Angewandte Botanik. Typha als Nutzpflanze. " 103 an den ausgetriebenen Sprossen die Blätter zurückstutzt; die Pflanzen stärken sich dann aber nicht so wie bei der Frühlings pflanzung. Man macht Furchen in den Boden des Ufers, legt dort die Grundachsen wagerecht ein, so daß die Spitzen aufwärts schauen und deckt dann die Grundachsen zu, möglichst so, daß d ie bedeckende Erde etwas über den Wasserspiegel hinausragt, damit die Grundachsen nicht herausgespült und abgeschwemmt werden können. Zur Uferfestigung a n größeren Flüssen verspricht dies Verfahren guten Erfolg und soll jetzt z. B . auf Veranlassung des Bauamtes in großem Maßstabe bei der Oderregulierung An Wendung finden. T . angustifolia wird für diese Zwecke die ge eignete Art sein. studium über eine Brombeerkrankheit - Von Dr. C . Hahmann, Hamburg. Allgemeines. Der Krebs, der vielfach auf unseren Obstbäumen und Sträuchern o ft in gefährlichster Weise auftritt, is t in seinem Ursprung und Wesen bei weitem noch nicht so erforscht, wie dieses wünschens Wert wäre. Nach Sorauer wird der Krebs als Wunde bezeichnet, deren Überwallungsränder sich zu wuchernden Holzgeschwülsten ausbilden. „Der Charakter der Wucherung liegt in der ausschließ lichen oder überwiegenden Bildung von Parenchymholz a n Stelle der normalen prosenchymatischen Holzelemente. Die Krebsgeschwülste haben für jede Gehölzart typische Gestalt“). Merkwürdig is t e s, daß die Krebskrankheiten, mit Ausnahme der des Weinstockes, lediglich in der Familie der Rosaceen zu finden sind. Nach diesem Forscher unterscheiden sich die Krebsformen bei den einzelnen Gattungen der Rosaceen nur „durch die Art der Reaktion äuf den Wundreiz, stimmen aber darin wieder überein, daß si e das Auge *) P . Sorauer, Handb. der Pflanzenkrankheiten I, S. 584. 104 C. Hahmann, und dessen nächste Umgebung als Entstehungsort bevorzugen. Der Grund dafür ist in der Lockerung des Achsenkörpers an der Ansatz stelle einer Knospe zu suchen. Hier ist stets der Holzring schmaler und wird schließlich von der parenchymatischen Markbrücke quer durchsetzt“!). Der Beginn der Erscheinung fällt in das zeitige Frühjahr. Eine kleine Rißwunde bildet den Ausgangspunkt der Krankheit, die dann sehr schnell mit reichlicher Kallusbildung weiter fortschreitet und gewaltige Dimensionen annehmen kann. Nach Wulff*) dagegen entsteht die Krankheit an der Stammbasis, sehr oft in der Nähe des Wurzelhalses und zeigt dort auch die beste Entwicklung. Allmählich schreitet sie nath oben fort, die Augen dabei oft völlig krebsfrei lassend, und erreicht schließlich die Spitzen der Stämme. Nach Wulff is t keine „Wunde“ als primäre Ursache und kéin Wundreiz vorhanden*). Das parenchymatische Kallus gewebe, das sehr empfindlich gegen Witterungseinflüsse, vor allem gegen Frost ist, kann durch geringe Kältegrade verletzt, zur Bildung neuen Wuchergewebes veranlaßt werden, d a infolge der parenchy matischen Natur des Gewebekomplexes in der vorangegangenen Vegetationsperiode Reservestoffe (Stärke) sehr reichlich gebildet und aufgespeichert worden sind“). Bei Spiraea hingegen soll die Ursache der Krebsbildung in der Stauung von plastischem Material liegen"). Beim Weinstockkrebs werden einerseits Frostwirkungen als Ursache der Krankheit angesprochen"), andererseits wird die Entstehung der Geschwülste auf Stauung des plastischen Materials, infolge z u kurzen Schnittes, zurückgeführt?). Durch Entdeckungen anderer Forscher, die Parasiten als Urheber der Kallusbildungen hinstellen, werden dieseWidersprüche in der Entstehung der Krebs krankheiten noch vermehrt. S o hat Güssow") bei einer Rosen krankheit in England einen Pilz (Coniothyrium Fuckelii Saec.) als Krankheitserreger angegeben. - *) P . Sorauer, I. a. a. O . S . 