Angewandte Botanik. 258 Kleine Mitteilungen. Kleine Mitteilungen. Die Lösung der Phylloxerafrage durch Reformierung der Rebenkultur. Nach Beobachtungen desbulgarischenUniversitätsprofessors Popoff, über welche er kurz hintereinander nun schon zum drittenmal berichtet (zuletzt Zeitschrift für angewandte Entomologie, Bd. V, 1919), trotzen in Mazedonien Reben, die baumartig in oberflächlich nicht gelockertem Boden wachsen, den Reblausangriffen. Aus dieser Tat sache leitet nun der Verfasser Schlüsse von solch allgemeiner Trag weite ab, daß wir uns hier kurz mit seinen Ausführungen befassen müssen, vor allem in bezug auf unseren deutschen Weinbau. Schon der verstorbene Okonomierat Oberlin vertrat den Stand punkt, unsere europäischen Reben fielen nur deshalb der Reblaus zum Opfer, weil wir ihnen nicht die nötige Freiheit in der Entwicklung ließen. Er behauptete, Reben, die ähnlich den wilden Reben lang ge zogen würden (mindestens 5 m lange Kordons), fielen der Reblaus in folge ihres stärker entwickelten Wurzelwerkes nicht zum Opfer. Daß diese Anschauung unrichtig ist, hat sich inzwischen mehrfach gezeigt und Popoff bringt selbst Beispiele dafür. Er führt die Anfälligkeit auf die alljährliche Bodenlockerung zurück, denn die baumartigen Reben, die in Mazedonien in reblausverseuchten Gegenden gesund bleiben, wachsen an Stellen, an welchen der Boden niemals gelockert wird, ja sogar teilweise gepflastert ist. Die Wurzeln solcher Pflanzen kann die Reblaus dann nicht erreichen. Nach Popoff muß nämlich „die Phylloxera für ihre normale Entwicklung und Fortpflanzung eine an dauernde Wanderung von den Wurzeln zur Oberfläche und umgekehrt ausführen“. Er scheint also anzunehmen, daß, sobald die Phylloxera nicht aus dem Boden herauskommen, also nur den unterirdischen Ent wicklungskreislauf vollenden kann, der durch sie angerichtete Schaden auch nicht so groß sei. Diese Annahme wäre aber ein gewaltiger Irrtum, denn in Deutschland werden die Reblausschäden mit Umgehung des oberirdischen Entwicklungskreislaufes (Geschlechtstiere, Gallenlaus) angerichtet! Mir scheint der kräftige Wuchs der mazedonischen Reben selbst in reblausverseuchten Gebieten ganz einfach dadurch erklärlich zu sein, daß diese Reben gar keine Rebläuse an den Wurzeln haben. An keiner Stelle spricht sich der Verfasser darüber klar aus, und doch wäre das für die ganze Frage von größter Bedeutung, denn nur wenn die Reben bei Reblausbefall gesund bleiben, kann man von „phylloxera festen“ Reben sprechen in dem Sinne, wie man dieses Wort z. B. bei bestimmten Amerikanerreben gebraucht. Wenn aber keine Rebläuse an den Wurzeln sind, dann ist alles nur Phantasie. Dann könnten wir mit dem gleichen Recht unsere in verseuchten Rebgegenden noch gut gedeihenden Reben als phylloxerafest bezeichnen und doch sind sie es nicht, sobald sich Rebläuse auch an ihren Wurzeln festsetzen. Sollten jedoch Rebläuse an den Wurzeln der baumartigen Reben vorkommen, diesen aber nicht schaden, dann wäre das auch noch keine für die Reblausbekämpfung verwertbare Tatsache, denn die baumartigen Reben Mazedoniens sind schon sehr alt, sie hatten also offenbar auch Kleine Mitteilungen. 259 schon sehr tiefgehende, mit starker Borke versehene Wurzeläste, denen d ie Rebläuse keinen großen Schaden mehr zufügen konnten, als diese nach Mazedonien eingeschleppt wurden. Wie sich der Verfasser die Erziehung baumartiger Reben in reblausverseuchten Böden vorstellt, ist mir auch nicht klar. Frisch ge pflanzte Reben gehen doch – auch wenn wir die Bodenoberfläche fest stampfen würden – alsbald zugrunde, weil die für die Nahrungsauf nahme in Betracht kommenden Wurzelenden von den Rebläusen an gestochen werden und später verfaulen. Man is t also gar nicht in der Lage, eine baumartige Rebe z u erhalten. Daß die Popoffsche „Lösung der Phylloxerafrage“ für unsere deutschen Verhältnisse vollkommen aussichtslos ist, wird jedem Wein bauer sofort klar sein. Auch der Verfasser sieht ein, daß sich eine baumartige Rebenerziehung in Deutschland weder mit dem Klima noch mit der Weinqualität verträgt. E r glaubt aber, man könne auch für Deutschland eine Erziehungsform finden, die den Rebstock üppige Ent wicklung gestattet, ohne daß der Boden bearbeitet zu werden braucht. E r wird z u diesem Vorschlag in deutschen Weingebieten wenig Zu trauen finden. Die Winzer werden ihn also nicht aus theoretischen Gründen und Bedenken ablehnen, sondern weil e r wissenschaftlich noch gar nicht genügend gestützt und praktisch unmöglich ist. K . Müller, Augustenberg. Literatur. D e s Raummangels wegen wird in dieser Nummer nur eine Liste gegeben. Die Besprechungen wichtigerer Arbeiten folgen im nächsten Bande. Beckenstedt, H., Bessere Aussichten für die Lupinenverwertung. Deutsche Landw. Presse XLVI (1919), Nr. 18, S. 587–588. Buchka, K . von, Das Lebensmittelgewerbe. Ein Handbuch für Nahrungsmittelchemiker, Vertreter von Gewerbe und Handel, Apo theker, Arzte, Tierärzte, Verwaltungsbeamte und Richter. Band IV. Akademische Verlagsgesellschaft m . b . H., Leipzig, 1919. 412 Seiten mit 2 1 Abbildungen. Der vorliegende 4 . Band des Handbuches behandelt in drei Ab schnitten die Milch und Milcherzeugnisse, die Süßstoffe und das Bier. Meyer. Das Aufbewahren der Weintrauben und Pflaumen. Reichs-Gemüse und Obstmarkt IV (1919), Nr. 108, S. 1. Verschiedene Konservierungsverfahren von Pflaumen und Wein trauben für die Kleinwirtschaft. My. Ehrenberg, P ., Hahn-Haslinger, E., Zyl, J. P. van, Vergleich der Trocknungskosten für Zuckerrüben auf einem Trommeltrockner und einer Darranlage. Landw. Jahrb. LIII (1919), Heft 4 , S . 525–560. Nach den angestellten Untersuchungen und Berechnungen arbeitet der Trommeltrockner rationeller und vorteilhafter und ist der Darre entschieden vorzuziehen. My. Nahrungs mittel. uc1.b3299303_page_276_cut uc1.b3299303_page_277_cut