Angewandte Botanik. 190 Kleine Mitteilungen. Kleine Mitteilungen. Gips im Brot. Zu den beliebtesten Verfälschungen des Mehles gehörte in früheren Zeiten der Gips; man sollte meinen, daß heutzu tage eine derartig plumpe Verfälschung kaum noch vorkommt, da Gips zusatz doch leicht mikroskopisch wie chemisch nachweisbar ist. In unserem mit immer neuen Streckungsmitteln beschwerten Brot liegen die Dinge allerdings nicht so einfach. Brotuntersuchüngen sind an sich schwieriger als Mehluntersuchungen und haben daher zu Beginn des Krieges, als sie vielerorts notwendig wurde, den Untersuchungs ämtern häufig Schwierigkeiten bereitet. Seit 1914 habe ich reichlich Gelegenheit gehabt, Gebäcke aller Art aus den verschiedensten Gegenden nach eigener Methode zu untersuchen, worüber ieh mehrfach (u . a . Zeitschr. f. d. ges. Getreidewesen, Jg. 6 , Nr. 10/11; Jg. 7 , Nr. 2 ; Jg. 8, Nr. 10/11 und 12; Jg. 9 , Nr. 2 und 78; Jg. 10, Nr. 1/2: Jg. 11, Nr. 12) berichten konnte. Während der ganzen Zeit is t mir aber nicht ein einziges Mal Gipszusatz im Brot vorgekommen. Kürzlich fand ich nun doch in einem aus einer Berliner Vorortbäckerei stammenden Brot eine Verfälschung mit Gips, auf die ich bei der Seltenheit des Falles hier besonders hinweisen möchte. E s handelt sich um ein vormals angeschobenes Roggenbrot, das beim Durchschneiden zunächst keinerlei Besonderheiten erkennen ließ. Erst auf der angetrockneten Schnittfläche zeigten sich einige winzige, selten bis 1 mm große Körnchen, die man bei oberflächlichem Hin sehen für Mehlteilchen halten konnte. Die mikroskopische Untersuchung der Körnchen ergab indessen feine Kristalle von Aussehen der Gips kristalle; dieselben waren in verdünnter Salzsäure bei Zimmertemperatur schwerer, bei höherer Temperatur leicht löslich; Bariumchlorid ergab einen in Säuren unlöslichen Niederschlag. Durch die quantitative Ana lyse des Brotes wurden sodann 4% Gips in der Trockensubstanz ermittelt. Dr. W. Herter. Neue billige Pilzbücher. Während des Krieges, als es galt, alle für die menschliche und tierische Ernährung irgendwie geeigneten Stoffe auszunutzen, hat auch die Pilzkunde weitgehende Förderung erfahren. Pilzausstellungen, Pilzwanderungen, Pilzvorträge sind überall im Reiche veranstaltet worden und haben dazu beigetragen, die Kenntnis des großen Schatzes a n Nahrung, den wir in unseren Wäldern fast völlig ungenutzt umkommen lassen, z u erweitern. S o wertvoll diese Ver anstaltungen auch sein mögen, sie ersetzen nicht einen guten Führer in Buchform, der stets zur Hand is t und den wir zu Rate ziehen können, wo und wann e s uns beliebt. Zur Einführung recht geeignet sind kleine ganz populäre Schrift chen, wie z. B . das im Jahre 1917 in zweiter Auflage erschienene Heftchen „Unsere Pilze“ von K . Butz (Verlag Bernhard Kraus, Schwäb. Gmünd), in welchem über eine Pilzwanderung und die auf derselben anzutreffenden Pilze berichtet wird. In dem nur 20 Seiten umfassenden Schriftchen findet sich manch nützlicher Ratschlag; u. a. auch im Gegensatz z u der bekannten weit verbreiteten, aber durch s - - Kleine Mitteilungen. 