605. *) Th. Wulff, 1908, Studium über heteroplastische Gewebewucherungen am Himbeer- und Stachelbeerstrauch: Arkiv för Botanik, VII, Nr. 14, S. A. S. 4. *) Th. Wulff, 1908, a. a. O . S . 14. *) P . Sorauer I, a. a. O . S . 605. *) P . Sorauer I, a. a. O . S . 599. *) P . Sorauer I, a. a. O . S . 595. ') Blankenhorn und Mühlhäuser, P . Sorauer I, S. 596. *) H . T . Güssow, Parasitic Rose Canker in Journal o f the Royal Horti cultural Society, Nov. 1908, London. Studium über eine Brombeerkrankheit. 105 Dieselbe Krankheit und denselben Urheber haben auch Köck) und Laubert*) festgestellt. Für eine Brombeerkrankheit h a t Güssow”) ebenfalls einen Pilz (Coniothyrium tumaefaciens Güssow sp. n.) gefunden. Sorauer und andere schreiben dagegen den Parasiten nur sekundären Charakter zu. Die an Brombeersträuchern auftretende Krebskrankheit. Der auf Brombeersträuchern auftretende Krebs ist schon seit längerer Zeit bekannt. Sorauer beobachtete ihn in vier Fällen a n wilden Brombeersträuchern*). Die Kalluswülste haben nach ihm ihren Ursprung a n zentimeterlangen, durch Spannungsdifferenzén entstandenen Rißstellen. Dicht a n der Außenseite der Hartbast stränge beginnt eine reiche Parenchymwucherung, die e r ihrer Natur nach als typische Überwallungsränder ansieht. E r bemerkte schon eine Voranlage zur Krebsbildung. An den betreffenden Stellen, die später die Kalluswülste aufweisen, ist der aus Hartbast Strängen und ihren derbwandigen Verbindungselementen gebildete mechanische Ring durch feinwandiges Parenchymgewebe unter brochen. Als Ursache für die Krankheit gibt Sorauer Frost Schäden an. E r kann jedoch seine Vermutung nicht durch Beweise stützen. Bei seinen künstlich angestellten Versuchen hat e r in keinem Falle derartige luxuriierende Gewebewucherungen erzielen können. Ob die künstlichen Versuche, wenn sie früher als Sorauer e s tat, angesetzt werden, anders verlaufen, muß abgewartet werden. Auch Güssow") hat die Entstehung des Brombeerkrebses unter sucht. E r fand als Ursache einen Pilz, den e r infolge des Unter Schiedes seiner Sporengröße von den anderen Coniothyrium-Arten a ls Comiothyrium tumaefaciens Güssow s p . n . bezeichnete. Daß Güssows Versuche einwandfrei waren, davon konnte sich Wulff a n dessen eigenem Material überzeugen"). Nun tritt seit dem *) Köck, Ein für Österreich neuer Rosenschädling. Zeitschrift f. d. landw. Versuchswesen in Österreich 1905, S . 660/666. - - *) Laubert, Ref. Zeitschr. Pfl. Krankh. XVII, S. 252. (Köck, Ein für Österreich neuer Rosenschädling.) *) Güssow, 1908 a. a. O . S . 229 f. *) P . Sorauer I. S. 604; II. S. 227; III. S. 28. *) Güssow 1908, a. a. O . S . 229. *) Th. Wulff, Weitere Studien über die Kalluskrankheit des Himbeer strauches in Arkiv för Botanik VIII, Nr. 15. (Mitgeteilt am 10. März 1909 durch A . G . Nathorst und J. Eriksson, S. 3). 106 C. Hahmann, Jahre 1914 eine Brombeerkrankheit auch in Rißen bei Blankenese (Hamburg) in einem Garten auf. Diese Krankheit hat die größte Ähnlichkeit mit den bisher beschriebenen Krebskrankheiten der Brombeersträucher. Es handelt sich um die Sorte „Theodor Reimers“. Vor dem Eintritt der Krankheit war der Ertrag außer ordentlich gut. Bei den befallenen Pflanzen wird die Blütenbildung verzögert, Früchte entwickeln sich daran nicht, sodaß dadurch der Ertrag gänzlich herabgesetzt wird. Der Station für Pflanzenschutz in Hamburg wurde das Material, welches ich untersuchte, zugesandt. Ich überzeugte mich auch selbst an Ort und Stelle von dem Stand der Krankheit. Das Resultat der Untersuchung sei im folgenden kurz mitgeteilt. Die