Angewandte Botanik. 146 Hugo Fischer, Der gegenwärtige Stand der Kohlensäurefrage usw. und es käme jemand (ich setze als bekannt voraus, daß solche Erfindung nur von der Naturwissenschaft ausgehen kann!) zum Kriegsminister: „Ich bin einer Erfindung auf der Spur, so und so , welche die ganze Kriegführung umgestalten und derjenigen Seite, welche in ihrem Besitz ist, ungeheure Vorteile gewährleisten wird; ich brauche aber zur Durchführung der Sache ein kleines Labora torium mit geeigneter Einrichtung, usw.“ Und der Minister, nach dem e r noch einige Fragen gestellt, spräche z u ihm: „Schön, was Sie brauchen, sollen Sie haben! Gewinnen Sie nur erst mit Ihrem „Pulver“ ein paar Schlachten und erobern Sie einige Festungen, dann soll die Errichtung Ihres Laboratoriums sofort . . . . . . . in wohlwollende Erwägung gezogen werden.“ – So liegt die Sache, und e s ist ein schwerer Hemmschuh für unsere ganze Kulturentwicklung, daß die Möglichkeit, einen fruchtbaren Gedanken in die Tat umzusetzen und ihn der Allgemeinheit nutzbar zu machen, von Außenbedingungen abhängig ist, die mit seinem Wert oder Unwert rein gar nichts zu tun haben. Die Beurteilung des Anbauwertes französischer Rotkleesaaten. Von Prof. Dr. J. Simon-Dresden. Mit 2 Karten. Die erste und wichtigste Grundlage einer erfolgreichen Pflanzenkultur is t die Verwendung guten, einwandsfreien Saat gutes. Die Eigenart des heimischen Pflanzenbaues, einmal die kulturellen und klimatischen Verhältnisse, dann die Notwendigkeit des gesteigerten Anbaues von Getreide und Hackfrüchten sowie von Futterpflanzen machen es unmöglich, den gesamten Bedarf an Saatgut für alle Pflanzenarten im Inlande selbst zu erzeugen: in weitgehendem Maße sind und bleiben wir auch für die Folge auf den Bezug vom Auslande angewiesen. Ganz besonders behält dies Geltung für unsere wichtigste Futterpflanze, den Rotklee“). *) Importiert wurden vor dem Kriege jährlich 378000 d z Kleesaat. (Alves, Arbeit. der D . L . G., 1913, Bd. 245.) J. Simon, Die Beurteilung des Anbauwertes französischer Rotkleesaaten. 147 Nun is t aber gerade für diesen die Anbauwürdigkeit eines Saat gutes in hohem Grade abhängig von seiner Herkunft. Praktische Erfahrungen und zahlreiche Anbauversuche haben längst die Tat sache erwiesen, daß die inländischen Rotkleesorten und unter diesen besonders die östlichen Herkünfte, die schlesischen, ost und westpreußischen a n erster Stelle stehen, denen sich als zweifel lo s hochwertig russische und österreichische (Böhmen, Steiermark), Saaten anschließen. Bezüglich des Wertes der west- und süd europäischen Provenienzen gehen die Meinungen jedoch stark aus einander, und schon bei pfälzer, rheinischen und badischen Saaten is t nicht selten über beträchtliche Schädigung der Kleeschläge in folge der Winterkälte im mittleren und östlichen Deutschland ge klagt worden. Für den Rotklee ist demnach die Herkunft geradezu eine ausschlaggebende Werteigenschaft. Für deutsche Verhältnisse kann die Minderwertigkeit bezw. völlige Unbrauchbarkeit der italienischen und der südfranzösischen Herkünfte einem Zweifel nicht unterliegen. Bezüglich der Saaten aus dem übrigen Frankreich liegen zur sicheren Beurteilung ihres Anbauwertes jedoch zuverlässige praktische Erfahrungen in aus reichendem Maße nicht vor: die diesbezüglichen Urteile sind meist nur wenig zuverlässig, d a das jeweil verwendete Saatgut in seiner Herkunft nicht genau genug bekannt war. Anders läßt e s sich