Angewandte Botanik. 98 - P. Graebner, E. Medlewska und A. Zinz, Typha als Nutzpflanze. Von P. Graebner, E. Medlewska und A. Zinz. (Arbeiten der Studienkommission für Typha-Forschung.) (Schluß.) 3. Zur Entwicklung des mechanischen Gewebes im Blatte der Typha angustifolia. 2. Von E. Medlewska. (Schluß) 2. Mechanische Eigenschaften der Rohfaser. Nehmen wir als Hauptkriterien für den technischen Wert der Faser den Zellu losegehalt (d. h. Mangel an leichten oxydationsfähigen Substanzen), die Reißfestigkeit und Elastizität an, dann steht die Maifaser in bezug auf den ersten Punkt am höchsten (84"/o Zellulose). Sie läßt sich nur durch sehr vorsichtiges Aufschließen (mit/o–% Natronlauge) gewinnen, sonst zerfällt sie in die Elementarfasern, ein Beweis dafür, daß die Zwischenzellsubstanz noch sehr wenig widerstandsfähig ist (Pentosangehalt 7,8°/o). Deswegen, wegen der relativen Kürze der Zellen (0,54 mm) und der geringen Wandungs dicke kann die Reißfestigkeit der Bündel keine bedeutende sein. Dagegen dürfte diese Faser den höchsten Elastizitätsgrad besitzen, da die Verholzung noch sehr gering is t (Methylzahl 3,8) und der Ca-Gehalt nicht so hoch wie später. 4 . Festigkeit der Typha-Faser. Untersuchung durch das Materialprüfungsamt (21. Februar 1918). Gewicht der Berechneter - Zugfestigkeit g Än durchschnitt- - - Zugfestig abschnitte licher Quer- Meºrt berechnet keit aus. Bruch 650 × 20 schnitt der für den auf 1 qmm | gedrückt ö ö öÄ geprüften einzelnen Faser- als dehnung bei 65% Luft- bÄt Ät querschnitt Reißlänge feuchtigkeit ADSCII11TTE - g - qmm g kg km % 0,0062 0,00413 168 40,7 27,1 | 2,5 0,0072 0,00507 145 28,6 19,1 2,0 0,0089 0,00593 191 32,2 21,5 4,0 0,0080 0,00533 184 34,5 23,0 2,5 0,0080 0,00533 129 24,2 16,1 2,5 0,0062 0,00413 124 30,0 20,0 6,0 0,0072 0,00480 143 29,8 19,9 |- 3,5 Typha als Nutzpflanze. 99 5. Die Kultur von Typha. Von P. Graebner und A. Zinz. - Die Nutzbarmachung der größeren Typha-Arten in erster Linie a ls Faserpflanzen hat begreiflicherweise bald den Wunsch entstehen lassen, nicht nur die natürlichen Bestände in ihrem Umfange z u erhalten, sondern etwa geeignete Gelände mit dem Rohrkolben z u bepflanzen und das Kolbenschilf anstelle wertloser Sumpfgewächse z u setzen. - Schon die Erhaltung der Bestände wird vielfach Kultur maßnahmen erfordern. Auf nur zeitweise überschwemmtem Gelände oder auch im flacheren Wasser, wird meist schon nach wenigen Jahren der Boden derart mit Grundachsen durchzogen, daß e r fast völlig verfilzt erscheint. Die Folge ist dann, daß besonders nach trockneren Jahren sich sehr reichlich Blütenstände, also Stengel, entwickeln und daß damit die vegetative Vermehrung, die Bildung der für die Fasergewinnung wertvollen Blattriebe zurücktritt. Damit wird der Bestand entwertet. Besonders bei T . latifolia scheint dieses. Stadium in der größten Mehrzahl der Fälle etwa nach 5 bis 8 Jahren einzutreten. Mit der vegetativen Schwächung des Bestandes, der dabei zugleich licht wird, siedeln sich meist zunächst größere Wiesengräser (Phalaris arundinacea, Glyceria aquatica u . a.) a n und Typha tritt weiter zurück. - „ Um diesen Zustand der Überständigkeit z n bekämpfen, scheint das Verfahren Erfolg zu versprechen, daß in bestimmten Zeit abständen, wenn der Bestand eine starke Dichte erreicht hat, während der Ruhemonate durch einen Pflug streifen weise dieGrund achsen entfernt werden und dadurch der Boden