191 nichts gerechtfertigten Vorschrift über das Abschneiden der Pilze der Rat, si e abzudrehen, nicht abzuschneiden. Weniger glücklich is t die Beigabe der recht mäßigen, von der Reichsstelle für Gemüse und Obst herausgegebenen Farbtafel. Originell is t ein „Untrüglicher Ratgeber für Pilzsucher“ von Walther Th. Prym (Verlag Otto Nemnich, München und Leipzig, 4 7 Seiten, 5 Tafeln), der auf die Frage: „Wie erkennen wir die Gift pilze“ mit einfachen Regeln antwortet, die es jedem Laien ermöglichen sollen, die eßbaren Pilze von den giftigen zu unterscheiden. Das Büchlein, das zum Preise von 1,85 M . angeboten wird, enthält zunächst allgemeine Erläuterungen über die Giftpilze, sodann eine genaue Be schreibung der beiden giftigsten Arten: Gelblicher und grüner Knollen blätterpilz und im Anschluß daran die Regeln: 1. Iß nur, was ver lockend aussieht! Koste mit der Zunge! Verwirf die bitter und wider lich schmeckenden Pilze! 2 . Mißtraue den weißblätterigen Pilzen! 3 . Mißtraue den Röhrlingen mit rotem Futter oder Rot am Stiele! 4 . Mißtraue den stiellosen kartoffelähnlichen Pilzen! Ein weiteres Kriegspilzbüchlein, das 1917 in erster und schon 1918 in zweiter Auflage (51. bis 60. Tausend) erschienen ist und nur l,50 M . kostet, ist das „Taschenbuch für Pilzsammler“ von Ernst Walther (Verlag Hesse u. Becker, Leipzig). E s bringt auf 96 Seiten mit zahlreichen Textfiguren und 24 farbigen Tafeln eine kurze Be schreibung und gute Abbildung der wichtigsten Speise- und Giftpilze unserer deutschen Wälder. Einige Angaben über Bau und Leben der Pilze, Gestalt der Pilze, über die Bedeutung der Pilze im Haushalte der Natur und des Menschen, über das Sammeln, die Zubereitung, die Verwendung der Pilze in der Küche als Pilzgemüse, Pilzsuppe, Pilz klößchen, Pilzpfanne, Pilzgebäck, Pilzsalat, die Herstellung von Dauer ware, die weitere wirtschaftliche Ausnutzung der Pilze, über Pilz vergiftungen, über Pilzzucht usw. werden jedem Leser erwünscht sein. Das wertvollste der mir bekannten populären Pilzbücher ist und bleibt der „Führer für Pilzfreunde“ von Edmund Michael, der im Jahre 1896 zum ersten Male erschienen ist und im Jahre 1917 eine gründliche, nach dem neuesten Stande der Wissenschaft bearbeitete Auflage erlebt hat (Verlag Förster u. Borries, Zwickau Sa.). Es er scheint in mehreren Ausgaben. In der dreibändigen Ausgabe (B) sind 345 Gruppen von Pilzen farbengetreu in natürlicher Größe abgebildet und beschrieben. Außer dieser großen Ausgabe (von der jeder Band 8 M . kostet) und den Tafelausgaben (A und D ) is t eine billige Volks ausgabe (C) erschienen (Preis 2,50 M.), die Anfängern sehr zu empfehlen is t. Beide Ausgaben sind augenblicklich – die eine im 21.–28. Tausend, die andere im 101.–110. Tausend– wieder im Handel erhältlich. Nach Michael gibt es nur ein Mittel gegen Pilzvergiftung: Genaue Kenntnis d e r Pilze, die nur durch vorzügliche Abbildungen mit zutreffenden Er läuterungen erreicht werden kann. Minderwertige, schlechte Abbildungen sind die größte Gefahr für den Pilzverbraucher, vor ihnen kann nicht dringend genug gewarnt werden. – In der großen Ausgabe sind auch beachtenswerte Kapitel über den Nährwert der Pilze – worüber neuer dings Sabalitschka (Ber. d. Deutschen Pharm. Ges. 1918) ausführliche Untersuchungen veröffentlicht hat – und die