ja auch nicht erklären, wenn Urteile so weit auseinander gehen, daß beispielsweise Müller-Augustenberg!) auf Grund seiner Untersuchungen alle französischen Herkünfte selbst für das teil weise außerordentlich milde Klima Badens als nur zu einjähriger Nutzung brauchbar erachtet, während Störmer-Kleine”) auf Grund ihrer Anbauversuche eine gute nordfranzösische Saat un bedingt als für pommersche Verhältnisse (wo im rauhen Küsten gebiet selbst der Petkuser Roggen kaum winterhart genug erscheint) sehr gut verwendbar bezeichnen, während sie dem Rotklee aus den mittelfranzösischen Gebirgsgebieten geringere Widerstands fähigkeit beimessen, wie jenem des geographischen Norden. Nach unseren*) vieljährigen Untersuchungen und Erfahrungen über dauern die letzteren und natürlich erst recht die Provenienzen aus Süd- und Westfrankreich selbst die verhältnismäßig milden Winter *) Untersuchungen über d ie Erkennung und den Ertrag verschiedener Rot kleeherkünfte. Berlin, Parey 1916. *) Deutsche Landwirtschaftliche Presse 1915, Nr. 53. *) Jahrbuch für Weidewirtschaft, Hannover 1919. 10* 148 J. Simon, Dresdens nicht, während wir den eigentlichen französischen Ge birgs-Rotklee für widerstandsfähiger erachten. Die 1901–1902 durchgeführten umfassenden Versuche der D. L. G.) führten hin wieder zur Schlußfolgerung, daß ganz allgemein die französischen Rotkleesorten für uns als ungeeignet bezeichnet werden müßten; auch die nord- wie südfranzösischen Saaten waren bei diesen Ver suchen durch Frost mehrfach erheblich geschädigt worden. Um gekehrt fand Haselhoff”) zwischen russischem, schlesischem, nord und südfranzösischem, ja sogar italienischem Rotklee keinen Unter schied hinsichtlich der Winterfestigkeit! Diese Divergenz der Meinungen zeigt deutlich, wie weit die so wichtige Frage noch von einer Klärung entfernt ist. Aber auch rein zahlmäßig er scheinen mir die bisher exakt durchgeführten Anbauversuche in keinem Falle auch nur annähernd zur Begründung eines festen Urteiles hinreichend: nur in den verschiedensten Teilen Deutsch lands Jahre hindurch fortgeführte vergleichende Prüfungen, be i welchen die differenten Verhältnisse unserer kontinentalen Winter zur vollen Einwirkung gelangt sind, können hierzu die notwendigen Unterlagen schaffen. Dabei ist es keinesfalls angängig, die Schluß folgerungen dergestalt z u verallgemeinern, als o b dieselben Geltung besäßen gleichermaßen für Pommern und Sachsen, Baden oder Posen. Vor allem ist dabei aber das den verschiedenen Produktions gebieten des mittleren und nördlichen Frankreichs einwandsfrei entstammende Saatgut getrennt z u prüfen, da dasselbe in Abhängig keit von den lokalen Erzeugungsbezirken sich ganz anders ver halten wird. Der französische Samenhandel rechnet aber nach uns zugegangenen direkten Mitteilungen das gesamte nördlich d e r Linie Bordeaux–Grenoble liegende Gebiet zum französischen Norden und handelt die Saaten aus dem Pariser Becken ebenso wie solche aus dem Küstengebiet oder aus dem Hochland des mittleren Frankreichs als „Nordfranzösischen Rotklee“. Für unsere deutschen Verhältnisse sind diese Provenienzen aber von ganz verschiedenem Wert, ja zum Teil völlig unbrauchbar: Bei Neu orientierung der Handelsbeziehungen mit unserem west lichen Nachbarn muß deshalb jenem irreführenden Brauch von vornherein ein Riegel vorgeschoben werden dergestalt, daß eine exaktere Bezeichnung und zwar nach klimatisch enger umgrenzten Gebieten Geltung erlangt. 