an diesen Streifen gelockert wird. Soweit sich an Kleinversuchen bisher fesstellen läßt, wachsen die Grundachsen der den Streifen benachbarten Pflanzen üppig in den gelockerten Boden hinein und bereits im Herbst zur Erntezeit der Blätter ist der Bestand wieder geschlossen. Später, etwa im folgenden Jahre kommen dann die stehengebliebenen Teile a n die Reihe. Die Kosten des Verfahrens werden ganz oder doch zum größten Teil dadurch gedeckt, daß die ausgepflügten Grund achsen mit ihrem reichlichen Stärkegehalt (s . S . 30, 100) gesammelt und verwertet werden. Wo ihre technische Verwertung nicht möglich ist, geben sie ein gutes Vieh- namentlich Schweinefutter, dessen Verwendung!) sich während der Kriegszeit vielfach ein *) Berichte der Deutschen Landwirtschaftsges. 1916 (mehrfach). Merkbl. Bot, Gartens u . Mus. Berlin-Dahlem 1. (1917). :: 7 100 P. Graebner, E. Medlewska und A. Zinz, gebürgert hat. Wo große Massen Grundachsen zur Verfügung stehen, sodaß ihre technische Verarbeitung möglich ist, wird di e sehr zähe Faser gewonnen werden können und die Stärke mannig fache Verwendung finden; schwach geröstet gewinnt sie, nach den Versuchen der Frau A . Zinz, einen kakaoähnlichen Geschmack und Geruch. Es wurden von Herrn Hofrat Prof. Dr. Loges in Pommritz in Sachsen im März und später von Herrn Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Thoms-Dahlem!) Untersuchungen über den Nährstoffgehalt angestellt, die erstgenannten ergaben bei den frischen Grundachsen 5,92 % Rohprotein (mit 2,04 % Reinprotein) und 17,49 % Kohle hydrate (mit 15,43 % Stärke) oder auf die trocknen Achsen be rechnet 17,67 % Rohprotein und 52,21 % Kohlehydrate (mit 46,06% Stärke). Die Untersuchungen des Herrn Geh. Rat Thoms ergaben in dem in einer Exzelsiormühle gewonnenen Pulver, aus dem di e sehr zähen Fasern ausgeschieden waren, 29,85% Stärkemehl. Durch die spätere Jahreszeit nach Beginn des Austreibens war anscheinend schon Stärke verloren gegangen. Der eigentliche Anbau von Typha kann in zwei Formen vor sich gehen, entweder durch Aussaat oder durch Pflanzung. W0 wenigstens zeitweise vom Wasser verlassenes Gelände zur Verfügung steht, ist zweifellos die erstere vorzuziehen, weil sie einfach und billig ist. Unumgänglich notwendig is t dabei, daß wenigstens di e Streifen, in denen Aussaat, Keimung und erste Entwicklung der jungen Sämlinge erfolgen soll, gelockert und von etwa konkurrierenden Pflanzen befreit wird, daß also lockerer „wunder“ Boden geschaffen wird. Zwischen anderen dichtstehenden Pflanzen, besonders zwischen größeren Sauergräsern kommt Typha nicht zur Entwicklung. Die Sämlinge erscheinen zwar über dem Boden, sterben aber ohne Grundachsenentwicklung ab. In Wasser gebracht schwimmen die Früchte mit ihren Haaren anfangs an der Oberfläche, durch die Wasseraufnahme quellen aber die Samen auf, der Balg der Frucht wird gesprengt und die Samen treten heraus; d a sie schwerer sind als Wasser, sinken sie z u Boden. Hier gelangen sie, wenn dasWasser ruhig und nicht zu tief (jedenfalls noch in über 3 dm Tiefe!) ist, zur Keimung, scheinen aber dort sehr schwer Wurzel zu fassen und können sich *) Vergl. Berichte der Deutschen Pharmaz. Gesellsch. XXVI (1916) 179 ff. Graebner im Merkbl. Bot, Gartens u. Mus. I. (1917). Typha als Nutzpflanze. 