Angewandte Botanik. Kleine Mitteilungen. 49 Kleine Mitteilungen. Die Alkoholerzeugung aus Holz wird in der Holzwelt VI (1919) S. 6 besprochen; z. Zt. sind 4 Brennereien vorhanden, von denen der Staat 3 mit einem Kostenaufwande von 21,3 Millionen Mark in Mann heim, Danzig und Stettin gründete, eine vierte in Ohdenburg ist in Privatbesitz. Statt der knappen Kartoffeln werden Sägespäne als bisher wertlose Abfallprodukte verwendet. Man erwartet aus 100 kg trockenen Sägespänen 6 Liter Alkohol. Die Art der Gewinnung wird kurz skizziert. – Deutschland erzeugt jährlich etwa 600000 t Zellstoff. Die 12 in Deutschland eingerichteten Laugenbrennereien können bei Vollbetrieb jährlich 116000 hl Alkohol liefern, wobei zugrunde gelegt ist, daß 1 t Zellstoff 4,5 cbm Lauge oder 40,5 Liter Alkohol entspricht. Über den Anbau der Reismelde (Chenopodium quinoa) berichtet Bertram Kalt in Kühn-Archiv VII (1918); umfassende Anbauversuche hat die Pflanzenzuchtstation des Landwirtschaftlichen Instituts an der Universität Halle im Jahre 1917 ausgeführt. Die Ergebnisse dieser Versuche sind: Die Reismelde ist danach für den Feldbau im deutschen Tieflande gänzlich ungeeignet: - 1. aus klimatischen Gründen wegen ihres hohen Wasserbedarfs, wegen ihrer Vegetationszeit, wegen ihrer hygroskopischen Eigenschaften und der daraus folgenden schwierigen Notreife; 2. aus wirtschaftlichen Gründen wegen der Schwierigkeiten der Be stellung, wegen der erforderlichen häufigen Hackarbeit, der Schwierigkeit der Ernte, des Drusches und ihres ganz unsicheren Reinertrages. Sie kann zurzeit auch nicht den Kleintierhaltern zum Gartenbau empfohlen werden. Trennung von Forst und Weide. Diese für die floristische Zu sammensetzung und damit für die Biologie unserer Halbkultur formationen, der Weide und der ja bei uns außerhalb der Gebirge fast allein bestehenden Waldform, der Forst, außerordentlich wichtige Frage wurde in der Jahresversammlung der Waadtländischen Forstgesellschaft (Société Vaudoise des Forestiers) in Lausanne besprochen. Im allge meinen sprachen sich die forstlichen Fachleute für eine möglichst strenge Trennung der Nutzungsflächen, die als Weide gebraucht werden sollen, von den forstlich zu verwertenden aus, während die landwirt schaftlichen Vertreter den gegenteiligen Standpunkt vertraten. Bei uns in Deutschland findet man zumeist den reinen Forstbetrieb innerhalb des Verwaltungsbereiches der großen Forstverwaltungen, während in Bauern- und Gemeindebetrieben vielfach die Weidenutzung auf dem Waldgelände stattfindet. Gerade die letztgenannten Formationen be herbergen bekanntlich zahlreiche interessante Gewächse. Umwandlung von Wald in Kartoffelland is t in größerem Um fange in der Schweiz beschlossen worden. Auf Anregung des Eid genössischen Ernährungsamtes sollen namentlich geringwertige Schachen länder und Auenwälder mit leichtem für den Kartoffelbau geeignetem Boden gerodet werden. Ersatz-Aufforstungen sollen später mit Hilfe Bundes im Hochgebirge erfolgen. (Forstliche Mitteilungen II [1919 eft 4.) Angewandte Botanik I. 4 50 Kleine Mitteilungen. Gegen die Abholzung des Haardtwaldes in Baden nimmt Dr. Ratzel-Heidelberg in der Holzwelt VI (1919) Nr. 14 Stellung, er führt aus, daß der zu Siedelungsland dort neu zu gewinnende Boden alter Dünensand sei, der in die Gefahr des Wanderns käme und dadurch fruchtbarer Ackerboden mit Sand bedeckt würde, daß man relativ schlechten Boden gewönne und daß die Wasserversorgung der auf das Grundwasser der Rheinebene angewiesenen Städte auch aus den un besiedelten Teilen des Haardtwaldes hygienisch einwandfreies Wasser gewinnen könnte. Über Flechten als Watteersatz wird in der Zeitschrift für Ab fallverwertung 1917, S. 165 berichtet, daß das aus Flechten hergestellte Erzeugnis wohl etwas derb ist, daß es aber bei Berührung mit einer Flüssigkeit fast so weich wird wie echte Watte. Die Verwendung des Seetangs in der Faserindustrie wird be sprochen in der Zeitschr. f. Abfallverwertung 1917, S. 23. Geheimmittel spielten, wie bei allen Weltkatastrophen, so auch im jetzigen Weltkriege eine große Rolle. Oft sind die Bestandteile gänzlich indifferent oder doch unschädlich und die Hauptrolle spielt neben bewußtem Schwindel der Aberglaube. Letzterer zeigt sich darin, daß die aus Kräutern zusammengesetzten Rezepte fast stets aus 9 (3 × 3) oder besonders 13 Pflanzen gemischt sind. Anscheinend recht verbreitet war ein Mittel gegen Geschlechtskrankheiten, welches unter dem Namen „Loffa-“ (oder Luffa-, Hoffa-)Kräuter feilgeboten wurde und den ansehnlichen Preis von 17,– M. das Kilo hatte. Auch dieses war aus 13 Kräutern zusammengesetzt, neben Lignum Guajaci, und L. Sassafras, Radix Sarsaparillae und Sennesblättern, alle in geringen Mengen, war der Hauptbestandteil ein Gemisch von Galeopsis, Plantago (Blätter und Samen), Tussilago farfara, Achillea millefolium (Blätter und Blütenköpfe), Viola tricolor, Arnica (nur die lebhaft rotgelben Strahlblätter) und Süßholz, Linden- und Walnußblätter. Uber das Vorkommen von Scopolia Carniolica in Litauen. Während in Deutsch-Litauen durch die strengen Maßnahmen der Re gierung gegen die Giftmischer Scopolia Carniolica fast vollkommen aus den Gärten verschwunden ist, spielt diese Pflanze offenbar in Russisch Litauen noch eine gewisse Rolle. Dem Botanischen Museum zu Berlin Dahlem sind im Laufe des Krieges mehrere einschlägige Fälle bekannt geworden. So hatten ortsfremde gefangene Russen die zur Bestimmung eingesandten Knollen gefunden und gegessen, worauf sie schwer er krankten und zum Teil erblindeten. Daß bei den Eingeborenen aber die giftigen Eigenschaften der Pflanze immer noch wohl bekannt sind, beweist ein zweiter Fall, in dem eine Frau die Knollen zu einem Selbst mordversuch benutzte. Auch aus anderen Nachrichten geht hervor, daß dort bei Giftmischereien immer noch das „Altsitzerkraut“ seine be rüchtigte Rolle spielt. Vgl. über den Gebrauch der Pflanze im Litauischen Sprachgebiet Abromeit in Königsb. Hartung. Zeit. 1890, 64; bei Po dack in Schr. Phys.-ök. Ges. Königsb. 1897, S. 79; Ascherson in Sitzb. Ges. Naturf. Fr., Berlin 1890, S. 59. uc1.b3299303_page_067_cut uc1.b3299303_page_068_cut