1 ) Jahrbuch der deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft 1903, XVIII. *) Fühlings Landwirtschaftliche Zeitung 1917. Die Beurteiluug des Anbauwertes französischer Rotkleesaaten. 149 Die Klimaverhältnisse Europas, insbesondere wie sie sich unter dem Einfluß des Golfstromes ganz eigenartig gestalten, habe ich an anderer Stelle!) bereits einer kurzen Betrachtung unterzogen und dabei ihren Einfluß auf die Anbauwürdigkeit der dorther stammenden Rotkleesaaten angedeutet. Um Gesagtes nicht wiederholen zu müssen, sei nebenstehend eine z. Zt. gebrachte Karte wieder gegeben, welche deutlich die gesamten Klimaverhält nisse unseres Kontinents in großen Zügen dartut. Auf die speziell französischen Verhältnisse möchte ich aber etwas näher eingehen, da deren Beachtung die b is jetzt allein zuverlässige und einheit liche Grundlage liefert zur Beurteilung französischer Rotklee provienzen. Denn d a diese wichtigste Futterpflanze bei uns durch weg z u zweijähriger Nutzung angebaut wird, besitzen die notwendige Widerstandsfähigkeit nur die aus solchem Saatgut erwachsenen Pflanzen, welches aus Gegenden mit gleichen oder doch ähnlichen klimatischen Verhält nissen stammt. Die Wintertemperaturen bilden hierfür das ausschlaggebende Moment. Wie aber schon die erwähnte Karte erkennen läßt, besitzt das mittlere Deutschland im Gegensatz zum kalten Osten gemäßigte Winter, während das westliche Frank reich sich milder Winter erfreut gleich den warmen Küsten des Mittelmeeres. Anders im mittleren Frankreich, wo das Rumpf gebirge der Centralplatte in einer durchschnittlichen Höhe von 800 bis 1000 m ganz anders geartete Verhältnisse bedingt: Hier im Mittelgebirge (VI) Climat auvergnat ou limousin, sind die Wettererscheinungen reich a n Gegensätzen. Im großen und ganzen ist das Klima rauh, im Winter wirft der Himmel Unmassen von Schnee zur Erde und überzieht die Hochflächen oft mit scharfem Frost. Im Frühling, welcher etwa gleichzeitig wie in Mitteldeutschland einsetzt, stürzen gewaltige Schmelzwasser durch d ie tief eingeschnittenen Flußtäler der Loire, des Allier, des Lot, Tarn und ihrer Zuflüsse; die Nächte sind oft empfindlich kalt und bringen nicht selten den Pflanzenkulturen Schaden*). Mit einem Flächenraum von etwa 80.000 qkm umfaßt das Gebiet fast den sechsten Teil Frankreichs, darunter ganz oder zum Teil die Land schaften Auvergne (bis z u 1800 m Höhe), Lyonnais (bis 1000 m), Bourbonnais, Marche und Limousin (mit einer mittleren Höhe von *) Illustr. Landw. Ztg. 1915, Nr. 2 3 und Mitteil. d.Ökon. Ges. Dresden 1915. *) Siehe z u dem Folgenden Höfer, Frankreichs Landwirtschaft, Frank reichs Reichtum, Leipzig 1912, sowie Scobels Geographisches Handbuch, 150 J. Simon, } ،º // • � º- -- - Ź Ž Ž ;# Die Beurteilung des Anbauwertes französischer Rotkleesaaten. 151 500 m), Guyenne, u. a. Von diesem klimatisch wohl charakteri sierten Gebiet unterscheiden sich scharf die vier anderen Klima Provinzen Frankreichs. In diesen kommt der Einfluß der Meere wie jener der südlichen Lage Frankreichs – der nördlichste Punkt hat die Breite von Köln und Dresden, der südlichste die - - ca"s - - ---- --- - -II -0"RT - ". --- Von Florenz – deutlich zur Geltung. Das Klima der Bretagne (I ), Climat breton o u armoricain, kennt kaum den Frost, in dem stürmereichen Land sind die Hälfte aller Tage Regentage, viele anderen trübe und sonnenlos. Unter dem Einfluß der Wärme aber gedeihen hier im Freien