Angewandte Botanik. Vereinigung für angewandte Botanik. Bericht über die 15 . Hauptversammlung der Vereinigung für angewandte Botanik in Hann.-Münden vom 4.–5. August 1919. In der herkömmlichen Weise fand auch in diesem Jahre zusammen mit der Deutschen Botanischen Gesellschaft und der Vereinigung für Systematik und Pflanzengeographie die Haupt versammlung in Hann.-Münden statt. Es hatten sich hierzu nachstehende 2 7 Mitglieder eingefunden: Benary-Erfurt Naumann-Dresden Bredemann-Berlin Neger-Tharandt Brick-Hamburg Plaut-Bernburg Brunner-Hamburg - Rasch- Berlin Buchwald-Berlin Schulz-Halle Duysen-Berlin Seeliger-Berlin Engelmann-Elberfeld Simon-Dresden Falck-Hann.-Münden Thiele-Witzenhausen Fischer-Essen a. R. Voigt-Hamburg Gilg-Berlin Wächter-Berlin Gropengießer-Leverkusen . Wehnert-Kiel Lindner -Berlin Westerdijk -Amsterdam Ludwigs-Berlin Wollen weber-Berlin Müller-Augustenberg Als Gäste nahmen noch 18 Personen teil. Um 9° Uhr eröffnete der Vorsitzende Prof. Voigt-Hamburg die Sitzung. Den Geschäftsbericht erstattete der 1. Schriftführer Dr. Müller-Augustenberg. Während des Geschäftsjahres hat di e Vereinigung durch den Tod verloren: Apotheker Kruer in Ahrens burg, Dr. Raatz in Kl.-Wandsleben bei Hamburg, Ökonomierat Wanner in Straßburg und Saatzüchter Strube in Schlanstedt. Die Jahresberichte der Vereinigung gingen nach Beschluß der Hamburger Versammlung ein und a n deren Stelle trat di e neue Zeitschrift Angewandte Botanik, die von nun a n das Organ Bericht über die 15. Hauptversammlung der Vereinigung für ang. Bot. 187 der Vereinigung für angewandte Botanik darstellen wird. Die Mitglieder erhalten sie kostenlos geliefert. Den Kassenbericht erstattete für den erkrankten Rechner der Vorsitzende. Das Jahr schließt mit einer Mehreinnahme von 248,54 / ab. Dem Rechner wird vorbehaltlich der Nachprüfung durch die Rechnungsprüfer Entlastung erteilt. Bei der Vorstandswahl wurden die bisherigen Vorstands mitglieder einstimmig wiedergewählt. Eine zeitweilige Erhöhung des Mitgliedsbeitrages wurde ab gelehnt, dagegen dem Vorstand die Ermächtigung erteilt, in schwierigen Zeiten eine Erhöhung eintreten lassen zu können. Die Satzungen der Vereinigung sollen einer Durchsicht unter zogen und, wenn nötig, abgeändert werden. Der Vorstand wird ermächtigt, die Satzungen neu abzufassen und im nächsten Jahr der Versammlung vorzulegen. Als nächstjähriger Versammlungsort wird Breslau gewählt. Von 9"–10” sprach dann Dr. Bredemann über die bisherigen Erfahrungen und die Aufgaben weiterer Forschung über den feldmäßigen Anbau der Nessel zur Fasergewinnung. Die bisherigen Erfahrungen lassen die Kultur der Nessel in unseren Gegenden aussichtsreich erscheinen. Auch im Felde an gebaut, liefert die Nessel hohe Bestände. Eine Überfrucht würde die Bodenfeuchtigkeit in den oberen Schichten besser festhalten, solange die Nesselpflanzen noch klein sind. Als Windschutz emp fiehlt der Vortragende 1–2 Drillreihen Hanf quer durch die Felder. Auf eine Ernte ist in allen Fällen im ersten Jahr noch nicht zu rechnen. Als bester Boden für Nesselkulturen hat sich Niede rungsmoor erwiesen. Hier sind zwei Ernten wohl möglich. Un geklärt ist noch die Sortenfrage, da nicht alle Rassen gleiche Erträge und gleiche Faser-Qualitäten liefern. Von 10°–11 sprach Dr. H. Fischer über den gegen wärtigen Stand der Kohlensäurefrage für Pflanzen kulturen. - Den Kohlensäuredüngungsfragen sind Praxis und Wissen Schaft bisher recht gleichgültig gegenüber gestanden. Eine größere Anlage zum Studium der Kohlensäuredüngung is t seit kurzem in Horst a . d . R . vorhanden. Dort werden die Abgase eines Hoch 0fens für Pflanzenkulturen verwendet. Die Kohlenoxydgase werden Zunächst z u Kohlendioxyd verbrannt, dann gereinigt und in Zement 188 Bericht über die 15 . Hauptversammlung der Vereinigung für ang. Bot. röhren nach Glashäusern geleitet. Im ganzen stehen 9 Glashäuser und etwa 4 h a Land zu Versuchszwecken zur Verfügung. Ver gleiche zwischen begasten und unbegasten Kulturen zeigen ganz erhebliche (doppelte bis dreifache) Mehrerträge in den begasten Häusern. Der Vortragende liefert dafür zahlreiche exakte An gaben. Viele Fragen, die mit der Kohlesäuredüngung zusammen hängen, sind aber noch ungeklärt und erfordern dringend eine Arbeitsstätte zur wissenschaftlichen Behandlung dieser praktisch so bedeutsamen Fragen. - (Vergl. S . 