101 auch selbst bei großer Vorsicht nur sehr langsam entwickeln. In der freien Natur scheinen sie so gut wie stets unter diesen Ver hältnissen zugrunde zu gehen, jedenfalls häben zahlreiche von A. Zinz u. a. vorgenommene Aussaatversuche im Wasser nicht das gewünschte Resultat ergeben. Aussaaten auf dem feuchten Ufer krochen leicht und bald ins Wasser. Die jungen Pflänzchen fallen im Wasser anscheinend zahlreichen Feinden, Schnecken usw. Zum Opfer. Auch dem Samen müssen Tiere nachstellen, denn in der Wolle zahlreicher von A. Zinz im Frühjahr geprüfter halb zerfallener Kolben fanden sich an den Standorten keine Samen.mehr. Die Aussaat auf nacktem Boden erfolgt am besten im März, a ls dem natürlichen Keimungsmonat. Wenn es die Wasserver hältnisse nicht zulassen, kann auch eine andere Zeit gewählt werden, sobald die Feuchtigkeit die Bodenbearbeitung zuläßt und erfahrungsgemäß die betr. Stelle noch einige Monate von der Über schwemmung freibleibt. Die Samen von Typha bleiben über 2 Jahre gut keimfähig. Die Aussaat darf nicht zu dicht, möglichst ganz weitläufig erfolgen, am besten werden die Früchte mit sehr viel feuchtem Sande gemischt, d a bei dichtem (rasenartigen) Stande der Sämlinge diese sich anfangs z u viel Konkurrenz machen. Die Versuche, die bisher angestellt wurden, sind noch z u jung u m positive Vorschläge machen zu können. A . Zinz hat im Jahre 1918 nach den besonders durch Herrn Oberinspektor Peters im Dahlemer botanischen Garten vorgenommenen Vorversuchen a n verschiedenen Orten Norddeutschlands Aussaatversuche im Auf trage der Deutschen Typha-Verwertungsgesellschaft anstellen lassen, in erster Linie bei Alt-Borck bei Kolberg und bei Uhyst in der Nieder-Lausitz. Soweit sich bisher übersehen läßt, is t e s am vorteil haftesten gewesen, bei nicht zu hohem Bestande der ursprünglichen Gräser resp. Sauergräser Gräben von über 8 dm Breite auszuwerfen v o n (einer je nach dem Grundwasserstande wechselnden) 3 bis 4 dm Tiefe und den Auswurf in der Nachbarschaft auszubreiten. Je breiter die Gräben sind, desto besser. Die Aussaat geschieht über d ie Gesamtfläche des gelockerten Bodens, auch über die Dämme. Die Sämlinge faßten dort gut Fuß und entwickelten sich im ersten Jahre kräftig bis zur normalen Höhe der einjährigen Pflanze von etwa 5 bis 7 dm. Bei einem andern Versuche, bei dem der Boden nur tief aufgehackt wurde, ging Typha ebenfalls ganz dicht auf, e s steht aber noch nicht fest, o b sie dauernd in genügender Menge Fuß fassen wird; a n den nicht verletzten Stellen blieb, wie schon 102 P. Graebner, E. Medlewska und A. Zinz, bemerkt, die Saat aus. Die Kolberger Aussaat ging nach freund licher Mitteilung des Herrn Torfinspektor Otto durch nachträgliches Austrocknen der Gräben stark zurück. Bei besonders guter Kultur erreichten einjährige Sämlinge von T. angustifolia eine Höhe von über 2 m, wie sie Herr Ober inspektor Peters im Botanischen Garten erzog. T. latifolia er reichte diese Höhe nicht, die höchsten einjährigen Pflanzen waren Ca. 1,5 m. Die Bestockungsfähigkeit der jungen Pflanzen hängt ganz vom Standort und von der Saatdichte ab. Sehr dicht, wie dichter junger Rasen, stehende Pflanzen, deren Blätter auch im Herbst sehr frühzeitig gelb wurden, wurden z. T. nur etwa 3 cm hoch; si e erzeugten keine Grundachse, sondern nur ein kleines intra vaginales Knöllchen von öfter nur Hirsekorngröße. Auch a n Stand orten mit stark wechselnder Feuchtigkeit, die bald durch über rieselndes Wasser durchnäßt, bald wieder trocken wurden, zeigte sich ein