Kamelien, Yukkas, Araukarien und statt iche Feigenbäume. Das Garonnebecken (II), Climat girondin, besitzt eine mittlere Januartemperatur von 4–5° Celsius, bedingt 152 J. Simon, durch die Meeresnähe. Die Verhältnisse des Pariser Beckens (III), Climat parisien ou séquanien, sind durch warmes Frühjahr, heiße Sommer und milde Winter mit einer mittleren Januar temperatur von 4° Celsius charakterisiert. Die mediterranen Küsten landschaften (Provence, Languedoc) besitzen Mittelmeer-Klima (IV), Climat méditerranien, mit ganz besonderer Eigenart, auf trockene und heiße Sommer folgen auffallend milde Winter, immer grüne Matten und Gebüsche zeigen das südeuropäische Vegeta tionsgebiet an, der Ölbaum is t hier die Charakterform der Kultur landschaft. Ostfrankreich (V), Climat vosgien im nördlichen, Climat Lyonnais ou rhodanien im südlichen Teil, hat unter sich annähernd gleiches Klima, Kontinental-Klima, d. h. heiße Sommer und verhältnismäßig kalte Winter. - Auf der beigegebenen Karte 2 habe ich nach einer Skizze im Atlas classique von Schrader u. Gallouédec (Paris 1908) diese wohlcharakterisierten 5 Klimagebiete Frankreichs eingetragen, da z u im Gebiete V I jene Departements in ihren Verwaltungsgrenzen, welche für Deutschland geeignete Kleesaaten liefern. Daneben sind in gleicher Blockschrift jene Departements, welche für die D . L . G.-Versuche Saatgut lieferten, angemerkt, endlich in Kursiv schrift die anderweit wichtigsten Kleesaat liefernden Landschaften des Landes und seiner Nachbargebiete. Diese Einteilung Frankreichs in Klima-Provinzen erscheint mir nun als die zuverlässigste Grundlage zur Beurteilung der Anbauwürdigkeit französischer Rotkleesaaten: Nur die aus der Klimaprovinz VI, aus dem Hochland der Auvergne im weitesten Sinne, von den sich nach NW und W erstreckenden wellenförmigen Abdachungen bis hinauf z u dem Steilrand der Cevennen stammen den Saaten können für den Anbau in Deutschland zu zweijähriger Nutzung in Frage kommen. E s sind in erster Linie die Departe ments Cher, Allier, Creuse, Haute-Vienne und Cantal, ferner in geringerem Umfange Nièvre, Loire, Haute Loire und Corrèze. Für das gesamte Gebiet dürfte die Bezeichnung mittelfranzösisches Gebirgsland zutreffen, die aus demselben stammenden Rot kleesaaten sind folgerichtig als mittelfranzösischer Ge birgsrotklee zu bezeichnen, womit eine scharfe Trennung von den Herkünften des geographischen Norden, Westen und Süden Frankreichs geschaffen ist. Daß dabei die aus der Bretagne, der Normandie und Picardie, dem Artois, den Land schaften Bauce, Poitou, der Touraine, Vendée stammenden und Die Beurteilung des Anbauwertes französischer Rotkleesaaten. 153 andere in Frankreich hochgerühmte Herkünfte ausscheiden, ist a u s ihrem für unsere Anbauverhältnisse nicht zweifelsfreien Wert heraus umso mehr berechtigt, als die Ernten bezw. Überschüsse des Hochlandes auch quantitativ durchaus hinreichen, um die deutsche Nachfrage nach französischem Rotklee z u decken. Unter Hervorhebung gleicher oder ähnlicher Gesichtspunkte beschäftigen sich mit der Herkunftsfrage von Rotkleesaaten zwei neuere Arbeiten von Müller) und Oberstein”), welche beide wertvolle Beiträge zur Klärung des Problems bringen. Der von Müller vorgeschlagenen Zusammenziehung aller Provenienzen aus dem zwischen dem 45. und 48. Breitegrad und der Länge 1 " w .