes Werke, Weimarer Ausgabe, op. cit., IV/35, 1906, S. 109.
17 Goethe, Leopoldina-Ausgabe, op. cit., I/8, 1962, S. 157.
18 Ibid., I/9, 1954, S. 264-265.
19 Ibid., I/8, 1962, S. 285-295.
20 Ibid., I/8, 1962, S. 320-321.
21 Goethes Werke, Weimarer Ausgabe, op. cit., IV/35, 1906, S. 281.
22 Abraham Gottlob Werner, Von den äußerlichen Kennzeichen der Foßilien,

Leipzig, 1774.
23 Goethe, Leopoldina-Ausgabe, op. cit., I/8, 1962, S. 74.
24 Ibid., I/8, 1962, S. 74.
25 Goethe-Wörterbuch, herausgegeben von der Deutschen Akademie der

Wissenschaften zu Berlin, der Akademie der Wissenschaften in Göttingen und der
Heidelberger Akademie der Wissenschaften, erster Band, Teilband 2, Stuttgart, Verlag
W. Kohlhammer GmbH, 1970, S. 1025.

26 Howard, On the Modifications of Clouds, op. cit., S. 5, 8.
27 Goethe, Leopoldina-Ausgabe, op. cit., I/11, 1970, S. 194.
28 Howard, On the Modifications of Clouds, op. cit.,  nach S. 32.
29 Goethe, Leopoldina-Ausgabe, op. cit., I/11, 1970, S. 194.
30 Howard, On the Modifications of Clouds, op. cit.,  S. 5-6, 10 und nach S. 32.
31 Heinrich Wilhelm Brandes, Beiträge zur Witterungskunde, Leipzig, 1820, S.

288-289.



Goethes Beziehungen zu Luke Howard 40

32 Ludwig Friedrich Kämtz, Lehrbuch der Meteorologie, Band 1, Halle, 1831, S.
379.

33 Goethe, Leopoldina-Ausgabe, op. cit., I/11, 1970, S. 195.
34 Kämtz, Lehrbuch, op. cit., S. 390.
35 Goethe, Leopoldina-Ausgabe, op. cit., I/11, 1970, S. 250-252.
36 Henry Helm Clayton, "Discussion of cloud observations", Annals of  Harvard

College Observatory, 30 (1896), IV: 279-331, S. 284.
37 Kämtz, Lehrbuch, op. cit., S. 384.
38 Goethes Werke, Weimarer Ausgabe, op. cit., II/12, 1896, S. 240. Man

vergleiche auch Gisela Nickel, "Höhen der alten und neuen Welt bildlich verglichen".
Eine Publikation Goethes in Bertuchs Verlag, in: Gerhard R. Kaiser und Siegfried Seifert
(Hrsg.), Friedrich Justin Bertuch (1747-1822). Verleger, Schriftsteller und Unternehmer
im klassischen Weimar, Tübingen, Max Niemeyer Verlag, 2000, S. 683.

39 Kämtz, Lehrbuch, op. cit., S. 383.
40 Goethe, Leopoldina-Ausgabe, op. cit., I/11, 1970, S. 252.
41 Ibid., I/8, 1962, S. 89-90.
42 Ibid., I/8, 1962, S. 91.
43 Ibid., I/8, 1962, S. 92.
44 Ibid., I/8, 1962, S. 90.
45 Goethes Werke, Weimarer Ausgabe, op. cit., II/12, 1896, S. 211, 226.
46 Goethe, Leopoldina-Ausgabe, op. cit., I/8, 1962, S. 74.
47 Ibid., I/11, 1970, S. 246.
48 Goethes Werke, Weimarer Ausgabe, op. cit., I/30, 1903, S. 18-20.
49 Goethe, Leopoldina-Ausgabe, op. cit., I/8, 1962, S. 321-330.
50 Ibid., I/11, 1970, S. 246-250, 259-268.
51 Hans Ertel, "Entwicklungsphasen der Geophysik", Deutsche Akademie der

Wissenschaften, Vorträge und Schriften 52 (1953): 3-24, S.19.
52 Heinrich v. Ficker, "Bemerkungen über Goethes 'Versuch einer

Witterungslehre'", Sitzungsberichte der Preußischen Akademie der Wissenschaften,
Physikalisch-mathematische Klasse, (1932), VI: 47-52, S. 49.

53 Goethe, Leopoldina-Ausgabe, op. cit., I/11, 1970, S. 304.
54 Tony John Chandler, The climate of London, London, Hutchinson & CO LTD,

1965, S. 126.
55 Karl Lohmeyer, "Das Meer und die Wolken in den beiden letzten Akten des

'Faust'", Jahrbuch der Goethe-Gesellschaft, 13 (1927): 106-133.
56 Albrecht Schöne, "Über Goethes Wolkenlehre", Jahrbuch der Akademie der

Wissenschaften Göttingen für das Jahr 1968, (1969): 26-48.
57 Goethe, Sämtliche Werke, Abteilung I, Band 7/2, Frankfurt/Main, Deutscher

Klassiker Verlag, 1994, Abbildung 16 nach Seite 1068.
58 Karl-Heinz Bernhardt, "Goethe, die Meteorologie - und kein Ende?",

Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät, 42 (2000), 7: im Druck
59 Walter Dietze, "Johann Wolfgang Goethe - Thesen zur Diskussion 1982",

Akademie der Wissenschaften der DDR, Aus der Arbeit von Plenum und Klassen, 6
(1981), 6: 1-393, S. 85.