138.) Von 11” Uhr bis 12 Uhr hielt Prof. Falck einen Vor trag über Holzkonservierung und über eine Methode zur laboratoriumsmäßigen Beurteilung von Pflanzenschutz mitteln. - - Nach einleitenden Bemerkungen über frühere Kulturen von holzzerstörenden Pilzen, die ein Gemenge von Pilzen darstellten, ging Redner auf die neuen Arbeiten seines Laboratoriums über, sowie auf die Mittel, die heutzutage zur Holzkonservierung in Betracht kommen. Versuche mit einem neuen Mittel „Resinol“ ergaben seine Unbrauchbarkeit für d ie Holzkonservierung, dagegen seine Verwendungsmöglichkeit für den Pflanzenschutz. In welcher Weise das im Laboratorium festzustellen ist, wurde ausführlich erläutert und schließlich noch die Herstellung einer Resinolkalk und Resinolmagnesiabrühe besprochen. (Vergl. S. 157.) Um 1 2 Uhr sprach Prof. Neger über ein untrügliches Erkennungsmerkmal für Rauchschäden bei Laubhölzern. Er weist daraufhin, wie schwierig oft Rauchgasbeschädigungen festzustellen sind, d a manches, was bisher als charakteristisches Merkmal bezeichnet wurde, nicht immer zutrifft. Als ein untrüg liches Merkmal nach seinen bisherigen Beobachtungen sind jedoch Einbuchtungen um die Lentizellen, wie sie durch keine andere Ursache hervorgerufen werden. (Vergl. S . 129.) Hierauf sprach von 12”–12” Uhr als letzter Redner Prof. Simon über die Beurteilung des Anbauwertes französischer Rotkleesamen. Der Anbauwert des Saatgutes hängt von seiner Herkunft ab. Da der in Deutschland erzeugte Rotkleesamen für unseren Futter bau nicht genügt, so sind wir gezwungen, ausländischen Rotklee einzuführen und als solcher kam vor allem französische Saat in Betracht, die jedoch je nach der Ursprungsgegend recht ver schiedenen Anbauwert besitzt. Ungeeignet ist der südfranzösische Bericht über die 15. Hauptversammlung der Vereinigung für ang. Bot. 189 Jº Klee. Über den mittel-, west- und nordfranzösischen Klee sind d ie Ansichten der Forscher, die sich mit diesen Fragen befaßt haben, verschieden, weil die klimatischen Verhältnisse Deutsch lands eben auch verschieden sind. Referent schlägt eine Neuein teilung der Ursprungsbezeichnungen französischer Rotkleesaaten W r, der beim Neuaufbau unserer Handelsbeziehungen mit Frank reich Geltung verschafft werden sollte. (Vergl. S . 146.) Die Vorträge werden, mit Ausnahme des ersten Vortrages, d e r bereits in einer anderen Zeitschrift erschienen ist, ausführlich in dieser Zeitschrift zum Abdruck gelangen, zum größten Teile befinden sie sich bereits in der vorliegenden Nummer. Im Anschluß a n die Versammlung fand a n einem Nach mittage eine forstliche Exkursion in den Wald bei Münden statt, w o verschiedene Versuchsparzellen besichtigt und die Ver Slche vom Direktor der Forstakademie, Oberforstmeister Prof. Schilling erläutert wurden. An einem andern Nachmittage erfolgte e in Ausflug nach Witzenhausen zur Besichtigung der dortigen Kolonialschule (Direktor Fabarius). Sie stellt eine Privat anstalt dar, die sich zur Aufgabe gestellt hat, den Schülern mög ichst vielerlei Wissen auf landwirtschaftlichem und kolonialem Gebiete beizubringen. Dazu finden außer theoretischem Unter richt und seminaristischen Übungen auch praktische Unterweisungen in dem 800 Morgen Gelände umfassenden landwirtschaftlichen Betriebe statt. K. Müller. uc1.b3299303_page_204_cut uc1.b3299303_page_205_cut uc1.b3299303_page_206_cut uc1.b3299303_page_207_cut