– 4 " ö . liegenden Bezirke z u einem gemeinsamen Herkunftsgebiet Vermag ich allerdings nicht zuzustimmen. Diese doch wohl z u willkürliche Einteilung is t auf einer Kartenskizze der Arbeit Ober steins wiedergegeben, ihr schematischer Charakter trägt den klimatischen Verhältnissen in nicht genügendem Maße Rechnung. Gewiß decken sich auch die von mir angeführten Departements Namen, deren Bezeichnung und Abgrenzungen ja bekanntlich durch d ie Revolution von 1789 in rein willkürlicher Weise erfolgte, nicht ganz mit der gegebenen klimatischen Umgrenzung; so ragen die zur Landschaft Berry gehörigen nordwestlichen Teile des Dep. Cher bereits in das nordfranzösische Tiefland. Aber gerade dieser Teil is t fü r den Kleesamenbau von geringerer Bedeutung, so daß man durchaus sagen kann, daß die angeführteu wichtigsten Produktions gebiete innerhalb der Klimaprovinz liegen, welche infolge ihres Gesamtcharakters widerstandsfähige und für den Anbau in Deutsch land geeignete Saaten hervorbringt. Die klimatische Eigenart dieses mittelfranzösischen Gebirgs landes findet in der Unkraut-Flora des Gebietes eine Aus wirkung, welche für die Herkunftsbestimmung französischer Rot kleesaaten von besonderer Wichtigkeit ist: Die in süd- und west französischen, sowie auch in den nordwestlichen Teilen Nordfrank reichs häufigen Pflanzen Helminthia echioides und Torilis nodosa kommen im Gebiet nur vereinzelt und zerstreut vor, ihre Samen finden sich fast nie, wenn aber, dann höchstens ganz vereinzelt in d e n Kleesaaten desselben, völlig fehlen aber die für südliche Herkünfte charakteristischen Samen von Arthrolobium scorpioides *) A . a . o . *) Landw. Jahrb. L I (1918). „Ist die Warnung vor Rotkleeherkünften m it mediterran-atlantischen Charakterbegleitsamen berechtigt?“ 154 J. Simon, und Centaurea solstitialis sowohl wie die in Saaten des Küsten gebietes nicht selten vorkommenden eigenartigen Muschelfragmente). Überhaupt is t e s für den Kundigen meist nicht schwierig an de r Hand der Beischlüsse die spezielle Herkunft einer französischen Saat mit ausreichender Sicherheit festzustellen. Wir sind aller dings der Meinung, daß gerade bei der Beurteilung westländischer oder dieser Herkunft verdächtiger Kleeprovenienzen nicht auf das Vorkommen eines vereinzelten Samens, beispielsweise von Hel minthia, ein allzu großes Gewicht gelegt werden darf. Gerade di e genannte Pflanze scheint am ehesten neben Centaurea solstitialis Entwicklungsmöglichkeiten auch bei uns zu finden, ohne sich aller dings dauernd in Deutschland einzubürgern: In Dresden lieferten auf dem Versuchsgelände am Botanischen Garten Aussaaten so wohl a ) in Rotklee (dieser wurde je einmal im Sommer und Herbst geschnitten) wie b) frei ohne solchen üppige, gesunde Pflanzen. Am 20. Oktober 1916 zeigten diese in der Gesamter scheinung folgende ungefähren Maße: Helminthia echiodes Höhe 8 0 cm, Breite 8 0 cm, Centaurea solstitialis 6 0 bzw. 50 cm; beide blühten reich und lieferten reife Samen. Trotz des kalten Winters kam Centaurea tadellos durch, im Frühjahr erwuchsen auf beiden Teilstücken noch mehrere junge Pflanzen von beiden Arten, zweifellos aus vorjährigem Samen stammend. Im Herbst wurde Teilstück b ) umgegraben, a ) nicht (der anstehende Rotklee war zweimal geschnitten worden). Im Frühling 1918 entwickelten sich auf a ) zahlreiche Helminthia-Pflanzen, zwischen diesen auch 13 kräftige Centaurea solstitialis, vorjährige und neue. Auch auf der *) Diese stammen daher, daß Seetange wegen ihres Kaligehaltes zum Düngen der Felder Verwendung gefunden haben. In