Journal of Applied Botany and Food Quality 86, 222 (2013) Vereinigung für Angewandte Botanik e.V. Nachruf auf Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Jürgen Jäger Völlig unerwartet verstarb am 18. August 2013 Herr Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Jürgen Jäger, ehemaliger Direktor des Instituts für Pflanzenökologie der Justus-Liebig Universität Gießen und lang- jähriger Chef-Herausgeber der Zeitschrift „Journal of Applied Bota- ny and Food Quality – Angewandte Botanik“ im Alter von 71 Jahren. Hans-Jürgen Jäger wurde im August 1942 in Bad Hersfeld geboren und studierte von 1964 -1969 an der Justus Liebig Universität (JLU) in Gießen Biologie und Chemie. 1971 promovierte er am dama- ligen Institut für Pflanzenökologie der JLU mit einem biochemisch ausgerichteten Thema zur immissionsökologischen Wirkung von Schwefeldioxid auf Kulturpflanzen. Es folgten wissenschaftliche Tätigkeiten am gleichen Institut mit zeitweise größeren Arbeitsgruppen als wissenschaftlicher Assistent und Dozent auf Widerruf bzw. Dozent auf Zeit. 1979 wurde er nach erfolgreicher Habilitation zum Professor auf Zeit ernannt. Im Jahre 1983 erhielt Hans-Jürgen Jäger einen Ruf auf die Stellung als Direktor und Professor an das Institut für Produktions- und Ökotoxikologie der ehemaligen Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) in Braunschweig. Dieses Institut leitete er bis Ende 1989 vor Ort. Daneben war er als Honorarprofessor an der JLU tätig. Anfang 1990 verließ er Braunschweig und kehrte an die JLU in Gießen zurück, nachdem er dort den Ruf auf den Lehrstuhl für Pflanzenökologie angenommen hatte. In Personalunion neben seiner Tätigkeit als Lehrstuhlinhaber in Gießen fungierte er bis Mitte 1991 als Leiter des Braunschweiger Institutes. Im gleichen Jahr wurde ihm von der Pannon Universität Keszthely, Ungarn der Ehrendoktortitel Dr. h.c. für seine Unterstützung und Kooperationsarbeiten zu Problemen des „European Crop Loss by Air Pollutants“ verliehen. Seine Professur und seine Funktion als Institutsdirektor in Gießen hatte er bis zu seiner Pensionierung im August 2007 inne. Hans-Jürgen Jäger konzentrierte sich im Laufe seiner gesamten wissenschaftlichen Arbeit auf stoffbezogene Umweltproblematiken in terrestrischen Ökosystemen, die aus Eingriffen des Menschen in die biogeochemischen Elementkreisläufe der Erde resultieren. Hieraus entstand schon früh die spezielle Ausrichtung seiner Forschung auf die Immissionsökologie bzw. die Ökotoxikologie von Luftverunreinigungen im pflanzenökologischen Kontext, die im Laufe seiner weiteren Tätigkeit und bis zum Ende seiner Laufbahn auf Fragen im Zusammenhang mit dem anthropogenen Klimawandel ausgedehnt wurden. Zur Etablierung dieser wissen- schaftlichen Arbeitsgebiete hat Hans-Jürgen Jäger wesentliche Grundlagen beigetragen. Seine Arbeiten an diesen Problemkreisen wurden sowohl unter stark grundlagenbezogenen Aspekten als auch immer unter hohem Anwendungsbezug durchgeführt. Mit dieser Ausrichtung verbunden war nicht nur eine hohe wissenschaftliche Reputation sondern auch die Berufung in zahlreiche Kommissionen, Gremien und Gutachterkreise, die mit Umweltproblemen befasst waren (u.a. Enquete-Kommission „Schutz der Erdatmosphäre“ des 12. Deutschen Bundestages; Senatskommission der DFG; Beirat für Naturschutz des BMU; Forschungsbeirat „Waldsterben“ der Bundesregierung; VDI-Arbeitsgruppen der Kommission Rein- haltung der Luft). Seine Forschungsergebnisse sind in 270 wissen- schaftlichen Originalarbeiten, zwei Büchern und zahlreichen sonsti- gen Publikationen niedergelegt. Als Hochschullehrer hat er sowohl die klassischen ökologischen bzw. pflanzenökologischen Fächer vertreten als auch immer wieder neu auftauchende aktuelle Themen der angewandten Ökologie und angewandten Botanik in seinen Vorlesungen und Übungen themati- siert. Die Vereinigung für Angewandte Botanik ist Hans-Jürgen Jäger zu besonderem Dank verpflichtet. Über 20 Jahre lang, von 1983 bis 2007 fungierte er als Chef-Herausgeber der Zeitschrift „Angewandte Botanik“, die später in „Journal of Applied Botany – Angewandte Botanik“ bzw. „Journal of Applied Botany and Food Quality“ um- benannt wurde. Im Laufe dieses Zeitraums hat er die Zeitschrift mit hohem Engagement und mit einem klaren Anspruch auf inhaltliche Qualität sorgfältig betreut. Durch den Tod von Hans-Jürgen Jäger verlieren wir eine Persönlichkeit, die mit wegweisend war für die experimentelle ökologische und ökotoxikologische Forschung in Deutschland. Die Vereinigung für Angewandte Botanik wird Hans-Jürgen Jäger ein ehrendes Andenken bewahren. Braunschweig, im Oktober 2013 Prof. Dr.Hans-Joachim Weigel Deceased Member Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Jürgen Jäger, former director of the Institute of Plant Ecology at the Justus-Liebig-Universität in Gießen, Germany, passed away at the age of 71 on 18th of August 2013. Hans-Jürgen Jäger received his PhD in plant ecology at the Justus Liebig University Gießen in 1971. He did research as a post-doc and assistant professor (Dozent) at the Institute of Plant Ecology in Gießen and finished his habilitation in 1979. In 1983 he became director of the Institute of Production- and Ecotoxicology at the former Federal Research Centre of Agriculture (FAL) in Braun- schweig, Germany. In 1989 he went back to the University of Gießen and took over the position of the chair of Plant Ecology at the institute of Plant Ecology. He was director of this institute until his retirement in 2007. Throughout his career in Gießen and Braunschweig, Hans-Jürgen Jäger’s research interests were in ex- perimental plant ecology related to environmental problems of bio- geochemistry, the impact of pollutants, ecotoxicology and global climate change issues. For more than 20 years from 1983 – 2007, he was Editor in Chief of the scientific journal “Journal of Applied Botany and Food – Angewandte Botanik” (formerly “Angewandte Botanik”) published by the German Society of Applied Botany (Gesellschaft für Angewandte Botanik e.V.). Braunschweig, October 2013 Prof. Dr. Hans-Joachim Weigel