Krankheit tritt hauptsächlich direkt über der Erde, also direkt über dem Wurzelhalz auf, wie dieses Fig. 1 deutlich erkennen läßt!). Fig. 1 stellt ein Stammstück dar, das unmittelbar über dem Erdboden abgeschlagen ist. Die Kalluswülste sind hier besonders groß und stark; sie erreichen eine Höhe von 50/70 cm von der Erde aus gemessen, eine Dicke von 10/12 cm im Durchmesser. Dabei verdickt sich der Stamm oft um das 2–3fache”). Aber auch andere Stellen der Sprosse werden von der Krankheit befallen. So sieht man die Wülste bis zum Gipfel der Pflanzen dringen. (Vergl. Fig. 2, wo ein mittleres Sproßstück dargestellt ist.) Be sonders bevorzugte Stellen, als welche Sorauer”) die Augen ansieht, konnten nicht festgestellt werden. Die Krankheit trat sowohl an Haupt- wie an Nebensprossen auf. An den Augen zeigte sie sich sogar nur vereinzelt. Auch die blühenden Seitenzweige wurden oft von ihr heimgesucht. An keiner Stelle jedoch war ihre Ent wicklung so stark, wie in der unteren Stammpartie oberhalb des Wurzelhalses. Solange die Wucherungen noch jung und wachstums fähig sind, sind sie hart und von „straffer Konsistenz“*). Ihre Farbe ist grau-weiß bis weißlich-gelb. Dieser Ton rührt von den großen luftgefüllten Interzellularräumen her. Anfangs sind die Wucherungen ganz winzig, (vergl. Fig. 4, Anfangsstadien der Gewebewucherungen darstellend), erreichen aber bald eine Größe von 1–2 cm, ja von 3–5 cm Durchmesser. *) Vergl. auch Fig. 3, die die Krebsbildung auch unmittelbar über dem Wurzelhals zeigt, darunter die ausgebildeten Wurzeln. *) Th. Wulff, 1908, a. a. O. S. 4. *) Sorauer I, S. 605. “) Th. Wulff, 1908, a. a. 0. S. 4. • Studium über eine Brombeerkrankheit. 107 Sie erscheinen anfangs wie kleine Warzen, die zunächst ver einzelt auftreten, sich aber später zu großen Haufen vereinigen. S ie bekommen dadurch ein blumenkohlähnliches Aussehen!). Auf dem Stamme können die Wülste teils mit schmaler, teils mit breiter Fig. 1. Fig. 2 . Fig. 3. Basis aufsitzen*). Oft können auch mehrere Warzen zusammen Verschmelzen. Bald aber wechseln sie ihre Farbe. Diese wird dunkler und geht schließlich ins Bräunliche bis Braune resp. Dunkel braune bis Schwarzbraune über. Jetzt fangen die Wucherungen a nweicher z u werden, bis sie endlich gänzlich der Fäulnis verfallen. *) Th. Wulff, 1908, S. 4. *) Th. Wulff, 1908, S. 4f. und Taf. 3 , Fig. h . 108 C. Hahmann, Als Ursache hierfür sindWitterungseinflüsse, sowie die Einwirkungen von Pilzen und Bakterien anzusprechen. Doch auch Insekten und Würmer wirken hierbei in ihrer Weise. - Betrachten wir nun die Entstehung der Krankheit mikros kopisch, so zeigt sie in ihrem Verlauf große Ähnlichkeit mit dem von Güssow!) untersuchten „Parasitic Rose Canker“. Auf den Sprossen beobachtet man kleine Erhebungen, die rundliche oder mehr noch länglich-runde Gestalt haben können. Anfangs sind Fig. 4. diese noch von der Rinde bedeckt, später dagegen durchbrechen sie dieselbe mit einem Längsriß. Es treten schwarze, runde Körperchen aus ihnen heraus, die sich bei stärkerer Vergrößerung als Pilzkörper darstellen. Die Umgebung der Erhebungen fällt schon makroskopisch durch eine Verfärbung ins Dunkelrote bis Rotbraune auf. Mikroskopisch erweisen sich diese Zellpartien als abgestorben. Solche verfärbte Stellen sind überall auf der Rinde bemerkbar. Der Pilz entwickelt sich also unter der Epidermis und bricht später nur durch diese durch, um seine Sporen nach außen *) Güssow, 1908, a. a. O., S. 222 ff . Studium über eine Brombeerkrankheit. 