meiner mehrfach erwähnten für den praktischen Landwirt bestimmten Veröffentlichung hatte ich die hauptsächlich in Frage kommende Tangart Fucus als zu den Tiefseepflanzen gehörig bezeichnet, um sie a ls auf dem Meeresboden befestigte von den schwimmenden Fucoideen der Sargassomeere z u trennen. Auch unterscheidet man in Frankreich für die Technik der Tanggewinnung und deren Verwertung zwischen „Tiefseetang“ oder „getrif tetem Tang“ und „geschnittenem Tang“; für Düngungszwecke kommt besonders der erstgenannte in Betracht, welcher durch Stürme vom Meeresboden losgelöst eutweder direkt ans Ufer geworfen oder in stillen Buchten getriftet wird. An jener trotzdem wissenschaftlich nicht exakten Bezeichnung nimmt Oberstein Anstoß: doch kann ich ihm für seine freundliche Belehrung nicht einmal dankbar sein, denn seit dem Erscheinen von Haeckels klassischen Plankton-Studien (Jena 1890), in welchen derselbe den Begriff des Littoral-Benthos schuf, weiß ich, daß die Braunalgen zur photischen Region desselben gehören und natürlich keine Pflanzen der eigentlichen Tiefsee sind und sein können. Die Beurteilung des Anbauwertes französischer Rotkleesaaten. 155 umgegrabenen Parzelle liefen mehrere Helminthia auf, keine Centaurea; auf naheliegendem bebautem Lande wurden einige Exemplare der erstgenannten Art gefunden, welche alle reich blühten und fruchteten. An anderer Stelle werde ich über die interessanten. Resultate dieser Versuche, welche sich auch auf Arthrolobium scorpioides, Torilis nodosa, Cephalaria transilvanica, Trifolium supinum, Ammi majus u. a. m. erstreckten, eingehender berichten. Bezüglich der ersterwähnten beiden Arten scheinen mir d ie mitgeteilten Ergebnisse doch z u einer gewissen Vorsicht im Urteil beim Vorkommen vereinzelter Samen derselben in Klee Saat z u mahnen; e s muß immer wieder betont werden, daß nur das Gesamtbild der Beischlüsse unter Beachtung des Fehlenden eine zutreffende Herkunftsbeurteilung ermöglichen kann. Haben uns die letzten Jahre die weitgehende Abhängigkeit des heimischen Saatenmarktes vom Auslande in schmerzlicher Weise in Erinnerung gebracht, so haben sie unser Augenmerk aber auch nachdrücklichst wieder auf die Wichtigkeit der inländi schen Produktion gelenkt, nicht nur bezüglich des quantitativen Ersatzes sondern vor allem auch bezüglich der Qualität, der Güte des Saatgutes. In unserem Zeitalter der Hochzuchten wird der Verwendung angepaßten Saatgutes vielfach nicht mehr die gebührende Beachtung geschenkt. Aber gerade für den Rotklee steht die Überlegenheit bodenständiger Herkünfte a m Entstehungsorte außer allem Zweifel. Ich kann von einem vergleichenden Anbau in der unwirtlichen Eifel bei 500 m Höhe berichten, bei welchem eine Selbsterbaute schlecht gereinigte Eifeler Saat wesentlich bessere Erträge lieferte als die schönsten großkörnigen russischen, schlesi Schen, böhmischen und steierischen Herkünfte. Es erscheint dem nach dringend geboten, der Erhaltung und Verbesserung bodenständiger Sorten des Rotklee besondere Sorgfalt zuzu wenden und die diesbezüglichen Bestrebungen auch durch verständ nisvolle Anerkennung des höheren Wertes einer Saat und höhere Preisbewilligung z u fördern. uc1.b3299303_page_164_cut uc1.b3299303_page_165_cut uc1.b3299303_page_166_cut uc1.b3299303_page_167_cut uc1.b3299303_page_168_cut uc1.b3299303_page_169_cut uc1.b3299303_page_170_cut uc1.b3299303_page_171_cut uc1.b3299303_page_172_cut uc1.b3299303_page_173_cut