Zubereitung, die Pilz vergiftungen und die Pilzzüchtung enthalten. Bei seinen Züchtungs versuchen des Champignons lernte Michael „einen bisher in keinem Pilzbuch als eföbar verzeichneten Pilz“, den blauen Lacktrichterling, 192 Kleine Mitteilungen. Nahrungs mittel. Clitocybe laccata, als einen vorzüglichen Speisepilz kennen. Hierzu se i bemerkt, daß der Pilz bereits in meiner Bearbeitung der Pilze in der Kryptogamenflora der Mark Brandenburg (Bd. 6 , Heft 1 , 1910) unter dem Namen Russuliopsis laccata z u den „beliebten Speisepilzen“ gestellt worden ist. Schließlich sei noch auf die im Jahre 1918 gegründete Zeitschrift „Der Pilz- und Kräuterfreund“ (Verlag A . Henning jr., Nürnberg) hin gewiesen, die monatlich erscheint und zahlreiche lesenswerte Aufsätze über Speise- und Giftpilze enthält. Besonders interessant sind in den letzten Nummern dieser Zeitschrift die Artikel namhafter Pilzkenner wie Ricken, Dittrich und Herrfurth über die Pilzvergiftungen der letzten Jahre. Namentlich über den Pantherpilz und die Morchel sind die Akten noch nicht geschlossen. S o wird z. B . von Michael und Walther der Pantherpilz, Amanita pantherina, ebenso wie der Perlpilz, A . rubescens, als „eßbar ohne Oberhaut“, von Butz und Walther die Morchel, Morchella esculenta, als „eßbar“ (ohne weiteren Zusatz) b e zeichnet, während durch diese Pilze nachweislich Vergiftungsfälle – für den Pantherpilz (ohne Oberhaut!) durch Kolkwitz (Verhandl. d. Bot. Vereins d . Prov. Brandenb. 59, S . 151, 1918), für die Morchel (nicht die Lorcheln, Helvella-Arten!) durch Dittrich (Ber. d. Deutschen Bot. Ges. 35, S . 27, 1917) verbürgt – vorgekommen sind. Hierauf müßte in Neuauflagen hingewiesen werden. Die neuerdings vertretene Ansicht, die sich z. B . auch bei Michael findet, daß die meisten Pilz vergiftungen entstehen, wenn zu alte oder zu wässerige Pilze ge nommen oder die Pilze zu lange aufbewahrt werden, ehe sie zur Ver wendung kommen, kann ich nicht teilen. Die Mehrzahl der Vergiftungen ist wohl sicher auf frische, unverdorbene, giftige Arten zurückzuführen. Hat man früher, so wie man den Nährwert der Pilze unterschätzt hat, die Giftigkeit vieler Arten überschätzt, so scheint man jetzt in da s andere Extrem verfallen zu wollen. In Volksbüchern kann m. E . nicht genug Vorsicht anempfohlen werden. Herter. Literatur. Der Reis, sein Anbau, seine Gewinnung, seine Verwendung und seine wirtschaftliche Bedeutung. Da We Wa-Bücher Nr. 1. Allgemeine Verlagsgesellschaft, München. 41 Seiten mit 2 Abbildungen, einer Verbreitungskarte und mehreren statistischen Tabellen und Figuren. Der Verfasser des Büchleins ist nicht genannt. Dem Titel ent spricht der Inhalt nur zum Teil. Das Werk is t mehr für den Kaufmann als für den Landmann geschrieben. Nach sehr gedrängter Schilderung der Geschichte, des Anbaues wie der hauptsächlich kultivierten Arten werden eingehender die Handelssorten, die chemische Zusammensetzung des Reises wie die der Reisprodukte behandelt. Den Schluß bildet eine Aufzählung der Produktions- wie der Verbrauchsländer mit Angaben ihrer Anbauflächen, ihrer Ausfuhr und ihrer Einfuhr. Meyer-Hamburg (My). uc1.b3299303_page_208 uc1.b3299303_page_209_cut uc1.b3299303_page_210_cut