109 gelangen zu lassen. Die Fruchtkörper haben rundliche Form, oben in eine Spitze zulaufend, und sind dunkel- bis schwarzbraun gefärbt, ihre Oberfläche von einer maschenartigen Beschaffenheit. Beim Durchschneiden dieser Fruchtkörper stößt man auf die auf 30–35 u langen, durchschnittlich 3u breiten Sporenträgern sitzenden Sporen. Die Fruchtkörper erreichen eine Größe von 290–330 u im Durch messer, die Sporen, die sehr klein, einzellig, rundlich, länglichrund b is eiförmig und von grau-grünlicher bis schmutzig-grünlicher Farbe sind, eine Größe von 4,5–6,5 u (lang) und 3–4,5 u (dick). E s handelt sich um eine Art der Gattung Coniothyrium. Güssow nannte den Pilz Coniothyrium tumaefaciens Güssow sp . n ., d a die Sporengröße von den anderen Coniothyrium-Arten verschieden ist!). Meine Messungen weichen von den Messungen Güssows nur wenig ab. Vereinigen wir in der Beschreibung des Pilzes beide Maßangaben, so erscheint mir der von Güssow neu gewählte Name für diesen Pilz berechtigt. Zwar ist uns die Gattung Coniothyrium hauptsächlich als Saprophytisch lebend bekannt, doch haben wir auch Beispiele ihrer parasitischen Lebensweise”). E s sei hier nur a n Coniothyrium diplodiella (Speg.) Sacc. a n Reben und Con. concentricum (Desm.) Sacc. auf Yucca-Blättern u. a. erinnert*). Wie ist es jedoch dem Pilz möglich in das Gewebe des Brombeer Strauches einzudringen? Ein schwach vergrößerter Brombeersproß zeigt allerwärts kleine „Wunden“, deren Entstehung in der Haupt Sache dem Wind zugeschrieben werden muß. Der Wind weht die Sprosse . hin und her, wobei die Dornen die Haut der Nachbar Sprosse ritzen. Was hierbei die Dornen ausrichten können, können z . B . auch die den Sprossen als Stütze dienenden Spaliere oder auch kleine, scharfkantige Sandkörnchen, die vom Winde gegen d ie Epidermis geweht werden. Dem letzteren Umstand is t e s, neben dem Frost, auch wohl vor allem zuzuschreiben, daß der Haupt infektionsherd direkt über dem Erdboden auftritt. Von hier aus is t e s den dort liegenden Sporen durch den Wind.am leichtesten möglich in die Pflanzen z u gelangen. Normalerweise versuchen die Pflanzen diese kleinen Wunden z u heilen, e s entstehen winzige Erhebungen. Die aber vom Pilz *) Güssow, 1908, S. 229 f. *) Sorauer II, 2. Aufl., S. 385. * Th. Wulff, Einige Botrytis-Krankheiten der Ribes-Arten in Arkiv för Botanik 1908. - 110 - C. Hahmann, befallenen Stellen verhalten sich anders. Der Pilz dringt in das Gewebe ein und breitet sich in den der Wunde benachbarten Zellen aus, seine Nahrung diesen entziehend. Die befallenen Zellen sterben bald, unter Verfärbung ins Dunkelrote bis Rotbraune, ab. Nun bildet der Pilz seine Fruchtkörper, die wenn sie reif sind, hart werden und schließlich, wiewir sahen, mit ihrer Spitze die Epidermis durchbrechen, ihre Sporen zu entlassen. Das durch den Pilz ab getötete, unelastische Gewebe setzt sich dem Wachstum des Sprosses entgegen. Es entstehen Risse oder Spalten in der Epidermis, Durch Bildung von Wundgewebe versucht die Pflanze diesem Schaden abzuhelfen, was ihr ja auch unter normalen Bedingungen möglich ist. Die von beiden Seiten des Risses kommenden Kallus gewebe treffen in der Mitte aufeinander und vereinigen sich. Der Pilz hindert aber dieses Ausheilen. Ein Querschnitt durch einen derartigen Riß mit Wundgewebe zeigt am Rande des Kullusgewebes kleine schwarze Stellen. Hier hat sich der Pilz schon wieder ein genistet. Es ist ihm ja auch ein leichtes in die Wundgewebezellen, deren Zellwände zart und fein sind, deren Epidermis wenig wider standsfest ist, einzudringen. Das nun vom Pilz neuerdings ab getötete Gewebe sucht die Pflanze durch weitere Kallusbildung zu ersetzen. So wogt der Kampf zwischen Pilz und Pflanze hin und her. Das dünnwandige, zarte Kallusgewebe ist aber noch anderen Einflüssen ausgesetzt. Hier