solches Zurückbleiben der Pflanzen. Bei etwas lockerem Stande wurden die jungen Pflanzen bis zum Herbst etwa 2 dm hoch und am Grunde hatte eine kurze meist etwa 2 bis 3 cm lange Grundachse die Scheiden durchbrochen. Bei ganz freiem Stande in gleichmäßig nassem bis flachüberschwemmtem Boden waren a n den kräftigen Pflanzen bis über 6 dm lange Grundachsen und zwar bis zu 6 vorhanden, die bereits kräftige Triebe über die Oberfläche geschickt hatten. Zweijährige ungehindert gewachsene Pflanzen beider Arten bedeckten mehrere Quadratmeter mit ihren Achsen, in der Mitte bereits einen kleinen dichten Bestand bildend. Wo wegen desWasserstandes, namentlich wegen einerWasser bewegung am Ufer usw. eine Aussaat keine Aussicht auf Erfolg bietet, weil die Samen und die jungen Keimlinge hin- und her gespült werden, wird man Pflanzung anwenden. Hierbei is t d ie Hauptvorsicht auf die Auswahl des Pflanzenmaterials zu verwenden. Mit Haken oder Pflügen werden die Grundachsen aus dem Boden gerissen, die a n überschwemmten Standorten schwimmen. Am besten im frühen Frühjahr, wenn die Triebe noch in Ruhe sind, werden aus den Grundachsen die verdickten Spitzen der letzten Ausläufer ausgelesen, am besten solche, die im Vorjahre noch gar keine oder doch nur kurze Laubblätter getragen haben. Diese jungen Spitzen fallen schon in der Masse der Grundachsen durch ihre helle Farbe auf. Auch später, etwa bis in den Mai (oder Juni) hinein, kann man die Pflanzung vornehmen, indem man dann Typha als Nutzpflanze. " 103 an den ausgetriebenen Sprossen die Blätter zurückstutzt; die Pflanzen stärken sich dann aber nicht so wie bei der Frühlings pflanzung. Man macht Furchen in den Boden des Ufers, legt dort die Grundachsen wagerecht ein, so daß die Spitzen aufwärts schauen und deckt dann die Grundachsen zu, möglichst so, daß d ie bedeckende Erde etwas über den Wasserspiegel hinausragt, damit die Grundachsen nicht herausgespült und abgeschwemmt werden können. Zur Uferfestigung a n größeren Flüssen verspricht dies Verfahren guten Erfolg und soll jetzt z. B . auf Veranlassung des Bauamtes in großem Maßstabe bei der Oderregulierung An Wendung finden. T . angustifolia wird für diese Zwecke die ge eignete Art sein. studium über eine Brombeerkrankheit - Von Dr. C . Hahmann, Hamburg. Allgemeines. Der Krebs, der vielfach auf unseren Obstbäumen und Sträuchern o ft in gefährlichster Weise auftritt, is t in seinem Ursprung und Wesen bei weitem noch nicht so erforscht, wie dieses wünschens Wert wäre. Nach Sorauer wird der Krebs als Wunde bezeichnet, deren Überwallungsränder sich zu wuchernden Holzgeschwülsten ausbilden. „Der Charakter der Wucherung liegt in der ausschließ lichen oder überwiegenden Bildung von Parenchymholz a n Stelle der normalen prosenchymatischen Holzelemente. Die Krebsgeschwülste haben für jede Gehölzart typische Gestalt“). Merkwürdig is t e s, daß die Krebskrankheiten, mit Ausnahme der des Weinstockes, lediglich in der Familie der Rosaceen zu finden sind. Nach diesem Forscher unterscheiden sich die Krebsformen bei den einzelnen Gattungen der Rosaceen nur „durch die Art der Reaktion äuf den Wundreiz, stimmen aber darin wieder überein, daß si e das Auge *) P . Sorauer, Handb. der Pflanzenkrankheiten I, S. 584. uc1.b3299303_page_116_cut uc1.b3299303_page_117_cut uc1.b3299303_page_118_cut uc1.b3299303_page_119_cut uc1.b3299303_page_120_cut uc1.b3299303_page_121_cut