ist es vor allem der Frost, der die Pflanzen in schwerster Weise schädigen kann. Schon geringe Frostgrade töten die empfindlichen Parenchymzellen ab, Die Pflanze bildet neues Wundgewebe, sodaß jetzt ein Kampf zwischen Frost und Pflanze entbrennt. Schließlich kommt es zu Kallusbildungen rings um den ganzen Stamm, sodaß die oberen Pflanzenteile voll ständig von den unteren Partien abgetrennt dastehen. Daß dies das Ende der Pflanze bedeutet, is t klar ersichtlich. Von solchen durch den Frost geschädigten Pflanzenteilen hat sich der Pilz völlig zurückgezogen!). Aus Güssows und aus den vorliegenden Unter suchungen erhellt aber deutlich, daß den ersten Anstoß zu dieser Krankheit zunächst der Pilz gibt, er ist deren Erreger. Erst in zweiter Linie treten die Einwirkungen des Frostes in die Er scheinung. - Künstliche Infektionsversuche, auch an wilden Brombeeren, konnten bisher leider noch nicht ausgeführt werden. Ein Umstand jedoch spricht meines Erachtens für eine Infektion auch nach dieser ) Güssow, 1908, S. 227 f. - Studium über eine Brombeerkrankheit. 111 Seite. Die befallenen Sprosse wurden von dem Besitzer abgeschnitten und in eine abseits gelegene wilde Brombeerhecke geworfen. Die bisher krebsfreien wilden Brombeersprosse wiesen im nächsten Jahre viele solche Auswüchse auf. - Wie ist dieser Krankheit entgegen zu treten? Güssow!) schreibt für seine Rosenkrankheit größte Aufmerksamkeit auf die ersten Krankheitsanzeichen und Bestreichen dieser Stellen und ihrer Umgebung mit „creosoted wood tar“ vor. Durch diese Behandlung werden die Sporen des Pilzes getötet und die Ausbreitung der Krankheit wird verhindert. Vorgeschrittene Stadien sind auszu schneiden und die Wunden ebenfalls mit Holzteer oder Wachs zu bestreichen. „Badly cankered twigs“ sind abzuschneiden und zu Verbrennen. Daß größte Obacht auf die Krankheitsanfänge gegeben werden muß, is t nach der geschilderten Entwicklung des Krebserregers selbstverständlich. Ich schlage vor, bei vorgeschritteneren Stadien nicht Holzteer, sondern Steinkohlenteer zu verwenden. Holzteer dringt z u tief in die Gewebe ein*). Die verkrebsten Stellen sind m it einem scharfen Messer b is auf das gesunde Holz auszuschneiden und mit einem glühenden Eisen auszubrennen. Nach einiger Zeit, meist nach wenigen Tagen, wenn die Wunde etwas abgetrocknet is t, wird Steinkohlenteer mit einem Pinsel auf die Wunde aufge strichen*). Bei dieser Behandlung wird man alle Pilzsporen abtöten können. Vorsichtshalber kann man dieWunde im nächsten Jahre nochmals überteeren. Auf dieseWeise kann man die Pflanzen wohl in den meisten Fällen vor dem sicheren Absterben retten. Das im Steinkohlenteer wirksame Element, das Kreosot, bringt neben dem Pilz, auch die obere Holzschicht zum Absterben, wodurch der Holzfäule vorgebeugt wird. Für das Ausschneiden is t Mai und Juni, eine Zeit, wo die Pflanze in voller Vegetation steht, am günstigsten, d a dann die Vernarbung am besten vor sich geht“). Wie die Erscheinung nach dieser Behandlung verläuft, wird später mitgeteilt werden. Stark verkrebste Stämme werden abgeschnitten und verbrannt. - - *) Güssow, 1908, S. 229. - *) W. Breitwieser (M. d. G . 1908, S . 22, Ref. Zeitschrift f. d . Landw. Versuchsw. in Österreich XI, 1908, S. 514 f.) . *) Um das Abfließen des Teers zu verhindern, schlägt Breitwieser vor, d ie betreffenden Stehlen mit trockener Holzasche z u bestreuen. *) W. Breitwieser, 1908, S . 514 f. uc1.b3299303_page_121_cut uc1.b3299303_page_122_cut uc1.b3299303_page_123_cut uc1.b3299303_page_124_cut uc1.b3299303_page_125_cut uc1.b3299303_page_126_cut uc1.b3299303_page_127_cut uc1.b3299303_page_128_cut uc1.b3299303_page_129_cut